11.9    Suchräume für Kompensationsmaßnahmen

Entsprechend der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung sind u.a. für die Bauleitplanung und für Verfahren zu Innenbereichssatzungen, die erhebliche und nachhaltige Beeinträchtigungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild nach sich ziehen, Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen zur Kompensation der Eingriffswirkungen vorzusehen und umzusetzen.
Kompensationsmaßnahmen sollen (müssen nach Baugesetzbuch aber nicht) einen räumlichen, zeitlichen und funktionalen Bezug zur vom Eingriff betroffenen Landschaft aufweisen. Maßnahmen, die der Verbesserung von Naturhaushalt und Landschaftsbild dienen, können gemäß Baugesetzbuch zunächst auch ohne Eingriffsbezug durchgeführt werden und dann zu einem späteren Zeitpunkt als Kompensationsmaßnahme angerechnet werden (sog. „Ökokonto“-Modell). Kompensationsmaßnahmen können logischerweise nur auf verbesserungsbedürftigen Flächen durchgeführt werden, da sie ja eine anderswo erfolgte Verschlechterung für Naturhaushalt und Landschaftsbild kompensieren sollen. Das „Ökokonto“-Modell bietet den Vorteil, ohne zeitlichen Druck Flächen bereitstellen, Maßnahmen vorziehen und die Auswahl der Flächen sowie die Art der Maßnahmen gezielter auf die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege auszurichten zu können.

Um eine möglichst hohe Effizienz für die Wert- und Funktionselemente von Naturhaushalt und Landschaftsbild zu erzielen, sollen Kompensationsmaßnahmen nach ihrer Art und Lage nicht wahllos bzw. zufällig (z.B. auf Grund einer momentanen Verfügbarkeit von Grundstücken) durchgeführt werden. Vielmehr soll den räumlichen und funktionalen Beziehungen innerhalb verbesserungsbedürftiger Landschaften oberste Priorität eingeräumt werden.
Dazu ist eine Analyse von Qualitäten, Konflikten, Defiziten, Anforderungen an einen Biotopverbund u.a.m. in einem größeren Umgriff eines von maßnahmenbezogenen Auswirkungen betroffenen Landschaftsraums sehr hilfreich. Diese können einem LEK entnommen werden, da dieses gegliedert nach Schutzgütern und bezogen auf Landschaftsfunktionen Analysen, Bewertungen, Konfliktermittlungen und auch Maßnahmenvorschläge zur Behebung, Zielerfüllung etc. in einem größeren räumlichen Kontext liefert. Daher können Kompensationsmaßnahmen differenziert nach den betroffenen Landschaftsfunktionen entwickelt werden. Aus diesem Grund ist ein LEK hervorragend für eine Vorauswahl der Art und Lage von Kompensationsmaßnahmen geeignet.

Im Hinblick auf eine hohe Effizienz von Kompensationsmaßnahmen sollen diese bevorzugt in Gebieten durchgeführt werden, die gegenwärtig auf Grund ihrer strukturellen und funktionalen Gegebenheiten suboptimale Teilräume innerhalb großräumig potenziell hochwertiger Landschaftsräume sind, und auf Grund ihrer Lage und Funktionsausprägung durch ihre Aufwertung mit vergleichsweise wenig Aufwand eine funktionale Verbesserung großer Räume bewirken können. Als Räume, in denen bevorzugt Kompensationsmaßnahmen durchgeführt werden sollten (sog. „Suchräume“) können deshalb aus einem LEK insbesondere abgeleitet werden:

1. Priorität: suboptimale Gebiete innerhalb von Biotopverbundachsen (Quelle: Zielkarte Arten und Lebensräume, Karte Leitbild der Landschaftsentwicklung)
2. Priorität: Gebiete mit „besonderer – beim Schutzgut Boden auch von hervorragender – Bedeutung“ für den Schutz und die Entwicklung von Landschaftsfunktionen (Quelle: alle Zielkarten, Karte Leitbild der Landschaftsentwicklung) sowie
Gebiete, in denen „spezielle Entwicklungsmaßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege“ erforderlich sind, z.B. Gebiete, die aktuell suboptimal ausgestattet sind, aber ein hohes bis sehr hohes Entwicklungspotenzial für Arten und Lebensräume aufweisen (Quelle: Karte Leitbild der Landschaftsentwicklung, Schutzgutkarte Arten und Lebensräume).

Beispiel:

Die geplante Ortsumfahrung im Norden und Osten Mellrichstadts durchquert und beeinträchtigt die Täler von Mahlbach und Bahra, welche gleichzeitig als Verbundachsen von besonderer Bedeutung fungieren. Darüber hinaus werden nördlich Mellrichstadt empfindliche Böden überbaut.

Als räumlich-funktional sinnvolle Kompensationsräume und -maßnahmen können aus dem LEK abgeleitet werden:

1. Priorität:
Extensivierungs- und Renaturierungsmaßnahmen auf suboptimalen Flächen innerhalb der Verbundachsen im Mahlbachtal bei Mühlfeld und/oder im Bahratal bei Rossrieth (als solche erkennbar in Zielkarte 4.3 „Arten und Lebensräume“, verortet als Gebiete Nr. 13.31 in Karte 6 „Leitbild der Landschaftsentwicklung“, entsprechende Maßnahmen sind in Kap. 7.3 unter dieser Gebiets-Nummer aufgeführt);

2. Priorität:
Extensivierungsmaßnahmen auf empfindlichen Böden und/oder Extensivierungs- und Renaturierungsmaßnahmen in Hanglagen zwischen Mellrichstadt und Eussenhausen (als solche erkennbar in Zielkarte 4.1 „Boden – Luft/Klima“ bzw. Zielkarte 4.3 „Arten und Lebensräume“, verortet als Gebiete Nr. 13.36 bzw. 13.31 in Karte 6, entsprechende Maßnahmen sind in Kap. 7.3 unter diesen Gebiets-Nummern aufgeführt).



 

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