4.3 Darstellung und Beurteilung der Nutzungen


Die Methoden zur Darstellung und Beurteilung der einzelnen Nutzungen und ihrer Auswirkungen, mit denen sie belastend auf den Naturhaushalt einwirken, sind im Methodenband des LEK erläutert.

Die nachfolgenden Kapitel geben einen Überblick der wichtigsten Ergebnisse bei der Darstellung und Beurteilung der einzelnen Nutzungen und verstehen sich als Erläuterungstexte zu den verschiedenen Themenkarten (Karten 2.1 bis 2.2). Bei den Erläuterungen wurde der Schwerpunkt auf die zusammenfassende Beschreibung der Belastungen und Emissionen gelegt und nicht auf eine detaillierte Auflistung aller bestehenden und geplanten Nutzungen. Diese sind einfacher den Themenkarten zu entnehmen und wurden bereits in Kapitel 3.2.2 behandelt. In Kap. 4.3 und 4.4 werden die durch bestehende und geplante Nutzungen entstehenden bzw. zu erwartenden Beeinträchtigungen der Schutzgüter behandelt und in Kap. 11 Hinweise für wichtige Nutzungen in der Region zusammengestellt, durch die Belastungen des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes vermieden oder gemindert werden können.


4.3.1 Flächige Nutzung
(Karte 2.1)

Die Karte der flächigen Nutzung vermittelt neben einer Übersicht der Nutzungsverteilung eine Vorstellung vom zukünftigen Flächenbedarf für geplante Siedlungen in den nächsten Jahren, von den flächigen stofflichen Belastungen, die mit verschiedenen Nutzungsweisen verbunden sind und auf Vegetation, Boden, Oberflächengewässer und Grundwasser laufend einwirken und von der Verteilung erosionsfördernder landwirtschaftlicher Nutzungen.

Die flächige Nutzung wurde aus einer Satellitenbildauswertung, der Auswertung von SW-Luftbildern und aus dem Raumordnungskataster erarbeitet, die entsprechende Karte stellt aber keine flächenscharfe Wiedergabe der Nutzungen dar (Ausnahme: Abbauflächen, Gewässer), sondern zeigt Raumeinheiten, in denen die dargestellten Nutzungen überwiegen. Durch das laufende Fortschreiten der baulichen Entwicklung konnte für den Siedlungsgebietsstand nur eine Momentaufnahme der Region wiedergegeben werden, die dem Erfassungsstand vom Juli 2001 entspricht und zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Landschaftsentwicklungskonzeptes u.U. bereits fortschreibungsbedürftig sein wird.

Die Karte „Flächige Nutzung“ vermittelt deutlich die Dominanz des Ackerbaus in der Region Main-Rhön, auch wenn in den ackerbaulich dominierten Raumeinheiten vereinzelt Grünlandnutzung auftreten kann. Schwerpunkte der Grünlandnutzung finden sich auf der Hohen Rhön, der südlichen Vorder- und Kuppenrhön sowie in den meisten Tälern der Region, z.B. im Tal der Fränkischen Saale, der Sinn, der Baunach oder der Thulba. Nennenswerte Grünlandanteile finden sich auch im Bereich der Südrhön, des Steigerwaldes und im Maintal zwischen Haßfurt und Schweinfurt sowie südlich Garstadt.
Ansonsten dominiert im Maintal ebenso Ackerbau, wie in den Tälern der Gäuplatten, z.B. dem Werntal.

Für Teile der Region 3 charakteristisch ist der Anbau von Sonderkulturen wie Wein und Obst. Größere Streuobstflächen finden sich verstreut in der Südrhön, auf Muschelkalk- und Gipskeuperhängen (z.B. am Haßberge-Trauf) und im Itz-Baunach-Hügelland sowie an den Maintalhängen und im Steigerwald. Größere Obstplantagen kommen lediglich im südlichen Maintal im Raum Wipfeld-Stammheim vor.
Größere Weinbauflächen findet man an Muschelkalkhängen im Raum Ramsthal, Hammelburg, an südexponierten Talhängen des Main bei Zeil, im Raum Wipfeld-Stammheim sowie v.a. an den Gipskeuperhängen des westlichen und nordwestlichen Steigerwaldtraufs. An den südexponierten Talhängen des Main kommen auch brachgefallene Weingärten in nennenswertem Umfang vor (Raum Schonungen, von Zeil bis Ebelsbach).

Die Region 3 mit ihrem insgesamt durchschnittlichen Waldanteil ist überwiegend durch großflächige Wälder gekennzeichnet.
Während in der Hohen Rhön Laubwälder dominieren und Nadelwaldbestände vorwiegend erst durch jüngere Aufforstungen entstanden, herrschen in der Südlichen Kuppenrhön Mischwaldbereiche bzw. Laub- und Nadelwälder in kleinflächigerem Wechsel, in der nördlichen Kuppenrhön Nadelwälder vor.
In der Südrhön kommen großflächig sowohl Laubwälder (z.B. westlich/nordwestlich Bad Kissingen) als auch gemischte Waldbestände (z.B. zwischen Bad Brückenau und Hammelburg) und Nadelwälder (z.B. westlich Bad Neustadt/Saale) vor, wobei insgesamt der Laubholzanteil überwiegt.
Im Grabfeldgau und den Wern-Lauer-Platten herrschen eindeutig Laubwälder vor. Die Wälder dieser weniger waldreichen Naturräume sind deutlich kleinflächiger als in den o.g. Gebieten.
Nochmals deutlich geringer ist der Flächenanteil und die Größe der Laubwälder auf den Gäuplatten und im Schweinfurter Becken.
Im Hesselbacher Waldland und im Steigerwald treten hingegen wieder vorwiegend großflächige Laubwälder mit hohem Flächenanteil in Erscheinung.
In den Haßbergen nehmen Laubwaldflächen ebenfalls einen hohen Flächenanteil ein, wobei im Norden und Osten der Nadelholzanteil deutlich zunimmt und gebietsweise überwiegt. Dieser Trend setzt sich nach Nordosten im Itz-Baunach-Hügelland fort: hier kommen neben Nadelwäldern häufig auch Mischwälder vor, ausgeprägte Laubwälder sind eher selten.
Die Vorkommen von Auwäldern sind in Größe und Flächenanteil nicht nennenswert.

Den mit Abstand größten Siedlungsschwerpunkt in der Region 3 stellt der Stadt- und Umlandbereich des Oberzentrums Schweinfurt dar. Hier leben ca. 100.000 Menschen. Darüber hinaus können die Mittelzentren Bad Kissingen, Bad Neustadt/Saale, Bad Brückenau, Gerolzhofen, Hassfurt und Hammelburg als Siedlungsschwerpunkte gelten.
Die größeren Siedlungen der Region liegen überwiegend in den Talzügen von Main und Fränkischer Saale. Eine in Grundzügen erkennbare bandartige Siedlungsentwicklung zeichnet sich mainaufwärts ab Hassfurt sowie entlang der Entwicklungsachsen Schweinfurt – Bad Kissingen – Münnerstadt – Bad Neustadt/Saale – Mellrichstadt ab.
Im übrigen Regionsgebiet ist eine weitgehend disperse Siedlungsstruktur mit einigen Kleinstädten und Märkten, v.a. aber zahlreichen kleinen Dörfern vorherrschend. Streusiedlungen, Weiler und Einöden kommen hingegen selten vor.
Die Situation der bewerteten möglichen stofflichen Belastung bestimmter Nutzungstypen stellt sich wie folgt dar:
Hohe stoffliche Belastungen durch die landwirtschaftliche Nutzung können gebietsweise bedingt durch den Weinanbau in den o.g. Weinbauflächen auftreten.
Außerdem ist im Raum Heustreu so wie im südöstlichen Landkreis Schweinfurt (Raum Gerolzhofen) auf Grund des hohen Mais-, Winterraps- und Hackfruchtanteils von hohen stofflichen Belastungen auszugehen. In der übrigen Region kann die stoffliche Belastung als „mittel“ eingestuft werden. Lediglich extensiv bewirtschaftete Grünlandbereiche auf der Hohen Rhön, Streuobstgebiete und der Großteil der Flächen in Naturschutzgebieten und Truppenübungsplätzen weisen eine geringe stoffliche Belastung auf.
Eine hohe Erosionsgefährdung durch einen entsprechenden Anbauanteil erosionsfördernder Kulturen ist abgesehen von Weinanbaugebieten nirgends gegeben.

Überwiegend verursacht durch atmosphärische Stoffeinträge weisen z.B. die Nadelwälder der Buntsandsteingebiete der Südrhön oder der Keupersande im Itz-Baunach-Hügelland eine hohe zusätzlich versauerungsfördernde Wirkung auf. Eine geringe zusätzlich versauerungsfördernde Wirkung kann z.B. den Laubwäldern in Muschelkalk- oder Gipskeupergebieten der Wern-Lauer-Platten oder des Grabfeldgaus zugeschrieben werden. Mischwälder sind, z.B. auf Lößlehmdecken, hinsichtlich ihrer zusätzlich versauerungsfördernden Wirkung als „mittel“ einzustufen.

 


4.3.2 Sonstige Nutzungen und Funktionen
(Karte 2.2)

Die Karte „Sonstige Nutzungen und Funktionen“ vermittelt einen Überblick über die Inanspruchnahme der Landschaft durch lineare Infrastruktureinrichtungen und den von ihnen ausgehenden Belastungen (Zerschneidungen, Lärm- und Schadstoffemissionen), über die Verteilung von großtechnischen Anlagen der Ver- und Entsorgung, Freizeit- und Erholungseinrichtungen, wasserwirtschaftlichen Nutzungen sowie von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für Rohstoffabbau und Siedlungsentwicklung. Die Erfassung entspricht dem Kenntnisstand von Juli 2001.
Für die zu diesem Zeitpunkt noch als „geplant“ geltenden und entsprechend dargestellten Straßen sind Ende 2001 die Planfeststellungsverfahren abgeschlossen worden. Aus Gründen der Einhaltung eines möglichst zeitgleichen, einheitlichen Redaktionsschlusses für alle geplanten Nutzungen wurde deren Darstellung als „geplante“ Straßen beibehalten. Die derzeit in Bau befindliche BAB A 71 wurde als „bestehende“ Straße behandelt und dargestellt (mit Hinweis auf die derzeitige Bauphase).

Von den großtechnischen Anlagen gehen zum Teil ständige Belastungen durch Schadstoff- oder Lärmemissionen aus. In der Nähe von Einrichtungen für Freizeit und Erholung bestehen häufig Störungen von Lebensräumen. Wasserwirtschaftliche Nutzungen sind in der Regel mit Eingriffen in den Wasserhaushalt verbunden. Durch Rohstoffabbau ergeben sich vor allem Flächenverluste, Veränderungen des Bodenwasserhaushaltes, Lärmemissionen und Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes.


Belastung durch Schadstoffausstoß
Die Reichweite von Schadstoffbelastungen entlang von Straßen bleibt auch bei hohen Verkehrsbelastungen auf einen relativ schmalen Korridor beschränkt. So verwundert es nicht, dass mittlere und hohe Belastungen nur entlang der vielbefahrenen Straßen und insbesondere in der Nähe von zentralen Orten und im Verdichtungsraum Schweinfurt auftreten. Im regionalen Maßstab abbildbare, hohe Schadstoffeinträge können entlang der A 7, der A 70 sowie der B 19 bis Mellrichstadt, an der B 279 westlich Bad Neustadt/Saale, an der B 287 zwischen Hammelburg und B 19, an den Bundes- und Staatsstraßen im Raum Bad Kissingen, an der B 26 zwischen Obertheres und Zeil a.M. und an der B 286 in Gerolzhofen auftreten.

Lärmbelastung
Die Lärmbelastung in der Region ist gebietsweise überdurchschnittlich hoch. Durch die beiden Autobahnen A 7 und A 70 sowie durch die meisten Abschnitte der Bundesstraßen werden ausgedehnte Gebiete verlärmt. Dies gilt insbesondere für das Maintal oberhalb Schweinfurt, das Umfeld der A 7 und der B 19, große Teile des Verdichtungsraums Schweinfurt, Abschnitte an der B 279 westlich Bad Neustadt/Saale und das Saaletal im Raum Bad Kissingen.
Zahlreiche, oft auch größere weitgehend unverlärmte Gebiete finden sich noch im Steigerwald, den Haßbergen, dem Hesselbacher Waldland und der Rhön abseits der Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen (vgl. Abbildung 4.1 ). Insbesondere viele der dortigen großflächigen Wälder stellen noch „Oasen der Ruhe“ dar.

Freileitungen
Freileitungen können den Aktionsradius insbesondere von Großvögeln einengen und sind daher in bedeutsamen Brut-, Rast- und Durchzugsgebieten von Vögeln problematisch. In der Region 3 kommen in entsprechenden Lagen Freileitungen im Steigerwaldvorland bei Herlheim, im Maintal in hoher Dichte im Raum Grafenrheinfeld und im Raum Eltmann-Stettfeld, sowie im Raum Knetzgau-Zeil vor.

Freizeiteinrichtungen
Über das gesamte Regionsgebiet verstreut finden sich zahlreiche Freizeiteinrichtungen. Von überörtlicher Bedeutung sind die wenigen, durch Anstau von Fließgewässern geschaffenen Badeseen (Ellertshäuser See, Badesee bei Sulzfeld, Reutsee bei Sulzdorf a.d. Lederhecke, Freizeitanlage bei Thulba) sowie die zahlreichen weiteren Bade- und Wassersportgelegenheiten, die die vielen Baggerseen im Maintal bieten.
Golfplätze existieren südlich Bad Kissingen, bei Maria Bildhausen (südöstlich Bad Neustadt/Saale) und bei Löffelsterz (östlich Schweinfurt); eine Anlage bei Ebelsbach ist derzeit in Bau und ein weitere in den Haßbergen bei Altershausen ist in Planung.
Segelflugplätze liegen südöstlich Ostheim v. d. Rhön, bei Mellrichstadt, südwestlich Bad Königshofen, südöstlich Oberleichtersbach und südöstlich Saal a. d. Saale.
Weitere Flugplätze gibt es westlich Mellrichstadt, südlich Hassfurt und südlich Schweinfurt.
In den Randgebieten der Rhön und der Haßberge befinden sich einige größere Wochenendsiedlungen (Oberwaldbehrungen, Ostheim, Sulzfeld, Sternberg, Sulzdorf a.d.L.). Vor allem in den Naturparken und im Maintal liegen verstreut zahlreiche Campingplätze.

Rohstoffabbau
Abbauflächen sind über die gesamte Region verstreut. Neben sehr speziellen Rohstoffen wie Basalt, die großflächiger bei Bischofsheim und Maroldsweisach abgebaut werden, findet v.a. Abbau von Kalkstein (z.B. bei Frickenhausen, Strahlungen, Oberleichtersbach), Gips (z.B. bei Bad Königshofen) und Sandstein (z.B. südliche Haßberge westlich Breitbrunn) statt.
Großflächiger Nassabbau von Kies findet ausschließlich im Maintal statt.
Der übrige Abbau von Bodenschätzen verteilt sich neben den o.g. Gebieten überwiegend auf kleinere Flächen.
Insgesamt findet der gegenwärtige Rohstoffabbau – mit deutlicher Ausnahme des Maintals – nicht konzentriert und mit einem insgesamt geringen Flächenanteil statt.

Im Vergleich zu den im Regionalplan von 1988 festgesetzten Vorrang- und Vorbehaltsgebieten sehen die Planungen des Fortschreibungsentwurfs vom September 2000 Vorrang- und Vorbehaltsgebiete in deutlich geringerem Umfang vor, wenngleich in Teilräumen der Region nach wie vor große Flächen betroffen sind:
So konzentriert sich der geplante Basaltabbau auf Gebiete nördlich Bischofsheim – und damit auf Teile des Biosphärenreservats Rhön – und auf ein Gebiet östlich Maroldsweisach – Gebiete, in denen bereits Abbau stattfindet.
Geplante Vorrang- und v.a. Vorbehaltsgebiete für den Gipsabbau befinden sich entlang des westlichen und nördlichen Haßbergetraufs, entlang des westlichen und nördlichen Steigerwaldtraufs, zwischen Schwebheim und dem Steigerwaldtrauf sowie entlang der Linie Lager Hammelburg-Ramsthal. Diese nehmen mit deutlichem Abstand den größten Flächenanteil unter den Vorbehaltsgebieten ein.
Von Bedeutung sind im Regionsgebiet noch die Vorrang- und Vorbehaltsgebietsplanungen für den Abbau von Kalkstein (meist kleinflächig beiderseits des Saaletals), Ton/Lehm (kleinflächig über den Grabfeldgau verteilt) und Sandstein (kleinflächig in den südlichen Haßbergen und dem Itz-Baunach-Hügelland).
Vereinzelte Vorranggebietsplanungen für Sand/Kies finden sich im Maintal, wo bereits in großem Umfang Abbau stattgefunden hat bzw. noch stattfindet.


 

Vorige SeiteSeitenanfangNächste Seite