2 Überblick über die Planungsregion


Die Region Main-Rhön (3) gehört zu den nördlichsten Regionen Bayerns. Große Teilräume der Region sind daher im landesweiten Bezug durch eine periphere Lage gekennzeichnet. Ihre geographische Position in Deutschland hat sich seit der Öffnung der innerdeutschen Grenze 1990 allerdings grundlegend verändert: lag vor 1990 ca. drei Viertel des Regionsgebiets im Bereich des sog. „Zonenrandgebiets“ – also im Grenzgebiet zur damaligen DDR – so ist die Region 3 seit 1990 wieder in die Mitte Deutschlands gerückt. Dieser Wechsel hat auch Konsequenzen für die regionalen Funktionen und Entwicklungen und findet insoweit auch seinen Niederschlag in Zielsetzungen, Maßnahmenvorschlägen und im Einsatz von Sicherungsinstrumenten des Landschaftsentwicklungskonzeptes.

Die Region Main-Rhön grenzt an zwei bayerische Nachbarregionen (Region Würzburg (2), Region Oberfranken-West (4)) sowie im Nordwesten an Hessen und im Nordosten an Thüringen an. Der Großteil der Region steht als „Ländlicher Raum“ im strukturellen Gegensatz zum „Verdichtungsraum“ Schweinfurt. Als Oberzentrum erfüllt Schweinfurt wichtige Versorgungsfunktionen des höheren Bedarfs und ist mit Abstand wichtigster Arbeitsmarkt in der Region. Die Region 3 weist an Besonderheiten zum einen eine beträchtliche Anzahl von Heilbädern auf (Bad Bocklet, Bad Brückenau, Bad Kissingen, Bad Königshofen, Bad Neustadt), zum anderen zeugen drei Naturparke (Bayerische Rhön, Haßberge, Steigerwald) und vor allem das Biosphärenreservat Rhön vom reichhaltigen kulturlandschaftlichen Erbe dieser Region und ihrer Bedeutung als Erholungsgebiet.

Die Bevölkerung betrug am 31.12.98 455.359 Einwohner. Damit weist die Bevölkerungszahl gegenüber 1970 eine Zuwachsrate von 8,3 % auf, wobei die Region zwischen 1970 und 1987 allerdings einen Bevölkerungsrückgang von 420.446 Einwohner auf 412.135 Einwohner zu verzeichnen hatte. Zwischen 1987 und 1998 lag der Bevölkerungszuwachs bei einem Wert von 10,5 %. Damit nimmt die Region für diesen Zeitraum einen Mittelplatz unter den bayerischen Regionen ein.

55.091 Einwohner entfielen Ende 1998 auf die Stadt Schweinfurt, die seit 1970 einen Bevölkerungsrückgang von 5,4 % zu verzeichnen hatte! Der Verdichtungsraum Schweinfurt wies gegenüber 1970 allerdings eine Zuwachsrate von 10,6 % auf (Regierung v. Unterfranken 1999, Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 1998).

Die Region wird gebildet von den Landkreisen

  • Bad Kissingen
  • Haßberge
  • Rhön-Grabfeld
  • Schweinfurt und
  • der kreisfreien Stadt Schweinfurt.



Abbildung 2.1: Lage der Region 3 in Bayern

Die Stadt Schweinfurt wird vom Landesentwicklungsprogramm (LEP) Bayern (Bayerische Staatsregierung 1994) als Oberzentrum ausgewiesen.

Mittelzentrale Stellung erhalten die Orte

  • Bad Brückenau
  • Bad Kissingen
  • Bad Neustadt a.d. Saale
  • Gerolzhofen
  • Hammelburg und
  • Haßfurt.

Als Mögliches Mittelzentrum bestimmt das LEP die Städte

  • Bad Königshofen i. Grabfeld
  • Mellrichstadt und
  • Ebern.

Die Region Main-Rhön umfasst eine Gebietsfläche von 3.990,8 km², ihre Ost-West-Ausdehnung beträgt ca. 89 km, die Nord-Süd-Ausdehnung ca. 81 km. Zahlreiche Naturräume prägen mit ihrem jeweiligen – z.T. sehr verschiedenartigen – Landschaftscharakter das Erscheinungsbild der Region (siehe Kap. 3.1.1).

Die Region 3 wird von vier Entwicklungsachsen mit überregionaler Bedeutung durchzogen (LEP 1994, siehe Abbildung 2.2 ):

  • (Gemünden a. Main) – Hammelburg – Bad Kissingen – Bad Neustadt a.d. Saale – Mellrichstadt – (Thüringen)
  • (Würzburg) Werneck – Schweinfurt – Hofheim i. UFr. – (Coburg, Thüringen)
  • (Bamberg) – Eltmann – Haßfurt – Schweinfurt – Bad Kissingen – Bad Brückenau – (Hessen)
  • (Bamberg) – Ebern – Bad Königshofen i. Grabfeld – Bad Neustadt a.d. Saale – Mellrichstadt – (Thüringen).

In der Region 3 kommt dem gesamten Abschnitt des Maintals von der östlichen Regionsgrenze bis Grafenrheinfeld die Funktion einer überregionale Entwicklungsachse zu. Der Main ist außerdem Teil der Main-Donau-Bundeswasserstraße.

Als Entwicklungsachsen von regionaler Bedeutung sind zudem im Regionalplan (einschl. 3. Änderung vom 01.10.1995) ausgewiesen:

  • (Hessen) – Zeitlofs – Bad Brückenau – Wildflecken – (Hessen) [Sinntal]
  • (Hessen) – Bischofsheim – Bad Neustadt a.d.Saale
  • Bad Neustadt a.d. Saale – Bad Bocklet – Bad Kissingen
  • (Thüringen) – Fladungen – Ostheim v.d. Rhön – Mellrichstadt
  • (Arnstein) – Werneck
  • (Volkach/Prichsenstadt) – Gerolzhofen – Schweinfurt – Stadtlauringen – Bad Königshofen i. Grabfeld – (Thüringen)
  • Heustreu – Bad Königshofen i. Grabfeld – Maroldsweisach – Ebern – (Bamberg); (im LEP (1994) als überregionale Entwicklungsachse dargestellt)
  • Münnerstadt –Stadtlauringen – Hofheim i. UFr.
  • Haßfurt – Königsberg i. Bay – Hofheim i. UFr.
  • Maroldsweisach – (Thüringen).

Abbildung 2.2:     Raumstruktur der Region 3

(REGIONALER PLANUNGSVERBAND MAIN-RHÖN 1988, BAYERISCHE STAATSREGIERUNG 1994)

Das LEP (1994) teilt die Region Main-Rhön in folgende Gebietskategorien ein:

  • Verdichtungsraum Schweinfurt – Stadt- und Umlandbereich im Verdichtungsraum: Stadt Schweinfurt, Gemeinden Bergrheinfeld, Geldersheim, Niederwerrn, Dittelbrunn, Üchtelhausen, Sennfeld, Gochsheim, Schwebheim, Grafenrheinfeld
  • Verdichtungsraum Schweinfurt – Äußere Verdichtungszone: Gemeinden Euerbach, Poppenhausen, Grettstadt, Kolitzheim, Röthlein (der Regionalplan bezieht auch die Gemeinde Waigolshausen, Wipfeld und Schwanfeld in diese Gebietskategorie ein)
  • Allgemeiner ländlicher Raum: an den o.g. Verdichtungsraum angrenzende Gemeinden im Landkreis Schweinfurt: Werneck, Wasserlosen, Stadtlauringen, Schonungen (der Regionalplan bezieht auch die östlichen Teile der Landkreise Bad Kissingen und Haßberge sowie den südöstlichen Landkreis Schweinfurt in diese Gebietskategorie ein!)
  • Ländlicher Raum, dessen Entwicklung nachhaltig gestärkt werden soll: Landkreise Bad Kissingen, Hassberge, Rhön-Grabfeld sowie südöstlicher Landkreis Schweinfurt.

Die Regionalplanung der Region Main-Rhön wies zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses (Juli 2001) folgenden Stand auf:

Regionalplan, in Kraft getreten am 01.08.1988

  • Erste Änderung: Wiederaufnahme des Schienenverkehrs mit Thüringen über die Strecke Schweinfurt – Mellrichstadt – Meiningen; in Kraft getreten am 01.02.1991
  • Zweite Änderung: Bannwald; in Kraft getreten am 01.10.1995
  • Dritte Änderung: Grenzlandfortschreibung; in Kraft getreten am 01.10.1995
  • Vierte Änderung: Hochwasserrückhaltebecken Bad Bocklet; in Kraft getreten am 01.08.1994
  • Fünfte Änderung: Gesamtfortschreibung Teil I, Beteiligungsverfahren;
  • Neufassung der Fachkapitel II Siedlungswesen, III Land- und Forstwirtschaft, IV Gewerbliche Wirtschaft, Abschnitt 2.1 Gewinnung und Sicherung von Bodenschätzen, VII Sozial- und Gesundheitswesen, IX Verkehr, Termin der 1. Anhörung 01.08.2001.

In der Folge der innerdeutschen Grenzöffnung wurden wichtige Verkehrsadern nach Thüringen – einhergehend mit der Ausbildung entsprechender Entwicklungsachsen – reaktiviert bzw. sind entsprechende Maßnahmen geplant:

  • Eisenbahnverbindung Schweinfurt – Bad Neustadt a.d. Saale – Mellrichstadt – Meinigen als Teil der überregional bedeutenden Verbindung Stuttgart – Würzburg – Erfurt – Berlin
  • Bau der BAB A71 von Schweinfurt nach Thüringen.

Darüber hinaus soll der weitere Ausbau der Bundeswasserstraße Main deren Leistungsfähigkeit erhöhen.

Die ehemalige Grenzregion erhofft sich von diesen Maßnahmen wirtschaftliche Impulse, nicht zuletzt auch durch die verbesserte Anbindung an die Main-Donau-Wasserstraße über den Hafen Schweinfurt.

Flächenansprüche resultieren neben den o.g. Maßnahmen vor allem aus dem Abbau von Bodenschätzen. Gipsvorkommen erstrecken sich bandartig westlich der Hassberge und des Steigerwalds und kommen in größeren Flächen auch am Südrand der Südrhön sowie südöstlich Schweinfurt vor. Darüber hinaus kommt dem Basaltabbau (vor allem in der Hohen Rhön) insofern eine besondere Bedeutung zu, als es sich um in Bayern seltene Rohstoffvorkommen handelt. Kies- und Sandabbau findet in erheblichem Umfang im Maintal oberhalb Haßfurt und unterhalb Schweinfurt statt.

Insgesamt ist die Region 3 bezogen auf die vorherrschende Flächennutzung nach wie vor ein überwiegend land- und forstwirtschaftlich geprägter Raum mit allerdings sehr unterschiedlichen Produktionsbedingungen (Grenzertragslagen in Mittelgebirgen bis hin zu sehr ertragreichen Gäuflächen). Auf Grund des anhaltenden Strukturwandels nimmt die Bedeutung der Landwirtschaft für den Arbeitsmarkt generell, vor allem aber in den Gebieten mit schlechteren Produktionsbedingungen weiter ab. Gleichzeitig ist damit das landschaftliche Erscheinungsbild starken Änderungen unterworfen, die sich z.B. im Gebiet der „Schwarzen Berge“ durch die Waldzunahme der letzten Jahrzehnte bereits heute besonders deutlich zeigen.

Dies kann in der Region 3 in den touristisch bedeutenden Mittelgebirgen, die als Naturparke landschaftsbezogene Erholungsformen anstreben und damit auf eine vielfältige Kulturlandschaft essentiell angewiesen sind, besonders problematische Auswirkungen nach sich ziehen.

Brennpunkte des raumplanerischen Handlungsbedarfs sind in der Region 3

  • das Maintal, da dieses sowohl als Entwicklungsachse als auch für Naturschutz und Landschaftspflege wichtige und sich nicht selten gegenseitig ausschließende Aufgaben zu erfüllen hat, sowie
  • der Verdichtungsraum Schweinfurt, in dem Fragen der naturbezogenen Naherholung, des Naturschutzes, des Landschaftsverbrauchs durch Siedlung und Infrastruktur, der Siedlungsdurchgrünung und stadtklimatische Aspekte eine bedeutende Rolle spielen.

Darüber hinaus stellen

  • die Entwicklung an der Achse Schweinfurt – Bad Kissingen – Münnerstadt – Bad Neustadt a.d. Saale – Mellrichstadt,
  • die o.g. Abbauvorhaben und
  • die Erhaltung der Kulturlandschaft der Naturparke auf landwirtschaftlich schlechteren Standorten

bedeutende raumplanerische Herausforderungen dar.



 

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