10 Erforderliche Planungen und Entwicklungskonzepte

10.1 Landschaftsplanung und Grünordnungsplanung

In den Gemeinden der Region Main-Rhön sollen grundsätzlich Landschaftspläne aufgestellt werden.  

Landschaftspläne sind nach Art. 3 Abs. 4 Satz 2 BayNatSchG insbesondere für Bereiche zu erstellen,

  • die nachhaltigen Landschaftsveränderungen ausgesetzt sind,
  • die als Erholungsgebiete dienen oder als solche vorgesehen sind,
  • in denen Landschaftsschäden vorhanden oder zu befürchten sind,
  • die an oberirdische Gewässer angrenzen,
  • die aus Gründen der Wasserversorgung, unbeschadet wasserrechtlicher Vorschriften, zu schützen und zu pflegen sind.

In der Region Main-Rhön besteht aufgrund vo intensiver Siedlungsentwicklung und/oder Abbautätigkeit in vielen Gemeinden die fachliche Notwendigkeit, Landschaftspläne aufzustellen. Etwa zwei Drittel der Gemeinden in der Region Main-Rhön besitzen bereits einen Landschaftsplan oder lassen zur Zeit Landschaftspläne erstellen.

Tabelle 10.1 bietet eine Übersicht der Gemeinden in der Region, für die bereits Landschaftspläne bestehen bzw. derzeit erstellt werden. Darüber hinaus zeigt die Tabelle,

  • welche Gemeinden hohe Anteile empfindlicher Landschaftsteile besitzen (vorgeschlagene landschaftliche Vorrang- und Vorbehaltsgebiete),
  • in welchen Gemeinden durch Eingriffe besondere Konflikte mit Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege bestehen,
  • welche Gemeinden hohe Anteile an Erholungsgebieten besitzen und
  • in welchen Gemeinden ein überdurchschnittlich hoher Wasserschutzgebietsanteil vorliegt.



 Tabelle 10.1:   Übersicht zu Stand und Weiterführung der Landschaftsplanung zu Tabelle 10

In den Gemeinden:

  • Bastheim
  • Breitbrunn
  • Gädheim
  • Heustreu
  • Kirchlauter
  • Maroldsweisach
  • Oberschwarzach
  • Pfarrweisach
  • Saal a.d. Saale
  • Sand a. Main
  • Sennfeld
  • Stockheim
  • Üchtelhausen
  • Unsleben und
  • Willmars

sollen vordringlich Landschaftspläne aufgestellt werden.

 

Besonders rasch sollten diejenigen Gemeinden einen Landschaftsplan aufstellen, auf deren Gemeindegebiet sich hohe Anteile an empfindlichen Landschaftsteilen, Erholungs- oder Wasserschutzgebieten häufen und wo sich durch bestehende oder geplante Eingriffe besonders hohe Konfliktpotenziale in Bezug auf die Erhaltung von Natur- und Landschaft ergeben. Dies ist insbesondere in den o.g. Gemeinden der Fall.

In Gemeinden, in denen Landschaftspläne bereits vor länger Zeit aufgestellt wurden, können sich durch den fortschreitenden Nutzungswandel neue Problembereiche ergeben haben, denen die Inhalte des gültigen Landschaftsplans nicht mehr ausreichend gerecht werden. Deshalb soll hier die Notwendigkeit einer Fortschreibung überprüft werden. Besonders betroffen sind hiervon die Städte Schweinfurt, Bad Brückenau, Bad Königshofen, Bad Neustadt a.d. Saale, Eltmann und die Gemeinden Dittelbrunn, Grafenrheinfeld, Michelau, Niederwerrn, Röthlein, Schonungen, Geroda, Motten, Münnerstadt, Oberleichtersbach, Schondra, Fladungen, Nordheim v.d. Rhön, Ostheim v.d. Rhön, Burgpreppach, Ebelsbach, Königsberg, Stettfeld, Theres und Zeil a. Main, deren Landschaftspläne bereits vor mehr als 9 Jahren aufgestellt wurden und in deren Stadt- bzw. Gemeindegebieten sich aufgrund der Analyse in Tabelle 10.1 eine Fortschreibung als vordringlich ergab (hohe Anteile von empfindlichen Landschaftsteilen, Erholungsgebieten, Wasserschutzgebieten und hohes Konfliktpotential).

Darüber hinaus ist auch in den Städten und Gemeinden Gerolzhofen, Grettstadt, Stadtlauringen, Sulzheim, Nüdlingen, Wartmannsroth, Oberelsbach, Aidhausen, Hofheim i. Ufr., Riedbach und Wonfurt eine Fortschreibung erforderlich bzw. empfehlenswert, da auch hier ältere Landschaftspläne existieren.

Nach Art. 3 Abs. 2, 3 u. 4 BayNatSchG sind in Landschaftsplänen die "örtlichen Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege" darzustellen.

„Soweit erforderlich, sind darzustellen oder festzusetzen

1.   der vorhandene Zustand von Natur und Landschaft und seine Bewertung nach den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege,
2.   der angestrebte Zustand von Natur und Landschaft und die zu seiner Erreichung erforderlichen Maßnahmen, insbesondere


a)   die allgemeinen Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen,
b)   die Maßnahmen zur Vermeidung, zum Ausgleich oder zum Ersatz der zu erwartenden Eingriffe in Natur und Landschaft,
c)   die Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung bestimmter Flächen und einzelner Bestandteile der Natur [...],
d)   die Maßnahmen zum Schutz und zur Pflege wildwachsender Pflanzen und wildlebender Tiere sowie die Maßnahmen zum Verbund ihrer Lebensräume
e)   die Maßnahmen zur Erholung in der freien Natur [...]
f)    die Maßnahmen zur Unterhaltung der Gewässer" (Art. 3 (4)).

Die Ziel- und Maßnahmenkarten des Landschaftsentwicklungskonzeptes einschließlich ihrer Textteile liefern einen umfassenden fachlichen Orientierungsrahmen, der durch die Landschaftspläne auf örtlicher Ebene umgesetzt werden und langfristig zur Verwirklichung der genannten Ziele führen soll. Zusammen mit den rechtlich bindenden Zielen des Bundesnaturschutzgesetzes, des Bayerischen Naturschutzgesetzes, des Landesentwicklungsprogrammes und des Regionalplans, sowie den gutachtlichen Zielaussagen des Landschaftspflegekonzeptes (LPK) und des Arten- und Biotopschutzprogrammes (ABSP) stellen sie fachliche Vorgaben für die Landschaftsplanung dar.

Begleitend zu den Bebauungsplänen sollen grundsätzlich Grünordnungspläne aufgestellt werden.  

Grünordnungspläne stellen als Bestandteile der Bebauungspläne örtliche Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege dar. Sie sind aufzustellen, sobald und soweit dies aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege erforderlich ist (Art. 3 Abs. 2, BayNatSchG). Diese begriffliche Fassung ist weitgehend unbestimmt und überlässt den Gemeinden einen gewissen Ermessensspielraum über die Notwendigkeit einer Aufstellung. Das Bayerische Naturschutzgesetz nennt in Art. 3, Abs. 4 aber die Bereiche, in denen landschaftsplanerische Darstellungen und Festsetzungen zu treffen sind: nachhaltige Landschaftsveränderung, Erholungsgebiete, vorhandene oder zu befürchtende Landschaftsschäden, Lage an oberirdischen Gewässern, Gründe der Wasserversorgung.
Da bei baulichen Eingriffen immer mit nachhaltigen Landschaftsveränderungen und Landschaftsschäden gerechnet werden muss, ist deshalb von einer grundsätzlichen Aufstellungspflicht auszugehen, von der nur ausnahmsweise abgegangen werden sollte.
Auf keinen Fall soll in Gemeinden auf Grünordnungspläne verzichtet werden, in denen auch die dringende Notwendigkeit zur Aufstellung eines Landschaftsplans besteht (s.o.). In den anderen Gemeinden sollen Grünordnungspläne vor allem genutzt werden, um die lokalen Eingriffe in Landschaft und Naturhaushalt zu minimieren.
Die Grünordnungsplanung dient auch der Umsetzung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung, indem Maßnahmen zur Vermeidung erheblicher und nachhaltiger Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft durch bauliche Eingriffe sowie der Umfang und die Auswahl ggf. erforderlicher Ausgleichsmaßnahmen und –flächen festgelegt werden können. Dabei soll nach Möglichkeit auf einen Pool an Kompensationsräumen zugegriffen werden, der aus dem Landschaftsentwicklungskonzept (vgl. Kap. 7.2, 11.9) sowie ggf. dem gemeindlichen Landschaftsplan ersichtlich ist.


 

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