4.2 Darstellung und Beurteilung der einzelnen Schutzgüter

Die nachfolgenden Kapitel geben einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse bei der Darstellung und Beurteilung der Schutzgüter, ihrer Funktionen bzw. Eigenschaften und verstehen sich als Erläuterungstexte zu den verschiedenen Themenkarten (Karten 1.1 - 1.5).

Die Methoden zur Darstellung und Beurteilung der Schutzgüter bzgl. Funktionen, Eigenschaften etc. werden zu Beginn der einzelnen Kapitel jeweils kurz erläutert.


4.2.1 Schutzgut Boden (s. Karte 1.1)

Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe/Versauerungswiederstand

Das Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe beschreibt die Fähigkeit von Böden, Stoffe zu binden oder chemisch umzuwandeln. Auf diese Weise können u.a. Schadstoffe in unterschiedlich hohem Umfang im Boden zurückgehalten werden, ohne ins Grundwasser oder in die Luft verlagert zu werden. Diese ist somit eine der bedeutendsten Funktionen von Böden im gesamten Landschaftshaushalt. Allgemein weisen löß-, ton- und humusreiche sowie tiefgründige Böden ein höheres Rückhaltvermögen für sorbierbare Stoffe auf als flachgründige und/oder sandige Böden. Die Darstellung des Rückhaltevermögens basiert auf einer Auswertung der Bodenschätzungskarte (M 1:25.000), die nur für landwirtschaftliche Flächen vorliegt.
Für die Darstellung des Versauerungswiderstands von Waldböden wurde daher auf die Einheiten geologischer Karten (M 1:200.000) Bezug genommen, für die von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft eine Einschätzung der Versauerungsgefährdung vorgenommen wurde. Unter Wäldern ist der Versauerungswiderstand die hinsichtlich ihrer Umweltrelevanz bedeutendere Bodenfunktion, deshalb wurde hier nicht das Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe untersucht.

Das Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe ist im Buntsandsteingebiet der Rhön je nach Sandanteil und Gründigkeit der Böden überwiegend als „mittel“ oder „gering“ einzustufen. Lediglich in der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön kommen Böden mit höherem Löß- und Tongehalt vor, die ein hohes Rückhaltevermögen aufweisen.
Auf den Böden des Letten- und Gipskeupers im Grabfeldgau dürfte ebenfalls der hohe Tongehalt, im südlichen Grabfeldgau auch der Lößgehalt, ausschlaggebend für das überwiegend hohe Rückhaltevermögen sein.

Im Muschelkalkgebiet der Wern-Lauer-Platten wirkt sich die Lößüberdeckung entscheidend auf das Rückhaltevermögen der Böden aus: auf mächtigeren Lößdecken weisen die Böden ein hohes Rückhaltevermögen auf, wogegen dasjenige der meist flachgründige Gesteinsverwitterungsböden des Muschelkalks überwiegend als „gering“ einzustufen ist.
Eine ähnliche Verteilung zeigt sich im Hesselbacher Waldland, wo zusätzlich auf Lettenkeuper ein mittleres bis hohes Rückhaltevermögen vorherrscht.

Die Lößböden der Gäuplatten und des Schweinfurter Beckens zeichnen sich durch ein hohes, stellenweise sehr hohes Rückhaltvermögen aus ebenso wie die Auenböden im Maintal. Die Sand- und Terrassenböden des südöstlichen Schweinfurter Beckens hingegen weisen ein mittleres bis geringes Rückhaltevermögen auf.

Im geologisch heterogenen Steigerwaldvorland dominieren Böden mit mittlerem Rückhaltevermögen, allerdings kommen sowohl Bereiche sehr hohen als auch geringen Rückhaltevermögens in nennenswertem Umfang vor. Auch im Maintal wechseln hier sandig-kiesige Flächen und Auelehmbereiche ab, so dass sich hier ebenfalls unterschiedliche Verhältnisse ergeben.
Auf den Sanden des Steigerwalds, der Haßberge und des Itz-Baunach-Hügellands herrschen Böden mit geringem Rückhaltevermögen vor. Nur auf mächtigeren Lößüberdeckungen und in den Tälern ergeben sich im Itz-Baunach-Hügelland Böden mit hohem, stellenweise sehr hohem Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe.

Insgesamt ergibt sich für die landwirtschaftlichen Nutzflächen der Region 3 ein heterogenes Bild, das auch in einer sehr differenzierten Darstellung möglicher Konflikte seinen Niederschlag findet (vgl. Kap. 4.3).

Der Versauerungswiderstand von Waldböden ist großflächig gering bis sehr gering ausgeprägt

  • im Buntsandsteingebiet der Südrhön und der Vorder- und Kuppenrhön,
  • in den Keupersandgebieten (Burgsandstein, Oberer Keuper) der Haßberge, des östlichen Steigerwalds und des Itz-Baunach-Hügellands.

Auch die eher kleinflächigen Flugsandvorkommen im Schweinfurter Becken und Steigerwaldvorland weisen einen sehr geringen Versauerungswiderstand auf.
Einen hohen bis sehr hohen Versauerungswiderstand leisten insbesondere die Waldböden

  • auf Muschelkalk am Ostabfall der Hohen Rhön, im nördlichen Grabfeldgau sowie im „Wellenkalkzug“ südlich des Saaletals (Wern-Lauer-Platten),
  • des Mittleren und Unteren Keuper im Grabfeldgau, im Hesselbacher Waldland, im Steigerwaldvorland und im westlichen Steigerwald,
  • des Feuerletten und Unteren Lias in den südlichen Haßbergen und im Itz-Baunach-Hügelland.

In den versauerungsgefährdeten Gebieten kann vor Ort v.a. durch waldbauliche Maßnahmen (Förderung von Laubmischwäldern) der Bodenversauerung begegnet werden, in erster Linie müssen dafür aber generell die atmosphärischen Stickstoffimmissionen erheblich reduziert werden.

Potenzielle Erosionsgefährdung (Wasser, Wind)

Die Bodenerosion stellt eine schwerwiegende, weil unumkehrbare Schädigung von Böden dar. Unter ihr leiden sowohl die Funktionen der von ihr betroffenen Böden (Sorptionsvermögen, Ertragsfähigkeit) als auch die Ökosysteme, in die der erodierte Boden verfrachtet wird (insbesondere Magerstandorte, Gewässer). Bodenerosion kann durch Niederschläge sowie Wind verursacht werden. Während entwässerte Moorböden und Sandböden besonders anfällig für Winderosion sind, sind v.a. letztere gegenüber Wassererosion weniger anfällig als lehmige Böden oder v.a. Lößböden. Die Potenzielle Erosionsgefährdung durch Wasser wird allerdings am stärksten durch die Hangneigung beeinflusst.
Dementsprechend unterliegen größere Bereiche der Rhön einer hohen Potenziellen Erosionsgefährdung durch Wasser.
Ebenso weisen steilere Anstiege in Muschelkalkgebieten (v.a. im Bereich des Oberen Muschelkalks) und Gebiete höherer Hangneigung im Steigerwald und in den Haßbergen eine erhöhte Gefährdung auf.
Im südlichen Grabfeldgau sowie in den Gäugebieten westlich und südwestlich von Schweinfurt ist trotz des meist flachwelligen Reliefs wegen der dortigen Lößböden potenziell eine mittlere bis hohe Erosionsgefährdung gegeben.
Neben den Talflächen zeichnet sich insbesondere das Steigerwaldvorland durch eine geringe Potenzielle Erosionsgefährdung aus. Auch der Grabfeldgau, das Hesselbacher Waldland und die Hochflächen der Hohen Rhön weisen überwiegend eine geringe bis mittlere Gefährdung auf.
Insgesamt nehmen in der Region 3 Gebiete hoher und geringer Potenzieller Erosionsgefährdung durch Wasser ähnliche Anteile ein, Bereiche mittlerer Gefährdung treten etwas seltener auf. V.a. in den Gebieten hoher Potenzieller Erosionsgefährdung sollen keine erosionsfördernden Fruchtfolgen (z.B. mit hohem Hackfruchtanteil) oder Sonderkulturen in großem Umfang angebaut werden.

Durch Winderosion potenziell gefährdete Standorte kommen lediglich auf den Sandböden des Schweinfurter Beckens und Steigerwaldvorlands vor. Sie nehmen somit in der Region Main-Rhön keinen nennenswerten Umfang ein.



 

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