4.2.5 Schutzgut Landschaftsbild und Landschaftserleben


Naturbezogene Erholung
(s. Karte 1.5)

Bei der Bewertung der Landschaft bezüglich ihrer Eignung für die naturbezogene Erholung wurden drei Wertkategorien unterschieden

  • „geeignet“ (Kategorie 1)
  • „potenziell geeignet – hohe Entwicklungsmöglichkeiten“ (Kategorie 2)
  • „potenziell geeignet – geringe Entwicklungsmöglichkeiten“ (Kategorie 3)

Größere, zusammenhängende Siedlungsflächen wurden nicht in die Bewertung einbezogen, da für die Erholung im innerörtlichen Bereich zusätzliche oder zu modifizierende Kriterien eine Rolle spielen und ferner der dafür erforderliche Bearbeitungsmaßstab die Ebene des Regionalplans unterschreiten würde.
Ebenso wurden die Truppenübungsplätze als Bereiche, die im Rahmen der ruhigen, naturbezogenen Erholung nicht erlebbar und nutzbar sind, von der Bewertung ausgeschlossen.

Bei der Beurteilung der Landschaft bezüglich ihrer Erholungseignung wurde davon ausgegangen, dass große Waldflächen (über 200 ha) diesbezüglich prinzipiell günstig zu bewerten sind, wobei Laub- und Mischwälder eine höhere Erholungseignung aufweisen (Kategorie 1) als nadelholzdominierte Wälder (Kategorie 2).
Die angesetzte Mindestgröße von 200 ha ist als Faustzahl zu verstehen und entspricht derjenigen Flächengröße, die für einen einstündigen Spaziergang im Wald-Innenbereich mindestens erforderlich ist (also ohne Ausblick ins Offenland, ausgenommen Lichtungen oder schmale Wiesentäler).

Außerhalb dieser großen Waldflächen wird die Eignung der Landschaft für eine naturbezogene Erholung auf der Basis der Bewertung der Kriterien Eigenart und Reliefdynamik beurteilt. Als räumliche Bezugseinheiten gelten außerhalb der großen Wälder die Landschaftsbildeinheiten. Wegen der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Landschaftsbildeinheiten wurden diese im Sinne einer Typisierung zu Landschaftsbildräumen zusammengefasst. Die Landschaftsbildräume wurden mit römischen Ziffern gekennzeichnet. Dieses räumliche Gliederungssystem („landschaftsbildräumliche Gliederung“) wird zur Darstellung der Analyse- und Bewertungsergebnisse und später auch der Zielaussagen für die naturbezogene Erholung verwendet. Es ersetzt also, ebenso wie beim Schutzgut Landschaftsbild und Landschaftserleben, die bei den übrigen Schutzgütern zugrundegelegte naturräumliche Gliederung (vgl. auch Kap. 4.2.5, Abschnitt Landschaftsbild).

Als zusätzliches Kriterium bei der Beschreibung und Bewertung der Region bezüglich ihrer Eignung für die naturbezogene Erholung wurde die Nähe zur Stadt Schweinfurt einbezogen. Im Umfeld der Industriestadt ist von einem erhöhten Bedarf an Erholungsflächen, v.a. für die Feierabend- und Wochenenderholung auszugehen. Daher können hier – falls nicht bereits eine Erholungseignung vorliegt – grundsätzlich hohe Entwicklungsmöglichkeiten vorausgesetzt werden (Kategorie 2), da die Realisierungschancen von Aufwertungsmaßnahmen aufgrund des erhöhten Erholungsdrucks entsprechend höher sind als in rein ländlichen Gebieten.

Die Eignung eines Landschaftsraums für die naturbezogene Erholung wird außerdem maßgeblich vom Faktor Lärm beeinflusst. In verlärmten Bereichen (vgl. Karten 2.2, 3.4, 4.4) wird eine an sich vorhandene Erholungseignung abgewertet. Wie Abbildung 4.1 zeigt, können große Teile der Region 3, die abseits der Autobahnen, größeren Straßen und Siedlungen liegen, noch als lärmarm bezeichnet werden. Diese Qualität gilt es bei künftigen Planungen und Maßnahmen zu sichern. Allerdings werden auch eine Reihe von geeigneten Erholungsräumen durch Verlärmung entwertet, so z.B. Teile des Neuwirthshauser Forsts, lange Abschnitte des Saaletals, des Brendtals, des Maintals östlich Zeil a. Main, des Baunachtals ab Ebern usw..

Abbildung 4.1: Lärmarme Gebiete

Beispiele für die Bewertung der Landschaft bezüglich ihrer Eignung für die naturbezogene Erholung (in eckigen Klammern: Nummern der Landschaftsbildeinheiten, vgl. Tabelle 4.1 und Karte 1.5):


"Geeignet" (Kategorie 1)

  • Lange Rhön [5], Saaletal zwischen Bad Neustadt und Bad Kissingen [32], Kulturlandschaft um Altenstein [60] (ausschlaggebendes Kriterium: Eigenart 5)
  • Lauertal [48], Steigerwaldtrauf [79], Maintal östlich Zeil a. Main [80] (ausschlaggebendes Kriterium: Eigenart 4)
  • großflächige Wälder rechts der Saale [21], Sulzheimer und Dürrfelder Wald südwestlich Grettstadt (ausschlaggebendes Kriterium: große, geschlossene Laubwaldflächen)

„Potenziell geeignet – hohe Entwicklungsmöglichkeiten“ (Kategorie 2)

  • Grabfeldgau östlich Bad Königshofen [44], Wern-Lauer-Hochfläche mit hohem Waldanteil [56] (ausschlaggebendes Kriterium: Eigenart 3)
  • nadelholzreiche Wälder nördlich und östlich Detter [26], Schluppwald nordöstlich Motten (ausschlaggebendes Kriterium: große nadelholzdominierte Waldflächen)
  • stadtnahe Agrarlandschaft westlich und südwestlich von Schweinfurt, flaches Steigerwald-Vorland nordöstlich Schwebheim (ausschlaggebendes Kriterium: Nähe zur Stadt Schweinfurt)
  •  „Potenziell geeignet – geringe Entwicklungsmöglichkeiten“ (Kategorie 3)
  • stadtfernere Teile der Agrarlandschaft westlich und südwestlich von Schweinfurt; ausgeräumt wirkende Agrarlandschaft zwischen Fladungen und Bad Königshofen (ausschlaggebendes Kriterium: Eigenart 2)

Die Eignung der Landschaft für die naturbezogene Erholung stellt sich in der Region Main-Rhön wie folgt dar.

Die Landschaftsbildräume „Rhön“, „Rhönvorland“ und „Tal der fränkischen Saale mit angrenzenden Muschelkalkhängen“ bilden ein sehr großes zusammenhängendes Gebiet mit guten Voraussetzungen (überwiegend Einstufung „geeignet“) für die ruhige, naturbezogene Erholung. Innerhalb dieses Gebietes gibt es einige Teilräume, die sich gegenwärtig nur potenziell für die ruhige, naturbezogene Erholung eignen, aber durchwegs hohe Entwicklungsmöglichkeiten aufweisen (Kategorie 2). Dies sind die Bereiche um Ober-/Unterleichtersbach, um Detter und am Südrand des Neuwirthshauser Forstes sowie Gebiete südlich von Oberelsbach. Außerdem gehören dazu einige nadelholzdominierte Waldgebiete und der siedlungsüberprägte Abschnitt des Sinntals um Bad Brückenau.

Die Landschaftsbildräume „Agrarlandschaft zwischen Main und Rhön“ und „strukturarme Agrarlandschaft um Schweinfurt“ können bezüglich ihrer Eignung für die naturbezogene Erholung als die großen Defiziträume der Region Main-Rhön bezeichnet werden. So können große Teilbereiche nur der Kategorie 3 („potenziell geeignet – geringe Entwicklungsmöglichkeiten“) zugeordnet werden. Davon abweichend sind als größere Gebiete mit potenzieller Eignung und hohen Entwicklungsmöglichkeiten (Kategorie 2) insbesondere

  • der Raum um Bad Neustadt – Münnerstadt – Maria Bildhausen
  • das Grabfeldgau südlich und östlich von Bad Königshofen
  • das Grabfeldgau zwischen Hesselbacher Waldland und Haßbergetrauf zu nennen.

Weitere, flächenmäßig kleinere Gebiete dieser Art liegen vor allem an den Randbereichen der beiden Landschaftsbildräume (z.B. nördlich des Milztals bei Höchheim, östlich des Truppenübungsplatzes Hammelburg, südlich und westlich von Gerolzhofen)
Als Teilräume, die sich bereits jetzt für die ruhige, naturbezogene Erholungsnutzung eignen (Kategorie 1) sind hervorzuheben

  • die Einschnittstrecke des Milztals,
  • das Lauertal sowie
  • die großen Laubwaldgebiete wie z.B. nördlich und südlich des Milztals („Weigler“, „Lindenhart“), östlich von Maria Bildhausen, südöstlich und östlich von Bad Kissingen, im Raum zwischen Truppenübungsplatz Hammelburg und Oerlenhausen.

Im Landschaftsbildraum „Hügelland an Itz und Baunach“ sind nur einige relativ kleinflächige Bereiche als für die ruhige, naturbezogene Erholung geeignet (Kategorie 1) einzustufen. Dies sind neben den großen Laubwaldgebieten (z.B. um Ditterswind) vor allem die Landschaft um Altenstein, Teile des Baunachtals ober- und unterhalb von Ebern sowie der in der Region liegende Abschnitt des Itztals. Die restlichen Teile des Hügellandes sind dagegen für die ruhige, naturbezogenen Erholung nur potenziell geeignet, weisen aber durchwegs hohe Entwicklungsmöglichkeiten auf (Kategorie 2). Einzige Ausnahme bildet die Hochfläche um Hafenpreppach. Aufgrund ihrer gering ausgeprägten landschaftlichen Eigenart ist dort nur von geringen Entwicklungsmöglichkeiten für die ruhige, naturbezogene Erholung auszugehen.

Im Landschaftsbildraum „Waldland um Hesselbach“ ist der überwiegende Teil der großen Waldflächen (meist Laub- und Mischwälder) sowie das stärker reliefierte Gebiet im Südwesten des Landschaftsbildraumes für die ruhige, naturbezogene Erholungsnutzung geeignet (Kategorie 1). Damit fallen im wesentlichen nur die Rodungsinseln im nordöstlichen Teil des Landschaftsbildraumes in die Kategorie 2 („potenziell geeignet – hohe Entwicklungsmöglichkeiten“).

Im Landschaftsbildraum „Maintal“ können die Abschnitte

  • östlich von Zeil a. Main
  • zwischen Schweinfurt und Schonungen und
  • südlich von Hirschfeld

als bereits jetzt für die ruhige, naturbezogene Erholung geeignet (Kategorie 1) eingestuft werden.
Der Talabschnitt um Haßfurt ist nur als potenziell geeignet zu bewerten, weist aber aufgrund seiner landschaftlichen Voraussetzungen hohe Entwicklungsmöglichkeiten auf (Kategorie 2). In die gleiche Wertkategorie fällt auch der Talabschnitt zwischen Schweinfurt und dem KKW Grafenrheinfeld. Hier sind die hohen Entwicklungsmöglichkeiten allerdings auf die Nähe zur Stadt Schweinfurt zurückzuführen.

Im LandschaftsbildraumWaldlandschaften beiderseits des Mains“ gehört der gesamte in der Region liegende Teil des Steigerwaldes und sein unmittelbares Vorland zu den für die ruhige, naturbezogene Erholung geeigneten Gebieten (Kategorie 1). Dasselbe gilt nördlich des Mains für das Vorland und den Trauf der Haßberge, die großen Laubwälder auf der Hochfläche der Haßberge südöstlich von Hofheim i. Ufr. sowie für die kleinstrukturierten Kulturlandschaften um Neubrunn und Jesserndorf. Ansonsten ist die Hochfläche der Haßberge infolge des hohen Nadelholzanteils und des nicht als überdurchschnittlich zu bewertenden Strukturierungsgrades der Landschaft überwiegend als Gebiet mit potenzieller Eignung und hohen Entwicklungsmöglichkeiten (Kategorie 2) für die ruhige, naturbezogene Erholung einzustufen.

Zusammenfassend lässt sich als feststellen, dass die Region Main-Rhön in großen Teilen sehr gute Voraussetzungen für die ruhige, naturbezogene Erholung bietet. Vor allem im Nordwesten und im Südosten der Region gehören große, zusammenhängende Gebiete zu den Teilräumen, die sich für die naturbezogene Erholung in besonderer Weise eignen. Neben der hohen landschaftlichen Eigenart sind es vor allem auch der hohe Waldflächenanteil und der große Anteil von Laub- und Mischwäldern an den Waldflächen, die sich günstig auf die Erholungseignung auswirken.

Diese für die naturbezogene Erholung geeigneten Gebiete könnten durch entsprechende Maßnahmen in den Gebieten, die eine potenzielle Eignung und hohe Entwicklungsmöglichkeiten für die ruhige, naturbezogene Erholung aufweisen, flächenmäßig enorm ausgeweitet werden. In Teilräumen mit hohen Entwicklungsmöglichkeiten wäre nämlich durch geeignete Maßnahmen wie z.B. durch die Förderung einer gebietsweise standortgemäßeren Nutzungsstruktur, durch Anreicherung der Landschaft mit Kleinstrukturen (Hecken, Raine, Ranken, Baumreihen etc.) und eine gegebenenfalls harmonischere Einbindung der Siedlungen in die Landschaft die Eignung (im Sinne der vorliegenden Wertkategorien) für eine naturbezogene Erholung mit einem vertretbaren und realistischen Aufwand zu erreichen. Als Vorbild für den anzustrebenden Zustand können innerhalb eines Naturraum jeweils die Gebiete dienen, die sich aufgrund ihrer landschaftlichen Voraussetzungen bereits jetzt für die ruhige, naturbezogene Erholungsnutzung eignen. Langfristig könnten zudem auch die großen nadelholzdominierten Waldflächen durch einen Umbau zu Laub- und Mischwälder in ihrer Erholungseignung aufgewertet werden. In einigen Nadelwaldgebieten der Region sind entsprechende Umbaumaßnahmen bereits eingeleitet.
In den Ackerbaugebieten um Schweinfurt (Steigerwaldvorland, Schweinfurter Becken, Wern-Lauer-Platten, Gäuplatten im Maindreieck) und im Naturraum Grabfeldgau sind allerdings auch große Flächen durch intensive Landwirtschaft so überprägt, dass sie nur geringe Entwicklungsmöglichkeiten für die ruhige, naturbezogene Erholung bieten. Als Gebiete mit günstigeren Voraussetzungen für eine entsprechende Erholungsnutzung sind in diesen Teilen der Region im wesentlichen nur die größeren Talräume und ausgedehnte Laub- und Mischwaldgebiete hervorzuheben.

In diesen große Defiziträumen der Region wären umfangreiche Maßnahmen erforderlich, um eine ähnliche Erholungseignung zu erreichen, wie sie etwa der Steigerwald aufweist. Deren Umsetzung erscheint allenfalls im näheren Umfeld der Industriestadt Schweinfurt aufgrund des dort vorhandenen hohen Erholungsdrucks realistisch. Im Umkreis der Stadt wurde daher diesen Bereichen trotz ihrer ungünstigen landschaftlichen Voraussetzungen ein hohes Entwicklungspotenzial zugewiesen.


 

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