3.1.3 Biotische Grundlagen

Vegetation

In den verschiedenen Landschaften der Region Main-Rhön treten sehr vielfältige Vegetationseinheiten auf, von denen einige als landesweite Seltenheiten gelten. Sowohl bayernweit seltene geologische Formationen wie Basalt oder Wellenkalk als auch klimatische Besonderheiten wie die trocken-heißen Zonen in den tief liegenden Gäulagen der Mainfränkischen Platten haben zur Entwicklung von seltenen und gefährdeten Vegetationsgesellschaften beigetragen. Besonderheiten wie die großflächigen Borstgrasrasen und die Vegetation der Basaltblockhalden in der Höhen Rhön sind hier ebenso hervorzuheben wie die bemerkenswerten Eichen-Hainbuchenwälder im östlichen Schweinfurter Becken und im Steigerwaldvorland.

HOHE RHÖN
Die steilen Hänge der Hohen Rhön sind bewaldet. Ackernutzung gibt es hier kaum. In den Tälern herrscht die typische Grünlandnutzung vor, und auf der Hochfläche im Bereich der Langen Rhön befinden sich großflächige extensive Grünlandgesellschaften mit Hochmooren in den Mulden.
Prägend für die waldfreien Gebiete vor allem der Langen Rhön, der Schwarzen Berge und der Kreuzbergrhön sind die unterschiedlichsten Grünlandgesellschaften, unter denen besonders die Storchschnabel-Goldhaferwiesen, trockenen Magerrasen und Borstgrasrasen hervorzuheben sind. Große Teile der Wälder sind allerdings noch als naturferne oder stark überformte Bestände mit teils hohem Fichtenanteil ausgebildet; es kommen aber auch naturnahe Wälder vor, von denen die Karpatenbirkenwälder im Bereich der Hochrhön ihr Hauptvorkommen innerhalb des deutschen Mittelgebirgsraums haben.
Für die Landschaft um den Kreuzberg sind vielfältige Grünland-, Hecken- und Feuchtgebietskomplexe charakteristisch. Dazu gehören insbesondere komplexe Feuchtgebiete mit Quellgebieten, kleinflächigen Mooren, Streuwiesen, Großseggenrieden, Hochstaudenfluren, Nasswiesen, feuchten Borstgrasrasen, Heckenzeilen, Gebüschen, Feldgehölzen sowie Feucht- und Auwälder. Als Besonderheiten sind des weiteren die offenen Basaltblockhalden mit seltenen Pflanzengesellschaften zu nennen.
Am Ostanstieg der Langen Rhön sind vor allem die Wälder mit vielen bayernweit seltenen Besonderheiten, wie z.B. naturnahe Buchenwälder auf Basaltblockschutt und tiefgründigen Basaltverwitterungsböden sowie Kalkbuchenwälder auf steileren Hängen bemerkenswert. Auch in dieser Landschaft kommen teils wertvolle Gründlandgesellschaften vor; hierzu zählen großflächige Hutungen mit Borstgrasrasen auf Basalt und Buntsandstein, Kalkmagerrasen auf Muschelkalk, Pfeifengras-Streuwiesen, Waldstorchschnabel-Goldhaferwiesen etc. Außerdem gibt es hier sehr umfangreiche Heckensysteme.


VORDER- UND KUPPENRHÖN
In den großflächigen Wäldern der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön kommen Laub- und Mischwälder vor, die teilweise noch naturnah ausgeprägt sind. Daneben gibt es aber auch größere nadelholzdominierte Waldflächen. In der ebenfalls von großen Wäldern geprägten südlichen Vorder- und Kuppenrhön gibt es naturnahe Waldbestände nur noch auf wenigen Basaltkuppen. In den Tälern beider Naturraumteile überwiegt Grünland. In entwässerten Talabschnitten, auf flachen Hängen sowie in einem Bereich westlich der Streu herrscht Ackernutzung vor. Ansonsten sind die Täler des Naturraums von einem Mosaik aus Erlen- und Hochstaudensäumen entlang der Gewässer, Fettwiesen, Feuchtwiesen, Großseggenriedern und Hochstaudenfluren mit Weidengebüschen geprägt.
In den Gebieten mit anstehendem Wellenkalk an den Talhängen des Streutals und am Südrand der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön sind insbesondere die wertvollen Kalkmagerrasen, lichten Kiefernwälder und thermophilen Säume bemerkenswert.
Die Talhänge der südlichen Vorder- und Kuppenrhön zeichnen sich durch strukturreiche Komplexe aus trockenen Magerwiesen und –weiden, mageren Säumen, schmalen Acker- und Grünlandparzellen und zahlreichen Hecken aus.


SÜDRHÖN
Aufgrund der Standortverhältnisse liegt hier ein vergleichsweise hoher Waldanteil vor. Bemerkenswert ist vor allem die Großflächigkeit der Waldgebiete, deren Zusammensetzung von einheitlich aufgebauten Fichten- und Kiefernforsten über Laubmischwälder, die von Eiche und Buche dominiert werden, bis hin zu naturnahen Beständen, z.B. den edellaubholzreichen Hangwäldern an Talhängen, reicht.
Als Besonderheit ist der Neuwirthshauser Forst hervorzuheben, der sich einerseits durch zahlreiche Sonderstandorte (z.B. Niedermoor) und andererseits durch wertvolle Waldwiesen auszeichnet, die als Relikte der ehemaligen Waldwiesenwirtschaft zur Streu- und Futtergewinnung noch erhalten sind. Charakteristisch für diese Wiesenkomplexe ist ein vielfältiges Nebeneinander von Magerwiesen, Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen und Niedermooren.
Die überwiegend grünlandgenutzten Auen der Täler weisen ein Mosaik aus Fettwiesen, Feucht- und Nasswiesen, Großseggenriedern und Hochstaudenfluren mit Weidengebüschen sowie vereinzelt naturnahen Feuchtwäldern und Auwaldresten auf. Die Bäche werden teils von durchgehenden Erlen-Weiden-Hochstaudensäumen begleitet. In vielen Tälern liegen ausgedehnte Wiesenkomplexe mit feuchten Mähwiesen, Nasswiesen und Hochstaudenfluren.
Das Tal der Fränkischen Saale zeichnet sich durch ausgedehnte Grünlandbereiche aus, in denen vor allem den noch verbliebenen Nass- und Feuchtwiesen teils eine landesweite Bedeutung zukommt. Besonders bemerkenswert sind in der Saaleaue die letzten Reste natürlicher Salzvegetation in Bayern.
Die Steilhänge des Fränkischen Saaletals sind von mageren Grünlandgesellschaften und wertvollen naturnahen Wäldern geprägt. Vor allem im Bereich der Wellenkalksteilstufe treten hochwertigste Vegetationsbestände der Trockenstandorte auf. Im Bereich mit anstehendem Buntsandstein kommen bodensaure Magerrasen fragmentarisch als schmale Raine, Ranken, Heckensäume oder an Waldrändern vor. An den Hängen kommen naturnahe Wälder mit hohem Kiefern- und Eichenanteil (teils mit bedeutsamen Artenvorkommen) aber auch Obstwiesen vor. Große, zusammenhängende Flächen mit Magerrasen (Schaftriften) und Streuobstbeständen treten nur im Raum Aschach und östlich Aura auf.
Auch andere steile Talhänge in der Südrhön sind durch bemerkenswerte Vegetationseinheiten geprägt, z.B. die Hänge des Sinntals (nördlich der Sinn zum Sandsteinspessart gehörend) durch strukturreiche Komplexe aus Magerwiesen, mageren Säumen, schmalen Acker- und Grünlandparzellen und zahlreichen Hecken; an den Hängen des Schondra- und Thulbatals sind neben wertvollen Trockenlebensräumen teils auch naturnahe und edellaubholzreiche Hangwälder bestimmend. Unter den Heckengebieten der Südrhön ist vor allem das Heckengebiet am Südhang des Bauersberges (nördlich von Bischofsheim) hervorzuheben, das zu den bedeutendsten Heckengebieten Bayerns zählt.
Die Wellenkalkgebiete im Naturraum Südrhön nördlich und nordwestlich von Hammelburg zeichnen sich durch überregional und landesweit bedeutsame Mager- und Halbtrockenrasen sowie lichte Wälder auf Trockenstandorten, unter anderem Steppenheide-Kiefernwälder, aus.


GRABFELDGAU
Im Grabfeldgau überwiegt die Ackernutzung bei geringem Waldanteil. An wenigen Stellen sind naturnahe Feuchtgebiete in den Auen mit Seggen- und Röhrichtbeständen erhalten geblieben. Einige größere Waldgebiete liegen vor allem im mittleren und nördlichen Grabfeldgau. Als Besonderheit sind hier die noch in größerem Umfang vorkommenden Mittelwälder zu nennen.
Im nordöstlichen Grabfeldgau treten hochwertige Wälder mit teils noch aktuell genutzten Nieder- und Mittelwäldern in Kombination mit regional, überregional und landesweit bedeutsamen Vegetationseinheiten auf Trockenstandorten auf. Häufig sind den Wäldern breite, teils wärmeliebende Säume und Magerrasen vorgelagert, die mit Hecken und Gebüschen durchsetzt sind. Die Mittelwaldnutzung in enger Verzahnung mit Magerrasen, Hecken, Gebüschen, Streuobstbeständen und Waldrändern begünstigt eine Vielzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.
Viele Auen im Grabfeldgau sind grünlandgenutzt und mit typischen, teils hochwertigen Gewässer- und Auenlebensräumen ausgestattet, darunter auch noch größere Nasswiesen und eingestreute Auwald- bzw. Feuchtwaldreste. Besonders erwähnenswert sind hier die wertvollen Feuchtbiotope und Artenvorkommen im Gebiet des Milzgrunds.
Die besonders bedeutenden Vegetationsbestände der Trockenstandorte sind im Grabfeldgau einerseits auf anstehendem Wellenkalk und andererseits im Bereich des Gipskeupers zu finden. Die  eindrucksvollsten Kalkmagerrasen auf Wellenkalk - in Kombination mit thermophilen Waldrändern und lichten Wäldern - liegen an den Steilhängen zum Saale- und Streutal sowie an den nördlichen Hängen des Elsbachtals.
Die Lauertalhänge gelten zusammen mit den Gebieten nordwestlich von Oberlauringen als größtes zusammenhängendes Trockenverbundsystem auf Gipskeuper in Bayern. Die Trockenrasen auf Gipskeuper entsprechen einem besonderen Halbtrockenrasentyp, der durch den Mangel an pflanzenverfügbarem Wasser auf den Tonböden geprägt ist. An den Lauertalhängen kommen außerdem auch Hecken, Feldgehölze, Streuobst oder Raine in größerem Umfang vor.


WERN-LAUER-PLATTEN
Die Hochflächen werden aufgrund der Standorteignung überwiegend ackerbaulich genutzt. An den Steilhängen des Wellenkalkgebiets im nordwestlichen Teil des Naturraums konnten sich wegen der geringen Wasserhaltung der Böden und des trocken-heißen Klimas an Oberhängen sehr bedeutende Vegetationsgesellschaften entwickeln. Im Bereich aufgelassener Weinberge, an Steilhängen und extrem flachgründigen Stellen, insbesondere im Bereich der Wellenkalksteilstufe, finden sich Halbtrockenrasen und Trockenrasen, die an den Oberhängen meist in Kiefernwälder übergehen. Wacholderbüsche an den Hängen und in den lichten Wäldern weisen auf die ehemalige Schafbeweidung hin. Neben den lichten Kiefernwäldern sind auch naturnahe Laubmischwälder vorhanden. Insgesamt sind für das Wellenkalkgebiet vielfältige Lebensraumkomplexe charakteristisch, die sich aus Felsheiden, Kalkmagerrasen, trockenen Extensivwiesen, Streuobstbeständen, kleinen Weingärten, unterschiedlichen Sukzessionsstadien, Hecken, Gebüschen, thermophilen Saumgesellschaften und lichten Steppenheidewäldern zusammensetzen.
Das Areal des Truppenübungsplatzes Hammelburg ist durch landesweit bedeutsame Trockenstandorte bestimmt und durch großflächige Gebiete mit trockenem Grünland, insbesondere Kalkmagerrasen in Kombination mit Streuobstwiesen und z.T. gepflanzten Gehölzen geprägt.

GÄUPLATTEN IM MAINDREIECK
Die fruchtbaren Lössböden werden in dieser typischen Gäulage von einem hohen Ackeranteil eingenommen, so dass naturnahe Vegetationsbestände nur in geringem Umfang vorkommen. In der strukturarmen Landschaft liegen nur wenige Wälder, und diese weisen meist nur eine geringe Ausdehnung auf. Allerdings handelt es sich überwiegend um Laubwälder.
Selbst das Tal der Wern weist innerhalb des Naturraums einen hohen Ackeranteil und nur wenige Wiesengebiete auf. Als kleine Ausnahme ist hier ein Wiesenareal mit Feuchtwiesenresten im Bereich der Talquerung der Autobahn A 70 nordöstlich von Werneck zu nennen.


SCHWEINFURTER BECKEN
Aufgrund der guten Ackerböden herrscht im Westteil des Naturraums Ackernutzung vor. Die wenigen Waldstücke blieben auf den sandigen Standorten der Dünen- und Flugsandfelder östlich des Mains als charakteristische Kiefern-(Eichen-)Wälder erhalten. Im Bereich der Flugsandauflagen im östlichen Teil des Naturraums kommen außerdem einige Sandmagerrasen vor. Auf den Schotterterrassen am Main wird Gemüse und Obst und an den sonnenexponierten Hängen Wein angebaut. Auch innerhalb der Mainaue dominieren intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen. An den Talhängen des Maintals zwischen Garstadt und südlicher Regionsgrenze sowie in den sich anschließenden reich strukturierten Gebieten kommen wertvolle Vegetationsgesellschaften auf Trockenstandorten und größere Hecken- und Streuobstbestände sowie – insbesondere an den schwer zugänglichen Hanglagen – naturnahe Wälder vor.
Aufgrund seiner Sonderstellung ist es sinnvoll, das Maintal bezüglich der Vegetation nachfolgend gesondert zu behandeln.


MAINTAL
Trotz der starken Überprägung durch Siedlung, Gewerbe, Industrie, Infrastruktur und Kiesabbau haben sich im Maintal noch sehr wertvolle Vegetationsgesellschaften erhalten bzw. in Sekundärlebensräumen neu entwickelt. Die typische Vegetation im Maintal ist durch Gehölz- und Hochstaudensäume an den Ufern, Feuchtwiesen, Magerwiesen, Wasserpflanzengesellschaften der Flussaltwässer, Reste ehemals großflächiger Röhrichtgebiete, Seggensümpfe, Feucht- und Nasswiesen, vereinzelte Reste der Flussauwälder, großflächige Ruderalfluren sowie Magerrasen auf Sand- und Kiesflächen geprägt.


HESSELBACHER WALDLAND
Im Gegensatz zu den anderen Naturräumen der Mainfränkischen Platten liegt hier ein hoher Waldanteil vor, wobei großflächige Laubwälder mit hohem Eichenanteil dominieren. Daneben gibt es aber auch weite Ackerflächen und in den Tälern teilweise Wiesen.
In den großflächigen Wäldern kommen vielfach unterschiedliche Vegetationskomplexe auf Feucht- und Trockenstandorten vor; hervorzuheben sind hier insbesondere Halbtrockenrasen und thermophile Waldsäume. Einige strukturreiche Gebiete zeichnen sich im Hesselbacher Waldland durch wertvolle Vegetationsgesellschaften auf Trockenstandorten aus, z.B. im Raum Hausen und Marktsteinach sowie im Bereich des Wässernachtals und dessen Umfeld. Diese Gebiete sind vielfach geprägt durch extensive Nutzungsformen wie z.B. der Schafbeweidung. Die Maintalhänge, die sich von Obertheres bis östlich von Wülflingen erstrecken, stellen ein fast durchgängiges Band aus Streuobstbeständen, gemähten und verbuschenden Magerwiesen, Hecken, Gebüschen und Feldgehölzen dar.

STEIGERVORWALDLAND
Wie in den zuvor genannten Gäulagen der Mainfränkischen Platten dominieren auch hier ausgeräumte Ackerflächen. In breiten, wannenartigen Bachtälern konnten ausgedehnte Flachmoorgebiete entstehen. Im Bereich der Grettstädter Moorwiesen entwickelte sich daher eine floristisch außerordentlich reiche Vegetation vor allem in Form von Feucht- und Streuwiesengesellschaften; dazu kommt in unmittelbarer Nachbarschaft der Sulzheimer Gipshügel, ein floristisches, bundesweit einmaliges Kleinod mit einer Reliktflora kontinentaler Steppenvegetation. Das Tal des Unkenbachs und das Umfeld von Grettstadt wurden jedoch erheblich durch intensive landwirtschaftliche Nutzung überprägt, so dass von den wertvollen Vegetationsbeständen nur noch wenige Restflächen vorhanden sind; dennoch handelt es sich auch heute noch um ein landes- bis bundesweit bedeutsames Niedermoor- bzw. Streuwiesengebiet („Grettstädter Reliktengebiet“).
Als weitere Besonderheit im Steigerwaldvorland sind die landesweit bedeutsamen Eichen-Hainbuchen-Wälder mit ihren besonders wertvollen thermophilen Waldrändern zu nennen; sie zeichnen sich insbesondere durch ein Nebeneinander von wärmebedürftigen, trockenheitsertragenden Arten, Wechseltrockenheitszeigern, Azidophyten und auf den extremsten Standorten durch einige Arten südöstlicher Eichenwälder („Waldsteppenelemente“) aus.


STEIGERWALD UND HASSBERGE - STEILANSTIEGE
Am Steigerwald- und Haßbergetrauf bilden Wälder mit mehr als 50% Flächenanteil den dominierenden Vegetationstyp. Bemerkenswert sind Wälder mit Schluchtwaldcharakter in den steilen Tälern der Quellbäche, schattige Steilhangwälder, Buchenwälder, eichendominierte (ehemalige) Mittelwälder und Eichen-Hainbuchenwälder mit thermophilen Saumgesellschaften. Intensive landwirtschaftliche Nutzung ist aufgrund der meist steilen Hanglagen oft nicht möglich. Die offenen Bereiche sind reich strukturiert und kleinräumig gegliedert; Streuobstwiesen, Hecken, magere Wiesen und in wärmebegünstigten Lagen Weinberge sind hier charakteristisch. Besonders wertvoll sind in erster Linie die Vegetationsbestände auf den Trockenstandorten der Hänge.
An den nordseitigen Hängen des Steigerwalds zum Main sind auch edellaubholzreiche Wälder, teilweise mit Schluchtwaldcharakter zu finden, die ehemals als Niederwälder genutzt wurden. Die vielfältigen und strukturreichen Maintalhänge des südlichen Haßbergetraufs sind durch eine hohe Vielfalt mit Magerrasen, artenreichen Wirtschaftswiesen, mageren Säumen, Hecken- und Streuobstgebieten und naturnahen Wäldern sowie reich strukturierten unbereinigten Weinbergen charakterisiert.

STEIGERWALD UND HASSBERGE - HOCHFLÄCHE
Die geringe Bodenqualität und das kühl-trockene Klima bedingen auf diesen zertalten Hochflächen einen hohen Waldanteil. So besteht im Steigerwald heute ein Verbreitungsschwerpunkt naturnaher Buchenwälder. In den Tal- und unteren Hanglagen entstanden stärker wasserstauende, tonig-lehmige Böden, auf denen Grünland- und stellenweise Ackernutzung möglich ist.
Die zusammenhängenden Waldgebiete auf den Hochflächen besitzen schon allein aufgrund ihrer Großflächigkeit einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Verglichen mit den Wäldern des Steigerwaldes weisen die Wälder in den Haßbergen einen deutlich höheren Nadelholzanteil auf (vor allem Fichte und Kiefer). Daneben kommen aber auch hier viele naturnahe Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder vor. Der mittlerweile aufgelassene Standortübungsplatz Ebern in den Haßbergen stellt sich als Mosaik aus Kiefern- und Laubmischwäldern, mageren, mit Obstbäumen durchsetzten Wiesenhängen und ruderalisierten Brachen dar.
Entlang der Bachläufe in den Haßbergen wird die Vegetation von Erlen-Weiden-Säumen, Streuwiesenbrachen, Feuchtwiesen (teils verbracht oder aufgeforstet) und teils auch von kleinen Auwäldern bestimmt. In den Tälern des Steigerwalds sind Feuchtwiesen, durchgehende Erlen- und Hochstaudensäume an den Ufern, Flachmoorreste, Nass- und Feuchtwiesen typisch. An den Übergängen der Talaue zu den meist bewaldeten Hängen sowie an den Talhängen herrschen extensiv genutzte Mähwiesen und Schafweiden, durchsetzt mit Hecken, Gebüschen und Streuobst vor.
In den südlichen Haßbergen sind außerdem die Sandsteinbrüche bemerkenswert, von denen viele oder zumindest Teilflächen stillgelegt sind; in Teilbereichen, die der natürlichen Sukzession überlassen wurden, haben sich unterschiedlichste Vegetationsgesellschaften entwickelt: z.B. Pioniergesellschaften auf feuchten und trockenen Standorten, Bewuchs auf Felsen und Felsspaltenvegetation, bodensaure Magerrasen, Gebüsche und lichte Wälder.


ITZ-BAUNACH-HÜGELLAND
Auch das Itz-Baunach-Hügelland weist einen hohen Waldanteil auf, wobei ähnlich wie in den Haßbergen hier in den Wäldern der Nadelholzanteil (vor allem Fichte und Kiefer) deutlich höher ist als im Steigerwald; daneben gibt es aber auch viele Misch- und Laubwälder.
Als Besonderheit gelten hier die Rhätsandsteinbrüche auf den Kuppen des westlichen Itz-Baunach-Hügellands und der große Basaltsteinbruch am Zeilberg bei Maroldsweisach. In Teilbereichen, die der natürlichen Sukzession überlassen wurden, haben sich neben Pioniergesellschaften auf feuchten und trockenen Standorten unterschiedlichste Vegetationsgesellschaften wie bodensaure Magerrasen, verschiedene Gebüschformationen und lichte Wälder entwickelt; typisch ist hier auch die Felsspaltenvegetation.
Weite Teile des Naturraums werden ackerbaulich genutzt, vielerorts auch innerhalb der relativ breiten Talräume. Die regelmäßig überschwemmte Aue der von Erlensäumen begleiteten Baunach ist überwiegend grünlandgenutzt; an einigen Stellen sind Feuchtwiesenreste erhalten. Am Oberlauf und an den Quellbächen sind neben naturnahen Bachläufen Streuwiesenbrachen, kleine Auwälder und aufgeforstete Feuchtwiesen charakteristisch. Am Unterlauf und Mündungsgebiet zur Baunach liegt ein überregional bedeutsamer Feuchtwiesenkomplex. Auch das Weisachtal ist durch Erlen-Weiden-Säume an den Ufern geprägt und in Teilbereichen kommen ausgedehnte Seggenriede, Hochstauden- und Pestwurzfluren sowie bewirtschaftete Feuchtwiesen vor.
Das Itztal ist überwiegend von Intensivwiesen geprägt, die regelmäßig überschwemmt werden. Auch die in der Region liegenden Talabschnitte der Rodach und Alster sind mit überwiegend intensiv genutzten Talwiesen ausgestattet, die teils auf einen schmalen Saum zurückgedrängt sind, teils kommen aber auch regional bedeutsame Feuchtwiesenreste vor.
Im trockenen Bereich sind die Gebiete mit landesweit bedeutsamen Vegetationsbeständen auf Trockenstandorten in Kombination mit aktuell noch genutzten Mittelwäldern im nördlichen Itz-Baunach-Hügelland (östlich von Trappstadt) besonders hervorzuheben. Das Waldgebiet im Bereich des Naturschutzgebiets „Altenburg bei Trappstadt“ stellt ein bedeutendes Mittelwaldgebiet dar, dem aufgrund seiner thermophilen Waldgesellschaften und Waldsäume eine landesweite Bedeutung auch als Trockenstandort zukommt.

 

Lebensraumkomplexe

Als Lebensraumkomplexe werden Gebiete zusammengefasst, in denen eine Vielzahl unterschiedlicher naturbetonter Biotope nebeneinander und in enger Verzahnung miteinander vorkommen. Lebensraumkomplexe sind vor allem für Tierarten mit großen Aktionsradien, hoher Störanfälligkeit und vielfältigen Ansprüchen an ihren Lebensraum von hoher Bedeutung.
Die Arten- und Biotopschutzprogramme der Landkreise Bad Kissingen (STMLU 1993b), Rhön-Grabfeld (STMLU 1995), Schweinfurt (STMLU 1993a) und Haßberge (STMLU 2001, Entwurfsfassung) nennen folgende wichtige Lebensraumkomplexe:
Die charakteristischen Lebensraumkomplexe der Täler naturnaher Mittelgebirgsbäche umfassen die gewässergeprägten Lebensräume (Bach, Altwasser, Röhricht, Hochstaudenfluren, Auwald bzw. bachbegleitende Gehölze) und die verschiedenen Grünlandgesellschaften in der Aue (Feucht-, Nasswiese, extensive Fettwiesen); an den Talhängen kommen oftmals Hecken und mageres, trockenes Grünland hinzu, das über gut ausgebildete Waldränder in naturnahen Laubmischwald übergeht. Meist werden diese Lebensraumabfolgen jedoch unterbrochen, z.B. durch Straßen, Siedlungen, Nadelholzaufforstungen. Größere ungestörte Abschnitte sind selten. Als Beispiele für gut ausgebildete Tal-Lebensraumkomplexe können das mittlere Schondratal, das Thulbatal, das obere Elsbachtal, Bereiche im Sinnquellgebiet und im oberen Kellersbachtal sowie wie die Grundbachaue und das Aubachtal am Steigerwaldtrauf nordöstlich von Michelau aufgeführt werden.

Bei den extensiv genutzten Grünlandkomplexen in großflächiger Ausbildung und enger Verzahnung mit weiteren Lebensraumtypen sind vor allem die „Lange Rhön“, die „Schwarzen Berge“ und Teilbereiche am Kreuzberg zu nennen; wichtige Teillebensräume sind: zweischürige Fettwiesen, trockene Magerwiesen und Borstgrasrasen, Feucht- und Nasswiesen, Moore unterschiedlicher Art, Grünlandbrachen, Quellgebiete und Bachoberläufe, Hecken, Feldgehölze, Feuchtwaldreste, Waldränder, naturnahe Zahnwurz-Buchenwälder, Basaltblockhalden.

Bei den Wäldern weisen neben den relativ naturnahen Buchenwäldern der Rhön vor allem der Neuwirthshauser Forst und der Münnerstädter Wald eine hohe Strukturvielfalt auf. Während im Neuwirthshauser Forst die Vernässungen und Vermoorungen, Quellbereiche und Streuwiesenlichtungen die Komplexsituation schaffen, sind im Münnerstädter Wald die enge Verzahnung mit lichten Waldbereichen, thermophilen Säumen und Kalkmagerrasen charakteristisch. Auf engem Raum beherbergt auch noch der als Mittelwald bewirtschaftete Gücklert im mittleren Grabfeldgau bei Großwenkheim unterschiedliche Lebensräume: neben verschiedenen frühen Sukzessionsstadien des Eichen-Hainbuchenwaldes treten sowohl Feuchtbereiche (Weiher mit Verlandungszone) als auch thermophile Saumgesellschaften in Kontakt zu verbuschenden Magerrasen auf.

Laubwälder in vielfältiger Ausprägung bedecken vor allem den Ostanstieg der Langen Rhön und die Hänge des Kreuzberges. Die großräumig zusammenhängenden Waldgebiete zwischen Bad Neustadt, Bad Bocklet und der Hohen Rhön, die vielfach unter der Bezeichnung „Salzforst“ zusammengefasst werden, weisen – obwohl forstlich stark verändert – ebenfalls eine hohe Strukturvielfalt auf, die durch Hangwälder, lichte Kiefernbestände, Feuchtwaldbereiche, grünlandgenutzte Bachtäler, zahlreiche Teiche und Kleingewässer gekennzeichnet ist. Ähnlich ist auch das Waldgebiet der Haßberge strukturiert, wobei hier insbesondere die Trockenhangbereiche am Haßbergetrauf als weitere Komponente hinzukommen. Auf engem Raum beherbergen aber auch einige Mittelwälder im nordöstlichen Grabfeldgau unterschiedliche Lebensräume, beispielsweise treten im Poppenholz bei Irmelshausen neben verschiedenen Altersstadien des Eichen-(Hainbuchen-)Mittelwaldes sowohl Feuchtbereiche (Teich mit Verlandungszone, Auwald) als auch thermophile Saumgesellschaften in Kontakt zu verbuschenden Sand- und Kalkmagerrasen auf.

Ganz besondere Komplex-Lebensraumverhältnisse treten im Bereich der Truppenübungsplätze Wildflecken und Hammelburg auf; hier konnten sich neben den Flächen, die durch den militärischen Übungsbetrieb in hohem Maße und fortlaufend gestört werden, komplexe Lebensraumsituationen erhalten und entwickeln, die unter üblicher land- und forstwirtschaftlicher Nutzung nicht entstehen könnten. Wesentliche Teillebensräume im Truppenübungsplatz Wildflecken sind beispielsweise Basaltfelsen, Blockschuttwälder, Feuchtwälder, Bachläufe, Teiche und ephemere Kleingewässer, Vermoorungen, nasses bis feuchtes Grünland, Borstgrasrasen, Kalkmagerrasen, unterschiedliche Grünlandbrachen und Gebüsche; im Truppenübungsplatz Hammelburg thermophile Waldgesellschaften und Waldsäume, trockenes Extensivgrünland mit Hecken, Gebüschen und Feldgehölzen, Kalkmagerrasen und Kleingewässer.

Am Haßberge- und Steigerwaldtrauf gibt es einige Bereiche, die aufgrund der Abfolge unterschiedlicher Vegetationstypen als anthropogen geschaffene Lebensraumkomplexe angesprochen werden können.

Die naturnahen Mainufer zwischen Hirschfeld und Wipfeld stellen Reste des natürlichen Fluss-Auen-Lebensraumkomplexes dar. Es handelt sich dabei um bis zu 25 m breite, kleinstrukturierte bei Hochwasser überschwemmte Uferbereiche, die durch flache Mulden und großflächige Senken häufig miteinander verbunden sind. Teillebensräume sind: Gehölzsäume mit Silberweiden, Eschen, Erlen und alten Bruchweiden, darunter dichte Strauchweidenkomplexe; dazwischen gehölzfreie Uferzonen mit Ufersaum- und Hochstaudenfluren. Als weitere Feuchtlebensraumkomplexe sind die unverbauten, naturnahen Bachläufe in Wäldern wie z.B. der Unkenbachlauf und seine Uferzonen im Naturschutzgebiet Elmuß zu nennen.

 

Lebensräume

WÄLDER
Der Waldanteil der Region entspricht mit ca. 37 % dem bayerischen Durchschnitt von ca. 36 % (Oberforstdirektion Würzburg 1991). Die unterschiedlichen standörtlichen Verhältnisse zeigen sich auch wieder in der Waldverteilung, die von sehr waldreich bis zu waldarm reicht. Die Naturräume Steigerwald, Haßberge, Hesselbacher Waldland, Südrhön, Vorder- und Kuppenrhön sowie der Ostanstieg der Langen Rhön weisen überdurchschnittliche Waldanteile auf. Geringere Anteile, aber dennoch größere zusammenhängende Waldbereiche sind in den Naturräumen Itz-Baunach-Hügelland, Wern-Lauer-Platten und dem Grabfeldgau zu finden. Waldarme Gebiete sind die Gäulagen der Mainfränkischen Platten in den Naturräumen Gäuplatten im Maindreieck, Schweinfurter Becken und Steigerwaldvorland; hier blieben nur kleinflächige Wälder innerhalb der Ackerlandschaft bestehen.
Auch im Talraum des Mains sind innerhalb dieser Region aufgrund der intensiven Nutzungen kaum noch Wälder erhalten. Allenfalls kleine flussnahe Auwaldfragmente, die wegen der Stauhaltungen jedoch nicht mehr dem natürlichen Überschwemmungsrhythmus unterliegen, sind hier noch zu finden.
Das Satellitenbild zeigt deutlich, dass innerhalb der Region Main-Rhön der Anteil der Laubwälder deutlich gegenüber den Nadelwäldern überwiegt. Dies trifft insbesondere für weite Teile des Steigerwaldes, das Hesselbacher Waldlands, die Wälder der Südrhön mit Ausnahme des nördlichen Teils dieses Naturraumes sowie die Hohe Rhön und Teilbereiche der Haßberge zu. Auch in den Naturräumen mit sehr wenig Wald werden die kleinflächigen Wälder überwiegend von Laubholz eingenommen, so z.B. in den Gäuplatten im Maindreieck. Große Nadelholzflächen befinden sich vor allem im Nordteil des Naturraumes Südrhön und in der Vorder- und Kuppenrhön (vor allem im Nordteil östlich des Streutales); auch die Wälder des Itz-Baunach-Hügellandes und der Haßbergeabdachung bestehen zu einem erheblichen Teil aus Nadelholz (insbesondere Fichte und Kiefer).
In den sehr waldarmen Gäulagen sind einige naturnahe Bestände der Eichen-Hainbuchenwälder erhalten, deren Verbreitungsschwerpunkt in kontinentalen Klimazonen liegt und die daher in Bayern sehr selten sind. Auf den Dünen- und Flugsandfeldern gibt es auch noch charakteristische Kiefern-(Eichen-)Wälder. Mittelwälder, die noch aktuell genutzt werden, sind im nordöstlichen und mittleren Grabfeldgau (z.B. Gücklert) zu finden; sie weisen eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung auf.
Auwälder sind selten anzutreffen; sie kommen allenfalls noch als Fragmente, z.B. im Schondratal, am Kellersbach (Premich), an der Aschach, Thulba, Lauer sowie im Brendtal und Elsbachtal vor. Naturnahe Hartholzauen liegen entlang des Mains bei Garstadt und entlang des Unkenbaches bei Röthlein, diese Bestände sind teilweise als Naturschutzgebiet gesichert; weitere Hartholzauwälder gibt es bei Hirschfeld, Sennfeld und Untereuerheim.
Als einziges Waldgebiet der alten Bundesländer wurde der Nördliche Steigerwald nach HEISS (1992) in die Kategorie „Waldkomplex“ (entspricht naturnahem, weitgehend unzerschnittenem Wald mit mindestens 10.000 ha Fläche) eingestuft.

HECKEN, GEBÜSCHE UND FELDGEHÖLZE
Hecken, Gebüsche und Feldgehölze gehören zu den in der gesamten Region mit Ausnahme der Gäulagen vorkommenden Lebensräumen; sie befinden sich überwiegend auf schlecht nutzbaren, steilen Hängen im mittleren bis oberen Hangbereich an Flurstücksgrenzen oder am Rande alter Wege. Als eines der bedeutendsten Heckengebiete Bayerns ist in der Region Main-Rhön das Heckengebiet am Südhang des Bauersberges im Naturraum Südrhön nördlich von Bischofsheim hervorzuheben.
Weitere strukturreiche, gut ausgestatte Heckengebiete kommen in mehreren Bereichen der Region vor, besonders ausgeprägte Bereiche sind zu finden: im südlichen Hesselbacher Waldland (z.B. um Marktsteinach und Hausen), in den unbewaldeten Bereichen des Steigerwald- und Haßbergetraufs, an den Hängen des Maintals, des Sinntals, des Tals der Fränkischen Saale sowie anderer Flüsse und großer Bäche. Außerdem sind Hecken beispielsweise charakteristisch an den Hanglagen bei Oberlauringen, im NSG „Schwarze Berge“, an den Hängen der Rhönberge, den Trockenhängen des Muschelkalkgebietes der Vorrhön und an den Gipskeuperhängen am Rande der Wälder im Grabfeldgau.
Im Landkreis Schweinfurt sind Hecken und Gebüsche typisch, die auf aufgelassenen Weinbergen, insbesondere entlang von z.T. meterhohen Lesesteinriegeln sowie auf ehemaligen flächig verbuschenden Schafhutungen entstanden sind.
Bemerkenswerte Heckengebiete im Landkreis Haßberge sind zwischen Junkersdorf und Zeil am Main, nördlich Wülflingen, in Kombination mit Gebüschsukzession auf Weinbergsbrachen am Ebelsberg, zwischen Ottendorf und Untertheres sowie zwischen Westheim und Schwappach zu finden.
Außerdem gibt es in der Region auch Bereiche, die besonders geringe Bestände von Hecken, Gebüschen und Feldgehölzen aufweisen; dazu gehören u.a. die ackerbaulichen Gunstlagen in den Gäulagen der Mainfränkischen Platten. In dem ansonsten ebenfalls eher strukturarmen Naturraum Steigerwaldvorland tritt eine auffällig hohe Anzahl von Feuchtgebüschen auf.


QUELLEN
In der Region kommen je nach geologischen Verhältnissen sehr unterschiedliche Quelltypen vor, die in Kap. 3.1.2 im Zusammenhang mit Oberflächengewässern näher erläutert sind. In den intensiver genutzten Bereichen handelt es sich fast nur noch um stark eutrophierte Quellbereiche mit Brennesselfluren oder von Schilf durchsetzten Hochstaudenfluren. Günstiger ist die Situation in großen Waldgebieten, z.B. in der Südrhön und der Brückenauer Kuppenrhön. Hier gibt es Quellhorizonte in ehemals streugenutzten Waldwiesen, kleinflächige Vermoorungen, in den „Schwarzen Bergen“ außerdem Quellmoore, die je nach Kalkgehalt als Kalkflachmoore (teilweise mit Kalktuffbildungen) oder als Braunseggensümpfe in teilweise artenreicher Ausstattung ausgebildet sind; wichtige Quellbereiche liegen hier in den Naturschutzgebieten „Schwarze Berge“ und „Waldwiesen im Neuwirthshauser Forst“.
Während bei den wasserarmen, kurzen Bächen der Wern-Lauer-Platten oder Teilen des Mellrichstädter Gäus die Quellen nur zeitweilig schütten, verschwinden in niederschlagsarmen Zeiten z.B. Eisgraben, Reupersgraben, Oberelsbacher Graben, Elsbach, Sonderbach u.a. in den Hangschuttmassen des Rhönosthanges, um am Hangfuß in z.T. kräftigen Quellen (z.B. Urspringen) wieder an die Oberfläche zu treten.
Besonderheiten sind die Heilquellen im Landkreis Bad Kissingen und die Salzquellen um Bad Neustadt. Bemerkenswert ist auch der unter Druck stehende Quellhorizont im Schweinfurter Becken, der z.B. bei Gochsheim als artesisches Wasser frei zutage tritt.
Als typische Beispiele im Landkreis Haßberge sind das Quellgebiet des Schulterbaches (Steigerwald), Quellgebiet des Eichelbachs (Haßwald), Quellgebiet des Finsterbachs (Bramberger Wald) und Quellgebiet des Sabelbachs (Großmannsdorfer Forst) zu nennen.

FLIESSGEWÄSSER
Der Main ist der einzige große Fluss in der Region und als Bundeswasserstraße ist er Teilstück der Verbindung zwischen Rhein und Donau. Seine Prägung als Mittelgebirgsfluss hat der Main infolge der Stauhaltungen zur ganzjährigen Schiffbarmachung und den Ausbaumaßnahmen völlig verloren. Er hat heute bei Mittel- und Niedrigwasser den Charakter einer Kette von Stauseen, die durchflossen werden. Bei Hochwasser werden die Wehre geöffnet, so dass durchgängige Abflüsse einschließlich ihrer Feststofffracht möglich sind.
Nach dem Main ist die Fränkische Saale das nächstgrößte Fließgewässer der Region. Im überwiegenden Teil ist der Fluss mit Ufersicherungen versehen, aber mäandrierend. Er wird von einem fast durchgehenden landschaftsprägenden Gehölzsaum begleitet. Besonders wertvoll sind die engen, an den Hängen bewaldeten Abschnitte zwischen Steinach und Bad Kissingen sowie südlich von Bad Kissingen bis Euerdorf und zwischen Diebach und der Mündung. In diesen Abschnitten überwiegt auch die Grünlandnutzung.
Die Fränkische Saale und auch andere Fließgewässer werden seit langer Zeit durch zahlreiche Wehre aufgestaut, die Mühlen, Elektrizitätswerke und Pumpen für die Heilquellen antreiben. Dadurch ergibt sich in vielen Gewässern ein Wechsel von ruhig dahinströmenden Staustrecken und schnell fließenden Abschnitten über Schotterflächen. Solche Gewässer sind infolge der Stauhaltung in ihrer biologischen Durchgängigkeit stark beeinträchtigt.
Naturnahe Auenlebensräume sind entlang der Flussläufe nur noch in geringer Flächenausdehnung vorhanden. Die Auwälder wurden von der langen Kulturtätigkeit verdrängt, so dass nur noch schmale Erlen-Weiden-Säume übriggeblieben sind, die die Flüsse und Bäche dieser Region über weite Strecken begleiten. In einigen Tälern kommen noch unbeeinträchtigte naturnahe und z.T. sogar natürliche Gewässerabschnitte vor, z.B. die überwiegenden Teile der Streu und der Brend, die Schondra von Schönderling bis vor die Mündung, große Teile der Sinn und der Milz.

Die Mehrzahl der Rhönbäche entspringt in den Grünlandbereichen der Hochrhön oder in Waldgebieten; sie weisen daher in den Quell- und Oberläufen gute bis sehr gute Wasserqualitäten auf, die sich dann Richtung Unterlauf in landwirtschaftlichen und besiedelten Gebieten verschlechtert. Gelegentlich tritt auch der umgekehrte Fall auf: die Bäche beginnen in intensiver genutzten Gebieten und sind deshalb schon in den Oberläufen stark belastet, durchfließen dann aber größere Waldgebiete und verbessern durch unbelastete Zuflüsse und ihre Selbstreinigungskraft die Wasserqualität, z.B. die Schondra. Zahlreiche Bäche weisen einen Gehölzsaum bestehend aus Schwarzerlen und Weiden auf, der bei vielen Bächen fast durchgängig ist.
Folgenden Bächen wird im Arten- und Biotopschutzprogramm eine überregionale Bedeutung zugesprochen: Quellbäche der Langen Rhön sowie Streu, Elsbach und Brend, Oberlauf der Kleinen Sinn, Quellbäche des Kellersbachs, Schondra mit Nebenbächen (sie gilt als einer der naturnahesten und saubersten Bäche Unterfrankens), ein Teilabschnitt der Milz und einige Quellbäche der Haßberge.
Die Schwerpunkte ständig oder über längere Zeit wasserführender Gräben liegen in der Saaleaue und einigen Bachtälern, wo sie zur Entwässerung (früher auch Bewässerung) der Auwiesen angelegt wurden und noch unterhalten werden.
Im Schweinfurter Becken, insbesondere im Bereich des ehemaligen Grettstadter Moorgebietes und in der Unkenbachaue, stellen einzelne Gräben das letzte Refugium einigerStreuwiesenartendar.
Eine Besonderheit sind einige Gräben in der Saaleaue in der Umgebung von Bad Neustadt und an der Saline in Bad Kissingen, wo Salzwasser fließt und noch Reste der ehemaligen Halophytenvegetation auffindbar sind.


STILLGEWÄSSER
Der einzige natürliche See der Region Main-Rhön und zugleich von ganz Unterfranken ist der Frickenhauser See südwestlich von Mellrichstadt. Dieser kleine See liegt am Fuße einer Muschelkalkwand und ist mit dieser als Naturdenkmal geschützt. Er wird intensiv als Badesee genutzt und weist daher starke Beeinträchtigungen und keinerlei Ufervegetation auf. Das größte Stillgewässer in der Region ist der Ellertshäuser See, der 1957 angelegt wurde und eine Größe von 33 ha aufweist. Durch den Abbau von Rohstoffen sind große Baggerseen im Maintal und zahlreiche Seen in Basaltsteinbrüchen entstanden.
Altwasser sind in den meisten Teilen der Region sehr selten anzutreffen. Sie befinden sich naturgemäß nur in den Fluss- und größeren Bachtälern, insbesondere im Maintal, vereinzelt auch im Tal der Fränkischen Saale und der Streu. Sie liegen häufig in einer offenen Kulturlandschaft und unterliegen daher starken Einflüssen aus der Umgebung. Von landesweiter Bedeutung ist der „Untere Unkenbach“ der den Rest einer Altmainschlinge darstellt.
Teiche kommen nahezu in allen Naturräumen der Region Main-Rhön vor. Schwerpunkte liegen vor allem in der wasserreichen Rhön, in der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön, in der Südrhön und in den Tälern des Steigerwalds (z.B. Aurachtal), der Haßberge (z.B. am Hasswald) und des Itz-Baunach-Hügellands (z.B. Baunachtal). Eine Häufung besonders wertvoller Teiche findet sich insbesondere im Schweinfurter Becken südöstlich des Mains und im Steigerwaldvorland; deren naturschutzfachliche Bedeutung ist vor allem mit dem Vorkommen seltener und gefährdeter Vogelarten zu begründen (Brut- und Lebensräume von Drosselrohrsänger, Rohrweihe, Blaukehlchen etc.).
Landesweit bedeutsam wurden im Arten- und Biotopschutzprogramm aufgrund besonderer Artenvorkommen die Schönauer Teiche (bei Schönau a. d. Brend), der „Untere Unkenbach“ und der Teich bei Grettstadt eingestuft. Einige weitere Teiche und Weiher erhielten wegen besonderer Artenvorkommen die Einstufung „überregional bedeutsam“. Dazu gehören z.B.

  • Steinbruch „Rother Berg“ südlich Roth (vermutlich das größte Vorkommen der Geburtshelferkröte in Bayern), Rothsee nördlich Bischofsheim a. d. Rhön (Landkreis Rhön-Grabfeld),
  • Waizenbacher Teiche, (Landkreis Bad Kissingen),
  • Reutsee (Landkreis Haßberge),
  • Hörnausee, Gemeindesee bei Düttingsfeld, Kiesabbaugebiet bei Röthlein, Teich westlich Wiebelsberg, Neusee (Landkreis Schweinfurt),

ebenso wie einige Baggerseen im Maintal.
Tümpel und andere Kleingewässer konzentrieren sich in der Region vor allem in Abbaustellen. Häufig kommt diesen Kleingewässern nur eine lokale Bedeutung zu. Einige von ihnen sind jedoch überregional bedeutsame Amphibienlebensräume, z.B. im Landkreis Rhön-Grabfeld die Tümpelgruppe im Feuchtgebiet „Michelaugraben“ (Gemeinde Oberelsbach) und die Tümpelgruppe im Forst südöstlich Hendungen oder im Landkreis Schweinfurt die Tümpel nördlich von Öttershausen und im Steinbruch nördlich des Ahornbrunnens.


FEUCHTGEBIETE
Eine außergewöhnliche Besonderheit sind die Hochmoore der Rhön. Von den vier bedeutenden Hochmooren liegen drei in der Region Main-Rhön und dort im Bereich der Langen Rhön. Wegen ihrer hohen Bedeutung und Seltenheit wurden sie bereits im Jahre 1939 unter Naturschutz gestellt. Das größte der Rhönmoore ist mit 60 ha das „Schwarze Moor“; es weist offene Wasserstellen auf, ist weitgehend intakt, noch im Wachstum und ist als „international bedeutsam“ eingestuft. Das „Große Moor“ mit 9 ha Fläche hat keine offenen Wasserstellen und das Wachstum scheint schon seit Jahrzehnten eingestellt zu sein. Das „Kleine Moor“ ist 5 ha groß. Alle Moore bieten dem Birkhuhn Lebensräume. Neben den genannten Hochmooren gibt es auch einige kleinere Übergangsmoore.
In einigen Naturräumen der Region Main-Rhön kommen außerdem Niedermoore vor. Der Schwerpunkt liegt auch hier ebenfalls in der „Langen Rhön“, wo Braunseggensümpfe in den vernässten Senken der Basalthochfläche auf basenarmen, torfigen Böden entstanden sind und eingestreut in größeren Grünlandbereichen liegen. Seltene Vorkommen gibt es auch in staunassen Verebnungen auf Buntsandstein (Südrhön) oder Keuperlehm. Weitere Braunseggensümpfe bestehen z.B. in den „Schwarzen Bergen“ und außerhalb der „Langen Rhön“ in den „Waldwiesen im Neuwirthshauser Forst“, deren landesweite Bedeutung aus ihrer Großflächigkeit und ihrer Lage im Wald resultiert, wodurch sie von Intensivierungen weitgehend verschont geblieben sind.
Kalkflachmoore sind unter dem Einfluss kalkhaltiger Quellen schwerpunktmäßig in den Muschelkalkgebieten der Hohen Rhön entstanden. Pfeifengrasstreuwiesen kommen ebenfalls insbesondere in der „Langen Rhön (Sinnquellgebiet, um „Schwarzes Moor“) vor. Weitere Vorkommen von Niedermooren und Streuwiesen befinden sich insbesondere in den „Grettstädter Wiesen“, außerdem in der „Unkenbachaue“ und deren Umgebung sowie im Hesselbacher Waldland.
Die Verbreitungsschwerpunkte von Röhrichten, Großseggenrieden und Hochstaudenfluren liegen in mehreren Bereichen: als mehr oder weniger schmale Streifen entlang oder in den Auenbereichen zahlreicher Fließgewässer (z.B. Thulba, Schondra), wobei sie häufig in größeren Grünlandkomplexen als Brachestadien oft mosaikartig eingestreut sind oder auch als großflächige Röhrichte auftreten, z.B. im Thulbatal, im NSG „Schwarze Berge“, „Schachblumenwiese bei Zeitlofs“, „Feuerbachmoor“, „Unteres Schondratal“, LB „Schwarze Pfütze“, „Buchsee“, „Geheinigsee“. Weitere Schwerpunktgebiete für Röhricht und Großseggenriede liegen im Schweinfurter Becken, am Main mit seinen Buhnen, Altwässern und Baggerseen sowie an Gräben und Teichen im Steigerwaldvorland. Von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung sind die naturnahen Restflächen der Wernaue bei Schnackenwert (Brutplätze für Bekassine, Grauammer, Braunkehlchen). Überregional bedeutsam sind die „Jägerwiese“, eine aufgelassene Nasswiese am Truppenübungsplatz Brönnhof und das Großseggenried „Tiefenseebächlein“ südlich Donnersdorf.
Intakte und bewirtschaftete Feuchtwiesen gehören nach den umfangreichen Meliorationsmaßnahmen in der Region zu den seltenen und Nasswiesen bereits zu den extrem seltenen Lebensräumen.
In der Region liegen jedoch einige Feucht- und Nasswiesen in großflächigen Grünlandkomplexen, wo sie eine hohe Wertigkeit erreichen. Im Verbund mit artenreichen, auch ästhetisch wertvollen Bergwiesen, trockenen Lebensräumen wie Borstgrasrasen, Steinriegeln, Gebüschen und Hecken sowie vielfältigen Feuchtlebensräumen kommt diesen Grünlandkomplexen eine landesweite Bedeutung zu. Die Schwerpunktgebiete liegen auch für diese Lebensräume vor allem auf den waldfreien höheren Lagen der „Langen Rhön“, die auch das wichtigste Wiesenbrütergebiet in Unterfranken darstellen mit den meisten Brutpaaren von Bekassine, Wiesenpieper, Wachtelkönig und Braunkehlchen. Weitere Feucht- und Nasswiesen liegen in den Bach- und Flusstälern der Rhön, dem Saaletal, dem Unterlauf der Lauer, mehreren Tälern der Süd- und Kuppenrhön und außerdem in den „Schwarzen Bergen“.
Überregional bedeutsame Feuchtwiesen finden sich bei Oberlauringen und Stadtlauringen (zwei Bestände mit jeweils einer Größe von über 3 ha), im Lauertal (großflächige Nasswiesenbereiche), bei Lindach (Lindacher Schleifwiesen), im Maintal beim Kloster St. Ludwig, bei Sennfeld (ehemalige Eisbahn), am Rand des „Kapellenschlags“ bei Gernach und am unteren Unkenbach.

TROCKENSTANDORTE
In der Region Main-Rhön gibt es einige außerordentlich bedeutungsvolle Lebensräume trockener Standorte. Diese Lebensräume können aufgrund der unterschiedlichen Standortbedingungen innerhalb dieser Region sehr verschiedenartig ausgebildet sein.
An erster Stelle stehen die Borstgrasrasen. Sie waren und sind in trockenen und feuchten Ausprägungen in den traditionell durch Grünlandwirtschaft geprägten Hochlagen der Rhön weit verbreitet, wobei die Bestände allerdings durch die Folgen der Nutzungsintensivierung bzw. –aufgabe bereits stark abgenommen haben. Heute liegen sie meist innerhalb größerer Grünlandkomplexe eng verzahnt mit Nasswiesen, Flachmooren oder (durch Düngung) intensiver genutzten Wiesen sowie an abgelegenen Stellen am Waldrand oder im Wald.
Die besondere Bedeutung der Borstgrasrasen der Langen Rhön liegt in ihrer Einmaligkeit und ihrer Ausprägung innerhalb der deutschen Mittelgebirge. Sie stellen die großflächigsten noch erhaltenen Bestände aller deutschen Basaltmittelgebirge dar. Weitere großflächige Bestände von überregionaler bis landesweiter Bedeutung befinden sich am Kreuzberg, im Truppenübungsplatz Wildflecken (dort mit Vorkommen sehr seltener Arten) sowie in den Naturschutzgebieten „Schwarze Berge“ und „Waldwiesen im Neuwirthshauser Forst“. Borstgrasrasen befinden sich daneben im Buntsandsteingebiet der Südrhön, dem Mellrichstädter Gäu, im östlichen Rhönvorland und auch auf Keupersandstein.
Die Kalkmagerrasen sind auf die geologischen Schichten des Muschelkalkes sowie des Gipskeupers beschränkt. Die eindrucksvollsten Flächen liegen in den Wellenkalkgebieten wie z.B. am Südrand der Nördlichen Vorder- und Kuppenrhön, an den nördlichen Hängen des Elsbachtals oder an der Wellenkalksteilstufe der nordwestlichen Wern-Lauer-Platte sowie an den Hängen der Gipskeupergebiete bei Oberlauringen und Stadtlauringen und entlang des Lauertals. Die überwiegende Zahl der Kalkmagerrasen ist den beweideten oder gemähten Halbtrockenrasen zuzurechnen, an den Saalehängen und um Münnerstadt sind aber auch echte Trockenrasen vorhanden. In der Region Main-Rhön befinden sich noch einige größere Kalkmagerrasenflächen mit über 5 ha Größe. Im Landkreis Bad Kissingen zählen die Kalkmagerrasen zu den wichtigsten Lebensräumen, da einerseits noch hochwertige Einzelflächen mit herausragender Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz vorhanden sind, und andererseits die Trockenstandorte des Wellenkalkzuges von Hammelburg bis Münnerstadt die Hauptvernetzungsachse zwischen den Maintalhängen über den Grabfeldgau zu den thüringischen Trockengebieten darstellen. Die Artenausstattungen in Verbindung mit großflächiger Ausbildung, der Strukturvielfalt und dem z.T. noch günstigen Vernetzungsgrad führt dazu, dass einige Kalkmagerrasen als landesweit bedeutsam einzustufen sind bzw. Teile eines landesweit bedeutsamen Trockenlebensraumkomplexes darstellen. Dazu gehören im Landkreis Bad Kissingen z.B. Flächen des Truppenübungsplatzes Hammelburg, die Bestände am Kreuzberg (südlich Machtilshausen) und Wachholderberg (südlich/südöstlich Trimberg) sowie im Landkreis Rhön-Grabfeld der Höhberg bei Burglauer, die Trockenhänge bei Unsleben und Dünsberg. Als landesweit bedeutsam gelten ferner einige Hänge im Gipskeuperbereich des Grabfeldgaus um Oberlauringen und Stadtlauringen sowie im Hesselbacher Waldland um Hausen, Schonungen und Marktsteinach.
In der Region treten auch noch einige weitere bemerkenswerte Biotoptypen trockener Standorte auf:
Offene Felsfluren kommen kleinflächig an Muschelkalktrockenhängen, Hangrutschungen im Keuper und an Basaltfelsen und außerdem, anthropogen bedingt, an Muschelkalk- und Basaltsteinbrüchen vor; sie wurden in der Biotopkartierung als „Felsheide“ erfasst.
Eine weitere Besonderheit sind die Sandmagerrasen auf Flugsanddünen und Terrassensanden im Schweinfurter Becken und im Steigerwaldvorland. Sie sind jedoch meist extrem kleinflächig (keine Fläche erreicht 1 ha, nur 3 sind größer als 0,5 ha) und stark verarmt. Dennoch konnten auch einige kleinflächige Standorte auf Sanddünen als überregional bedeutsam eingestuft werden.
Die Vegetation der Steppenrasen auf dem Sulzheimer Gipshügel ist naturschutzfachlich eines der größten Besonderheiten in der Region und landesweit von hervorragender Bedeutung. Gipshügel waren als Sonderstandorte von jeher selten und sind daher landesweit bedeutsam, obwohl diese Flächen kleinflächig und isoliert sind.


ABBAUGEBIETE
Innerhalb der Region werden folgende Rohstoffe mehr oder weniger umfangreich abgebaut:

  • Sand und Kies (Abbauschwerpunkte: Flugsanddünen östlich des Mains im Landkreis Schweinfurt, Mainaue)
  • Kalkstein (unter anderem im Mittleren Maintal, im Hesselbacher Waldland, auf den Wern-Lauer-Platten)
  • Basalt (Hohe Rhön, Vorder- und Kuppenrhön, Südrhön)
  • Sandstein (Abbauschwerpunkt: südöstliche Haßberge)
  • Gips (Gewinnung z.T. im Untertagebau, obertägiger Abbau z.B. bei Bad Königshofen, nördlich Sulzheim)
  • Ton (meist kleinere Abbauflächen, z.B. südlich Trappstadt)

Die meisten Abbaustellen wurden zumindest teilweise verfüllt oder für Land- oder Forstwirtschaft rekultiviert. Jedoch gibt es auch einige aufgelassene Stellen, in denen sich sehr wertvolle Sekundärstandorte entwickeln konnten. Bemerkenswert sind hier Kalkmagerrasen an Kalksteinbrüchen. Wasserflächen bieten z.B. in Basaltsteinbrüchen Amphibien sehr gute Lebensbedingungen (z.B. der in Bayern vom Aussterben bedrohten Geburtshelferkröte), Felswände eignen sich als Brutplatz für den Uhu, Reptilien können in Steinbrüchen ideale Bedingungen vorfinden, immer wieder neu entstehende Pionierstandorte, wie sie in der Kulturlandschaft sonst kaum noch entstehen, werden von hochspezialisierten Arten besiedelt.
Das Arten- und Biotopschutzprogramm nennt für die Landkreise Schweinfurt und Bad Kissingen zahlreiche Abbaustellen mit überregionaler Bedeutung, Beispiele dafür sind: der Steinbruch nördlich Oberlauringen, der ehemalige Sandabbau südlich Garstadt, die alte Sandentnahmestelle südwestlich Grettstadt, die aufgelassene Tongrube südwestlich Stadtlauringen, Abbauflächen südöstlich von Röthlein, mehrere – meist ehemalige – Basaltbrüche (z.B. Lindenstumpf nördlich Schondra), mehrere ehemalige Muschelkalkbrüche, z.B. am Ofenthaler Berg bei Ramsthal, im Truppenübungsplatz Hammelburg.
In den Landkreisen Haßberge und Rhön-Grabfeld sind als Beispiele für Gebiete mit überregionaler Bedeutung zu nennen: Nassbaggerungen im Maintal; Sandsteinabbau zwischen Schönbachsmühle und Dörflis und bei Zeil am Main; Basaltsteinbrüche z.B. Zeilberg bei Maroldsweisach, Rother Berg, südöstlich Thüringer Hütte (am Ostanstieg der Langen Rhön); mehrere Muschelkalkabbaustellen, z.B. bei Urspringen.

 

Fauna

Die Region weist bayernweit gesehen einen hohen Anteil von Gebieten mit landesweit bedeutsamen Artenvorkommen auf; vorrangig sind hier der Naturraum Hohe Rhön (Landkreis Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen), weite Teile des Wellenkalkzuges (Landkreis Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen), das Maintal mit den angrenzenden Maintalhängen (Stadt Schweinfurt, Landkreis Schweinfurt und Hassberge) sowie Teile des Steigerwaldes und der Haßberge, insbesondere deren Steilanstiege, Steigerwald- und Haßbergetrauf (Landkreis Schweinfurt und Haßberge) zu nennen.


HOHE RHÖN
Als Besonderheit gilt auf der Hochfläche der Hohen Rhön, im Bereich der sog. Langen Rhön, die größte außeralpine Birkhuhnpopulation Bayerns. Außerdem stellt das Gebiet das wichtigste Wiesenbrütergebiet Unterfrankens dar. Mit einem Vorkommen von über 70 als überregional bis landesweit bedeutsam eingestuften Pflanzen- und Tierarten nimmt das Gebiet in Bayern eine Spitzenstellung ein. Als einige bekannte Tierarten lassen sich beispielhaft Wachtelkönig, Bekassine, Rauwürger, Heidelerche, Steinschmätzer, Schwarzkehlchen, Braunkehlchen, Kreuzotter, Geburtshelferkröte und Schwarzer Apollo anführen.
Am Ostanstieg der Langen Rhön kommen im Bereich der naturnahen Quellen und Bergbäche mit teils sehr guter Wasserqualität Feuersalamander, Alpenspitzmaus und Zweigestreifte Quelljungfer sowie in den naturnahen Laubwäldern Hohltaube, Rauhfußkauz, Kolkrabe, Schwarzstorch und Schwarzer Apollo vor. Hervorzuheben sind sehr individuenreiche Vorkommen der Rotflügeligen Schnarrschrecke auf den Kalkmagerrasen. In Kleingewässern, z.B. in den aufgelassenen Basaltsteinbrüchen, sind ferner Kammolch, Kreuzkröte, Geburtshelferkröte und seltene Libellenarten wie Große Moosjungfer und Torfmosaikjungfer nachgewiesen. In den Bereichen mit Extensivgrünland kommen unter anderem der Raubwürger und der Wiesenpieper vor.
Die komplexen Feuchtgebiete der Kreuzbergrhön werden von der Bekassine und die naturnahen Quellbäche und Bachoberläufe von Feuersalamander und Koppe als Lebensraum genutzt. Auch hier kommen in uferbegleitenden Hochstaudensäumen die Alpenspitzmaus und in naturnahen Laubwäldern mit Lichtungen der Schwarze Apollo vor.
Der Truppenübungsplatz Wildflecken stellt ein wichtiges Rückzugsgebiet für einige hochbedrohte Vogelarten wie Birkhuhn, Raubwürger, Heidelerche und Baumfalke dar.
Die vielfältigen und strukturreichen Grünlandkomplexe mit landesweiter Bedeutung der Schwarzen Berge zeichnen sich durch Vorkommen von Bekassine, Braunkehlchen, Abbiß-Scheckenfalter, Lilagoldfalter, Randring-Perlmutterfalter und der beiden Wiesenknopf-Ameisenbläulinge aus; auf den artenreichen Waldwiesen leben außerdem sehr seltene Schmetterlingsarten wie Schwarzer Apollo oder Großer Eisvogel.


VORDER- UND KUPPENRHÖN
Die Hänge zum Streutal gelten als die bedeutendsten Trockenstandorte der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön; die Kalkmagerrasen sind beispielsweise Lebensraum der Heidelerche und der Rotflügeligen Schnarrschrecke. In einigen Stillgewässern sind der Kammolch und die Geburtshelferkröte nachgewiesen. In naturnahen Bachabschnitten leben Koppen, Elritzen und Bachneunaugen. Einige Quellgebiete und Quellbäche mit Vorkommen des Feuersalamanders haben als Besonderheit die Gestreifte Quelljungfer aufzuweisen. Teilbereiche der Bahra- und Sulzaue sind Brutplatz der Bekassine.
In der südlichen Vorder- und Kuppenrhön sind vor allem die seltenen Arten der Wälder, z.B. Bechsteinfledermaus, Hohltaube und Rauhfußkauz sowie die Kreuzottervorkommen hervorzuheben. In den Tälern der Sinn, der Kleinen Sinn und der Döllau sind in den weitgehend grünlandgenutzten Auen als typische und allgemein selten gewordene Feuchtgebietsarten noch Bekassine, Braunkehlchen, Sumpfschrecke und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling vertreten. Die Bäche sind teils Lebensraum von Feuersalamander, Koppe und Wasseramsel. Auf einigen Magerrasen der Talhänge kommt der Kleine Heidegrashüpfer vor.
Stillgewässer mit sehr bedeutenden Amphibienvorkommen liegen im Abbaukrater des Lindenstumpfs und im Truppenübungsplatz Wildflecken mit Kreuz- und Geburtshelferkröte.


SÜDRHÖN
Von besonderer Bedeutung sind in der Südrhön die naturnahen Bäche mit Wasseramsel, Koppe, Elritze sowie vereinzelt Bachneunauge und Zweigestreifter Quelljungfer; hervorzuheben ist vor allem die Schondra, in deren Mittel- und Unterlauf - als einem der naturnahesten Bäche Unterfrankens - eine Reihe hochgradig gefährdeter Tierarten nährstoffarmer Fließgewässer leben, wie beispielsweise die letzte Population einer Buntsandsteinrasse der Flussperlmuschel. Verbunden mit den Fließgewässern sind teils Bachauen mit wertvollen Grünland- und Feuchtbiotopkomplexen, sie dienen seltenen und gefährdeten Arten wie beispielsweise Bekassine, Braunkehlchen, Kreuzotter, Ringelnatter, Mädesüß-Perlmuttfalter, Randring-Perlmuttfalter, Sumpfschrecke sowie drei Ameisenbläulingsarten als Lebensraum.
An Amphibienarten sind in der Südrhön Springfrosch, Feuersalamander, Fadenmolch sowie zum Teil Geburtshelferkröte und Kammolch hervorzuheben. In den Stillgewässern leben teils auch die sehr seltenen heimischen Moorlibellenarten.
In den Wellenkalkgebieten nördlich Hammelburg kommen auf den hier sehr wertvollen Kalkmagerrasen sehr viele seltene und gefährdete Arten vor, z.B. Heidelerche, Segelfalter, Himmelblauer Steinkleebläuling, Fetthennenbläuling, Regensburger Widderchen, Rotflügelige Schnarrschrecke, Rotflügelige und Blauflügelige Ödlandschrecke, Schwarzfleckiger Grashüpfer, Bergzikade.
Die Fränkische Saale zeichnet sich als Lebensraum zahlreicher bemerkenswerter Gewässerarten aus, z.B. Wasseramsel, Eisvogel, Koppe, Barbe, Nase, Rutte, Äsche, Bachforelle sowie zahlreiche seltene Muschel- und Wasserinsektenarten. In der aufgrund regelmäßiger Frühjahrsüberschwemmungen vorherrschend als Grünland genutzten Aue mit Vorkommen typischer Feuchtbiotope kommen beispielsweise wiesenbrütende Vogelarten wie Wachtelkönig, Bekassine, Kiebitz, Braunkehlchen, Schafstelze und Grauammer vor; daneben brüten hier Blaukehlchen, Rohrweihe und Wasserralle. Als Feuchtgebietsarten sind außerdem Laubfrosch, Gelbbauchunke, Sumpfschrecke, Kurzflügelige Schwertschrecke sowie die  beiden Wiesenknopf-Ameisenbläulinge zu nennen. Auf den höher gelegenen Terrassen mit hohem Ackeranteil tritt hier vereinzelt noch der Feldhamster auf.
Die großen, zusammenhängenden Waldgebiete sind Lebensraum für bemerkenswerte Arten, z.B. für Schwarzspecht, Hohltaube, Rauhfußkauz, Mittelspecht, Schillerfalter, Kleiner Eisvogel und seltene Waldfledermausarten wie Bechstein- und Fransenfledermaus und der bayernweit sehr seltene Kleine Abendsegler. Besonders hervorzuheben ist hier vor allem das letzte Auerhuhnvorkommen in Unterfranken.

GRABFELDGAU
Die Fließgewässer Streu, Elsbach, Bahra, Mahlbach und Sulz und ihre Nebenbäche weisen im Grabfeldgau noch viele naturnahe Fließstrecken auf, wo Eisvogel, Wasseramsel, Koppe, Bachforelle, Prachtlibellen und als wiesenbrütende Vogelarten teils Braunkehlchen und Kiebitz beheimatet sind.
Die naturschutzfachlich wertvollsten Feuchtbiotopkomplexe des Grabfeldgaus liegen im Saaletal, in der Milzaue, im Lauertal und einigen verstreut liegenden Gebieten. Die Feuchtgebiete zeichnen sich vor allem durch Vorkommen von Bekassine, Blaukehlchen, Braunkehlchen, Grauammer, Kiebitz, Schafstelze, Dunklem Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Sumpfschrecke und Wanstschrecke (Schwerpunktvorkommen hier im Umfeld der Nordostgrenze des Grabfeldgaus) aus. Im Bereich des Milzgrunds und dessen Umfeld mit Mittelwäldern, Magerrasen, oft in Kombination mit Gehölzstrukturen kommen außerdem Wendehals, Raubwürger, Sperbergrasmücke, Kreuzenzian-Ameisenbläuling, Mittelspecht, Schlingnatter, Neuntöter und Wachtel vor.
Im Bereich der naturnäheren Abschnitte der Fließgewässer leben Eisvogel, Wasseramsel, Elritze, Koppe, Bachforelle, Hasel, Schmerle, Elritze sowie die Blauflügel-Prachtlibelle.
In den Muschelkalkgebieten des Mellrichstädter Gäus und den Wellenkalkhängen zum Saale-, Streu- und Elsbachtal sind Besonderheiten wie Uhu, Wachtel, Mittelspecht, Wendehals, Heidelerche, Steppengrashüpfer, Blauflügelige und Rotflügelige Ödlandschrecke, Rotflügelige Schnarrschrecke, Hirschkäfer und Segelfalter nachgewiesen. Im Bereich des Standortübungsplatzes Mellrichstadt ist darüber hinaus das Vorkommen der Geburtshelferkröte bemerkenswert.
Als Besonderheit im mittleren und nordöstlichen Grabfeldgau gelten die Magerrasen auf Gipskeuper in Verbindung mit Gehölzbeständen mit bemerkenswerten Arten wie Wendehals, Raubwürger, Sperbergrasmücke und Kreuzenzian-Ameisenbläuling. Auch auf verstreut liegenden kleinflächigen Magerrasen, oft in Verbindung mit Schlehengebüsch, kommen besondere Arten wie z.B. Neuntöter, Heidegrashüpfer und Esparsetten-Widderchen vor.

In den Eichen-Hainbuchenwäldern des Grabfeldgaus wurden Mittel-, Grün-, Klein- und Schwarzspecht, Pirol, Turteltaube, Habicht, Sperber, Schwarz- und Rotmilan festgestellt, an den Waldrändern teils auch Neuntöter und Ortolan.


WERN - LAUER -PLATTEN
Das Wellenkalkgebiet, das der nordwestlichen Randzone der Wern-Lauer-Platte entspricht, zeichnet sich durch Lebensraumkomplexe mit einer Vielzahl z.T. hochgradig gefährdeter Arten aus. Allerdings sind auch hier Arten mit größerem Flächenanspruch wie z.B. Steinkauz, Ziegenmelker und Heidelerche (nahezu) verschwunden. In den teils naturnahen Wäldern kommen Mittelspecht, Halsbandschnäpper, Wespenbussard und an Waldrändern auch der Baumfalke vor. Auf den sehr wertvollen Kalkmagerrasen leben stark gefährdete Arten wie beispielsweise der Kreuzenzian-Ameisenbäuling, die Rotflügelige Schnarrschrecke und die Blauflügelige Ödlandschrecke. Die offenen Trockenrasen dienen bayernweit sehr seltenen Tierarten wie Italienischer Schönschrecke, Rotflügelige Ödlandschrecke und Schmetterlingshaft als Lebensraum, allerdings sind die Lebensräume durch Schrumpfung und zunehmende Isolation gefährdet.
Der westliche Teil der Wern-Lauer-Platte stellt sich als weiträumige, strukturarme Feldflur dar; in diesem Gebiet kommt der gefährdete Feldhamster am Rande seines Verbreitungsschwerpunkts in Bayern vor. In den Wäldern des westlichen Naturraums sind zum Teil Haselmaus, Siebenschläfer, Halsbandschäpper, Mittelspecht und Großer Eisvogel nachgewiesen. In den wenigen sehr kleinen Resten von Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren leben teils noch der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling und der Mädesüßperlmuttfalter.
Der Truppenübungsplatz Hammelburg hat aufgrund seiner Artenvorkommen landesweite Bedeutung: Raubwürger, Steinschmätzer, Wachtel, Haubenlerche, Wendehals sowie seltene Käferarten zählen neben den oben genannten Arten des Wellenkalkgebiets zu den Besonderheiten. In den Stillgewässern im Truppenübungsplatz lebt die größte Gelbbauchunkenpopulation des Landkreises Bad Kissingen; außerdem sind Kreuzkröte, Springfrosch, Laubfrosch, Kamm- und Fadenmolch nachgewiesen.


GÄUPLATTEN IM MAINDREIECK
In der weiträumigen und meist sehr strukturarmen Agrarlandschaft dieser Gäulandschaft kommen als Charakterarten z.B. Schafstelze, Feldlerche oder Wachtel vor; außerdem hat der gefährdete Feldhamster hier neben dem Schweinfurter Becken und dem südlichen Steigerwaldvorland seinen Verbreitungsschwerpunkt in Bayern.
In den wenigen Wäldern (fast ausschließlich Laubwälder) sind als Besonderheiten die Haselmaus, der Mittelspecht und das Mausohr nachgewiesen.

SCHWEINFURTER BECKEN
In den ausgeräumten Agrarlandschaften des nördlichen Schweinfurter Beckens treten wertvollere Bereiche nur vereinzelt in Tälern auf. In solchen Gebieten gibt es Vorkommen von Bekassine, Kiebitz, Sumpfschrecke und Sumpfgrashüpfer. In der ansonsten suboptimalen Talaue der Wern kommen noch vereinzelte Brutplätze der wiesenbrütenden Vogelarten Bekassine, Braunkehlchen und Grauammer vor.
Als Besonderheit in den strukturarmen Ackerlagen ist hier, wie in den Gäuplatten im Maindreieck, der Feldhamster zu nennen.
Viele faunistische Besonderheiten innerhalb des Schweinfurter Beckens sind im Maintal sowie in den östlich angrenzenden Gebieten, im Bereich des Unkenbachunterlaufs und der Gebiete mit Flugsandauflage beheimatet. Für das Maintal folgen daher, losgelöst von der ansonsten üblichen Gliederung nach Naturräumen, hier gesonderte Ausführungen.


MAINTAL

Innerhalb des Maintals liegen die Hauptvorkommen zahlreicher gefährdeter, meist überregional bedeutsamer Vogelarten, von denen hier nur einige Beispiele herausgegriffen werden können: Bekassine, Beutelmeise, Blaukehlchen, Braunkehlchen, Drosselrohrsänger, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Grauammer, Knäkente, Krickente, Rohrschwirl, Rohrweihe, Uferschwalbe, Wachtelkönig, Wasserralle und Zwergdommel. Außerdem ist das Maintal Hauptnahrungsrevier für die größte Graureiher-Kolonie Bayerns bei Dippach.
Für Zugvögel kommt dem Maintal als Rast- und Überwinterungsgebiet europaweite Bedeutung zu (u. a. Kampfläufer, Rotschenkel, zahlreiche Reiher, Taucher, Säger, Gänse und Enten).
Der Main selbst bietet bemerkenswerten Fischarten wie Aland, Barbe, Rapfen sowie einer Reihe seltener und gefährdeter Libellenarten Lebensraum, z.B. Kleine Mosaikjungfer, Fledermaus-Azurjungfer, Gemeine Keiljungfer, Südliche Binsenjungfer. Von der Vielzahl weiterer besonderer Tierarten im Maintal, werden hier stellvertretend Besonderheiten wie die Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Kurzflügelige Schwertschrecke, Blauflügelige Ödlandschrecke und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling genannt.



HESSELBACHER WALDLAND
Im Hesselbacher Waldland kommen noch einige naturnahe Bachläufe vor, wobei die Wässernach besonders hervorzuheben ist: Steinkrebs, Elritze, Bachforelle, Eisvogel, Wasseramsel, beide Prachtlibellen-Arten und zahlreiche gefährdete Arten des Makrozoobenthos zählen zu den bemerkenswerten Tierarten(gruppen). In einigen feuchten Wiesentälern kommt die Waldschnepfe und der Große Eisvogel vor.
In den überwiegend von Laubbäumen geprägten Wäldern der anschließenden Hänge und Hochflächen sind Halsbandschnäpper, Mittelspecht, Hohltaube, Raufußkauz, Habicht, Turteltaube, Grau-, Grün-, Klein- und Schwarzspecht nachgewiesen. Die strukturreichen Maintalhänge (zwischen Obertheres und Wülflingen) mit zahlreichen Gehölzformationen und gemähten, teils auch verbuschenden Magerwiesen dienen als Lebensraum beispielsweise für Wendehals, Neuntöter, Gartenrotschwanz, Rebhuhn und Warzenbeißer. Der Neuntöter kommt auch in einigen weiteren Heckengebieten des Naturraums vor.


STEIGERWALDVORLAND
Im Naturraum kommen einige Feuchtgebiete und Wiesenbrüterlebensräume mit Bekassine, Braunkehlchen, Grauammer und den beiden Wiesenknopf-Ameisenbläulingen vor. Außerdem gibt es hier viele ornithologisch hochwertige Teiche mit Nachweisen von Drosselrohrsänger, Blaukehlchen, Rohrweihe u.a.. Die im Steigerwaldvorland noch vorkommenden Streuobstäcker dienen als wichtiger Lebensraum des sehr seltenen Ortolans, der hier seinen Verbreitungsschwerpunkt hat.
In einigen Abgrabungen und Brachflächen leben Kreuzkröte, Rohrweihe, Blaukehlchen und Flussregenpfeifer. Strukturreichere Ausschnitte der Agrarlandschaft, wie z.B. im Gemeindebereich von Wipfeld, dienen ferner Arten wie Dorngrasmücke, Turteltaube, Rebhuhn, Neuntöter und Wendehals als Lebensraum. In den weiträumigen Ackergebieten des südlichen Steigerwaldvorlandes ist außerdem der gefährdete Feldhamster beheimatet.
Einige faunistische Besonderheiten des Maintals sind in den oben angeführten, gesonderten Ausführungen angesprochen.


STEIGERWALD- UND HASSBERGETRAUF
Der nördliche Steigerwaldtrauf und der südliche Haßbergetrauf und damit die Steilhänge zum Maintal zeichnen sich durch strukturreiche Kulturlandschaften und Hangwälder aus. In den Wäldern, die meist in die großflächigen Wälder der Hochflächen übergehen, kommen Schwarzspecht, Hohltaube, Habicht, Sperber, Waldschnepfe, Mittelspecht, Hirschkäfer und Großer Eisvogel sowie besondere Fledermausarten vor. Der Hangwald zwischen Roßstadt und Dippach dient der größten Graureiherkolonie Bayerns als Brutplatz. In den hier entspringenden Bächen, die meist zumindest im Oberlauf weitgehend naturnah sind, leben beispielsweise Feuersalamander, Koppe und Steinkrebs. Am stark besonnnten südlichen Haßbergetrauf sind eine große Zahl seltener und gefährdeter Hautflügler-Arten (Bienen, Gold-, Weg- und Grabwespen, Ameisen) nachgewiesen, darunter Raritäten, die bayernweit (fast) nur hier gefunden werden können.
Auch die vielfältigen Kulturlandschaften der Steilanstiege von Haßberge und Steigerwald dienen zahlreichen faunistischen Besonderheiten als Lebensraum, so beispielweise am Haßbergetrauf der größten Neuntöter-Population Bayerns; daneben sind Vorkommen von Wendehals, Ortolan, Wespenbussard, Halsbandschnäpper, Mittelspecht, Schlingnatter, äußerst artenreiche Hautflügler-, Schmetterlings-, Käfer-, Heuschrecken-, Spinnen- und Schnecken-Bestände bekannt. Neben diesen „Mager-Trocken-Arten“ gibt es in diesen Landschaften auch Feuchtgebiete und Gewässer mit überregional bedeutsamen Artenvorkommen wie Steinkrebs, Hellem und Dunklem Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder Kleiner Binsenjungfer.
Es sind aber auch, wie beispielsweise am west-exponierten Steigerwaldtrauf im Landkreis Schweinfurt, einige für diese vielfältige extensiv genutzte Kulturlandschaft typische Vogelarten wie z.B. Wiedehopf, Rotkopfwürger, Raubwürger und Steinkauz in den letzten Jahrzehnten verschwunden.



STEIGERWALD UND HASSBERGE - HOCHFLÄCHE
Auf der Steigerwald- und Haßbergehochfläche sind vor allem die sehr großflächigen und naturnahen Wälder mit hohem Laubholzanteil hervorzuheben, in denen zahlreiche gefährdete Greifvogel-, Eulen-, Spechtarten sowie Waldfledermausarten leben: z.B. Wespenbussard, Rotmilan, Baumfalke, Rauhfußkauz, Klein- und Mittelspecht, Bechsteinfledermaus. Als Besonderheiten sind außerdem Zwergschnäpper, Halsbandschnäpper, Hirschkäfer und eine sehr hohe Populationsdichte der Hohltaube zu nennen. Bemerkenswert ist auch, dass sich im Steigerwald in jüngster Zeit auch wieder der Schwarzstorch angesiedelt hat.
In den Oberläufen der Bäche leben Koppe, Feuersalamander und beide Prachtlibellenarten. Im oberen Aurauchtal im Steigerwald ist eine der bedeutendsten nordbayerischen Populationen beider Wiesenknopf-Ameisenbläulinge nachgewiesen; daneben kommen Wasseramsel, Eisvogel, Koppe und Bachforelle vor. Eine Besonderheit stellen darüber hinaus die "Tretzendorfer Weiher" mit einer großen Laubfroschpopulation sowie Vorkommen von Kammmolch, Springfrosch, Knoblauchkröte und Kreuzkröte dar. An den Talhängen leben Neuntöter, Wendehals und Warzenbeißer. Auch in Nebentälern der Rauhen Ebrach treten bemerkenswerte Artenvorkommen wie z.B. Sumpfspitzmaus, Zweigestreifte Quelljungfer und Gestreifte Quelljungfer auf. Die Teichgruppe im Quellgebiet des Erleinsbaches (westlich von Fabrikschleichach) ist bemerkenswert aufgrund der Nachweise von Kammmolch, Laubfrosch, Gelbbauchunke und 25 Libellen-Arten, darunter Glänzende Binsenjungfer, Südliche Binsenjungfer und Große Moosjungfer.
In den Haßbergen ist ferner das Ebelsbachtal mit Seitentälern hervorzuheben: neben Eisvogel, Wasseramsel, Bachneunauge, Steinkrebs, Zweigestreifter Quelljungfer und der Prachtlibellen-Arten bestimmen einige Besonderheiten in den Keupersandsteinbrüchen wie beispielsweise Brutplätze des Uhus und große Populationen der Gelbbauchunke den Wert des Gebiets.
In der strukturreichen Kulturlandschaft der Neubrunner Flur sind als Besonderheiten auf Mager- und Trockenstandorten der Quendel-Ameisenbläuling und der Wendehals zu nennen.
Auf dem mittlerweile aufgelassenen Standortübungsplatz Ebern kommt eine Vielzahl von gefährdeten Tierarten vor: z.B. Neuntöter, Wendehals, Wachtel, Rebhuhn, Braunkehlchen und Wiesenpieper, Schlingnatter, Gelbbauchunke, Hirschkäfer und Großer Eisvogel.

ITZ-BAUNACH-HÜGELLAND
In der oberen Baunach und in den Nebentälern kommen als bemerkenswerte Fischarten Schneider, Koppe, Hasel, Bachforelle und Äsche vor; außerdem sind die Massenbestände der beiden Prachtlibellenarten hervorzuheben.
In den Fluß- und Bachtälern treten vereinzelt Feuchtwiesenreste mit Sumpfschrecke, zweigestreifter Quelljungfer und Dunklem Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf; in größeren Feuchtwiesengebieten des Baunachtals brüten Bekassine und Kiebitz. An weniger intensiv genutzten Grabenrändern wurden beide Wiesenknopf-Ameisenbläulinge nachgewiesen. Der Kappelsee zeichnet sich durch Vorkommen von Blaukehlchen, Zwergtaucher, Haubentaucher (ehemals auch Drosselrohrsänger) und einer größeren Laubfroschpopulation aus. Im Itzgrund sind an bemerkenswerten Brutvogelarten Blaukehlchen, Beutelmeise, Eisvogel und Wasseramsel zu nennen.
Unter den Trockenlebensräumen sind vor allem die Rhätsandsteinbrüche im westlichen Itz-Baunach-Hügelland hervorzuheben, in denen Gelbbauchunke, Speer-Azurjungfer, Kleine Moosjungfer, Gefleckte Heidelibelle und Südlicher Blaupfeil vorkommen. Auch im Zeilberggebiet (heute steilwandiger Krater eines Basaltsteinbruchs) kommen Besonderheiten wie Heidelerche, Uhu, Flussregenpfeifer, Kreuzotter, Kammolch und zahlreiche gefährdete Libellenarten, Blauflügelige Ödlandschrecke und eine Vielzahl gefährdeter, z. T. sehr seltener Hautflügler-Arten vor.
In den Wäldern des Itz-Baunach-Hügellands leben Hohltaube, Rauhfußkauz, Grau-, Grün- und Schwarzspecht, Bechstein- und Fransenfledermaus. Die naturnahen Quellbäche dienen als Entwicklungsgewässer des Feuersalamanders. In strukturreichen Kulturlandschaften wie beispielsweise bei Altenstein kommen neben dem Wendehals zahlreiche gefährdete Schmetterlingsarten wie z.B. Quendel-Ameisenbläuling, Kleiner Schlehenzipfelfalter und Himmelblauer Bläuling vor.

Zur Beschreibung und Bewertung der Region hinsichtlich der aktuellen Lebensraumqualität bzw. des Entwicklungspotenzials für seltene und gefährdeten Arten siehe Kap. 4.2.4 Schutzgut Arten und Lebensräume


 

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