4.2.4 Schutzgut Arten und Lebensräume (s. Karte1.4)


Aktuelle Lebensraumqualität

In die Beurteilung der aktuellen Lebensraumqualität werden sämtliche außerhalb der Siedlungen gelegenen Gebiete der Region einbezogen (siehe Karte 1.4). Es erfolgt dabei basierend auf der aktuellen Biotopausstattung und der nachgewiesenen Artenvorkommen eine Einteilung in 5 Wertstufen von „sehr gering“ bis „sehr hoch. Für die Einstufung ist sowohl der Flächenanteil bzw. die Dichte der in einem Gebiet vorkommenden naturbetonten (= nicht oder nur extensiv genutzten) Lebensräume als auch die naturschutzfachliche Bedeutung der Biotope und Arten bestimmend, wobei für letzteres in der Regel deren Seltenheit und Gefährdung ausschlaggebend ist. Als wichtigste Grundlage für die Beurteilung dienen die Ergebnisse der Kartierung schutzwürdiger Biotope in Bayern, des Arten- und Biotopschutzprogramms und der Erhebungen zur flächigen Nutzung im Rahmen des LEK.
Die Wertstufe „sehr gering“ wird also beispielsweise für ausgeräumte Ackerlagen mit sehr geringem Biotopanteil vergeben; von einer sehr hohen Lebensraumqualität wird dagegen in einem Gebiet gesprochen, das einen hohen Anteil überregional oder landesweit bedeutsamer Lebensräume aufweist. Zusätzlich werden in Karte 1.4 kleinräumige Lebensräume mit regionaler, überregionaler oder landesweiter Bedeutung als rote Punktsymbole dargestellt, wenn sie in Gebieten mit ansonsten nur mittlerer, geringer oder sehr geringer Lebensraumqualität liegen.

Große Gebiete im Naturraum Hohe Rhön, wie z.B. der Truppenübungsplatz Wildflecken, die Naturschutzgebiete Lange Rhön und Schwarze Berge, gelten in naturschutzfachlicher Hinsicht als landesweit bedeutsam, so dass ihnen eine sehr hohe aktuelle Lebensraumqualität für seltene Vegetationsgesellschaften, Pflanzen- und Tierarten zukommt (siehe Kap. 3.1.3). Das Gleiche gilt für viele Gebiete im Bereich des unterfränkischen Wellenkalkzugs, schwerpunktmäßig am Nordostrand der Wern-Lauer-Platten, einschließlich des großen Areals des Truppenübungsplatzes Hammelburg sowie nördlich und nordöstlich Hammelburg, im Bereich des Standortübungsplatzes Mellrichstadt und nördlich Ostheim in der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön.
In die höchste Kategorie fallen außerdem der Neuwirthshauser Forst in der Südrhön sowie südlich und südöstlich von Schweinfurt im Schweinfurter Becken und Steigerwaldvorland einige landesweit bedeutsame Eichen-Hainbuchenwälder; hier außerdem auch Bereiche der Unkenbachaue und im Umfeld von Grettstadt („Grettstädter Reliktengebiet“) mit Vorkommen von Feucht- und Trockenstandorten mit landesweiter Bedeutung (teils nur noch Relikte ehemals ausgedehnter Gebiete). Sehr hohe aktuelle Lebensraumqualität weisen auch zwei Gebiete mit Trockenstandorten von landesweiter Bedeutung im nordöstlichen Grabfeldgau nördlich Herbstadt bzw. im nördlichsten Teil des Itz-Baunach-Hügellandes östlich Trappstadt auf (beides bestehende Naturschutzgebiete). Des weiteren sind als Gebiete mit sehr hoher Lebensraumqualität in der Region Main-Rhön zu nennen: das große zusammenhängende Mittelwaldgebiet des Gücklert nordöstlich Großwenkheim, der überwiegende Teil des Haßbergetraufs mit strukturreichen Kulturlandschaften und naturnahen Wäldern (mit dem über 1.000 ha großen Naturschutzgebiet „Hohe Wann), der mittlerweile aufgelassene Standortübungsplatz Ebern, die Gebiete des Zeilbergs und im Bereich von Altenstein im nördlichen Itz-Baunach-Hügelland, Teilbereiche im Maintal, vor allem östlich Hassfurt und südlich Schweinfurt, Teile des Aurachtals und angrenzende Gebiete im Steigerwald.
In diesen Gebieten, die bayernweit gesehen in der Region Main-Rhön einen überdurchschnittlich hohen Flächenanteil einnehmen, steht die Erhaltung im Vordergrund. Da es sich in den meisten Fällen um typische Kulturlandschaften und selbst bei den Wäldern oftmals um Formationen handelt, die durch bestimmte Nutzungsformen geprägt bzw. entstanden sind, ist die Erhaltung nur durch Pflegemaßnahmen oder im Idealfall durch Nutzungsweisen zu gewährleisten, die sich an der früheren Nutzung orientieren.

Ebenfalls überdurchschnittlich hohe Flächenanteile nehmen in der Region strukturreiche Gebiete und Wälder ein, in denen die aktuelle Lebensraumqualität aufgrund der vorkommenden Arten und Lebensräume (siehe Kap. 3.1.3) als „überwiegend hoch“ zu beurteilen ist. Einen Schwerpunkt bildet hier ebenfalls die Hohe Rhön, in der neben den Bereichen mit sehr hoher Lebensraumqualität der überwiegende Teil in die Kategorie „hoch“ fällt. Als weitere großflächige Gebiete mit hoher aktueller Lebensraumqualität sind reich strukturierte Gebiete und zum Teil auch großflächig zusammenhängende Wälder in den Naturräumen Vorder- und Kuppenrhön (v.a. südlicher Teil), Südrhön, mittlerer und nördlicher Grabfeldgau (meist Wälder), Haßberge und Steigerwald sowie die vielfältigen und strukturreichen Landschaftseinheiten des Steigerwaldtraufs zu nennen. Von einer ebenfalls hohen Bedeutung ist aufgrund der aktuellen Biotopausstattung in den strukturreichen Gebieten des Hesselbacher Waldlands im Raum Hausen und Marktsteinach sowie im Bereich des Wässernachtals und dessen Umfeld auszugehen. Auch in vielen Tälern bzw. Talabschnitten, in denen die Grünlandnutzung deutlich überwiegt und naturnahe Biotope einen hohen Flächenanteil einnehmen, ist die aktuelle Lebensraumqualität als „überwiegend hoch“ einzustufen, z.B. überwiegende Teile des Fränkischen Saaletals im Verlauf durch die Südrhön, nahezu alle Täler der Naturräume Hohe Rhön, Vorder- und Kuppenrhön und Südrhön, der überwiegende Teil des Streutals sowie Teile des Aurachtals im Steigerwald und einige Gebiete im Maintal.
Bei weitem weniger häufig sind Gebiete mit hoher aktueller Lebensraumqualität im Naturraum Wern-Lauer-Platten, im Steigerwaldvorland und in den Gäuplatten im Maindreieck. Im Schweinfurter Becken beschränken sich solche Gebiete auf größere Teile des Maintals. Auch bei dieser Gebietskategorie steht die Erhaltung an erster Stelle; die Gebiete stellen wichtige Schwerpunkträume des regionalen Biotopverbunds dar. Wie auch bei den Gebieten mit sehr hoher Lebensraumqualität handelt es sich fast durchwegs um Landschaften oder Lebensraumkomplexe, deren Erhaltung und weitere Entwicklung nur durch Pflegemaßnahmen oder spezifische Nutzungsweisen zu gewährleisten ist. Bei Wäldern mit hoher Lebensraumqualität reicht vielfach eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung und die (weitere) Förderung standortheimischer Baumarten aus.

Viele der großen zusammenhängenden Wälder und strukturreicheren Kulturlandschaften in den Naturräumen Vorder- und Kuppenrhön, Südrhön, Hesselbacher Waldland, Haßberge und Steigerwald weisen aufgrund ihrer Ausstattung mit naturbetonten (= natürlichen, naturnahen oder halbnatürlichen) Lebensräumen und der vorkommenden Pflanzen- und Tierarten (siehe Kap. 3.1.3) aktuell eine Lebensraumqualität auf, die hier in die mittlere Kategorie fällt. Ebenso wird die aktuelle Lebensraumqualität auch in einigen Tälern bzw. Talabschnitten der Region aufgrund eines höheren Ackeranteils und/oder einer geringeren Biotopdichte als „überwiegend mittel“ beurteilt (z.B. Großteil des Lauertals, Nassachtal, Baunachtal oder Tal der Rauhen Ebrach). In diesen Gebieten steht neben der Erhaltung noch vorhandener Biotope vor allem deren Entwicklung im Vordergrund. Für die freie Landschaft heißt dies in erster Linie Aufbau und Ergänzung von Biotopverbundsystemen, die am erfolgversprechendsten ausgehend von benachbarten Gebieten mit hoher oder sehr hoher Lebensraumqualität entwickelt werden können. In den Waldgebieten, von denen viele aufgrund ihres Lebensraumangebots und ihrer Artenausstattung in diese Bewertungskategorie fallen, ist mit der weiteren Entwicklung neben einer möglichst naturnahen Waldbewirtschaftung vor allem der Umbau von Nadelwäldern in Laub- und Mischwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung verbunden; vorrangig auf Sonderstandorten sollten naturnahe Waldgesellschaften gefördert werden.

In vielen Teilen der Mainfränkischen Platten und des Itz-Baunach-Hügellands kann die aktuelle Lebensraumqualität lediglich als „überwiegend gering“ oder sogar „sehr gering“ beurteilt werden. Auch einige Gebiete in der Südrhön und vereinzelt auch in der Vorder- und Kuppenrhön, im Steigerwald und in den Haßbergen fallen in diese Kategorien mit unterdurchschnittlicher Ausstattung an naturbetonten Lebensräumen. Große Flächenanteile nehmen solche Gebiete in den Naturräumen Steigerwaldvorland, Gäuplatten im Maindreieck und Grabfeldgau ein. Beispielsweise ist im Grabfeldgau und Steigerwaldvorland dem Steigerwald- und Haßbergetrauf jeweils ein Gürtel mit relativ geringer Lebensraumausstattung (Lebensraumqualität „überwiegend gering“) vorgelagert, ehe die Landschaft nach Westen in teils sehr strukturarme Lagen mit nur sehr geringer Lebensraumqualität übergeht.
Großflächig einheitlich genutzte Gebiete ohne nennenswerte Vorkommen von Sekundärlebensräumen liegen vor allem in den Gäulagen der Naturräume Steigerwaldvorland, Schweinfurter Becken (Nordwestteil), Gäuplatten im Maindreieck, Grabfeldgau sowie im östlichen Teilen der Wern-Lauer-Platten. Einige Gebietsteile dieser Kategorie treten auch im Itz-Baunach-Hügelland und Hesselbacher Waldland auf, aber in weitaus geringerem Umfang als in den Gäulagen. In den Naturräumen Südrhön, Vorder- und Kuppenrhön, Haßberge und Steigerwald beschränken sich Gebiete mit überwiegend sehr geringer Lebensraumqualität auf wenige Ausnahmen.
Handlungsbedarf besteht in Gebieten mit geringer und sehr geringer Lebensraumqualität vor allem in der Entwicklung einer Mindestausstattung an naturbetonten Flächen und Strukturen, die zumindest langfristig zu landschaftstypischen und funktionsfähigen Biotopverbundsystemen weiterentwickelt werden sollten. Als wichtige Voraussetzung dafür sind in erster Linie die bestehenden wertvollen Biotope zu sichern und vor Beeinträchtigungen zu schützen. Die Beseitigung von bestehenden Beeinträchtigungen (z.B. durch Anlage von Pufferzonen) sowie ggf. die Sanierung von Lebensräumen (z.B. Renaturierung von Gewässern) stellt in diesen Bereichen eine wichtige Aufgabe dar.


Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume

Zur Beurteilung des Potenzials für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume sind sowohl standörtliche Voraussetzungen (geologischer Untergrund, Böden, Neigung, Exposition etc.) als auch die Lage innerhalb des regionalen und landesweiten Biotopverbunds bestimmend. Für die naturschutzfachliche Bedeutung des Entwicklungspotenzials ist vor allem die Seltenheit der Standortbedingungen ausschlaggebend; darüber hinaus kann aber auch die Lage innerhalb einer wichtigen Biotopverbundachse oder der räumliche Kontakt zu potenziellen Lieferbiotopen ein höheres Entwicklungspotenzial bedingen, da aufgrund der zu erwartenden Zuwanderungsmöglichkeiten von seltenen und gefährdeten Arten in einem Gebiet besonders günstige Voraussetzungen für die Entwicklung von hochwertigen Lebensgemeinschaften bestehen. Grundsätzlich ist in einem Gebiet jedoch auch der Bezug zur aktuellen Lebensraumqualität herzustellen, denn es können die Voraussetzungen für die Biotopentwicklung durch verschiedene Nutzungen derart überprägt sein, dass eine Entwicklung beispielsweise zur Potenziellen Natürlichen Vegetation zumindest großräumig sehr unrealistisch erscheint.
Das Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume wird für das Gebiet der Region in 5 Wertstufen eingeteilt und reicht von „standörtlich ungebunden“, z.B. für Städte und Industriegebiete, bis „bayernweit potenziell äußerst selten oder einzigartig“, z.B. für naturnahe Moorgebiete oder Flussauen mit noch naturnaher Überschwemmungs- und Grundwasserdynamik (siehe Karte 1.4). Wichtigste Grundlagen für die Beurteilung sind die Informationsgrundlagen zur Geologie, zu den Böden, zur Geomorphologie (digitales Geländemodell) und zur Potenziellen Natürlichen Vegetation sowie die eigenen Auswertungen bezüglich der aktuellen Lebensraumqualität und der Biotopverbundsituation.

Von einem Entwicklungspotenzial, das als „bayernweit potenziell äußerst selten“ zu betrachten ist, kann in der Region in mehreren Gebietsteilen ausgegangen werden. Hier sind insbesondere weite Teile des Naturraums Hohe Rhön mit Basaltüberdeckung und Hochmoorvorkommen sowie die Gebiete mit anstehendem Wellenkalk und der Haßbergetrauf zu nennen. Außerdem kann in vielen weiteren Gebieten, deren aktuelle Lebensraumqualität bereits als sehr hoch beurteilt wird, aufgrund der günstigen Voraussetzungen im Bestand (Lieferbiotope, vorhandenes Artenpotenzial etc.), auch von einem sehr hohen Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume ausgegangen werden. Darüber hinaus liegen im Osten der Region, nordöstlich und östlich von Bad Königshofen sowie südlich und südöstlich von Schweinfurt größere Gebiete mit einer landesweit äußerst selten vorkommenden Potenziellen Natürlichen Vegetation (PNV), dem „Winterlinden-Traubeneichenwald“ (siehe Kap. 3.1.5). Allerdings wurden Gebiete mit einer seltenen PNV nur dann bezüglich des Biotopentwicklungspotenzials in die höchste Kategorie eingestuft, wenn die Ausgangsbedingungen noch eine Entwicklung in diese Richtung realistisch erscheinen lassen; z.B. erhalten ausgeräumte und intensiv genutzte Ackerlagen allein wegen der PNV noch keine hohe Einstufung des Entwicklungspotenzials.

Grundsätzlich würde auch das Maintal aufgrund des naturschutzfachlich bedeutsamen Biotopentwicklungspotenzials einer Stromtalaue und seiner landesweiten Biotopverbundfunktion dieser Kategorie entsprechen, jedoch muss aufgrund der erheblichen Eingriffe in das Fließgewässer und in die Auenfunktionen das Entwicklungspotenzial insofern als eingeschränkt gelten (vgl. Kap. 3.1.3), als die Entwicklung einer naturnahen Flussaue derzeit realistischerweise nicht möglich erscheint. Das Maintal erhält daher die Einstufung „bayernweit potenziell selten“.

In die Kategorie „bayernweit potenziell selten“ fallen aufgrund des hohen Entwicklungspotenzials für seltene und gefährdete Lebensräume auch weite Teile der Naturräume Hohe Rhön, Vorder- und Kuppenrhön (im nördlichen Teil vor allem die Wellenkalkbereiche), der Südrhön, der Haßberge und des Steigerwalds. Ansonsten ist in vielen der oben beschriebenen Gebiete mit aktuell hoher Lebensraumqualität ebenfalls von günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume auszugehen.
Da das Tal der Fränkischen Saale und die angrenzenden Steillagen sowie einige weitere Täler im Naturraum Südrhön, die der Saale von Westen her zufließen und ihren Ursprung in der Langen Rhön haben, im derzeitigen Zustand noch gute Ausgangsbedingungen aufweisen, werden auch sie – vor allem auch aufgrund ihrer Biotopverbundfunktion zwischen verschiedenen Naturräumen – in diese Klasse eingestuft.
Gebiete, deren Entwicklungspotenzial mit den beiden höchsten Einstufungen beurteilt wurde, sollten – insbesondere wenn ihre aktuelle Lebensraumqualität noch verbesserungsbedürftig ist – vorrangig als Schwerpunkträume des regionalen Biotopverbunds weiter entwickelt werden. Zusammen mit den aktuell hochwertigen Gebieten sind sie an erster Stelle geeignet, den regionalen und teils überregionalen Biotopverbund zu stärken.

Standorte mit einem Entwicklungspotenzial, das bayernweit zwar als „potenziell verbreitet, aber nicht häufig“ bezeichnet werden kann, kommen in großen zusammenhängenden Gebieten vor allem im nördlichen Teil von Vorder- und Kuppenrhön, in der Westhälfte der Südrhön, im Nordosten des Grabfeldgaus sowie in großen Teilen des Hesselbacher Waldlands und in vielen Tälern vor. Verstreut liegende Gebiete, denen dieses Entwicklungspotenzial zugeordnet werden kann, liegen nahezu in der gesamten Region verteilt. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang auch die Gebiete südwestlich von Schweinfurt und im weiteren Umfeld von Bad Königshofen mit einer bayernweit nicht häufigen Potenziellen Natürlichen Vegetation (PNV), einer kontinentalen Rasse des Labkraut-Eichen-Hainbuchenwaldes, in der die Buche aufgrund der Spätfrostgefährdung zurücktritt (siehe Kap.3.1.5). In den letztgenannten Landschaftsteilen, vor allem aber im Steigerwaldvorland wurde diese Kategorie des Entwicklungspotenzials auch in Gebieten vergeben, in denen zwar eine bayernweit sehr seltene PNV zu erwarten wäre (eigentlich sehr hohes Entwicklungspotenzial), deren derzeitiger Zustand jedoch von starker Überprägung durch intensive Nutzung gekennzeichnet ist, so dass eine Entwicklung in Richtung PNV eher unrealistisch erscheint. Im Steigerwaldvorland sind beispielsweise die Böden mit Flugsandauflage vielerorts nach lange währender Ackernutzung derart stark verändert, dass auf diesen Standorten eine Entwicklung zur dort typischen PNV auf Flugsand in weiten Teilen nicht mehr erwartet werden kann. Die Einstufung in die mittlere Kategorie des Entwicklungspotenzials erscheint für diese Gebiete dennoch angebracht, da beim Vorkommen geeigneter Standorte – und sei es nur kleinflächig – auf die Entwicklungsmöglichkeit in Richtung PNV ein besonderes Augenmerk gelegt werden sollte.

Während Gebiete, deren Entwicklungspotenzial als „bayernweit häufig“ zu betrachten ist, in der Vorder- und Kuppenrhön, in den Haßbergen und im Steigerwald nur vereinzelt auftreten, sind sie in größerem Umfang in den Gäulagen der Gäuplatten im Maindreieck, des Grabfeldgaus, im westlichen Teil des Schweinfurter Beckens (westlich des Mains) und im östlichen Teil des Steigerwaldvorlands weit verbreitet. Große Flächenanteile mit bayernweit häufigem Entwicklungspotenzial treten auch in den Naturräumen Itz-Baunach-Hügelland, Wern-Lauer-Platte sowie teils im Hesselbacher Waldland und in der Südrhön auf. Die Einstufung in diese Gebietskategorie sollte nicht den Eindruck vermitteln, dass hier Biotopneuschaffungen nicht sinnvoll wären; vielmehr sollten in diesen Gebieten, die häufig auch aktuell eine unzureichende Lebensraumausstattung aufweisen, Weiterentwicklungen vorangetrieben werden – allerdings weniger mit Zielrichtung auf seltene oder gefährdete Lebensraumtypen der Sonderstandorte.

Ein Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume, die standörtlich ungebunden sind, wird im Rahmen des LEK pauschal in den Siedlungsgebieten vergeben.


 

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