3.2 Flächennutzungen

3.2.1 Landschaftsgeschichte und Entwicklung der Flächennutzungen


Siedlungsgeschichte

Als Beginn der Entwicklung der Kulturlandschaft wird im allgemeinen der Zeitpunkt der Sesshaftwerdung des Menschen angesehen. Solange sich die Menschen ausschließlich als Jäger und Sammler ernährten, verursachten sie keine tiefgreifenden Veränderungen der natürlichen Ökosysteme. Erst mit dem Beginn der ackerbaulichen Tätigkeit und der damit verbundenen sesshaften Lebensweise vor etwa 7000 Jahren veränderten die Menschen ihre Umwelt nachhaltig. Aus der Naturlandschaft wurde eine Kulturlandschaft.
Die ersten sesshaften Bauern siedelten vorwiegend auf fruchtbaren Lössböden. Dementsprechend lagen in der Region die Schwerpunkte der Besiedelung dieser Zeit südwestlich und westlich von Schweinfurt und im Bereich der Lössinseln des Grabfeldgaus, wie z.B. um Hofheim i. Ufr. und im Raum Bad Königshofen. Die Siedlungen suchten ebenso wie in den nachfolgenden vorgeschichtlichen Siedlungsepochen die Nähe von Fließgewässern. Die archäologischen Bodenfunde lassen vermuten, dass bis zur Urnenfelderzeit (ca. 1200 - 750 v. Chr.) die Besiedelung nach Nordwesten kaum über die Saale-Streu-Grenze hinaus reichte. Erst in der Hallstadtzeit (ca. 750 - 450 v. Chr.) scheint ein deutlicher Siedlungsvorstoß in das Gebiet westlich der Streu zwischen Mellrichstadt und Fladungen erfolgt zu sein. Der Höhepunkt der vorgeschichtlichen Landbewirtschaftung fiel in die Zeit zwischen 1300 und 1200 v. Chr., in der besonders günstige klimatische Verhältnisse herrschten.

Nach den Umbrüchen der Völkerwanderungszeit begann mit der „fränkischen Landnahme“ (spätestens ab dem 6. Jh.) eine neue Phase der Siedlungsentwicklung. Der zunächst nur lockere Anschluss des Gebietes an das im Westen gelegene Frankenreich festigte sich ab dem 8. Jahrhundert und führte zu einem verstärkten Landesausbau. Ausgangspunkt der Besiedelung dieser Zeit waren die ebenen und fruchtbaren Gäulagen des Maindreiecks. Von dort aus drang sie entlang der Flüsse weiter vor bis in den Grabfeldgau.
Den Talräumen von Saale und Streu folgend erreichte die frühmittelalterliche Besiedelung unter anderem auch schon das Gebiet der Rhön. Damit folgte die fränkische Landnahme in etwa den Leitlinien der vor- und frühgeschichtlichen Besiedelung. Die Anlage von Königshöfen und die Christianisierung der Bevölkerung sind ebenso Ausdruck der planmäßig durchgeführten „Frankisierung“ wie neue Entwicklungen in der Landbewirtschaftung, wie sie sich z.B. mit dem Beginn des Obst- und Weinanbaus im Gebiet bemerkbar machen. Für Hammelburg sind bereits für die Zeit Karls des Großen Weinberge nachgewiesen. Eine weitere Folge der fränkischen Landnahme war die Übernahme der Realerbteilung mit ihren weitreichenden Folgen für die Bewirtschaftung und das Landschaftsbild.

Der königliche Landbesitz ging seit dem Frühmittelalter vermehrt in adeligen und kirchlichen Besitz über. Auf diese Weise konnten in der Region vor allem das Bistum Würzburg und in geringerem Umfang auch das Bistum Bamberg sowie das Kloster Fulda bis ins Hochmittelalter große zusammenhängende Territorien ausbilden. Die übrigen Bereiche waren zersplittert in kleine und kleinste Territorien. Als Folge der territorialen Zersplitterung gibt es in der Region bis heute eine Vielzahl von Schlössern, Burgen und Herrensitzen, zu denen nicht selten auch Garten- oder Parkanlagen gehören (vgl. Tabelle 4.2).

Im Zeitraum zwischen 1000 bis 1300 n. Chr. folgte als eine weitere Phase verstärkter Siedlungstätigkeit die sog. „hochmittelalterliche Rodungsperiode“, in deren Verlauf man in die großen, bislang unbesiedelten Waldgebiete vordrang. Dieser Teil der Siedlungsgeschichte ist bereits von der komplizierten und kleinteiligen Territorialstruktur des Mittelalters gekennzeichnet. Die verschiedenen Grundherren aus Adel und Klerus betrieben zum Ausbau ihrer Territorien eine planmäßige Siedlungspolitik, die sich vor allem auf Rodungen zur Erschließung neuer Siedlungsgebiete stützte. Folglich wurde im Laufe dieser Siedlungsphase vornehmlich die Besiedelung der Mittelgebirge (Steigerwald, Haßberge, Rhön) vorangetrieben. Unter anderem wurde damals auch der Ostanstieg der Langen Rhön besiedelt, so dass die Hochfläche der Rhön als trennende natürliche Barriere beinahe überwunden war. In späterer Zeit mussten die Siedlungen allerdings wieder aufgegeben werden. Eine Wiederbesiedelung dieser extremen Lagen hat bis heute nicht mehr stattgefunden.
Parallel zu den Rodungen in den Waldgebieten fand in den früh besiedelten Gebieten eine zusätzliche Siedlungsverdichtung statt, die auch dort mit einem weiteren Zurückdrängen der Waldflächen einherging.

Ebenso wie diese Siedlungsaktivitäten waren auch die im 13. und 14. Jahrhundert verstärkt durchgeführten Stadtgründungen ein Mittel der Territorialherren zur Sicherung und Demonstration ihrer Herrschaftsansprüche.

Ab etwa 1300 setzte, ausgelöst durch Kriege und Seuchen ein starker Rückgang der Bevölkerung ein, der die Landwirtschaft in eine schwere Krise stürzte und zur Aufgabe von Siedlungen zwang. Während dieser sog. spätmittelalterlichen Wüstungsperiode, die etwa bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts anhielt, fand gerade in Gebieten wie z.B. dem Steigerwald und seinem Vorland, im Rhön-Grabfeld-Gebiet oder im Hesselbacher Waldland eine stark rückläufige Siedlungsentwicklung statt. Die landwirtschaftliche Nutzung der Langen Rhön kam während dieser Zeit weitgehend zum Erliegen. Die spätmittelalterliche Wüstungsperiode stellt den bedeutendsten Einschnitt in der kulturlandschaftlichen Entwicklung dar und ein Teil der damals aufgelassenen Siedlungen wurde auch in den darauffolgenden Epochen nicht wiederbelebt. So reicht die Besiedelung der Rhön heute nur bis an den Fuß der zentralen Höhenrücken (z.B. Platz, Geroda, Oberbach, Wildflecken). Höhere Lagen wie z.B. der im Hochmittelalter besiedelte Ostanstieg zur Langen Rhön blieben siedlungsfrei. Die äußerst dünne bzw. nicht vorhandene Besiedelung dieser Räume ist heute eine wichtiges Merkmal ihrer landschaftlichen Eigenart.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts begann ein erneuter Anstieg der Bevölkerungszahl. Er stand am Anfang einer Entwicklung, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts andauerte und in deren Verlauf wüstgefallene Siedlungen und Fluren wiederbelebt und bestehende Dörfer weiter ausgebaut wurden.
Während dieses sog. neuzeitlichen Landesausbaus wurden nur noch vereinzelt Siedlungen neu gegründet. Stattdessen veränderten aber die Verdichtung der Bebauung, die Verleihung von Marktrechten und das Bedürfnis nach Repräsentation vielfach das Erscheinungsbild der Dörfer und verliehen vielen Siedlungen der Region einen eher städtischen Charakter. Das dicht bebaute Dorf, dessen Gehöfte in der Form eines Straßendorfes auf die zentrale Erschließungsachse ausgerichtet sind, ist ein in der Region weit verbreiteter und häufig anzutreffender Siedlungstyp.

Unter den wenigen Neugründungen des neuzeitlichen Landesausbaus sind insbesondere die sog. Walddörfer Waldberg, Sandberg und Langenleiten an der Südflanke des Kreuzbergs zu nennen, die erst Ende des 17. Jahrhunderts angelegt wurden. Mit diesen sehr späten Gründungen drang die dauerhafte Besiedelung noch einmal bis in extreme Lagen der Rhön vor. Die regelmäßig angelegten Dörfer (Straßenangerdörfer) dokumentieren bis heute eindrücklich die Planmäßigkeit dieses Siedlungsvorstoßes.

Die Siedlungen sind ein wichtiger Teilaspekt einer jeden Kulturlandschaft und tragen wesentlich zum landschaftlichen Erscheinungsbild bei. Eine differenzierte Beschreibung der Siedlungstypen der Region und ihrer räumliche Verbreitung ist aber auf der Basis des vorliegenden Datenmaterials im Rahmen des LEK leider nicht zu leisten.

In der Region gab es Ende des 18. Jahrhunderts vor allem drei bedeutende Territorialherren mit großen zusammenhängenden Besitzungen: die Hochstifte Würzburg, Bamberg und Fulda. Das Hochstift Würzburg hatte in der Region die weitaus umfangreichsten Besitzungen. Das Hochstift Fulda besaß ein zusammenhängendes Territorium um Bad Brückenau (in etwa Altlandkreis Bad Brückenau) und die zum Hochstift Bamberg gehörenden Gebiete lagen schwerpunktmäßig im Steigerwald.
Daneben gab es zahlreiche weitere Territorien wie z.B. die freie Reichsstadt Schweinfurt mit den Reichsdörfern Gochsheim und Sennfeld, ritterschaftliche Territorien (besonders zahlreich in den Haßbergen und im äußersten Westen der Region südwestlich von Bad Brückenau), sächsische Herzogtümer (ein Schwerpunktgebiet südöstlich von Fladungen), Besitzungen des Deutschordens und des Malteserordens sowie kleine Grafschaften.

Zwischen den Territorien gab es Unterschiede in den Traditionen ihres Erbrechtes, die sich unter anderem auch auf die Ausprägung der Kulturlandschaft auswirkten. Auffällig ist dies z.B. im Fall der Hochstifte Fulda und Würzburg. Während in den zu Fulda gehörenden Gebieten um Bad Brückenau das Anerbenrecht angewendet wurde, sah das Würzburger Landrecht, das für überwiegende Teile der Region galt, die Realteilung vor. Die mit der Realteilung verbundene Besitzzersplitterung gab im 18. und 19. Jahrhundert Anlass für wirtschaftliche und soziale Probleme. Sie unterstützte andererseits allerdings eine kleinräumige und vielfältige Landschaftsgliederung, die heute unter landschaftsästhetischen Gesichtspunkten besonders geschätzt wird.

Im Zuge der Säkularisation und Mediatisierung kamen die vielfältigen Territorien der Region zu Bayern. Ostheim v.d. Rhön blieb zusammen mit Sondheim v. d. Rhön, Stetten und Urspringen thüringische Enklave, die erst 1945 aufgelöst wurde.

 

Landnutzungsgeschichte

Die sich festigende Herrschaft der Franken im frühen Mittelalter führte nicht nur zu einer Phase verstärkter Siedlungstätigkeit, sondern brachte auch neue, wichtige Impulse für die Landbewirtschaftung. Ackerbau, Obst- und Weinbau wurden von den Frankenherrschern maßgeblich gefördert.

Im Laufe des Mittelalters wurde die zelgengebundene Dreifelderwirtschaft (notwendigerweise mit Flurzwang) zum beherrschenden Bewirtschaftungssystem der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft und sie blieb es bis in das 19. Jahrhundert hinein. Bei dieser Wirtschaftsform wurde die ackerbaulich genutzte Flur in drei einheitlich zu bebauende Bereiche (= Zelgen) eingeteilt, in denen unter anderem die Saat- und Erntezeiten für alle Bauern verbindlich festgelegt waren (= Flurzwang). Durch die Dreifelderwirtschaft unter Flurzwang, die Notwendigkeit einer autarken Haushaltsführung und die Zehntabgaben an den Grundherren ergab sich insgesamt eine überaus starke Reglementierung der bäuerlichen Wirtschaft.

Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts bewirkten tiefgreifende Veränderungen. Die Landwirtschaft konnte die Versorgung der rasch wachsenden Bevölkerung in den Städten nicht mehr ausreichend sicherstellen, was neue intensivere Bewirtschaftungsmethoden erforderlich machte. Gleichzeitig führte die Bauernbefreiung mit all ihren Folgeerscheinungen zu einer Umwälzung der dörflichen Ordnung und des bäuerlichen Lebens.
Im Bereich der Landbewirtschaftung kann die Einführung der verbesserten Dreifelderwirtschaft (etwa ab 1800) als eine entscheidende Neuerung angesehen werden. Der Anbau von Futterpflanzen auf der ehemaligen Brachzelge ermöglichte die ganzjährige Stallfütterung und damit eine geregelte Düngewirtschaft. Mit der veränderten Futterwirtschaft konnte die gemeinschaftliche Weide aufgegeben und Allmendeflächen aufgeteilt werden. Dadurch wurde es möglich, die ehemals notwendigen, vielfältigen Reglementierungen der Bodennutzung zu lockern.
Im sog. Rechtlerwald bei Trappstadt hat sich eine althergebrachte Form der Allmendenutzung bis heute erhalten. Dort wird jährlich ein Teilstück (= „Hieb“) von 6 - 7 ha auf den Stock gesetzt. Die Umtriebszeit beträgt 20 Jahre. Das Holz wird unter den Nutzungsberechtigten (= „Rechtler“) entsprechend ihrer Nutzungsanteile (= „Gerten“) verteilt.

Die Neuerungen markierten für einen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe den Beginn eines wirtschaftlichen Aufschwungs. Die ansteigenden Erträge waren nicht zuletzt für die Versorgung der städtischen Bevölkerung dringend notwendig. Vor allem den Gäulagen kam in diesem Zusammenhang eine wichtige Funktion zu. Die wirtschaftlichen Veränderungen hatten auch Auswirkungen auf die Dorfstruktur: infolge der ganzjährigen Stallhaltung wurden Jauchegruben und größere Ställe benötigt, die anwachsenden Erträge erforderten einen Ausbau der Scheunen.

In die Zeit dieser Umwälzungen fällt im Jahr 1840 der Großbrand in Sondheim v.d. Rhön, bei dem das Dorf nahezu vollständig zerstört wurde. Der Wiederaufbau erfolgte in Form einer dörflichen Plansiedlung nach den Erfordernissen der veränderten agrarwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Abseits der Städte und Verkehrswege kamen die Neuerungen weniger schnell zum Tragen. Dort wurde auch weiterhin Subsistenzwirtschaft betrieben.

In der Zeit nach 1945 wandelte sich die Landwirtschaft zu einer marktabhängigen, stark spezialisierten und mechanisierten Wirtschaftsform. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die Flurbereinigung, die vielerorts zu einem grundlegenden Wandel der traditionellen Kulturlandschaft führte.

WEINBAU
In den klimatisch günstigen Lagen der Region wurden die Muschelkalkhänge bereits früh für den Weinanbau genutzt. Die älteste Originalurkunde, die den Weinbau in Franken dokumentiert, stammt aus dem Jahr 777.

Das Maintal um Eltmann gehörte wie die Bereiche um Würzburg, Klingenfeld und Heidingsfeld zu den Kern- und Ursprungsgebieten des Weinbaus in Franken. Von dort breitete sich der Weinbau ab dem Beginn des 9. Jahrhunderts über das gesamte Maintal und seine Nebentäler wie z.B. Itz- und Baunachtal aus. Um 1300 wurde auch bereits in den klimatisch günstigeren Nebentälern der Saale und der Wern Weinbau betrieben. Seine größte Ausdehnung erreichte der Weinanbau in Franken im 16. Jahrhundert, wobei die Entwicklung nicht kontinuierlich verlief, sondern von der Zäsur der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode unterbrochen wurde. Der damalige Weinbau unterschied sich deutlich von den heutigen Anbaumethoden. Wein wurde zu dieser Zeit auch in Bereichen angebaut, die sich aus heutiger Sicht klimatisch nicht dafür eignen. Außerdem war bis in die Zeit um 1800 die Bepflanzung der Weingärten mit einheitlichen Rebsorten und in Reihen weitgehend unüblich; Rebkulturen wurden häufig von Obstbäumen durchsetzt.

Ende des 16. Jahrhunderts setzte, vermutlich als Folge klimatischer Veränderungen, ein Rückgang der Weinbaufläche ein. Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen beschleunigten diesen Prozess und brachten den Weinbau schließlich auf großen Flächen zum Erliegen. In der nachfolgenden Wiederaufbauphase sind unterschiedliche Entwicklungen auszumachen. Während im Bistum Bamberg der Weinbau zu Gunsten des Hopfenanbaus zurückgedrängt wurde, erfuhr er im Bistum Würzburg einen neuen Aufschwung. Allerdings erreichten die Rebflächen bei weitem nicht mehr ihre ehemalige Ausdehnung. Stattdessen wurde aber mit einem eher qualitätsorientierten Anbau begonnen. Während der Blütezeit des 18. Jahrhunderts bestanden in der Region zusammenhängende Weinbaugebiete insbesondere entlang des Main, entlang der fränkischen Saale bis Mellrichstadt und am Steigerwaldtrauf. In diesen Gebieten sind auch heute die Schwerpunkte des Weinanbaus in der Region zu finden.

Rebkrankheiten und die wachsende Konkurrenz stürzten den fränkischen Weinbau im 19. Jahrhundert in eine Existenzkrise, die zu einem Rückzug des Weinanbaus nicht nur in seinen Rand-, sondern auch in den Kerngebieten führte. Ende des 19. Jahrhunderts ging man in den unrentabel gewordenen Weinbergen vielfach zum Obstanbau über. Gerade in den Gebieten, in deren Nähe auch heute noch Wein angebaut wird (z.B. Steigerwaldvorland), dürfte ein nicht unerheblicher Teil der vorhandenen Streuobstflächen seinen Ursprung in diesem Nutzungswandel haben. Ein Teil der ehemaligen Weinberge fiel auch brach und entwickelte sich zu naturnahen Laub- oder Kiefernwäldern. Andere wurden zur Erweiterung von Siedlungsflächen herangezogen oder in flacheren Lagen auch in Acker- bzw. Grünland umgewandelt.

Erst ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gelang durch Veränderungen in Produktion und Vermarktung eine erneute Etablierung des Frankenweins und damit der Anstoß einer günstigen Entwicklung für den fränkischen Weinanbau. Weinbergsflurbereinigungen sind Teil dieser Entwicklung. Sie ermöglichten einerseits rationellere Bewirtschaftungsmethoden, führten aber andererseits zur Beseitigung ökologisch und landschaftsästhetisch höchst wertvoller Strukturen. Ein Teil der historischen Kulturlandschaftsteile in der Region (z.B. Hangterrassierungen mit Trockenmauerwerk, historische Weinberge mit Nachfolgenutzung Streuobst) geht auf traditionelle bzw. historische Formen des Weinbaus zurück (Karte 1.5 und Kap 4.2.5). Sie sind heute nicht nur durch Nutzungsintensivierung, sondern auch durch Verbrachung der ehemaligen Weinberge in ihrem Bestand gefährdet.

GRÜNLANDWIRTSCHAFT
In den klimatisch weniger begünstigten Bereichen dienten die steilen Hanglagen des Muschelkalks als Schafweiden, was dort zur Ausbildung charakteristischer Wacholderheiden führte. Heute sind sie meist in dieser Form nicht mehr in Nutzung und infolge der voranschreitenden Sukzession vielfach nicht mehr eindeutig als Schaftriften in der Landschaft ablesbar. Als weitere charakteristischerweise als Grünland genutzte Flächen sind außerdem die Auen der Fließgewässer zu nennen. Inzwischen ist jedoch vielfach ein Vordringen der Ackernutzung in die Bach- und Flussauen zu beobachten.

In den Hochlagen der Rhön war und ist wegen des rauhen Klimas Grünlandwirtschaft ebenfalls die vorherrschende Nutzungsform. Die Grünlandflächen der Hohen Rhön wurden traditionell als extensive, meist einschürige Mähwiesen genutzt und nach der Mahd beweidet. Die sehr feuchten Bereiche, darunter unter anderem auch das Schwarze Moor, wurden zur Streugewinnung genutzt. In der Langen Rhön durfte mit der Mahd der Futterwiesen erst nach dem Kilianstag (8. Juli) begonnen werden. Die Ertragsarmut der mageren Flächen wurde durch die Großflächigkeit ihrer Nutzung ausgeglichen. Diese Art der Bewirtschaftung hat wesentlich zum charakteristischen Landschaftsbild der Hohen Rhön mit ihren offenen, z.T. parkartig anmutenden Hochlagen beigetragen.

Während des Dritten Reiches wurden im Zuge des „Dr. Hellmuth-Plans“ Meliorationsmaßnahmen für künftige landwirtschaftliche Betriebe auf der Langen Rhön durchgeführt. Dazu gehörten die Aufforstung von Windschutzstreifen, flächige Entsteinungen und die Anlage von Entwässerungsgräben an der Nordwest- und Westseite des Schwarzen Moores.

Bis ins 19. Jahrhundert wurden Grünlandflächen im allgemeinen keiner intensiven Pflege und Düngung unterzogen. Erst mit der verbesserten Dreifelderwirtschaft und der damit verbundenen ganzjährigen Stallfütterung wurde eine geregelte Düngewirtschaft möglich, die es erlaubte auch Grünlandflächen zu düngen. Unter den heutigen agrarwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird Grünland in flachen Lagen nicht selten zu Acker umgebrochen, während steile und schwer zu bewirtschaftende Lagen oder Grenzertragsflächen zunehmend der Verbrachung und Verbuschung überlassen werden. Besonders deutlich ist dies z.B. auf ehemaligen Hutungsflächen wie etwa um Münnerstadt. Eine stark zunehmende Verbuschung ist in den letzten 30 - 40 Jahren auch im Bereich der hohen Rhön zu beobachten.

WALDWIRTSCHAFT
Der Wald war im mittelalterlichen Dorf selbstverständlicher Teil des landwirtschaftlichen Wirtschaftsraumes und wurde in vielfältiger Weise (z.B. Waldweide, Eichelmast, Laubheugewinnung, Streurechen u.v.m.) genutzt. Charakteristisch für die mittelalterliche Kulturlandschaft waren daher fließende Übergänge zwischen Wald und Offenland. Im Laufe des Mittelalters fand durch die starke Nutzung der Waldbestände eine zunehmende Auflichtung der Wälder statt. Der hohe Holzbedarf für Brennmaterial, Bauholz und gewerbliche Zwecke (z.B. Holzkohlegewinnung) war ein weiterer Grund für den steten Rückgang der Waldflächen. Die Übernutzung der Wälder führte mitunter sogar zu irreversiblen Veränderungen der betroffenen Standorte.

Unter anderem soll die umfangreiche Bautätigkeit der Würzburger Fürstbischöfe ein Grund für die im Mittelalter durchgeführten großflächigen Rodungen in der Rhön gewesen sein. Allerdings dürfte die Entwaldung der Rhön wohl kaum nur auf eine einzige Ursache zurückzuführen sein. Sie verlief vielmehr als lange andauernder Prozess, in dem sich Phasen der Auflichtung und der Wiederbewaldung immer wieder abwechselten. Zum Beispiel waren in der frühen Neuzeit auch Glashütten und Eisenschmelzen in der Rhön für einen sehr hohen Holzverbrauch verantwortlich. Durch das Abholzen der ursprünglichen Laubwalddecke entstand die charakteristische Rhönlandschaft - das „Land der offenen Fernen“. Die Rodungsflächen wurden nachfolgend als extensives Grünland in Nutzung genommen. Die lange währende Weide- und Mähnutzung sowie die Waldweide haben, verbunden mit dem rauhen Klima, das eine natürliche Wiederbewaldung erschwerte, bei der Ausprägung der landschaftlichen Eigenart der Hohen Rhön sicherlich eine zentrale Rolle gespielt.

Am Ende des Mittelalters war der Großteil der Wälder zerstückelt, degradiert und auf Grenzstandorte zurückgedrängt. Auf die drohende Holzknappheit reagierten die Grundherren durch entsprechende Forstordnungen. Eine der ersten wurde 1574 vom Würzburger Fürstbischof Julius Echter erlassen. In der Folge konnten sich die Waldbestände, unterstützt durch entsprechende waldbauliche Maßnahmen, wieder erholen, und die Waldverteilung in Unterfranken veränderte sich nur noch geringfügig.

Dichte und zusammenhängende Waldgebiete blieben schwerpunktmäßig in den siedlungsarmen Randgebirgen oder in herrschaftlichen Jagdbezirken erhalten. So waren es z.B. fürstbischöfliche Jagdinteressen, die zur Erhaltung der großen zusammenhängenden Waldflächen des Steigerwaldes beitrugen.

Nicht selten führten die Besitzverhältnisse in den Waldgebieten und die damit verbundenen Nutzungsformen zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Waldbestände, die bis heute nachwirken.

Die flächenmäßig deutlich überwiegende Form der Waldnutzung in der Region war lange Zeit die Nieder- und Mittelwaldwirtschaft. Sie gelten als typisch bäuerliche Formen der Waldnutzung und haben sich daher gerade in Gemeinde- und Privatwäldern besonders lange gehalten. Durch diese Art der Waldwirtschaft wurden Eichen und ausschlagskräftige Hölzer gefördert und damit ein maßgeblicher Beitrag zur Verbreitung der Eichen-Hainbuchenbestände geleistet. Die durch Mittel- und Niederwaldnutzung geprägten Waldbestände gelten heute wegen ihres ungewohnten Erscheinungsbildes und ihrer Seltenheit als besonders erlebnisreiche Waldgebiete.

In den Staatsforsten des nördlichen Steigerwaldes ging man schon früh zur Hochwaldwirtschaft über. Ablesbar ist diese Entwicklung heute durch die weite Verbreitung der Buche in diesem Teil des Steigerwaldes. Ähnliches gilt für das Hesselbacher Waldland, wo die Wälder ebenfalls größtenteils in Staatsbesitz sind. Die Waldbestände wurden auch dort früh in Hochwald überführt und zeigen daher heute in der Regel keine Spuren der vorangegangenen Mittelwaldwirtschaft mehr.

Im ehemaligen Herrschaftsbereich des Fürstbistums Bamberg gab es außerdem eine lange Tradition der Kiefernwirtschaft, die ebenfalls bis heute nachwirkt. Kiefernholz wurde für den Schiffbau in den Niederlanden benötigt und war daher ein einträgliches Handelsgut. Das Holz wurde von Flößern über Main und Rhein zu seinen Absatzmärkten gebracht.

Das über lange Zeiträume übliche Streurechen in den Wäldern führte in einigen Gebieten zu einer so starken Verarmung der Böden, dass ein Übergang zur Hochwaldwirtschaft nur durch Aufforstung von Kiefern möglich war. Kiefernbestände im östlichen Steigerwald, aber auch die kieferndominierten Nadelforste des Salzforstes lassen sich als Folge dieser Entwicklung erklären. Der Salzforst mit seinen armen Sandböden war noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein reines, durch lang währende Übernutzung aber devastiertes Laubwaldgebiet.

Ab Ende des 18. Jahrhunderts begann sich zunehmend eine geregelte Forstwirtschaft durchzusetzen. Durch Wiederaufforstungsgebote, Nutzungsbeschränkungen und die Umwandlung von Mittel- und Niederwald in Hochwald bemühte man sich um eine Stabilisierung der Bestände. Der Wiederaufbau der Wälder erfolgte meist, nicht nur in Gebieten mit degradierten Böden, mit den leicht zu verjüngenden Baumarten Fichte und Kiefer. Dadurch wurden in ehemals reinen Laubwaldgebieten zunehmend Nadelholzbestände begründet. In dieser Tradition stehen die meisten der heute vorhandenen Nadelwaldbestände in der Region.

Einen anderen historischen Hintergrund haben die Fichtenforste der Langen Rhön. Diese wurden in der Zeit zwischen 1936 bis 1943 im Zuge des sog. „Dr.-Hellmuth-Plans“ aufgeforstet. Für diese Arbeiten wurden der Reichsarbeitsdienst und Kriegsgefangene herangezogen. Dabei wurde auf ca. 5 km Länge entlang des Rhön-Hauptkamms ein bis zu 360 m breiter Waldgürtel quer zur Hauptwindrichtung angelegt. Im vorgelagerten Leebereich wurden diese Aufforstungen zusätzlich durch gitterförmig angelegte Schutzstreifen ergänzt. Die Aufforstungen waren Teil eines gesamten Maßnahmenbündels, mit dessen Hilfe die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen auf der Langen Rhön nachhaltig verbessert werden sollten. Die erhaltenen Relikte dieser Maßnahmen sind unter ökologischen und landschaftsästhetischen Gesichtspunkten negativ zu bewerten. Aus historischer Sicht besitzen sie allerdings eine hohe Aussagekraft. Dort wo die Planmäßigkeit der Fichtenstreifen noch besonders deutlich in der Landschaft ablesbar ist, wurden sie daher hier als historische Kulturlandschaftsteile erhoben (vgl. Karte 1.5 und Kap 4.2.5).

Nach dem Krieg haben durch private und staatliche Aufforstungen die Waldflächen der Hohen Rhön insgesamt deutlich zugenommen.

WIRTSCHAFT UND VERKEHR
Große Teile der Region lagen über lange Zeiträume abseits der großen Fernstraßen. Daher kam dem Main seit jeher große Bedeutung als Verkehrsweg zu.
Erste schwerwiegende Eingriffe in den Wasserhaushalt der Mainaue fanden bereits im 19. Jahrhundert statt. So entstanden einige Altwasser nördlich und südlich von Grafenrheinfeld und nördlich von Bergrheinfeld im Zuge einer Mainkorrektur in den Jahren 1823 - 1828.
Die tiefgreifendsten Veränderungen wurden ab 1960 durch die Korrektur des Mainlaufs und den Ausbau zur Bundeswasserstraße vorgenommen.
Große wirtschaftliche Bedeutung hat das Maintal auch wegen seiner Kies- und Sandvorkommen, die dort insbesondere in den letzten Jahrzehnten großflächig abgebaut werden.

Als freie Reichsstadt und durch seine Lage am Main hatte Schweinfurt schon früh eine herausgehobene Stellung unter den Städten der Region. Entscheidende Impulse für den Wandel zur Industriestadt erhielt Schweinfurt Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Gründung einiger großgewerblich geprägter Betriebe. Die damit angestoßene Entwicklung wurde durch äußere Faktoren wie den Abschluss des Deutschen Zollvereins (1834), die Aufnahme der Maindampfschifffahrt (1841) und die Eröffnung der Ludwigs-Westbahn (1852) zusätzlich unterstützt. Im Laufe der weiteren Entwicklung war es vor allem die Metallindustrie, die den Charakter der Industriestadt Schweinfurt bis heute entscheidend prägte.

Teile der Region haben eine lange Tradition als Erholungsgebiete. Im Umfeld der Heilquellen im Saale- und im Sinntal entstanden renommierte Kurorte. Vor allem Bad Kissingen und Bad Brückenau waren im 18. und 19. Jahrhundert beliebte Erholungsorte des europäischen Adels und erwarben sich dadurch einen überregionalen Ruf, von dem auch die Kurorte Bad Neustadt a. d. Saale, Bad Bocklet und Bad Königshofen profitierten. In der Saaleaue bei Bad Kissingen und der Sinnaue am Staatsbad Brückenau entstanden entsprechend der Bedürfnisse der Kurgäste speziell gestaltete Erholungslandschaften in Form der Kurparke und Kuranlagen. Aufgrund der in jüngerer Zeit erfolgten Veränderungen im Gesundheitswesen ist die ökonomische Situation vieler Kurbetriebe heute schwierig.

Zur Zusammenstellung und Kurzbeschreibung historischer Kulturlandschaftsteile in der Region siehe Tabelle 4.2 in Kapitel 4.2.5


 

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