4.2.2 Schutzgut Wasser (s. Karte 1.2)

Grundwasserneubildungsfunktion:

Im Rahmen des LEK wurde eine Einschätzung der Grundwasserneubildungsrate in der Region Main-Rhön vorgenommen. Hierbei wird der Sickerwasserstrom betrachtet, der den Boden nach unten verlässt, unabhängig von den geologischen Verhältnissen und der Menge des unter der jeweiligen Fläche tatsächlich gebildeten Grundwassers. Diese Betrachtungsweise ermöglicht Rückschlüsse auf den Einfluss von Nutzungen (z.B. Versiegelung) auf die Grundwasserneubildung, weil für die Einschätzung der Auswirkungen von Nutzungsänderungen und Eingriffen der relative Beitrag von Gebieten zum Gesamtwasserhaushalt von Bedeutung ist (wird eine Gebiet mit geringer oder hoher Grundwasserneubildung versiegelt?). Dieser Gesichtspunkt kann gerade in der Region 3, die hinsichtlich der Niederschlagsmengen ein Wassermangelgebiet darstellt (vgl. unten), eine bedeutende Rolle spielen.
Die Grundwasserneubildung wurde anhand der Parameter Verdunstung (in Abhängigkeit von Boden, Grundwasserflurabstand und Nutzung) sowie Reliefenergie ermittelt.
Die kartographische Darstellung der Grundwasserneubildung für die Region Main-Rhön darf wegen der Verknüpfung von Daten unterschiedlicher Maßstabsebenen und unterschiedlicher Datenqualität nur als eine grobe Übersicht betrachtet werden. Keinesfalls ist es zulässig, dargestellte Grenzlinien und Einstufungen als flächenscharf zu interpretieren. Aus diesem Grund wurde auch die ordinale Skalierung bisheriger LEK verwendet und auf eine Angabe von Zahlenwerten verzichtet. Mit den dargestellten Klassen verbinden sich allerdings Größenordnungen der Grundwasserneubildung:

sehr gering: < 75 mm/a
gering: 75 – 150 mm/a
mittel: 151 – 225 mm/a
hoch: 226 – 300 mm/a
sehr hoch: > 300 mm/a

Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die relative Grundwasserneubildung nimmt in der Region Main-Rhön überwiegend eine geringe Größenordnung ein. Dies liegt begründet

  • in den vergleichsweise geringen Niederschlägen (v.a. im Schweinfurter Becken, den Gäuplatten und im Steigerwaldvorland),
  • in den hohen Verdunstungsraten großer Waldflächen
  • im erhöhten Anteil steiler Flächen in den Mittelgebirgen
  • in Standorten mit Böden, die sich durch relativ hohe Verdunstungsraten auszeichnen wie (lehmige) Tonböden.
  • Auch in den meist grundwassernahen Talbereichen (hohe Verdunstung durch Grundwasseranschluss) herrscht eine geringe Neubildung vor.
  • In den niederschlagsärmsten Gebieten kommen in Tälern oder auf tonigen Standorten auch sehr geringe Grundwasserneubildungsraten vor.
  • Eine mittlere Grundwasserneubildungsrate tritt lediglich in Mittelgebirgslandschaften mit hohen Niederschlägen (Hohe Rhön, hier kleinflächig auch hohe Raten), in Muschelkalkgebieten (v.a. nördliches Grabfeldgau, Wern-Lauer-Platten und Teile des Hesselbacher Waldlands) sowie in wald- und damit verdunstungsärmeren Teilgebieten von Südrhön, Vorder- und Kuppenrhön, Steigerwald, Haßberge und Itz-Baunach-Hügelland auf.
  • Dieses Ergebnis bildet in gewisser Weise die bekannte Niederschlagsarmut der Region ab. Daher sollten Bereiche mit einer „mittleren“ oder höheren Grundwasserneubildungsrate von künftigen Versiegelungen möglichst verschont bleiben und dort nach Möglichkeit vorrangig Entsiegelungen durchgeführt werden.


Rückhaltevermögen für nicht sorbierbare Stoffe

Im Rahmen des LEK erfolgt im Hinblick auf den Grundwasserschutz die Betrachtung des „Rückhaltevermögens für nicht sorbierbare Stoffe“ (wie v.a. Nitrat), bezogen auf das jeweils oberste Grundwasserstockwerk. Dieses beschreibt die Fähigkeit von Böden (in Abhängigkeit von klimatischer Wasserbilanz im Winterhalbjahr und nutzbarer Feldkapazität des effektiven Wurzelraums), Stoffe, wie z.B. Nitrat, welche nicht sorbiert werden können, in Bodenhorizonten zurückzuhalten, in denen sie pflanzenverfügbar bleiben und damit v.a. nicht in Richtung Grundwasser verlagert werden können. Diese Bodenfunktion gibt Hinweise auf die Notwendigkeit der Vermeidung von Überschüssen an nicht sorbierbaren Stoffen, wie sie in Form von Nitrat insbesondere in der Landwirtschaft entstehen können. Das Verlagerungsgeschehen des Ausgangsgesteins zwischen Boden und oberstem Grundwasserstockwerk wurde dabei nicht betrachtet. Die Darstellung des Rückhaltevermögens basiert auf einer Auswertung der Bodenschätzungskarte (M 1:25.000), die nur für landwirtschaftliche Flächen vorliegt. Für die Auswaschung nicht sorbierbarer Stoffe unter Waldflächen sind weniger Standortfaktoren, sondern vielmehr Höhe und Dauer der Stickstoff-Deposition ausschlaggebend (vgl. Tabelle 4.5). Daher wurden Waldflächen als „standörtlich indifferent“ dargestellt.

Die Ergebnisse stellen sich wie folgt dar:
Große Bereiche der Hohen Rhön und der Vorder- und Kuppenrhön zeichnen sich durch ein geringes Rückhaltevermögen für nicht sorbierbare Stoffe aus. Dies liegt teilweise in der geringen Nutzbaren Feldkapazität der Böden, vor allem aber in der relativ hohen Klimatischen Wasserbilanz in diesen Gebieten begründet.
In der Südrhön und im Hesselbacher Waldland dominieren Standorte mit durchschnittlichem Rückhaltevermögen, lediglich auf den vergleichsweise wenigen flachgründigen Böden liegt ein geringes Rückhaltevermögen vor.
Auch im Grabfeldgau und den Wern-Lauer-Platten dominieren Standorte mit durchschnittlichem Rückhaltevermögen. Allerdings nehmen hier auch einerseits flachgründige Gesteinsverwitterungsböden mit geringem Rückhaltevermögen und andererseits Standorte mit tiefgründigen Böden und/oder Lößeinfluss und hohem Rückhaltevermögen bedeutende Anteile ein.
Die Gäuplatten und das westliche Schweinfurter Becken werden von Standorten mit hohem Rückhaltevermögen für nicht sorbierbare Stoffe wie Nitrat beherrscht. Diese Situation wird durch tiefgründige Lößböden und niedrige Sickerwassermengen bedingt.
In allen übrigen Gebieten, also dem östlichen Schweinfurter Becken, dem Steigerwaldvorland, dem Steigerwald, den Haßbergen und dem Itz-Baunach-Hügelland, kommen nahezu ausschließlich Standorte mit mittlerem Rückhaltevermögen vor.
Hinsichtlich möglicher Grundwasserbelastungen durch Nitrat ist zu beachten, dass, wenn es in Gebieten mit hohem Rückhaltevermögen dennoch zu einer Überschreitung des Rückhaltevermögens kommen sollte, dann mit hohen Konzentrationen zu rechnen ist (geringe Sickerwassermenge!), so dass letztlich flächendeckend eine Minimierung von Stickstoffüberschüssen anzustreben ist. Dies gilt auch für sämtliche Auenfunktionsräume (Talflächen), die auf Grund ihres schwankenden Grundwasserstands eine spezielle Disposition für Nitratauswaschung aufweisen.
Bei den dargestellten Gebieten mit geringem Rückhaltevermögen ist allerdings mit einer häufigeren Nitratverlagerung wegen der Überschreitung der nutzbaren Feldkapazität zu rechnen, so dass hier am dringlichsten Stickstoffüberschüsse zu vermeiden sind.


Auenfunktionsräume

Die Ermittlung der aktuellen Qualität der Auenfunktionsräume erfolgte entsprechend der Methodik des Übersichtsverfahrens der bayernweit durchgeführten Gewässerstrukturkartierung im wesentlichen anhand folgender Kriterien:

  • Überschwemmungsdynamik
  • Ausprägung des Retentionsvermögens
  • Grad der Nutzungsüberprägung und Versiegelung.

Im Vordergrund der Bewertung stehen also die Retentions- und Lebensraumfunktion von Auen.
Dieses Erhebungs- und Bewertungsverfahren erbrachte für die Auen der Region 3 folgende Ergebnisse:
Derzeit finden sich intakte Auenfunktionsräume v.a. an den mittleren und kleineren Gewässern der Region, so an den Rhön-Gewässern wie z.B. Elsbach, Kellersbach, Schondra, Sinn, abschnittsweise aber auch an Lauer, Baunach oder Unkenbach. Diese sind in ihrem aktuellen Zustand zu erhalten.

Häufig sind Auenfunktionen beeinträchtigt, so z.B. im Werntal, im Thulbatal, im Tal der Fränkischen Saale oder im Tal der Rauhen Ebrach. Hier erscheint allerdings eine Wiederherstellung von Retentionsräumen, alten Flussschlingen oder einer standortgemäßen Nutzung mit vertretbarem Aufwand möglich, um beeinträchtigte Auenfunktionen wieder zu optimieren.

Abschnitte, in denen die Auenfunktionen meist durch Gewässer- und/oder Auenverbauung weitgehend stark beeinträchtigt sind, kommen neben vielen Ortsbereichen v.a. im Maintal, auf kürzeren Abschnitten auch im Streutal sowie im Oberen Saaletal vor.

Durch den Ausbau des Main als Bundeswasserstrasse entstanden allein in der Region 3 sechs Stauhaltungen für die Schifffahrt und zur Nutzung der Wasserkraft. Damit verbunden sind irreversible Veränderungen im Abflussgeschehen des Main und im Naturhaushalt des Maintals, die sich insbesondere bei Niedrig- und Mittelwasserführung stark auswirken. Die Auendynamik wurde durch die Herabsetzung von Überflutungshäufigkeit und –dauer verändert. Damit einhergehend hat sich die Grundwasserdynamik verändert. Überschwemmungen nahezu des gesamten Maintals kommen aber immer noch vor.
Durch Entwässerung, Auffüllung und Begradigung wurde eine intensive Landnutzung bis an die heutigen Ufer ermöglicht und Gewässer- und Auenlebensräume zerstört (Flutrinnen, Auwälder Altarme etc.). Solche Lebensräume sind nur noch rudimentär vorhanden. Durch großflächigen Kiesabbau entstanden zahlreiche Baggerseen. Somit verschob sich das Lebensraumspektrum zugunsten teils ausgedehnter Stillgewässer, die häufig gleichzeitig der Erholung und Fischerei dienen.

Anders als im Streu- und Saaletal gingen im Maintal und in vielen Ortsbereichen Auenfunktionen meist irreversibel verloren bzw. existieren teilweise in stark veränderter Ausprägung, und können daher nur in gewissem Umfang durch gezielte Gewässer- und Auenentwicklungsmaßnahmen wieder revitalisiert werden.


Gewässerstruktur

Die Ermittlung der aktuellen Gewässerstruktur erfolgte ebenfalls nach der Methodik des Übersichtsverfahrens der bayernweit durchgeführten Gewässerstrukturkartierung, und zwar im wesentlichen anhand folgender Kriterien:

  • Linienführung
  • Uferverbau
  • Vorhandensein von Querbauwerken oder Abflussregelungen
  • Uferbewuchs.

Sie zielt besonders auf die Bewertung der für Fließgewässer charakteristischen Dynamik ab.
Dieses Erhebungs- und Bewertungsverfahren lieferte für die Gewässer der Region 3 folgende Ergebnisse:
Hinsichtlich ihrer Struktur überwiegend naturnahe bzw. unveränderte Gewässerabschnitte auf längeren Strecken finden sich nur noch an einigen Rhön-Gewässern wie der Sulz, dem Kellersbach, dem Elsbach oder der Kleinen Sinn.

Die meisten Gewässerabschnitte zeigen stellenweise Beeinträchtigungen in Form von Uferverbauungen, einzelnen Querbauwerken oder Begradigungen, so z.B. Fränkische Saale, Thulba, Brend oder Lauer.
Neben dem als Bundeswasserstraße ausgebauten Main, der hinsichtlich seines Fließcharakters ein Hybridgewässer darstellt, dessen Flussdynamik nur noch bei Hochwasserereignissen zum Tragen kommt (Anlandungen u.ä.), weisen v.a. Wern, Nassach, Volkach, Baunach und Rauhe Ebrach auf längeren Strecken eine stark beeinträchtigte Gewässerstruktur auf (Begradigung, Uferverbau, Querbauwerke, z.T. fehlender Ufersaum u.a.m.).
Insgesamt lässt sich ein deutlich abnehmender Qualitätsgradient feststellen, indem die Qualität der Gewässerstruktur von der Hohen Rhön über die Südrhön in Richtung Grabfeldgau, Gäuplatten, Steigerwaldvorland und Itz-Baunach-Hügelland abnimmt.

Während für beeinträchtigte und stark beeinträchtigte Gewässer- und Auenabschnitte in der „freien Landschaft“ zumindest sukzessive die Erreichung der ursprünglichen Dynamik als realistische Zielvorgabe gesehen werden kann, werden am Main sowie in vielen Ortsbereichen nur vereinzelte Verbesserungen möglich sein. Insgesamt besteht für die Gewässer und Auen in der Region 3 außerhalb der Rhön ein erheblicher Handlungsbedarf zur Schaffung ökologisch intakter Gewässer und Auen.


Gewässergüte (Saprobie)

Die Beurteilung der Gewässergüte über die Saprobie spiegelt das Maß der Gewässerbelastung mit organischen Stoffen wieder. Hohe Belastungen können u.a. zu Sauerstoffmangel infolge des Abbaus dieser Stoffe und damit zum Tod von Fischen und anderen tierischen Makroorganismen führen.
Stark verschmutzte und sehr stark verschmutzte Gewässerabschnitte (Gewässergüte III und III – IV) kommen in der Region Main-Rhön an der Baunach unterhalb Bundorf, ansonsten mit Ausnahme der Hohen Rhön und der Vorder- und Kuppenrhön über die ganze Region verbreitet v.a. in kleineren Bächen vor (Stand Dezember 2000). Auf längeren Strecken stark verschmutzte oder sehr stark verschmutzte Gewässer treten allerdings nicht auf.
Die Oberläufe der Fränkischen Saale und der Milz, der nordwestliche Teil der Baunach, die Nassach, die Rodach, die Alster, die Itz, die Wern ab Niederwerrn, der Unkenbach, die Volkach, die Aurach und der Main zwischen Schweinfurt und Hirschfeld sowie zwischen Schonungen und Knetzgau gelten als kritisch belastet (Gewässergüte II-III).

In der Hohen Rhön, der Vorder- und Kuppenrhön und der Südrhön sowie in den Haßbergen und dem Steigerwald treten fast ausschließlich bessere Güteklassen auf. Es überwiegt Güteklasse II (mäßig belastet), wobei Oberläufe und kleine Bäche v.a. im Bereich der Hohen Rhön, stellenweise auch in der Vorder- und Kuppenrhön, der Südrhön und im Steigerwald Güteklasse I-II (gering belastet) aufweisen.
Die meisten größeren Bäche und die Flüsse der Region 3 weisen weitgehend Güteklasse II auf: Streu, Sulz, Kleine Sinn, Sinn, Kellersbach, Lauer, „Unterlauf“ der Baunach, Schondra, Thulba, Fränkische Saale unterhalb Bad Königshofen, Rauhe Ebrach.
Hier soll wie auch an den Bächen dieser Güteklasse die erreichte Wasserqualität nachhaltig gesichert werden, während an den stärker belasteten Gewässern – häufig an kleineren Bächen – Maßnahmen zur Verbesserung der Wassergüte vordringlich getroffen werden sollen.


 

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