11.5 Ver- und Entsorgung


Bei der Entwicklung der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur in der Region Main-Rhön sollen aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege folgende Grundsätze beachtet werden:

  • Um den Energieverbrauch und damit u.a. die Inanspruchnahme von Ressourcen, die Belastung der Umwelt und den Bedarf neuer Versorgungsinfrastruktur zu verringern, sollen energiesparende Maßnahmen und die dezentrale Energieversorgung in der Region Main-Rhön gefördert werden. Möglichkeiten einer dezentralen Nutzung alternativer Energiequellen bestehen vor allem im ländlichen Raum mittels Biogasanlagen, Blockheizkraftwerken (insbesondere Verbrennung von Stroh oder Holz) mit Kraft-Wärmekopplung, Solarenergieanlagen und Windkraftanlagen.
  • Die Wärmebelastung der Gewässer soll so begrenzt werden, dass ihre Funktion als gesunder Lebensraum erhalten bleibt (LEP B XII 2.2.4).
  • Zur gezielten Nährstoffentlastung der Gewässer soll darauf hingewirkt werden, dass der Ausbau bzw. die Nachrüstung größerer kommunaler Kläranlagen fortgesetzt werden (LEP B XII 2.3.4).
  • Abwasserintensive Betriebe sollen grundsätzlich nur an abflussstarken Vorflutern und bei Anwendung gewässerschonender Produktions- und Reinigungsverfahren nach dem Stand der Technik zugelassen werden (LEP B XII 2.3.7).
  • Windkraftanlagen können trotz ihrer unbestritten positiven Auswirkungen im Bereich Klimaschutz und Ressourcenschonung Konflikte im Hinblick auf andere Schutzgüter hervorrufen. Der Naturhaushalt und das Landschaftsbild werden regelmäßig beeinträchtigt. Die konkreten Auswirkungen sind daher stets sorgfältig zu prüfen. Aus der Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege sollen in folgenden Gebiete generell keine Windkraftanlagen errichtet werden:
    • Naturschutzgebiete
    • Schutzzonen der Naturparke Bayerische Rhön, Haßberge und Steigerwald
    • Kern- und Pflegezonen des Biosphärenreservats Rhön
    • Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Vogelwelt (z.B. SPA-Gebiete)
    •  optischer Einzugsbereich von bedeutenden Denkmälern (z.B. Ruine Trimburg, Kloster Volkersberg)
    • wichtige Erholungsräume, insbesondere in der Rhön, den Haßbergen und im Steigerwald
    • historische Kulturlandschaften und Landschaftsteile von charakteristischer Eigenart, wie z.B. Lange Rhön, Schwarze Berge, Kulturlandschaft um Altenstein (vgl. auch Kap. 4.2.5)
    • Geländepunkte und –strukturen mit hoher Fernwirkung (z.B. visuelle Leitstrukturen, vgl. Karte 4.4).

    Zur Vermeidung und Verminderung von Beeinträchtigungen infolge der Errichtung von Windkraftanlagen sollen insbesondere folgende Aspekte beachtet werden:

    • Die Anlagen sollen nicht in einer Reihe, sondern flächenhaft konzentriert aufgestellt werden.
    •  Die Standorte sollen so gewählt werden, dass keine langen Erschließungswege oder schwere Befestigungen erforderlich werden.
    • Aufschüttungen und Abgrabungen, die Biotope oder das Landschaftsbild beeinträchtigen, sollen vermieden werden-
    • Gruppen von Windkraftanlagen sollen vom Bautyp her in sich homogen sein.
    • Auf Freileitungen soll verzichtet werden.
    •  Aus Gründen des Lärmschutzes soll bei Abständen von weniger als 800 m zu allgemeinen Wohngebieten bzw. weniger als 500 m zu Mischgebieten, bei reinen Wohngebieten, bei besonders schutzwürdigen Sondergebieten oder wenn vor allem für die Nachtzeit die Summenwirkung mit anderen geräuschemittierenden Anlagen zu beachten ist, generell eine detaillierte schalltechnische Untersuchung durchgeführt werden, welche die Anforderungen zum Lärmschutz angibt.
  • Eine weitere Zerschneidung der Landschaft durch den Neubau von Ver- und Entsorgungseinrichtungen soll so gering wie möglich gehalten werden. Bei unvermeidbaren Neuanlagen von Ver- und Entsorgungsleitungen soll die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, schutzwürdiger Lebensräume und wichtiger Biotopverbundachsen so gering wie möglich gehalten werden und ausreichende Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für unvermeidbare Eingriffe vorgesehen werden. Soweit möglich soll bei der Neuanlage von Ver- und Entsorgungsleitungen möglichst eine Bündelung mit bereits vorhandenen Trassen erfolgen. Bei der Querung landschaftlich besonders empfindlicher Landschaftsteile sollen generell auch die Möglichkeiten unterirdischer Leitungsführungen berücksichtigt werden.
  • Folgende Landschaftsteile sollen nicht durch Ver- und Entsorgungsanlagen (z.B. Überlandleitungen, Windkraftanlagen) erheblich und nachhaltig beeinträchtigt werden:
    • Natura 2000-Gebiete und naturschutzwürdige Gebiete
    • historische Kulturlandschaften und Landschaftsteile von charakteristischer Eigenart, wie z.B. Lange Rhön, Schwarze Berge, Kulturlandschaft um Altenstein (vgl. auch Kap. 4.2.5)
    • großflächig unzerschnittene Landschaftsräume wie z.B. die großflächigen Laubwälder im Steigerwald
    •  Erholungswälder, großflächige Wälder und Bannwälder
    •  exponierte Landschaftsteile wie Höhenrücken, Kuppen und Hangbereiche (besonders empfindlich sind unter anderem der Haßberge- und Steigerwaldtrauf, steile Talflanken wie z.B. im Main-, Saale- oder Sinntal, die Kuppen und Hochlagen der Rhön)
    •  bedeutende Erholungsgebiete, insbesondere in der Rhön, den Haßbergen und im Steigerwald
    • das Umland der Kurorte Bad Kissingen, Bad Neustadt, Bad Brückenau, Bad Königshofen und Bad Bocklet
    •  bedeutsame Täler, z.B. Maintal, Werntal, Tal der Fränkischen Saale, Sinntal, Lauertal.


Besondere Einzelhinweise
(siehe Karte 6):

VE1 Geplante Windkraftanlagen am Heidelstein (Lkr. Rhön-Grabfeld)

Die geplante Errichtung mehrerer Windkraftanlagen am Heidelstein in der Rhön wurde im Rahmen der landesplanerischen Überprüfung abgelehnt. Diese Entscheidung ist auch aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege voll zu unterstützen.

Der Heidelstein gehört zu den Rhöngipfeln mit sehr hoher Fernwirkung. Er liegt im Bereich der Langen Rhön und damit in einer Landschaft, die sowohl aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes als auch hinsichtlich des Landschaftsbildes als bundesweit einzigartig einzustufen ist und in ihrer Gesamtheit als „historische Kulturlandschaft“ bezeichnet werden kann. Der mit der Errichtung der Windkraftanlagen am Heidelstein verbundene Verfremdungseffekt wäre tiefgreifend und die visuelle Fernwirkung der Anlagen außergewöhnlich weitreichend. Das Landschaftserleben wäre bezüglich der historischen Dimension der Landschaft nachhaltig beeinträchtigt und nachteilige Wirkungen auf die seltene Avifauna der Hochfläche nicht auszuschließen. Die Attraktivität der Langen Rhön - einer der Hauptanziehungspunkte der gesamten Rhön - wäre beschädigt. Das Vorhaben steht damit in eindeutigem Widerspruch zu den Zielen der Landschaftsplanung und ist daher sowohl in der jetzigen Form als auch in denkbaren Varianten in jedem Falle abzulehnen.

Die vorhandene Antenne auf dem Heidelstein ist in ihrer Wirkung auf das Landschaftsbild mit der von modernen Windkraftanlagen nicht zu vergleichen. Dies liegt unter anderem daran, dass eine einzelne Antenne einerseits aufgrund ihrer Dimensionen wesentlich unscheinbarer wirkt und es sich andererseits um ein unbewegtes Objekt handelt. Dennoch soll geprüft werden, ob aufgrund der Einzigartigkeit der landschaftlichen Situation und zur Vermeidung negativer Folgeentwicklungen (z.B. Errichtung weiterer technischer Anlagen) eine Beseitigung der Antenne technisch machbar und mittelfristig durchsetzbar ist.

VE2 Geplante Windkraftanlagen am Schachen nördlich Wildflecken (Lkr. Rhön-Grabfeld)

Der Standort der vorgesehenen ca. 7 Windräder liegt im Bereich des Truppenübungsplatzes Wildflecken am südostexponierten Hang des Schachens nördlich Wildflecken. Das Raumordnungsverfahren für die Windkraftanlagen am Schachen wurde mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens wurde seitens der Bundeswehr die Fläche auf etwa die Hälfte reduziert. Aktuell wird über 2-4 große Windkraftanlagen nachgedacht. Die massiven Bedenken, die aus landschaftsökologischer und -ästhetischer Sicht gegenüber diesem Projekt bestehen, sind mit dieser Entscheidung allerdings nicht vollständig ausgeräumt.

Im Zuge der Verwirklichung des Projektes sollen zur Verminderung der Beeinträchtigungen auf folgende Aspekte besonders geachtet werden:

  • die Gruppe soll vom Bautyp her in sich homogen sein
  • die Anlagen sollen nicht in einer Reihe, sondern flächenhaft konzentriert
  • es sollen Anlagen mit 3-flügeligen Rotoren bevorzugt werden.

VE3 Geplante Windkraftanlagen in den Schwarzen Bergen und den umliegenden Hochlagen der Rhön (Lkr. Rhön Grabfeld, Bad Kissingen)

Bisherige Planungen zur Errichtung von Windkraftanlagen im Bereich der Schwarzen Bergen (z.B. nahe der Kissinger Hütte, am Totnansberg und Erlenberg) wurden im Rahmen der landesplanerischen Vorprüfungen abgelehnt. Diese Entscheidungen sind auch aus der Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege voll zu unterstützen.

Die Schwarzen Berge sind sowohl für den Arten- und Biotopschutz als auch für das Landschaftsbild/-erleben von hervorragender Bedeutung. Windkraftanlagen würden das naturnahe Erscheinungsbild dieser Rhönlandschaft, empfindlich stören, da sie aufgrund ihrer Größe dominant als technische Objekte in Erscheinung treten und die Maßstäblichkeit der traditionell geprägten Landschaft tiefgreifend verändern würden. Die beeinträchtigende Wirkung auf das Landschaftsbild ist als besonders weitreichend einzustufen, da die Standorte der Anlagen im Bereich der Hoch- und Gipfellagen liegen und der mit der Errichtung der Windräder verbundene Verfremdungseffekt damit eine extrem hohe Fernwirkung entfalten kann.

Bezüglich des Arten- und Biotopschutzes können nachteilige Auswirkungen auf die Avifauna des Gebietes, das großflächig als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt ist, nicht ausgeschlossen werden.

Die Errichtung von Anlagen zur Windenergiegewinnung in den Schwarzen Bergen und in den umliegenden Höhenlagen widerspricht damit klar den Zielsetzungen von Naturschutz und Landschaftspflege. Sollten die erwähnten Projekten wieder aufgenommen bzw. neue vergleichbare Projekte eingeleitet werden, soll daher in jedem Falle mit allem Nachdruck auf eine Ablehnung der Windkraftanlagen hingewirkt werden.

VE4 Geplante Windkraftanlage nordöstlich Hollstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld)

Das Raumordnungsverfahren für diese Anlage wurde positiv abgeschlossen. Der Standort der geplante Windkraftanlage nordöstlich von Hollstadt lässt keine über das unvermeidbare Maß hinausgehende Fernwirkung erwarten. Er befindet sich in ausreichender Entfernung von den steilen Talflanken des Saaletals um Hollstadt. Eine beeinträchtigende Wirkung auf diese Hanglagen, die im Landschaftsbild die Funktion einer visuellen Leitstruktur übernehmen, ist daher auszuschließen.

VE5 Geplante Windkraftanlage nordöstlich Wartmannsroth (Lkr. Bad Kissingen)

Das Raumordnungsverfahren für diese Anlage wurde positiv abgeschlossen. Der Standort der geplante Windkraftanlage nordöstlich von Wartmannsroth lässt keine über das unvermeidbare Maß hinausgehende Fernwirkung erwarten.

VE6     Geplante Windkraftanlagen am Sachserhof südlich von Gauaschach (Lkr. Bad Kissingen)

Das Raumordnungsverfahren für diese Anlage wurde positiv abgeschlossen. Es ist vorgesehen, zusätzlich zu einer bereits in Betrieb genommenen Anlage im Bereich der Regionsgrenze südlich von Gauaschach drei weitere Windkraftanlagen zu errichten.


VE7   Geplante Windkraftanlage westlich Schraudenbach (Lkr. Schweinfurt)

Das Raumordnungsverfahren wurde für zwei Windkraftanlagen positiv abgeschlossen. Die geplante Windkraftanlage an der westlichen Grenze des Landkreises Schweinfurt liegt in einer Landschaftseinheit, die überwiegend von großflächigem Ackerbau geprägt ist und nur eine geringe Strukturvielfalt aufweist. Aus dem Standort der beiden Windkraftanlagen ergibt sich keine über das unvermeidbare Maß hinausgehende Fernwirkung.

VE8      Geplante (zusätzliche) Windkraftanlage am Oberen Berg östlich Ebern (Lkr. Haßberge)

Das Raumordnungsverfahren wurde für zwei Windkraftanlagen positiv abgeschlossen. Die Windkraftanlage ist als Ergänzung zu einer bereits in Betrieb befindlichen Anlage auf der Kuppe des Oberen Berges oberhalb des Itzgrundes geplant. Der Standort der Anlagen und ihre Wirkung auf das Landschaftsbild sind kritisch zu beurteilen, zumal es sich hier um ein Gebiet in der Schutzzone des Naturparks Haßberge handelt. Der Westhang des Itzgrundes zwischen Gleusdorf und Untermerzbach kann als „historische Kulturlandschaft“ bezeichnet werden und dokumentiert die territorial zersplitterte, kleingliedrige fränkische Kulturlandschaft des 18./19. Jahrhunderts. In diesem Kontext bildet das bestehende Windrad einen deutlichen Fremdkörper. Allerdings ist durch die Errichtung eines zweiten Windrades keine wesentliche Verstärkung des bereits festzustellenden Verfremdungseffektes zu erwarten, so dass die aus Sicht von Naturschutz und Landschaftspflege bestehenden Bedenken gegen die geplante Anlage zurückgestellt werden können. Einem darüber hinausgehenden Ausbau des Oberen Berges zur Windenergiegewinnung soll allerdings entgegengewirkt werden.


VE9          Geplante Windkraftanlagen bei Westheim (Lkr. Haßberge)

Standort der beiden geplanten Windkraftanlagen ist der Eichelberg südwestlich von Westheim. Diese markante Erhebung, die zur Schutzzone des Naturparks Steigerwald gehört, liegt am Nordrand des strukturreichen Vorlands des Steigerwaldtraufs und damit in einem Landschaftsausschnitt, der sich durch sein reizvolles Landschaftsbild und seine Eignung für die naturbezogene Erholung besonders auszeichnet. Die geplanten Anlagen werden nicht nur im landschaftsästhetisch sensiblen Umfeld des Eichelberges zu einer deutlichen Veränderung der gewohnten landschaftlichen Dimensionen führen, sondern auch eine hohe Fernwirkung ins nördliche Steigerwaldvorland entfalten. Dies ist vor allem auch deshalb bedeutsam, da die Windkraftanlagen visuell in Konkurrenz treten zum Steigerwald-Steilanstieg und diesen damit in seiner Wirkung als bestimmende Raumstruktur beeinträchtigen werden.

Das Vorhaben steht aus den genannten Gründen im Widerspruch zu den Zielsetzungen der Landschaftsplanung und ist daher sowohl in der jetzigen Form als auch in denkbaren Varianten abzulehnen.


 

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