11.2 Forstwirtschaft



Bei der Waldbewirtschaftung sollen generell die Grundsätze für die Waldbauplanung im bayerischen Staatsforst beachtet werden (STMELF 1982). Das Landesentwicklungsprogramm Bayern formuliert als Vorgaben u.a. folgende Ziele (B III, 4):

  • Auwälder sollen auf geeigneten Standorten wiederbegründet werden
  • Wälder sollen standortgemäß und möglichst naturnah bewirtschaftet werden. Dies gilt insbesondere für Auwälder, Schutzwälder sowie Wälder auf Sonderstandorten.
  • Der Waldboden soll als Filter des Niederschlagswassers, als Wasserrückhalte- und Sorptionskörper, als Lebensraum einer spezifischen, reichhaltigen Bodenlebewelt, wegen seiner besonderen natürlichen Struktur und seiner Unersetzbarkeit geschont und fruchtbar erhalten werden.

Die beiden letztgenannten Ziele sollen insbesondere auch für Wälder in Natura 2000-Gebieten gelten. Darüber hinaus sollen aus der Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege für die Region Main-Rhön insbesondere folgende Hinweise berücksichtigt werden (vgl. auch STMLU 1993a, 1993b, 1995, 2001):

  • In waldreichen Räumen sollen Waldneubegründungen gering gehalten werden, in waldarmen Räumen kann der Waldanteil erhöht werden, insbesondere wenn er auch der Frischluftproduktion, der Erholung, dem Artenschutz und dem Biotopverbund dient. Der gegenwärtige Waldbestand soll erhalten werden. Ausnahmen können sich in den waldreichen Gebieten der Region wie z.B. den Schwarzen Bergen ergeben. Dort soll auch erwogen werden, traditionelle Offenlandbereiche (z.B. Wiesentäler oder ehemalige Bergwiesen), in denen die Bewaldung erst eine Entwicklung der jüngeren Zeit ist, aus naturschutzfachlichen oder landschaftsästhetischen Gründen ganz oder teilweise wieder zu öffnen.
  • Die Waldbewirtschaftung soll so erfolgen, dass die Ressourcen Boden, Wasser und Luft nicht beeinträchtigt werden. Deshalb soll auf eine Anwendung von Düngemitteln und Pestiziden im Wald möglichst verzichtet werden. Durch Minimierung des Maschineneinsatzes und schonende Holzbringung sollen Störungen von Waldböden gering gehalten werden.
  • In waldreichen Gebieten mit versauerungsgefährdeten Böden (v.a. Buntsandsteingebiete der Vorder- und Kuppenrhön und der Südrhön, Burgsandsteingebiete der Haßberge) soll deshalb der Waldanteil nicht erhöht werden.
  • Die naturgemäße Waldbewirtschaftung und natürliche Verjüngungsverfahren sollen gefördert werden. Hierzu sollen ggf. auch örtlich überhöhte Schalenwildbestände reduziert werden.
  • Natürliche und naturnahe Wälder sollen erhalten und gefördert werden und einer möglichst natürlichen Entwicklung überlassen werden. Hierzu sollen Naturwaldreservate mit Mindestflächengrößen von 100 ha eingerichtet werden, in denen alle naturraumtypischen Waldtypen der Region gesichert werden. In folgenden Gebieten der Region 3 mit einer bayernweit seltenen Potentiell Natürlichen Vegetation sollen Naturwaldreservate mit hoher Priorität gefördert werden:
    • Steigerwaldvorland
    • Maintalhänge östlich Schweinfurt und bei Haßfurt
    • Maintalhänge südlich Garstadt
    • nordöstliches Grabfeldgau im Raum Herbstadt – Trappstadt.
    Ebenso sollen Naturwaldreservate aber auf naturraumtypischen, häufig vorkommenden Standorten z.B. des Buntsandstein entwickelt werden. Naturwaldreservate sollen allerdings nicht in bestehenden Nieder- und Mittelwaldgebieten ausgewiesen werden.
  • In den Gebieten, in denen sich bei Nutzungsaufgabe bayernweit seltene Waldgesellschaften der Potenziellen Natürlichen Vegetation (PNV) einstellen würden, soll es vorrangiges Ziel der Waldwirtschaft sein, dieses Standortpotenzial zum Aufbau entsprechender Waldgesellschaften zu nutzen.
  • Historische Waldbewirtschaftungsformen (Nieder- und Mittelwaldnutzung) sollen wegen ihrer Lebensraumqualität und kulturhistorischen Zeugniskraft erhalten und wieder gefördert werden.
  • Waldneubegründungen sollen mit standortheimischen Waldbaumarten durchgeführt werden. Die Ausbildung breiter, gestufter Waldränder soll unverzichtbarer Bestandteil von Waldneubegründungen werden. Nicht aufgeforstet werden sollen:
    •  Wiesentäler und waldfreie Talräume,
    •  Hang- und Bergwiesen der Hohen Rhön, der Vorder- und Kuppenrhön und der Südrhön,
    • landschaftstypische und kleinteilig gegliederte Kulturlandschaftsteile (z.B. Haßberge- und Steigerwaldtrauf),
    • Mager-, Halbtrocken- und Trockenrasen, v.a. auf Hang- und Hochlagen der Rhön sowie im Wellenkalkzug,
    • waldfreie Feuchtgebiete und Feuchtwiesen,
    • Flächen, die für den Biotopverbund für Arten der Offenland-Biotope bedeutsam sind sowie
    • die Umgebung von Aussichtspunkten (vgl. Karte 1.5).
  • Waldränder sollen in ihrer strukturellen Vielfalt und ihrem Artenreichtum erhalten und gefördert werden. Angestrebt werden sollen gemäß den Grundsätzen für die Erhaltung und Pflege von Waldrändern des Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten wenigstens 20 - 30 m breite, gestufte Waldränder.
  • Große, zusammenhängende Laubwälder wie z.B. im Hesselbacher Waldland, im Steigerwald oder am Osthang der Langen Rhön, sollen als besondere Lebensräume, wegen ihres landschaftlichen Erscheinungsbildes und für die Erholungsnutzung erhalten und optimiert werden. Sie sollen entsprechend ihrer besonderen Funktion bewirtschaftet werden.
  • Es soll darauf hingewirkt werden, dass nicht standortgerechte Nadelwälder langfristig in reich strukturierte Mischwälder mit standortheimischen Hauptbaumarten und langen Umtriebszeiten umgebaut werden. In Laub- und Mischwaldbeständen soll der Nadelholzanteil nicht erhöht werden. Auf typischen Kiefernstandorten (v.a. Sandböden sowie Rendzinen des Wellekalk) sollen kiefernreiche Mischbestände angestrebt bzw. erhalten werden.
  • Wälder auf Sonderstandorten (z.B. Kiefern-Trockenwälder auf Sandböden im Steigerwaldvorland oder auf Rendzinen des Wellenkalkzugs, Schluchtwälder, Bruchwälder auf Niedermoorstandorten im Neuwirthshauser Forst), struktur- und artenreiche Waldbestände und ökologisch bedeutsame Kleinstrukturen im Wald (z.B. Altholz-, Totholz- und Höhlenbaumbestände) sollen erhalten und ggf. durch Umbau standortfremder Bestände sowie durch Verbesserungen ihres Wasserhaushaltes verstärkt entwickelt werden. Insbesondere sollen Pionierstandorte, aufgelassene oder nur extensiv genutzte Abbaustellen, Kleingewässer und Quellbereiche erhalten, der Alt- und Totholzanteil erhöht und natürliche Sukzessionen gefördert werden.
  • Insbesondere an Main und Fränkischer Saale sollen Auwaldstreifen geschaffen werden (Herausnahme landwirtschaftlich genutzter Flächen, naturnahe Bestockung).
  • Maßnahmen zur Erschließung von Wäldern sollen auf ein Minimum beschränkt werden.
  • Zur Erhaltung und Entwicklung schutzwürdiger Waldlebensräume sollen verstärkt die Möglichkeiten vertraglicher Vereinbarungen im Privatwald genutzt werden.
  • Die Hangwälder der Täler der Südrhön, am Main-, Saale-, Lauer- und Streutal sowie die Wälder des Wellenkalkzuges, des Steigerwald- und Haßbergetraufs sollen jeweils zu einem Verbund naturnaher Wälder entwickelt werden. Dabei soll darauf hingewirkt werden, dass
    • Pufferstreifen am Hangfuß sowie an der Hangoberkante ausgewiesen werden,
    • Altholz-, Totholz- und Höhlenbaumbestände erhalten und vermehrt werden,
    • keine weiteren Zerschneidungen stattfinden,
    • vorhandene Nadelwaldbestände in naturnahe Laubwaldbestände überführt werden.

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