3.1.4 Landschaftsbild

Die Region zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt und Unterschiedlichkeit in ihrem landschaftlichen Erscheinungsbild aus. Aus diesem Grund wurde zur Typisierung des Landschaftsbildes eine großräumige Gliederung der Region in sog. Landschaftsbildräume vorgenommen (siehe Karte 1.5). Die Landschaftsbildräume übernehmen bei der Beschreibung und Bewertung des Landschaftsbildes die Funktion der Naturräume und sind mit römischen Ziffern gekennzeichnet. Der nachfolgende Überblick zum Landschaftsbild folgt dieser landschaftsbildräumlichen Gliederung.

Rhön (I)

Das Landschaftsbild der Hohen Rhön im Nordwesten der Region ist geprägt vom bewegten Relief des Mittelgebirges und dem Wechsel zwischen großflächigen Laubwäldern und strukturreichem, z.T. großflächig extensiv genutztem Offenland. Die karge und durch die fehlende Besiedelung weltfern wirkende Lange Rhön nördlich von Bischofsheim gehört ohne Zweifel zu den ungewöhnlichsten und beeindruckendsten Gebieten der gesamten Region. Das Landschaftsbild der Schwarzen Berge südwestlich von Bischofsheim zeichnet sich durch den kleinräumigen Wechsel von Wald- und strukturreichem Offenland aus, wodurch sich ein parkartiges Landschaftsbild ergibt. In den Schwarzen Bergen ist die Verbrachung und zunehmende Wiederbewaldung von ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen deutlich erkennbar. In Teilbereichen tragen die Sukzessionsflächen im gegenwärtigen Zustand zur landschaftlichen Vielfalt des Gebietes bei, mittelfristig wird diese Entwicklung aber zu einer Verarmung des Landschaftsbildes führen.
Das enge und tief eingeschnittene Sinntal mit seiner kleinräumigen landschaftlichen Gliederung ist eine weiteres besonders attraktives Teilgebiet. Hier liegt auch Bad Brückenau mit seinen Kurbädern.

Rhönvorland (II)

Die der Hohen Rhön vorgelagerten Teilräume sind durch großflächige Waldgebiete gekennzeichnet, in denen z.T. inselartig die Siedlungen mit ihren landwirtschaftlich genutzten Fluren liegen.
Am Fuße der Langen Rhön bei Bischofsheim befindet sich eine landschaftliche Attraktion ersten Ranges: um Unterweißenbrunn hat sich eine planmäßig angelegte, spätmittelalterliche Streifenflur in einer Großflächigkeit und Geschlossenheit erhalten, wie sie bundesweit selten ist. Die Streifenflur mit ihrer Vielzahl von Hecken ist nicht nur landschaftlich höchst reizvoll, sondern auch eine kulturhistorische Seltenheit.
Eigens zu erwähnen ist außerdem das Gebiet um Geroda, wo eine ganze Anzahl charakteristisch ausgeprägter Basaltkegel das Landschaftsbild bestimmen und an den vulkanischen Ursprung der Rhön erinnern.

Tal der Fränkischen Saale mit angrenzenden Muschelkalkhängen (III)

Das Saaletal stellt sich nur bei Bad Neustadt als breites, weiträumiges Wiesental dar. Ab der Lauermündung verläuft die Saale tief eingeschnitten. Der windungsreiche Verlauf des Tales führt zur Ausprägung markanter Prall- und Gleithänge. Ober- und unterhalb von Bad Kissingen überwiegt der Eindruck eines engen Einschnittstals mit bewaldeten Steilhängen. Um Hammelburg weitet sich der Talraum, und an steilen südexponierten Lagen finden sich Weinberge bzw. Relikte ehemaligen Weinbaus.
Nördlich und südlich von Hammelburg haben kleine Seitenzuflüsse der Fränkischen Saale enge Talräume in den anstehenden Muschelkalk gegraben. Südlich des Saaletals reicht die Muschelkalkzone mit ihren charakteristischen Taleinschnitten bis in die Gegend von Bad Kissingen. Steile, vielfältig strukturierte Trockenhänge und die überwiegend bewaldeten Kuppen- und Höhenlagen prägen das Landschaftsbild in diesen Talräumen, in denen z.T. auch Weinbau betrieben wird. Durch die Zunahme der Brache oder brachgefallenen Flächen einerseits und Nutzungsintensivierung andererseits droht allerdings eine Nivellierung des vielfältigen Erscheinungsbildes dieser Täler.

Agrarlandschaft zwischen Rhön und Main (IV)

In großen Teilen dieses Raumes stellt sich das Landschaftsbild weitaus einförmiger dar. Der Landschaftsbildraum ist größtenteils von intensiver Ackernutzung geprägt. Reliefbedingt gibt es aber auch immer wieder Teilbereiche mit erhöhtem Strukturreichtum, so dass nicht der Eindruck einer weithin ausgeräumten Agrarlandschaft entsteht. Einen wichtigen Beitrag zur landschaftlichen Gliederung leisten vor allem die zahlreichen Waldflächen. In Teilbereichen, z.B. im nördlichen Grabfeldgau treten auch verwitterte Vulkankegel als gliedernde Elemente in Erscheinung.


Hügelland an Itz und Baunach (V)

Das Hügelland, das sich nordöstlich an die Haßberge anschließt, zeichnet sich durch den mosaikartigen Wechsel von strukturreichen Gebieten, stark ausgeräumt wirkenden Teilbereichen und großen Waldflächen aus.

 



Waldlandschaften beiderseits des Mains (VII)

Der Steigerwald und die Haßberge stehen als waldreiche Gebiete ähnlich wie das Waldland um Hesselbach in deutlichem landschaftlichen Kontrast zu den ausgeräumten Ackerlagen um Schweinfurt und der Agrarlandschaft zwischen Main und Rhön. Die Haßberge und der Steigerwald treten vor allem durch ihre markanten Steilanstiege im Westen in Erscheinung. Das unmittelbare Vorland dieser Traufzone ist von Oberschwarzach im Süden bis Sulzfeld im Norden äußerst strukturreich ausgeprägt. Wegen des Zusammentreffens von kleinräumig gegliedertem Vorland und aussichtsreichen Höhen handelt es sich hier um ein besonders erlebnisreiches Teilgebiet der Region.

Maintal (VIII)

Das landschaftliche Erscheinungsbild des Maintals ist in der Region vielgestaltig. Im Osten der Region bei Eltmann ist der Talraum tief eingeschnitten und die steilen Talflanken treten markant in Erscheinung. Ein besonderer Blickfang sind die historischen Weinberge um Steinbach mit ihren fischgrätartig verlaufenden Terrassierungen. Bei Zeil a. Main endet die Einschnittsstrecke. Im weiteren Verlauf treten die Talränder – abgesehen von den steilen Muschelkalkhängen bei Schonungen - nur undeutlich in Erscheinung, die Übergänge zwischen Tal und den angrenzenden Räumen sind fließend. Erst südlich von Hirschfeld ist das Maintal wieder als klar abgrenzbarer Talraum erlebbar. Um Schweinfurt sind die Talflächen stark von Siedlung und Industrie überprägt. Eine hohe, weit über das Maintal hinausreichende Fernwirkung entfaltet das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld mit seinen Kühltürmen. Durch den Kiesabbau im Maintal sind als neue Elemente im Landschaftsbild die zahlreichen Baggerseen entstanden, die infolge ihrer Großflächigkeit bisweilen sogar prägend in Erscheinung treten.


Strukturarme Agrarlandschaft um Schweinfurt (IX)

Großflächige Ackernutzung prägt die Landschaftsräume westlich, südlich und südöstlich von Schweinfurt (Schweinfurter Becken, Gäuplatten, große Teile des Steigerwaldvorlandes). Die sehr guten Böden, der geringe Waldanteil und die flachwelligen, z.T. fast ebenen Lagen haben in diesen Teilen der Region der Ausräumung der Landschaft Vorschub geleistet und ein häufig monotones und wenig erlebnisreiches Landschaftsbild geschaffen.

Zur Beschreibung und Bewertung der Region hinsichtlich wichtiger landschaftsästhetischer Parameter, wie z.B. Eigenart und Reliefdynamik siehe Kap. 4.2.5 Schutzgut Landschaftsbild und Landschaftserleben.

 


 

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