11.1 Landwirtschaft



Die Landwirtschaft in Bayern soll gemäß den Zielen des Landesentwicklungsprogramms (LEP) u.a.

  • die Kulturlandschaft erhalten, pflegen und gestalten und die Belange des Umweltschutzes berücksichtigen (B III, 1)
  • neue Formen der naturschonenden Erzeugung, der Bewirtschaftung und der Vermarktung sowie Landschaftspflege und Nutzungen für Zwecke von Freizeit und Erholung unterstützen (B III, 1.1)
  • die natürliche Ertragsfähigkeit des Bodens nachhaltig gewährleisten (B III, 2)
  • Entwässerungen unterlassen, wenn nachteilige Folgen für den Wasserhaushalt zu befürchten sind oder Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege entgegenstehen (B III, 2.1)
  • zum Schutz der Gewässer vor Stoffeinträgen eine standortgerechte Nutzung, schonende Bodenbewirtschaftung, die Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln nach guter fachlicher Praxis sowie die Anlage von Gewässerrandstreifen durchführen (B III, 2.1) und damit
  • dem Eintrag von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln und der damit verbundenen Gewässerbelastung entgegenwirken (LEP B XII, 2).

Bei der landwirtschaftlichen Nutzung in der Region Main-Rhön sollen auf Grund der regionalen naturräumlichen Gegebenheiten folgende Grundsätze zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen beachtet werden:

  • Die landwirtschaftliche Nutzung soll verstärkt ökologische Funktionen und Belastungsgrenzen im Bereich des Boden- und Grundwasserschutzes berücksichtigen:
    • In den Hochwasserabflussgebieten der Täler und in grundwassernahen Gebieten soll auf die Durchführung einer (extensiven) Grünlandnutzung hingewirkt werden. Ackernutzungen sollen daher nicht bis an Gewässerufer heranreichen. Mulden sollen nicht verfüllt werden.
    • Beim Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sollen die Bodenempfindlichkeit sowie die Erfordernisse des Grund- und Trinkwasserschutzes und des Gewässerschutzes berücksichtigt werden. Einer Auswaschung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln soll verstärkt entgegengewirkt werden, wozu eine Minimierung von Stickstoffüberschüssen anzustreben ist (vgl. Kap. 6.2).
    • Die landwirtschaftliche Nutzung der Böden soll schonend und unter besonderer Berücksichtigung der nachhaltigen Nutzbarkeit erfolgen. Dazu sollen Maßnahmen zur Erosionsminderung und Vermeidung von Strukturveränderungen getroffen werden.

              Hierzu können insbesondere folgende Maßnahmen dienen:

      • Grünlandnutzung in Steillagen,
      • Erhalt bzw. Neuanlage abflußmindernder Strukturen,
      • Anbau erosionsmindernder Kulturen und Anwendung erosionsmindernder Anbautechniken,
      • Anlage von Windschutzpflanzungen und Gewässerschutzstreifen.

  • Beim Weinbau, der u.a. aus klimatischen Gründen bevorzugt an südexponierten, oft steilen Hängen erfolgt, sollen folgende Maßnahmen einen verbesserten Bodenschutz gewährleisten (vgl. GEIGER 1985, SCHWAB et al. 2000):
    • Änderung der Bearbeitungsrichtung (höhenlinienparallel statt in Gefällerichtung), dazu Anlage von Terrassen; dadurch gleichzeitig Reduzierung von Hangneigung und erosiver Hanglänge!
    • Schaffung möglichst langer Bodenbedeckungsphasen (v.a. während besonders erosiver Niederschläge im Sommer) durch Stroh, Rebschnittholz, Rindenmulch oder bodenbedeckende Untersaaten, um die erosive Wirkung von Niederschlägen mindern. Dabei ist auf Grund der Niederschlagsarmut keine flächendeckende Dauerbegrünung zu empfehlen, sondern eine Herbst-Winter-Begrünung oder eine Dauerbegrünung jeder 2. Gasse.
    • Erosionsverminderung bei der Bodenbearbeitung durch Herstellung einer grobscholligen Bodenstruktur, Vermeidung von Verdichtung, Mulchen statt Herbizideinsatz.
    • Regelmäßige Bodenuntersuchungen und Anwendung von Verfahren des ökologischen oder integrierten Pflanzenbaus (Schadschwellen, raubmilbenschonende Spritzfolgen u.a.).
  • Die landwirtschaftliche Nutzung soll neben dem Bodenschutz ebenso folgende ökologische Funktionen und Belastungsgrenzen sowie Anforderungen der Erholungsnutzung verstärkt berücksichtigen:
    •  In ausgeräumten Landschaften, insbesondere im Bereich der Gäuplatten, im weitgehend ebenen Teil des Steigerwaldvorlands, im westlichen Schweinfurter Becken sowie in den strukturärmeren Gebieten der Wern-Lauer-Platten und des Grabfeldgaus sollen Kleinstrukturen erhalten und zur Belebung des Landschaftsbildes naturnahe Kleinstrukturen neu entwickelt werden.
    • Entlang von Gewässerufern, in Hochwasserabflussgebieten und im Randbereich nährstoffarmer Biotope soll auf die Durchführung von Extensivierungsmaßnahmen bzw. die Schaffung von Pufferzonen hingewirkt werden.
    • In landwirtschaftlich geprägten Natura 2000-Gebieten sollen der hochwertige, meldewürdige Zustand und die dafür ausschlaggebenden Nutzungsformen erhalten werden.
    •  Anforderungen der naturbezogenen Erholungsnutzung sollen allgemein, insbesondere aber in der näheren Umgebung der Städte Schweinfurt und Haßfurt sowie der Kurorte Bad Kissingen, Bad Neustadt a. d. Saale, Bad Brückenau, Bad Königshofen und Bad Bocklet und außerdem in den Naturparken der Region Main-Rhön verstärkte Beachtung finden.
  • In Verfahren der Ländlichen Entwicklung soll
    • die Erhaltung und Wiederherstellung vielfältig gegliederter Landschaften und landschaftstypischer Strukturen,
    • die Verminderung der Bodenerosion,
    • die Bereitstellung ausreichender Entwicklungsflächen für naturnahe Lebensräume,
    • die Entwicklung lokaler sowie im regionalen Kontext stehender Biotopverbundsysteme,
    • die Verminderung von Nährstoffeinträgen in Magerstandorte und Gewässer,
    • die Erhaltung historischer Kulturlandschaftselemente und -ausschnitte (z.B. auch exemplarische Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Flurformen wie Breitstreifen- oder Langstreifenfluren)
      verstärkte Berücksichtigung finden.
  • Der Einsatz regenerativer und alternativer Energien und deren umweltverträgliche Gewinnung v.a. durch Landwirte soll gefördert werden.
  • Ökologischer Landbau soll insbesondere in Landschaftsteilen gefördert werden, in denen die Landnutzungen vorherrschende Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild (siehe Karte 6) erbringen sollen. Speziell im Gebiet des Biosphärenreservats Rhön soll wegen seiner Modell- und Vorbildfunktion der Anteil nach Regeln des Ökologischen Landbaus bewirtschafteter Flächen deutlich erhöht werden.
  • Die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und Dienstleistungen soll generell verstärkt unterstützt werden.
  • Bei der Auflassung landwirtschaftlicher Nutzflächen sollen diese insbesondere in Landschaftsteilen, in denen die Landnutzungen bedeutende Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild erbringen, als ökologische Ausgleichsflächen dienen bzw. in ein „Ökokonto“ eingebracht werden.
  • Bei der Offenhaltung nach gegenwärtigen Rahmenbedingungen kaum rentabel zu bewirtschaftender, wertvoller Kulturlandschaften der Hohen Rhön, der Täler und Hanglagen der Vorder- und Kuppenrhön, der Südrhön, des Wellenkalkzugs, des Steigerwald- und Haßbergetraufs u.a.m. soll die Landwirtschaft u.a. durch folgende Maßnahmen unterstützt werden:
    • Förderung extensiver Tierhaltungsformen wie Mutterkuhhaltung oder Schafhaltung bzw. Erhalt der tiergebundenen Grünlandverwertung durch Förderung der Milchviehhaltung,
    • Verstärkte Nutzung alternativer Verwertungsmöglichkeiten des Grünlandaufwuchses, z.B. Kompostierung, Energiegewinnung, Heubaden;
    • Förderung der Direktvermarktung durch Bauernmärkte, Ab-Hof-Verkauf, Kooperationen mit Gastronomie, Kurkliniken, Entwicklung von regionalen Herkunftszeichen/Gütesiegeln;
    • Ausdehnung der überbetrieblichen Zusammenarbeit in den Bereichen Vermarktung, extensive Viehhaltung, Maschinennutzung;
    •  Förderung außerlandwirtschaftlicher Zuverdienstmöglichkeiten wie z.B. Ferienwohnungen, bäuerliches Handwerk, Landschaftsführer;
    • dabei optimale Ausnutzung bestehender Förderprogramme durch intensive Beratung.
  • Die landschaftspflegerischen Leistungen, die zur Erhaltung von Kulturlandschaften und zur Pflege von naturnahen Lebensräumen notwendig sind, sollen möglichst durch die ortsansässigen Landwirte durchgeführt werden. Die Pflegeleistungen sollen grundsätzlich für längere Zeiträume geplant und deren Finanzierung gesichert werden, damit die durchzuführenden Arbeiten als zusätzliches Betriebseinkommen eingeplant werden können.

 


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