11.7 Erholung und Fremdenverkehr

Nach dem LEP gelten für Erholung und Fremdenverkehr unter anderem folgende Ziele:


Erholung (B VIII)
  • Erheblichen Belastungen durch die Erholungsnutzung soll durch Lenkungs- und Ordnungsmaßnahmen entgegengewirkt werden (B VIII, 1). Bei der Schaffung von Erholungseinrichtungen soll eine Beeinträchtigung von ökologisch wertvollen Gebieten oder des Landschaftsbildes vermieden werden (B VIII, 2).
  • Die für die Erholung wesentlichen landschaftlichen und kulturgeschichtlichen Gegebenheiten sollen erhalten und weiterentwickelt werden. Die Erreichbarkeit mit öffentlichen und mit umweltschonenden Verkehrsmitteln soll verbessert werden (B VIII, 1.1).
  • Für die Tages- und Wochenenderholung sollen in verstärktem Umfang Erholungsmöglichkeiten in Wohnungsnähe erhalten oder geschaffen werden (B VIII, 1.3).
  • Einrichtungen zur Erholung in der freien Natur sollen besonders dem Bedürfnis der Erholungssuchenden nach Ruhe Rechnung tragen und das Erleben von Natur und Landschaft vermitteln. Bei der Schaffung solcher Einrichtungen … sollen die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege besonders berücksichtigt werden. Eine netzartige Verbindung zwischen Siedlungsgebieten und freier Landschaft soll angestrebt werden (B VIII, 2.2).
  • Die Radwanderwege sollen zu einem regionalen Radwegenetz verbunden werden (B VIII, 2.2).
  • Beeinträchtigungen besonders empfindlicher Landschaften durch Golfplätze sollen vermieden werden. Es soll darauf hingewirkt werden, dass Flächen, die nicht dem Spielbetrieb dienen, so erhalten und entwickelt werden, dass sie Pflanzen und Tieren standorttypische Lebensräume bieten und das Landschaftsbild bereichern (B VIII, 2.2).

Fremdenverkehrswirtschaft

  • In den Fremdenverkehrsgebieten (in der Region: Rhön, Steigerwald, Haßberge) soll bei der Entwicklung des produzierenden Gewerbes und beim Ausbau der Verkehrswege die Erhaltung der Attraktivität des Raumes für den Fremdenverkehr beachtet werden (B IV, 1.5).
  • Der weitere Ausbau des längerfristigen ländlichen Erholungsreiseverkehrs in den Fremdenverkehrsgebieten soll unter besonderer Berücksichtigung des Landschaftscharakters und der ländlichen Siedlungsstruktur sowie des Naturhaushalts erfolgen (B IV, 1.5.4).

Freizeitwohngelegenheiten und Campingplätze

  • Bei der Errichtung von Campingplätzen sollen an die Einbindung in das Orts- und Landschaftsbild besondere Anforderungen gestellt werden (B II, 4.1).
  • Freizeitwohngelegenheiten und Campingplätze sollen in einem angemessenen Verhältnis zur ... Leistungsfähigkeit des betroffenen Landschaftsraumes und Naturhaushaltes stehen
    (B II, 4.2).
  • Campingplätze, deren Stellplätze überwiegend dauergenutzt werden, und überwiegend eigengenutzte Freizeitwohngelegenheiten sollen nur in Gebieten errichtet werden, die einen geringen Anteil besonders schützenswerter Landschaftsteile aufweisen und in denen der Naturhaushalt und das Landschaftsbild nicht nachteilig beeinträchtigt werden (B II, 4.5).

Lärm- und Erschütterungsschutz

  • Sportanlagen, bei denen technisches Gerät verwandt wird, wie beim Motorsport oder beim Flugsport, sollen so errichtet und betrieben werden, dass sie nicht zu unzumutbaren Belästigungen führen (B XIII, 3.1.3).
  • Segelflugplätze, auf denen Motorschleppflugzeuge eingesetzt werden, sollen nur dort zugelassen werden, wo eine Belästigung der Bevölkerung vermieden werden kann (B XIII, 3.2.3).

Darüber hinaus sollen bei Maßnahmen zur Förderung der Erholungs- und Freizeiteignung in der Region Main-Rhön folgende Hinweise beachtet werden:

  • Durch Freizeit- und Erholungseinrichtungen soll der Erholungswert der Landschaft nicht beeinträchtigt werden. Insbesondere sollen technische Erholungseinrichtungen und Übernachtungseinrichtungen nicht in der offenen Landschaft bzw. an exponierten Geländepunkten (z.B. Hänge am Anstieg zur Langen Rhön, Kuppenlagen der Rhön, steile Hänge des Maintals und des Tals der Fränkischen Saale, Traufbereiche von Haßberge und Steigerwald) angesiedelt werden und zu nachteiligen Veränderungen des Orts- und Landschaftsbildes durch ortsuntypische und unmaßstäbliche Bebauung führen.
  • Bestehende Schutzgebiete, Natur- und Bodendenkmale sowie schutzwürdige Lebensräume und historische Kulturlandschaftsteile (z.B. Rechtlerwald Trappstadt, historische Weinberge bei Steinbach; vgl. Karte 4.4 und Tabelle 4.2.) sollen von Störungen durch Erholungsnutzung unbeeinträchtigt bleiben und nicht entgegen ihres Schutz- bzw. Erhaltungszweckes in Anspruch genommen werden. Vorhandene Störungen in ökologisch, landschaftsästhetisch bzw. kulturhistorisch wertvollen Gebieten sollen gemindert werden.
  • Erschließungsmaßnahmen für die Erholungsnutzung sollen auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Wo möglich, soll auf vorhandene Erschließungseinrichtungen zurückgegriffen werden (z.B. forst- und landwirtschaftliche Wege). Lebensräume besonders störungsempfindlicher Arten und Gebiete, die sich für die Entwicklung neuer Lebensräume besonders gut eignen, sollen nicht erschlossen werden (z.B. Biotopverbundachsen, siehe Karte 4.4).
  • Die Lenkung von Erholungssuchenden soll in erster Linie durch Information der Besucher (Führungen, Plakate, Informationstafeln, Informationsstände u.a.) und durch geeignete Erschließungsformen und nur soweit nicht anders möglich durch Ge- und Verbote erfolgen.
  • Der Kurbetrieb und der Bädertourismus ist stark an die Einrichtungen der einzelnen Kurorte (Bad Kissingen, Bad Neustadt a. d. Saale, Bad Bocklet, Bad Brückenau, Bad Königshofen) gebunden und daher in seinen Auswirkungen auf Natur und Landschaft von nachrangiger Bedeutung. Beim Neubau von Einrichtungen für den Kur- und Badebetrieb soll allerdings darauf geachtet werden, dass keine ökologisch oder landschaftsästhetisch sensiblen Standorte überbaut werden (z.B. Flussauen, steile Hanglagen) und dass landschaftsgebundene Bauformen bevorzugt werden.
  • Beim Ausbau und der Weiterentwicklung des touristischen Angebots, insbesondere auch demjenigen der Kurorte, sollen naturbezogene Aktivitäten in besonderer Weise berücksichtigt werden. Auf Angebote, die zu Belastungen von Natur und Landschaft führen, soll verzichtet werden. Wegen des besonderen landschaftlichen Potenzials der Region für die naturbezogene Erholung und in Anbetracht der infolge der Veränderungen im Gesundheitswesen schwierigen ökonomischen Situation mancher Kurorte soll geprüft werden, ob die Region speziell im Bereich des sog. „sanften Tourismus“ ihr touristisches Profil schärfen und damit eine Marktnische öffnen kann.

 

Besondere Einzelhinweise (siehe Karte 6):

E1 Freizeitpark im Saaletal

Im Tal der Fränkischen Saale im Bereich der Flussschleife zwischen Hohn und Steinach ist eine Freizeitanlage (Badesee, Feriensiedlung, Campingplatz, Gastronomie) in Planung. Das Raumordnungsverfahren für die Anlage wurde mit positivem Bescheid abgeschlossen. Dennoch bleiben aus naturschutzfachlicher und landschaftspflegerischer Sicht Bedenken gegenüber dem Vorhaben. Dies gilt insbesondere für nachfolgend genannten Aspekte:
Die Freizeiteinrichtung liegt teilweise im Auenfunktionsraum der Saale.
Das Saaletal nördlich von Bad Bocklet mit seinen tief eingeschnittenen Talmäandern zeichnet sich durch ein naturnahes und überwiegend traditionell geprägtes Landschaftsbild besonders aus. Unter landschaftsökologischen Gesichtspunkten bildet das Saaletal eine Biotopverbundachse von überregionaler Bedeutung, deren Funktion es – aufgrund vorhandener Beeinträchtigungen – zu stärken gilt. Die geplante Freizeitanlage droht diesen Zielen zuwider zu laufen. Infolge der gravierenden Abweichung von der historisch und ökologisch begründeten Siedlungsstruktur und der mit dem Projekt verbundenen Eingriffe in die Geländemorphologie wird die Anlage unvermeidbar als visueller Fremdkörper im Saaletal wirken.
Einer eventuellen künftigen Ausweitung der Anlage bzw. der Errichtung weiterer vergleichbarer Einrichtungen an ähnlichen Standorten soll daher entgegengewirkt werden.

E2 Geplanter Golfplatz in den Haßbergen östlich von Prappach

Das Raumordnungsverfahren für diesen Golfplatz wurde positiv abgeschlossen. Der geplante Golfplatz grenzt in Teilbereichen an den Haßbergetrauf mit seinem vielfältigen Standort-, Nutzungs- und Lebensraummosaik sowie an großflächig zusammenhängende Laubwaldgebiete, die zu den störungsarmen Gebieten in der Region Main-Rhön zu zählen sind. Sowohl die Bereiche des Haßbergetraufs als auch die Waldflächen gehören damit zu den Gebieten mit hervorragender naturschutzfachlicher Bedeutung. Gemäß LEP, B VIII, 2.2 sollen Beeinträchtigungen besonders empfindlicher Landschaften durch Golfplätze vermieden werden.
Bei der Anlage der Sporteinrichtung soll daher darauf geachtet werden, dass eine Beeinträchtigung der Lebensraumfunktion der angrenzenden Flächen in jedem Fall vermieden wird. Die Sportanlagen sollen daher einen ausreichenden Abstand zu den naturschutzfachlich wertvollen Flächen einhalten.
Der geplante Golfplatz reicht z.T. auch in Bereiche, die besondere Bedeutung für den Schutz des Grundwassers besitzen. Bei der Konzeption des künftigen Golfplatzes soll daher darauf geachtet werden, dass intensiv genutzte Bereiche der Anlage (z.B. Greens) so positioniert werden, dass sie nicht auf Flächen liegen, die gegenüber den zu erwartenden Stoffeinträgen besonders empfindlich sind. Dazu gilt es lokale Standortanalysen durchzuführen und diese in die Golfplatzplanung einzubeziehen.
Bei der Gestaltung der Anlage soll darauf geachtet werden, dass sie sich nicht als typische Golflandschaft und damit als Fremdkörper in der Landschaft abbildet. Stattdessen soll sich die Platzgestaltung an der Eigenart der umgebenden Landschaft orientieren und die Anlage damit möglichst unauffällig in die Landschaft der Haßberge einbinden.

E3 Freizeitwohnsitze am Steilufer von Mainberg

Das Steilufer des Mains zwischen Schweinfurt und Schonungen besitzt für das Schutzgut Arten und Lebensräume hervorragende Bedeutung. Wertvolle Trockenstandorte, extensive Nutzungsformen, bayernweit seltene Standortbedingungen und die Lage im Bereich einer wichtigen Biotopverbundachse sind die wertbestimmenden Merkmale. Aufgrund des vielfältigen und naturnahen Erscheinungsbildes ist das Prallufer bei Mainberg auch für das Landschaftsbild von hohem Reiz. Stadtnähe, Südexposition und unverbaubare Aussicht machen die Hanglagen über dem Main zu attraktiven Freizeitgrundstücken. Um die Hangbereiche in ihrer landschaftsökologischen und landschaftsästhetischen Qualität zu erhalten, ist es unbedingt erforderlich, ihre weitere Bebauung im Zuge der Errichtung von Freizeitwohnsitzen zu verhindern.

 


 

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