11.6 Wasserwirtschaft

Bei Maßnahmen der Wasserwirtschaft in der Region Main-Rhön sollen folgende Grundsätze beachtet werden:
  • Weitgehend unbelastete Gewässer der Güteklassen I und II sollen geschützt werden, Gewässer, die Güteklasse II unterschreiten, sollen grundsätzlich saniert werden (LEP B XII 2.2.1, 2.2.2).
    Hierzu sollen insbesondere:
    • der Anschlussgrad an Abwasseranlagen weiter erhöht,
    • die Klärleistung von Abwasseranlagen gesteigert,
    • Direkteinleitungen möglichst verhindert,
    • Gewässerschutzstreifen geschaffen,
    • die Bodenerosion, insbesondere im westlichen Schweinfurter Becken, auf den Gäuplatten, im nördlichen und mittleren Grabfeldgau, in den östlichen und südlichen Wern-Lauer-Platten, in den südöstlichen Haßbergen und im Itz-Baunach-Hügelland südlich Ebern sowie in den Weinanbaugebieten vermindert,
    • der Grünlandanteil in Hochwasserabflussgebieten erhöht,
    • der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln vermindert,
    • dem fahrlässigen Umgang mit wassergefährdenden Stoffen vorgebeugt,
    • zur Erhöhung der natürlichen Selbstreinigungskraft Fließgewässer renaturiert und ihre Fließstrecke erhöht,
    • die Wärmebelastung der Mains durch Einleitung von Kühlwasser verringert werden.
  • Aus ökologischen Gründen und zur Verminderung von Hochwasserschäden soll die natürliche Wasserrückhaltung der Landschaft wieder verbessert werden. Hierzu sollen insbesondere:
    • bestehende Überschwemmungsgebiete unbebaut erhalten,
    •  das Retentionsvermögen von Überschwemmungsgebieten durch die Renaturierung ehemaliger Altwasser, Mulden und das Auflassen von Drainagen verbessert,
    • ehemalige Überschwemmungsgebiete reaktiviert, neue Ausleitungsflächen gefunden und die Überschwemmungsdynamik gefördert,
    • der Bodenwasserhaushalt ehemaliger Feuchtgebiete saniert,
    • Bodenentwässerungsmaßnahmen nicht mehr vorgesehen,
    • die Bodennutzung in natürlichen Rückhalteräumen auf die wasserwirtschaftlichen Funktionen abgestimmt, dem Umbruch von Grünland entgegengewirkt und für regelmäßig überflutete Ackerflächen die Grünlandnutzung angestrebt werden (LEP B XII 4.2),
    • einer weiteren Versiegelung von Böden entgegengewirkt und Maßnahmen zur Entsiegelung von Flächen getroffen,
    • anfallendes Dachflächenwasser in Siedlungen gespeichert und/oder versickert,
    • Dachbegrünungen und Brauchwassergewinnungsanlagen gefördert werden.
  • Die Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers soll gering gehalten werden. Insbesondere soll:
    •  einer rasch fortschreitenden Freilegung des Grundwasserkörpers durch Nassabbau im Maintal entgegengewirkt,
    •  flächendeckend auf die standortangepasste Reduzierung des Einsatzes von Düngemitteln und Pflanzenbehandlungsmitteln hingewirkt (vgl. Ziel W 1),
    • eine Untersuchung von Altlastenverdachtsflächen zügig durchgeführt und bekannte Altlasten so schnell wie möglich saniert,
    • in Wasserschutzgebieten extensive Nutzungen, ökologischer Landbau und Flächenstillegungen gefördert werden.
  • Grundwasser soll nur in dem Maße entnommen werden, wie es sich neu bildet. Die Grundwasserneubildung soll gefördert werden (LEP B XII 2.1.4).
  • Bei der Gewässerunterhaltung sollen ökologische Belange sowie Belange des Landschaftsbildes und der Erholungsnutzung einen hohen Stellenwert einnehmen. Die Erarbeitung und Umsetzung von Gewässerpflegeplänen - gerade auch von Gewässern 3. Ordnung (Zuständigkeit der Gemeinden) - soll verstärkt vorangetrieben und gefördert werden. Insbesondere soll:
    • ein weiterer technischer Ausbau von Fließgewässern nicht mehr erfolgen,
    • uferbegleitende Vegetationsbestände erhalten,
    • auf die Wiederschaffung durchgehender, breiter gewässerbegleitender Gehölzsäume und talraumtypischer Feuchtgebiete hingewirkt,
    •  auf die Erhaltung landschafts- und erlebniswirksamer, historischer Flußbauwerke geachtet,
    • Maßnahmen der Gewässerpflege mit den Belangen des Natur- und Umweltschutzes abgestimmt,
    • die Renaturierung von verbauten und verrohrten Gräben und Bächen gefördert,
    • die Durchgängigkeit der Fließgewässer verbessert,
    • einer Eutrophierung und Beeinträchtigung von Fließgewässern durch Fischteiche entgegengewirkt,
    • beim Ausbau von Baggerseen auf eine deutliche Funktionstrennung zwischen Naturschutz und Erholungsnutzung geachtet werden.
  • Renaturierungsmaßnahmen sollen vorrangig an folgenden Flüssen und Bächen durchgeführt werden:
    • Streu in Heufurt und Mellrichstadt,
    • Elsbach in den Ortsbereichen sowie zwischen Bastheim und Wechterswinkel,
    • Brend in den Ortsbereichen,
    • Mahlbach oberhalb Mühlfeld,
    • Bahra im Raum Hendungen,
    • Milz zwischen Höchheim und Gollmuthshausen,
    • Sinn südlich Wildflecken, in Oberbach, Bad Brückenau und unterhalb Eckarts,
    • Schondra im Raum Schönderling,
    • Thulba in Oberthulba, Thulba und unterhalb Untererthal,
    • Lauer in Stadtlauringen, Rothhausen und Maßbach,
    • Nassach oberhalb Rügheim sowie in Haßfurt,
    • Wern oberhalb Poppenhausen sowie ab Geldersheim bis zur Regionsgrenze bei Mühlhausen,
    • Unkenbach zwischen Bischwind und Sulzheim, oberhalb Schwebheim und unterhalb Heidenfeld,
    • Volkach ab Dingolshausen,
    • Rauhe Ebrach oberhalb Wustviel,
    • Aurach in den Ortsbereichen sowie oberhalb Tretzendorf,
    • Baunach im Raum Bundorf, zwischen Neuses und Schweinshaupten, im Raum Gemeinfeld, und Pfarrweisach, von Frickendorf bis Ebern sowie an der Regionsgrenze südlich Sendelbach
    • Alster unterhalb Memmelsdorf,
    • an den meisten Abschnitten der Itz,
    • an den oft begradigten und befestigten Oberläufen kleinerer Fließgewässer.
  • Beim als Bundeswasserstraße ausgebauten bzw. weiteren Ausbauten ausgesetzten Main sollen unter der Prämisse der Nutzung des Main als Bundeswasserstraße zumindest sukzessive Elemente eines funktionsfähigen Flussökosystems und Auefunktionsraums regeneriert bzw. neu geschaffen werden:
    •   Anlage von Umgehungsgerinnen an den Staustufen zur Gewährleistung der biologischen Durchgängigkeit
    •  Anlage von Buhnenfeldern sowie Schutz bestehender, flach oder nicht überstaute Buhnenfelder vor dem Wellenschlag der Schiffe durch Leitwerke
    • Zurückverlegung bestehender Hochwasserdeiche (z.B. bei Grafenrheinfeld oder Schweinfurt, wo landwirtschaftliche Nutzflächen eingedeicht sind)
    • Regeneration ehemaliger Altarme und Flutrinnen
    • Verbesserung der Verzahnung von aquatischen, amphibischen und terrestrischen Lebensräumen durch vielfältige Ufergestaltung (bei vorgelagertem Längswerk), Anlage, Ausweitung und Vernetzung von Stillgewässern, Röhrichten, Gehölzen, Trocken-standorten, Rohbodenstandorten usw.
    • Auwaldbegründungen mit Initialpflanzungen
    • Integration von Baggerseen durch Gestaltung nach den genannten Gesichtspunkten
    • Nutzung gewässer- und grundwassernaher sowie häufiger überschwemmter Bereiche (häufiger als HQ) als Grünland bzw. Anlage breiter Uferstreifen.
  • Die Gewässerdynamik und biologische Durchgängigkeit der Fränkischen Saale soll v.a. durch Beseitigung abschnittsweiser Uferverbauungen, durch Beseitigung bzw. Umgehung von Querbauwerken sowie durch Maßnahmen zur Laufverlängerung v.a. in Abschnitten oberhalb Bad Königshofen, unterhalb Aschach, in Bad Kissingen, oberhalb Elfershausen, bei Westheim, oberhalb Pfaffenhausen und im Raum Untereschenbach – Diebach verbessert werden. Die außer im Raum Alsleben zwar selten stark beeinträchtigten, jedoch häufig in gewissem Umfang eingeschränkten Auenfunktionen des Saaletals können auch durch die o.g. Maßnahmen optimiert werden, indem die Verzahnung von Fluss, Ufer und Aue verbessert wird. Zusätzlich soll das Standortmosaik an Feuchtgebietslebensräumen erhalten bzw. revitalisiert werden.



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