3 Planungsgrundlagen

Zum Verständnis der landschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in der Region Main-Rhön werden in den folgenden Kapiteln die natürlichen Voraussetzungen, die historische Entwicklung der Flächennutzungen und die aktuelle Bestandssituation erläutert.


3.1 Natürliche Grundlagen

Die natürlichen Grundlagen der Untersuchungsregion Main-Rhön werden von sehr unterschiedlichen geologischen Gegebenheiten bestimmt. Daher sind hier die natürlichen Voraussetzungen außergewöhnlich vielfältig. Die Unterschiedlichkeit der Verhältnisse wird dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb dieser Planungsregion vier verschiedene „Gruppen naturräumlicher Haupteinheiten“ zusammentreffen. Es sind dies:

  • 11  Fränkisches Keuper-Lias-Land
  • 13 Mainfränkische Platten
  • 14 Spessart, Südrhön
  • 35 Osthessisches Bergland


3.1.1 Naturräumliche Gliederung

Die landschaftliche Vielfältigkeit der Region Main-Rhön zeigt sich daran, dass innerhalb der o.g. vier „Gruppen naturräumlicher Haupteinheiten“ 14 naturräumliche Haupteinheiten (nach Meynen & Schmithüsen 1962) auftreten (siehe Abbildung 3.1 ). In der folgenden Auflistung sind diejenigen Haupteinheiten kursiv gedruckt, die nur äußerst kleinflächig in die Region reichen und daher im Zuge der anschließenden Beschreibungen mit anderen Haupteinheiten zusammengefasst wurden.

Osthessisches Bergland (35)

  • Hohe Rhön (354)
  • Vorder- und Kuppenrhön (353)

Spessart, Südrhön (14)

  • Südrhön (140)
  • Sandsteinspessart (141)

Mainfränkische Platten (13)

  • Grabfeldgau (138)
  • Wern-Lauer-Platten (135)
  • Gäuplatten im Maindreieck (134)
  • Schweinfurter Becken (136)
  • Hesselbacher Waldland (139)
  • Steigerwaldvorland (137)
  • Mittleres Maintal (133)

Abbildung 3.1: Naturräumliche Gliederung (nach MEYNEN & SCHMITHÜSEN 1962)

 

Fränkisches Keuper-Lias-Land (11)

Die naturräumlichen Haupteinheiten Haßberge und Steigerwald sind sehr ähnlich und werden nur durch das Maintal getrennt. Innerhalb dieser beiden Einheiten bestehen jedoch zwischen den Steilanstiegen und den Hochflächen erhebliche Unterschiede. Daher werden hier die beiden Naturräume gemeinsam behandelt, aber innerhalb der Naturräume die Steilanstiege und die Hochflächen voneinander unterschieden:

  • Steigerwald (115) und Haßberge (116) – Steilanstiege (= Steigerwald- und Haßbergetrauf)
  • Steigerwald (115 ) und Haßberge (116) – Hochflächen
  • Itz-Baunach Hügelland (117).

Die naturräumlichen Haupteinheiten „Sandsteinspessart“ und „Mittleres Maintal“ nehmen nur sehr geringe Flächenanteile in der Region 3 ein. Sie werden daher im folgenden nicht gesondert behandelt und stattdessen den Einheiten „Südrhön“ und „Schweinfurter Becken“ zugeschlagen.

Im folgenden werden die naturräumlichen Haupteinheiten kurz beschrieben.

HOHE RHÖN (354)  
Dieser Naturraum verläuft entlang der nordöstlichen Grenze der Region Main-Rhön zu Hessen.
Die Landschaft dieses Naturraums wird von den im Tertiär entstandenen Basaltplateaus und -kuppen geprägt. Der zentrale Teil (Grenzgebiet) dieses kleinen Gebirgszuges ist ein Basaltplateau mit 300 - 400 m hohen Randgehängen ("Lange Rhön"). Die Hohe Rhön unterteilt sich weiter in die Bereiche "Schwarze Berge" und "Kreuzbergrhön". Der geologische Aufbau wird von einer stellenweise bis zu 60 m mächtigen Basaltdecke bestimmt, die hauptsächlich einem Buntsandsteinsockel aufliegt.

Hinsichtlich Geologie und Relief unterscheiden sich die 3 oben genannten Bereiche wie folgt:

  • "Schwarze Berge": Basalte, die von Unterem Muschelkalk unterlagert werden, darunter stehen Röttone und -mergel an; sie setzen sich im wesentlichen aus 2 Rücken zusammen, die ihrerseits in einzelne aus Basalt und Muschelkalk bestehende Kuppen und Rücken aufgelöst sind; in Rand- und tiefen Tallagen tritt Buntsandstein hervor; die Höhen reichen bis 839 m üNN.
  • „Kreuzbergrhön“: bis 928 m üNN aufragendes Bergland mit wechselndem Gesteinsaufbau; im unteren Teil Oberer Buntsandstein, der von Muschelkalk überlagert wird. Basaltlager (bis 60 m dick) bilden auf der Höhe das Hangende der Triasschichten. Am Kloster Kreuzberg streicht Mittlerer Muschelkalk aus und nördlich stehen unterhalb des Gipfels Lettenkeuper und Gipskeuper an.
  • „Lange Rhön“: die vergleichsweise ebene Hochfläche entstand durch die dichten Abstände der einzelnen Vulkanschlote, so dass die Basaltströme fast immer zusammenflossen und eine gemeinsame Decke bildeten; Anstieg bis 923 m üNN; in den flachen Mulden an der Oberfläche entstanden aufgrund der tonigen Verwitterungsprodukte, die sich in ihnen sammelten, häufig Moorbildungen.

In der „Kreuzbergrhön“ entspringen die Bäche Sinn, Kellersbach und Schmalwasserbach, die mit ihren feuchten, von Wiesen bedeckten Quellmulden teils weit in das Bergland zurückgreifen.
In den „Schwarzen Bergen“ und der „Kreuzbergrhön“ gibt es an der Basis der Basalte zahlreiche Quellaustritte. Am Fuß der „Schwarzen Berge“ entspringen Thulba und Aschach.
In der „Kreuzbergrhön“ sind die vorwiegend lehmigen Böden teils bewaldet, teils – besonders in tiefen Lagen – Grünland. In den „Schwarzen Bergen“ befinden sich ausgedehnte Wiesen auf vorwiegend lehmigem Boden, einzelne Steilhänge tragen Laubwald. Die „Lange Rhön“ wird heute von großflächigem Dauergrünland geprägt.
Alle drei Bereiche sind nahezu siedlungsfrei. Der gesamte Naturraum liegt im Biosphärenreservat Rhön (nahezu ausschließlich Kern- und Pflegezonen). Der Südwestteil des Naturraums wird vom Truppenübungsplatz Wildflecken eingenommen.
Klimatisch befindet sich hier die Kälteinsel des nordwestlichen Bayerns: 5 - 6°C Durchschnittstemperatur, 140 Frosttage, mit bis zu 1100 mm relativ hoher Niederschlag.

  • Besonderheiten:
  • am Kreuzberg großes Basaltblockmeer
  • die südliche Hochrhön gehört zu den Gebiete mit besonders hoher Biotopdichte; auch ohne Einbeziehung der Militärgelände liegt der Biotopflächenanteil hier bei über 11%
  • das NSG „Schwarze Berge“ ist das größte außeralpine NSG in Bayern (3160 ha).
 
VORDER- UND KUPPENRHÖN (353)  

Dieser Naturraum ragt an 2 Stellen - unterbrochen durch die dazwischen liegende Hohe Rhön (354) - in die Region Main-Rhön hinein: im Westen (Lkr. Bad Kissingen) und im Norden der Region (Lkr. Rhön-Grabfeld).

Südliche Vorder- und Kuppenrhön (= Brückenauer Kuppenrhön):
Dieser Teil des Naturraumes besteht aus einem in bewaldete Rücken und Kuppen aufgelösten Bergland. Über dem Fundament aus Mittlerem Buntsandstein liegen die Schichtfolgen des Oberen Buntsandsteins (Röt), Muschelkalks und Keupers, wobei die letzteren jedoch nur dort erhalten sind, wo sie durch Basaltdecken geschützt sind.

Südlich und östlich von Bad Brückenau gibt es zahlreiche Basaltdurchbrüche, die in der Landschaft als isolierte Basalt-Bergkegel aufragen und das Landschaftsbild prägen (Dreistelzberg 660 m üNN, Pilsterköpfe 637 m üNN, Mettermich 585 m üNN etc.).
Durch die Sinn und ihre Nebenbäche wird dieser Naturraum in einzelne weitgespannte Buntsandsteinrücken zerlegt, denen stellenweise die oben beschriebenen Basaltkuppen aufsitzen. Die Bäche fließen dazwischen in recht breiten, als Grünland genutzten Muldentälern. Die Sinn folgt in ihrem gesamten Verlauf in der Region der Aufwölbungsachse der Spessart-Rhön-Schwelle. Im Scheitel dieser Aufwölbung hat sie sich ein tiefes Tal geschaffen (bei Bad Brückenau Talflanken von 200 m Höhe). Das Gebiet um Motten entwässert als einziger nennenswerter Bereich der Region Main-Rhön über die Fulda in die Weser.
Die sandigen bis lehmigen Böden tragen auf den Höhen und Kuppen überwiegend Mischwald, nur an flachen Hängen und in den Tälern gibt es auch landwirtschaftliche Nutzungen.
Besonderheiten stellen die gashaltigen Quellen um Bad Brückenau dar, bei denen es sich um Erscheinungen der früheren vulkanischen Tätigkeiten handelt. Eine weitere Besonderheit sind die Massenvorkommen von Schachbrettblumen in den Sinnwiesen unterhalb Zeitlofs.

Nördliche Vorder- und Kuppenrhön (= östliches Rhönvorland):
Im Osten der Einheit herrschen bewaldete Sandsteinrücken vor, die durch Kerbtäler getrennt sind und im Westen steil zur Talsohle der Streu abfallen. Daran schließt sich im Westen die breite, offene Fladunger Mulde an, die der Abdachung der Langen Rhön vorgelagert ist und überwiegend ackerbaulich genutzt wird.
Einige Bäche in diesem Naturraum weisen in Teilbereichen noch ein naturnahes, mäandrierendes Bett auf. Bei den Böden sind Braunerden mit geringem Nährstoffvorrat und geringer Wasserkapazität weit verbreitet. Eine Besonderheit sind die Kalkmagerrasen auf Wellenkalk am Südrand des Naturraums und an den Hängen zum Streutal.

 
SÜDRHÖN (140)  
Der Naturraum Südrhön bildet einen stark bewaldeten, überwiegend hochflächenartig ausgeprägten Raum. Geologisch herrscht Buntsandstein (teils Oberer, teils Mittlerer Buntsandstein) vor. Das Relief bildet eine Abdachung vom Fuß der Hohen Rhön bis zum Rand des Tales der Fränkischen Saale von 450 m auf 350 - 300 m üNN. Die Hochflächen sind durch eine Reihe von Tälern lebhaft zerschnitten. Somit entstand ein Raumgefüge von breiten, vornehmlich bewaldeten, z.T. auf der Höhe abgeflachten Rücken und schmalen Sohlenkerbtälern, die im Bereich der Hochflächen in weiten Mulden auslaufen.

Die wasserreichen Bäche werden von der Fränkischen Saale aufgenommen, die in dem Abschnitt von der südwestlichen Regionsgrenze bis Bad Kissingen und im Gebiet um Bad Neustadt a.d. Saale in etwa der Wellenkalkstufe, die südlich an den Buntsandstein anschließt, folgt. Im mäanderreichen Tal der Fränkischen Saale wechseln Abschnitte mit ausgeprägten Prall- und Gleithängen im Buntsandstein mit reizvollen Engtalstrecken (Durchbruch Kissinger Sattel) und Talerweiterungen (bei Bad Neustadt und Hammelburg).

Die Böden des Buntsandsteins sind überwiegend sandig mit wechselnden Lehmanteilen.
Bei der Nutzung überwiegt der Wald. In den Tälern dominiert Grünlandnutzung, was zum charakteristischen Erscheinungsbild der Landschaft erheblich beiträgt.

 
GRABFELDGAU (138)  
Dieser Naturraum zieht sich langgestreckt vom Norden der Region Main-Rhön entlang der Westgrenze der Haßberge bis hin zum Rand des Maintales.
Es handelt sich um eine wellige bis hügelige Beckenlandschaft, die sich von den umgebenden, überwiegend bewaldeten Bergländern deutlich als tiefergelegenes, hinsichtlich seiner Oberflächengestalt schwach gegliedertes und nur wenig bewaldetes Gebiet abhebt.
Innerhalb der Region Main-Rhön steht ganz im Westen Muschelkalk an; nach Osten folgen die wenig widerstandsfähigen Schichten des Letten- und des Gipskeupers. Stellenweise gibt es großflächige Lössüberdeckungen.
Eine Besonderheit bilden zahlreiche herausgewitterte Basaltschlote, die als bewaldete Kuppen das Niveau der Mainfränkischen Platten überragen. Die Lössbedeckten Gebiete des Königshofener Gäus und der Nassachsenke sind fast eben. Die Talzüge sind meist muldenförmig in die Platten eingesenkt. Markantere Talformen mit deutlichen Hangleisten oder ausgeprägten Einschnittstrecken treten vor allem in den Muschelkalkgebieten des Grabfeldgaus auf (z.B. Milztal bei Waltershausen, Tal der fränkischen Saale oberhalb Hollstadt) oder dort, wo widerstandsfähige Keuperschichten (z.B. Kalksteinlagen des Unteren Keupers) anstehen. Im Muschelkalk-Bereich kommen auch Trockentäler vor.
Die Böden sind vielfältig und wechseln auf engem Raum z.T. stark: die Lehmböden des Keupers tragen stellenweise mächtige Lössdecken und bilden gute Ackerböden, auf Lössuntergrund haben sich Parabraunerden gebildet, auf den Tonsteinen und Mergeln Pelosole und Pseudogleye, auf den Sandsteinen Braunerden und über dem westlich gelegenen Muschelkalk Scherben-Rendzinen.

Ackerbau bildet die vorherrschende Flächennutzung, der Waldanteil ist gering (20%). Die ursprüngliche Vegetation des Grabfeldgaus war ein lichter Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald.
 
WERN-LAUER-PLATTEN (135)  

Dieser Naturraum verläuft südöstlich des Naturraumes Südrhön (140) diagonal durch die Region Main-Rhön, wobei sich zwei Teilbereiche unterscheiden lassen:

  • die Hochfläche und
  • die Steilstufe aus Wellenkalk, die am Westrand den Übergang zum Naturraum Südrhön bildet.
Geologisch prägen Muschelkalkplatten den Naturraum. Auf der Hochfläche stehen überwiegend Mittlerer und Oberer Muschelkalk, stellenweise auch Unterer Muschelkalk an. In der Steilstufe stellt der Untere Muschelkalk (= Wellenkalk) das dominierende Ausgangsgestein dar. Eine Besonderheit bildet das Gebiet der Kissingen-Haßfurter Störungszone, hier sind Bruchschollen der gesamten Schichtenfolge von Mittlerem Buntsandstein bis Unterem Keuper zu finden.
Das Relief der Steilstufe stellt sich als stark zerlappte Schichtstufe mit einem Höhenunterschied von 100 - 150 m zur Fränkischen Saale hin dar. Die wenigen Bäche haben sich tief in die Steilstufe zurückgeschnitten. Die Hochflächen sind dagegen flachwellig und haben eine durchschnittliche Höhenlage von 300 - 350 m üNN, teils bis fast 400 m üNN; die höchste Erhebung mit 427 m üNN bildet die bewaldete Basaltkuppe des Reußenberges im Truppenübungsplatz Hammelburg als südlichster Basaltberg des Rhönvulkanismus.
Die Entwässerung des Naturraums erfolgt überwiegend über die Flüsse Wern und Lauer. Die Gewässernetzdichte ist gering und die Bäche sind wasserarm. Nur in wenigen Tälern gibt es ganzjährig wasserführende Bäche. Auch die tief eingeschnittenen Bäche der Steilstufe führen nur wenig Wasser der Fränkischen Saale zu.
Im Gebiet der Kissingen-Haßfurter Störungszone befinden sich Grundwasservorkommen, über denen relativ großflächige Wasserschutzgebiete ausgewiesen sind.
Auf der Hochfläche verwittert der Obere Muschelkalk meist zu steinigen Lehmböden, dagegen entstanden aus dem Mittleren Muschelkalk tiefgründige, feinsandige bis lehmige Böden. Hier bilden diese Böden ebenso wie die stellenweise auftretenden Lössüberdeckungen die Grundlage für den Ackerbau. Auf der strukturarmen Hochfläche liegen deshalb große zusammenhängende Feldfluren mit intensiver Landwirtschaft.
Im Vergleich zu den meisten anderen Naturräumen der Mainfränkischen Platten gibt es hier verhältnismäßig waldreiche Gebiete, vor allem über Unterem und Oberem Muschelkalk.
In den Tälern der Steilstufe sind kleinere Lössablagerungen erhalten geblieben; von diesen tiefgründigen Lehmböden abgesehen, herrschen, insbesondere an den Steilhängen, flachgründige Rendzinen vor.
An der Steilstufe gibt es aufgrund der Exposition der Steilhänge, der geringen Wasserhaltung der Böden und dem trocken-heißen Klima heute noch an zahlreichen Hängen kleinflächig Weinbau. Hier konnten sich auf aufgelassenen Weinbergen, Steilhängen und extrem flachgründigen Stellen an den Oberhängen Halbtrocken- und Trockenrasen entwickeln.
 
GÄUPLATTEN IM MAINDREIECK (134)  
Ein kleiner Teilbereich dieses Naturraumes, der die Fortsetzung des Ochsenfurter Gäus bildet, ragt südwestlich Schweinfurt in die Region Main-Rhön.
Charakteristisch sind mächtige eiszeitliche Lössdecken über Schichten des Lettenkeupers. Es handelt sich um eine Hochfläche mit schwach bewegtem Relief in einer Höhenlage von 240 - 280 m üNN. Die Übergänge zu den Naturräumen Wern-Lauer-Platten (135) und zum Schweinfurter Becken (136) sind fließend. Zum Maintal dagegen fällt die Gäuplatte um 50 - 100 m steil ab.
Die geologischen Ausgangsbedingungen führten zur Bildung landwirtschaftlich sehr ertragreicher Böden (Parabraunerden aus Löss).
Diese sehr guten Nutzungsbedingungen bewirken eine intensive landwirtschaftliche Nutzung mit hohem Ackeranteil, wodurch eine strukturarme Landschaft entstanden ist, die lediglich durch ein weitmaschiges Gewässernetz gegliedert wird. Wälder fehlen fast ganz oder besitzen nur geringe Ausdehnung.
 
SCHWEINFURTER BECKEN (136)  
Dieser relativ kleinflächige Naturraum liegt innerhalb der Region Main-Rhön im Bereich um die Stadt Schweinfurt und schließt den Westteil des Maintals in der Region 3 ein. Der Naturraum gehört zu den trockensten Gebieten Deutschlands.
Charakteristisch sind im zentralen Bereich mächtige Kiesaufschüttungen des Mains, die eine relativ ebene Fläche bilden, in der nahezu alle ehemals bestehenden Reliefunterschiede mit Kies ausgeglichen sind. Aus den Schotterfluren ragen stellenweise Rücken des überschütteten Lettenkeupers, der im Muschelkalk versenkt ist, heraus.
Geologisch handelt es sich um eine tektonische Senkungszone im Muschelkalk, die vom Main und der Oberen Wern im Laufe der letzten Kaltzeit mit Schottern aufgefüllt wurde. Besonders zu erwähnen ist das mächtige Lösspolster, das den westlich des Maintals gelegenen Teil überzieht. Hier stehen die Schichten des Unteren Keupers an, die stellenweise von fluviatilen Sedimenten und Löss überlagert sind.
Die Niveauunterschiede innerhalb des Naturraums sind gering. Die Wasserscheide zwischen Wern und Main liegt nur 4 m über der Wern und 25 m über dem Main.
Westlich der weiten Talebene des Mains durchzieht die Wern einen flachen, ehemals von Wiesen bedeckten Talboden; ihre Nebenbäche zerlegen den Beckengrund in sanfte Rücken. Der Westteil der Einheit bildet somit im Gegensatz zum deutlicher gegliederten Nordteil eine wenig zerschnittene, allmählich nach Westen ansteigende Ebene.
Fruchtbare Parabraunerden aus Löss ergeben im Westteil sehr gute Ackerböden, die Talsohle des Maintales wird vielerorts von fruchtbaren, gut durchfeuchteten, z.T. anmoorigen Schwemmböden bedeckt und am Ostrand des Maintales breiten sich z.T. ausgedehnte Dünen- und Flugsandfelder mit charakteristischen Kiefern-(Eichen-)Wäldern aus.
Aufgrund der guten Ackerböden herrscht im Schweinfurter Becken, abgesehen von wenigen Waldstücken, Ackernutzung vor. Auf den Schotterterrassen des Mains werden auch Gemüse und Obst und an den sonnenseitig exponierten Hängen östlich Schweinfurt Wein angebaut.
Die mächtigen Schotterverfüllungen des Maintales werden in Nassbaggerungen abgebaut.
Im Süden durchfließt der Main eine Engtalstrecke innerhalb des Oberen Muschelkalk, die bereits zum Naturraum 133 (Mittleres Maintal) gehört.
 
HESSELBACHER WALDLAND (139)  
Dieser nordöstlich der Stadt Schweinfurt liegende Naturraum verdankt seine Eigenständigkeit innerhalb der Fränkischen Platten einer West-Nordwest – Ost-Südost verlaufenden Aufwölbung, in deren Bereich die Gesteine des Keupers abgetragen sind und sich der Muschelkalk weit nach Osten in das umgebende Keuperland hinein erstreckt. Es erscheint als geschlossener, bewaldeter Höhenzug. Im Süden ist meist Lettenkeuper anstehend, nur in den Tälern und im Nordteil sowie an den Maintalhängen östlich Schweinfurt tritt Muschelkalk hervor.
Das Hesselbacher Waldland überragt mit Durchschnittshöhen um 370 m üNN (höchste Erhebung 421 m üNN) die Mainfränkischen Platten im Westen um rund 50 m und den südlichen Grabfeldgau um fast 100 m. Während im Westen zu den Wern-Lauer-Platten und im Osten zum Grabfeldgau keine scharfen Begrenzungen bestehen, fällt das Hesselbacher Waldland zum Maintal und zum Schweinfurter Becken hin deutlich ab.
Die Hochfläche wird im Süden durch zahlreiche zum Main fließende Bäche, die sich bis auf Mainniveau eingetieft haben, in Riedel zerlegt. Sie haben steile, bis in den Muschelkalk eingeschnittene Kerbtäler ausgebildet, die sich oberhalb der Quellaustritte als Trockentäler fortsetzen; im Norden des Naturraums überwiegen dagegen Muldentäler, die nur nach starken Regenfällen Wasser führen.
Größere Gebiete nimmt der Lettenkeuper (= Unterer Keuper) ein, dessen tonige Schichten von Lösslehm bedeckt sind; aus dem Muschelkalk entstanden steinige Böden mit nur mäßiger Ertragsfähigkeit. Bei der Nutzung überwiegt der Wald, auf geeigneten Standorten bestehen weite Ackerflächen, es gibt vergleichsweise wenige Siedlungen.
Bemerkenswert sind Laubwälder mit großen Eichenbeständen.
 
STEIGERWALDVORLAND (137)  
Dieser Naturraum beginnt im Südosten der Region Main-Rhön und umfasst dort nur das Maintal; ungefähr ab Zeil am Main verbreitert sich der Naturraum und nimmt noch die Flächen südlich des Main hinzu; vor Schweinfurt (Gädheim) verlässt dieser Naturraum das Maintal und umfasst nur noch die zwischen Maintal und Steigerwald liegenden Flächen, die dann zusammen mit dem Steigerwald den südlichsten Teil der Region bilden. Geologisch überwiegt der Lettenkeuper, der in der Südwesthälfte von Flugsand und am Südrand der Region von Lössauflagen überdeckt ist.

Ein Streifen von Schwebheim bis Sulzheim wird ebenso wie ein breiter Saum am Ostrand des Naturraumes von Gipskeuperablagerungen geprägt, in deren bunten Mergeln (im Gebiet Schwebheim – Grettstadt – Sulzheim – Mönchstockheim) einzelne Gipslinsen eingelagert sind. Der Gipskeuper erreicht eine Mächtigkeit von 100 – 200 m.

Vom Mittleren Maintal bzw. Schweinfurter Becken steigt das Steigerwaldvorland von ca. 200 m üNN meist ganz allmählich bis zum ca. 280 - 300 m üNN hoch gelegenen Fuß des Steigerwaldtraufs; nur dort, wo der Muschelkalk noch über den Main (bei Untereuerheim und Schonungen) nach Süden und (bei Wipfeld) nach Osten auslappt, bilden steilere Hänge die Begrenzung zwischen Maintal und Steigerwaldvorland. Ansonsten erfolgt ein langsamer Übergang vom Hochwasserbett des Mains über sandige Aufschüttungsflächen, die teilweise von Sanddünen überzogen sind, zu den anstehenden Mergelzonen des Gipskeupers bis zur Vorhügelzone am Fuße des Steigerwaldtraufs.
Die wasserstauende Wirkung der meist schweren Böden bewirkt ein dichtes Gewässernetz. Die Bäche haben sich am reicher beregneten Trauf des Steigerwaldes schluchtartig eingegraben und bilden dann im Gipskeuper kilometerbreite flache Wannen.
Die Böden wechseln von Flugsandböden zu Löss- und Keuperböden. Die Gipskeupertone bilden schwere Böden und wirken wasserstauend; kennzeichnend für diese Böden sind 3 Aspekte:

  • bei starken Niederschlägen bzw. durch Schneeschmelze erfolgt von Natur aus starker oberflächiger Wasserabfluss, wodurch Niederungen in flache Seen umgewandelt werden und der Boden zu einer klebrigen Masse wird (Minutenböden)
  • bei Trockenheit entstehen tiefe Bodenrisse
  • reine Gips-Untergründe zeigen deutliche Verkarstungserscheinungen, wie Einbrüche (Subrosionen), Karst-Wasseradern usw..
  • Bei der Nutzung dominieren Ackerflächen in der meist ebenen, ausgeräumten Landschaft. In den oben genannten breiten, flachen Wannen konnten ausgedehnte Flachmoorgebiete, wie das Grettstädter Moor, entstehen und außerdem größere Fischteiche angelegt werden.

Eine Besonderheit bilden die floristisch außerordentlich reichen Gebiete des „Grettstädter Reliktengebiets“ und des Sulzheimer Gipshügels.
Der Steigerwaldtrauf und sein unmittelbares Vorland weisen im Gegensatz zur Ebene ein deutlich stärker gegliedertes Relief auf. Ein kleinräumigerer Wechsel zwischen Acker- und Grünlandflächen sowie Streuobstwiesen bewirken ein abwechslungsreicheres landschaftliches Erscheinungsbild. Fast jeder Ortsrand ist von Obstgehölzen umgeben. In diesem Teil des Naturraums sind als Besonderheit die noch in nennenswerter Zahl anzutreffenden Streuobstäcker zu erwähnen.

 
STEIGERWALD (115) UND HASSBERGE (116) – STEILANSTIEGE
Der Steigerwald- und der Haßbergetrauf verlaufen in Nord-Süd-Richtung und sind durch das Maintal unterbrochen. Diese bewaldeten Bergzüge steigen steil 150 – 200 m aus den weithin waldfreien Gäulandschaften des Steigerwaldvorlandes bzw. des Grabfeldgaus auf. Die Höhen reichen bis fast 500 m üNN. Geologisch werden sie von verschiedenen Sandstein-Keuperschichten mit leicht verwitterbaren tonigen Zwischenlagern des Gipskeupers bestimmt. Die wechselnde Folge von harten Sandsteinen und Kalkbändern mit weichen Tonen des Gipskeupers geben den Steilanstiegen eine markante, treppenartige Erscheinung mit Terrassen und Steilhängen
Durch die Neigung der Hochflächen nach Osten entwässern alle Bäche dieser Naturräume nach Osten. Daher konnten in den Traufbereichen im Westen keine ausgeprägten Bachtäler, sondern nur tief eingeschnittene Quellbäche entstehen, die bedingt durch die große Reliefenergie, zu einer starken Zertalung der Keuperstufen führten.
Aufgrund der starken Neigungen sind landwirtschaftliche Nutzungen in den Traufbereichen kaum möglich, so dass die Hänge überwiegend von Wald bedeckt sind. In den steilen Tälchen der Quellbäche gibt es Waldbestände mit Schluchtwaldcharakter.
Die wenigen nicht bewaldeten Landschaftsteile sind reich strukturiert und geprägt durch starken Wechsel von Neigung, Exposition und kleinräumiger Nutzung (vor allem Wiesen, Hutungen, Streuobst). Am südwestexponierten Haßbergetrauf und am westexponierten Steigerwaldtrauf werden stellenweise sonnenbedürftige Sonderkulturen wie Wein und Obst angebaut.
Der südliche Haßbergetrauf und der nordexponierte Steigerwaldtrauf im Osten der Region bilden gleichzeitig die steilen Hänge des hier tief eingeschnittenen Maintals. Vor allem die Steilhänge des südlichen Haßbergetraufs heben sich durch besondere, teils klimatisch bedingte Standortverhältnisse, von den übrigen Traufbereichen ab.
 
STEIGERWALD (115) UND HASSBERGE (116) – HOCHFLÄCHEN
Hinter den stark modellierten Traufzonen der Haßberge und des Steigerwaldes vermitteln langgestreckte, flache Rücken den Charakter von Hochflächen. Das dichte Gewässernetz hat die Hochflächen stark zu kleinen Plateaus, Restbergen, Riedeln und Hügeln aufgelöst. Dabei nimmt die Zertalung generell ostwärts stark zu. Geologisch bestehen diese Naturräume überwiegend aus den Schichten des Mittleren Keupers (Gips- und Sandsteinkeuper) und des Oberen Keupers, lokal liegen Reste des Unteren Jura (= Lias) auf. Besonders entlang der Täler sind die widerstandsfähigen Schichten des sehr differenzierten Keupers als Hangleiten herauspräpariert.
Die zahlreichen Bäche entwässern überwiegend nach Osten. Die Bäche des Steigerwaldes entwässern über Aurach und Rauhe Ebrach, die Bäche der Haßberge über Baunach und Nassach in den Main.
In beiden Naturräumen herrschen Sandsteinverwitterungsböden mit geringem Nährstoffgehalt und Wasserhaltevermögen vor.
Die ungünstigen Produktionsbedingungen (geringe Ertragsfähigkeit der Böden, kühl-trockenes Klima) bewirken hohen Waldanteile und eine geringe Besiedelungsdichte. Große Teile der Hochflächen stellen sich sogar als geschlossene Waldgebiete dar. Ausnahmen sind nur dort gegeben, wo höhere Lehmanteile dem Boden eine bessere Nährstoffausstattung verleihen. Dabei handelt es sich meist um die stärker wasserstauenden, tonig-lehmigen Böden der Tal- und unteren Hanglagen, in denen Grünlandnutzung und stellenweise auch Ackerbau möglich ist.
 
ITZ-BAUNACH HÜGELLAND (117)
Ein Teilbereich dieses Naturraumes bildet den östlichsten Teilraum der Region Main-Rhön. Es handelt sich um eine stark wellige, hügelige Landschaft, die von einem dichten Gewässernetz zu kleinen Plateaus, Restbergen und Hügeln aufgelöst wurde. Trotz geologischer Ähnlichkeit unterscheidet sich das Itz-Baunach-Hügelland von der Haßberge-Hochfläche durch die in Riedel aufgelösten Rhät- und Burgsandsteinbereiche sowie breite landwirtschaftlich genutzte Bachtäler, die wichtige Charakteristika des Itz-Baunach-Hügelland darstellen. Im Norden (östlich Bad Königshofen) hebt sich dieses Hügelland deutlich vom Grabfeldgau ab.
Vom Gipskeuper im Westen und Norden bis zum Sandstein im Osten tritt die gesamte reiche Palette der unterschiedlich resistenten Keuper- und Liasgesteine zutage.
Die Bachtäler des dichten Gewässernetzes im Itz-Baunach-Hügelland reichen teilweise bis auf die wasserstauenden Lehrbergschichten, wodurch feuchte Talgründe und damit gute Voraussetzungen für die hier verbreitete Teichnutzung bestehen. Die Bäche des Itz-Baunach-Hügellandes entwässern über Itz und Baunach in den Main.
Bei der Nutzung zeigt sich fast überall der Gegensatz von bewaldeten Sandsteinhöhen und waldfreien Bändern mit ackerwürdigen Böden. Dementsprechend dominiert auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen im Hügelland die Ackernutzung. In den z.T. noch regelmäßig überschwemmten Tälern werden große Flächenanteile als Grünland genutzt.

 

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