6.1   Ziele Boden

Allgemeine Ziele

In der Region Main-Rhön, insbesondere in den in Karte 4.1. dargestellten "Gebieten bzw. Siedlungsgebieten mit allgemeiner Bedeutung für die Erhaltung der Bodenfunktionen", gelten folgende Ziele:


B1 Die Leistungen und Funktionen der Böden im Naturhaushalt sowie als Grundlage für die Existenz von Menschen, Tieren und Pflanzen sollen in der Region Main-Rhön nachhaltig gesichert werden. Hierzu sollen Bodenbeeinträchtigungen, z.B. durch Versiegelung und Bodenaufschlüsse, so gering wie möglich gehalten werden. Verluste an Substanz und Funktion der Böden, insbesondere durch Erosion, Zersetzung, Auswaschung und Schadstoffanreicherung, sollen minimiert werden.

Böden besitzen eine Schlüssel- und Mittlerrolle bei der Beeinflussung von Stoffen in der Umwelt. Sie können Schadstoffe filtern und in weniger schädliche Abbauprodukte umwandeln, ihre Pufferleistung vermag säurebildende Substanzen zu neutralisieren. An diesen stofflichen Umsetzungsvorgängen ist ganz wesentlich eine Vielzahl von Bodenorganismen beteiligt. Ihnen dient das Bodensubstrat als Lebensraum. Gleichzeitig bilden Böden den Standort für die verschiedenen Pflanzengemeinschaften. Sie sind Produktionsstätten von Nahrungs- und Futtermitteln sowie von nachwachsenden Rohstoffen, filtern und speichern Wasser, sind Lagerstätte für Rohstoffe und dienen damit als Lebens- und Nahrungsgrundlage für Mensch, Tier und Pflanze (STMLU 1991). Darüber hinaus fungieren sie als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.
Boden, der in langen geologischen Zeiträumen entstanden ist, kann in nur wenigen Augenblicken zerstört, verunreinigt oder abgetragen werden. Als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen bedarf er unseres besonderen Schutzes.

Die Sicherung qualitativ hochwertiger Böden, die ihre Funktionen im Naturhaushalt optimal erfüllen können, erfordert u.a. die Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards hinsichtlich der Gehalte potenzieller Schadstoffe (Schwermetalle, Säuren, Radionukleide, Organische Problemstoffe). Als maßgeblich sind hier die Prüf-, Maßnahmen- und Vorsorgewerte [1] der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) vom 12.7.1999 zu betrachten, die in Tabelle 6.1 zusammengestellt sind. Die genannte Zielsetzung ist jedoch nicht so zu verstehen, dass die angegebenen Werte auch tatsächlich erreicht werden sollen. Ganz im Gegenteil wäre es auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips erforderlich, dass auch mittel- bis langfristig auf großen Flächenanteilen Böden existieren, in denen diese Qualitätsstandards deutlich unterschritten werden.

 

Tabelle 6.1:     Prüf-, Maßnahmen- und Vorsorgewerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung:


Wirkungspfad Boden - Mensch
Prüfwerte (mg/kg Trockenmasse (TM))

 

Arsen

Blei

Cad-mium

Cyan-
ide

Chrom

Nickel

Queck-
silber

Aldrin

Benzo- (a)pyren

DDT

Hexachlor-
benzol

Hexachlor-
cyclohexan
(HCH-Gemisch
oder b-HCH)

Pentachlor-
phenol

Polychlorierte
Biphenyle
(PCB6)2)

Kinder-
spiel-
plätze

25

200

10 1)

50

200

70

10

2

2

40

4

5

50

0,4

Wohn-
gebiete

50

400

20 1)

50

400

140

20

4

4

80

8

10

100

0,8

Park-
und
Freizeit-
anlagen

125

1000

50

50

1000

350

50

10

10

200

20

25

250

2

Industrie-
und
Gewerbe-
grund-
stücke

140

2000

60

100

1000

900

80

-

12

-

200

400

250

40

1) In Haus- und Kleingärten, die sowohl als Aufenthaltsbereiche für Kinder als auch für den Anbau von Nahrungspflanzen genutzt werden, ist für Cadmium der Wert von 2,0 mg/kg TM als Prüfwert anzuwenden.
2) Soweit PCB-Gesamtgehalte bestimmt werden, sind die ermittelten Messwerte durch den Faktor 5 zu dividieren.


Wirkungspfad Boden – Nutzpflanze
(mg/kg TM Feinboden)
(Werte im Hinblick auf die Pflanzenqualität, kursive Werte im Hinblick auf Wachstumsbeeinträchtigungen)

 

Ackerbau, Nutzgarten

Grünland

Stoff

Prüfwert

Maßnahmenwert

Maßnahmenwert

Arsen

2001)           0,4

-

50

Cadmium

-

0,04/0,12)

20

Blei

0,1

-

1200

Quecksilber

5

 

2

Thallium

0,1

 

15

Benzo(a)pyren

1

   

Kupfer

-              1

-

13003)

Nickel

-              1,5

-

1900

Polychlorierte Biphenyle (PCB6)

-

-

0,2

Zink

-              2

   

1) Bei Böden mit zeitweise reduzierenden Verhältnissen gilt ein Prüfwert von 50 mg/kg Trockenmasse (TM).
2) Auf Flächen mit Brotweizenanbau oder Anbau stark cadmiumanreichernder Gemüsearten gilt als Maßnahmenwert 0,04
mg/kg Trockenmasse, ansonsten gilt als Maßnahmenwert 0,1mg/kg Trockenmasse.
3) Bei Grünlandnutzung durch Schafe gilt als Maßnahmenwert 200 mg/kg Trockenmasse.


Wirkungspfad Boden - Grundwasser

Anorganische Stoffe

Prüfwert (µg/l)

Organische Stoffe

Prüfwert (µg/l)

Antimon

10

Mineralöl-kohlenwasserstoffe1)

200

Arsen

10

BTEX2)

20

Blei

25

Benzol

1

Cadmium

5

LHKW3)

10

Chrom, gesamt

50

Aldrin

0,1

Chromat

8

DDT

0,1

Kobalt

50

Phenole

20

Kupfer

50

PCB, gesamt4)

0,05

Molybdän

50

PAK, gesamt5)

0,20

Nickel

50

Naphtalin

2

Quecksilber

1

   

Selen

10

   

Zink

500

   

Zinn

40

   

Cyanid, gesamt

50

   

Cyanid, leicht freisetzbar

10

   

Fluorid

750

   

1) n-Alkane (C 10...C39), Isoalkane, Cycloalkane und aromatische Kohlenwasserstoffe
2) Leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (Benzol, Toluol, Xylole, Ethylbenzol, Styrol, Cumol)
3) Leichtflüchtige Halogenkohlenwasserstoffe (Summe der halogenierten C1- und C2-Kohlenwasserstoffe)
4) PCB, gesamt: Summe der polychlorierten Biphenyle; in der Regel Bestimmung über die 6 Kongenere nach
Ballschmiter gemäß Altöl-VO (DIN 51527) multipliziert mit 5; ggf. z. B. bei bekanntem Stoffspektrum einfache
Summenbildung aller relevanten Einzelstoffe (DIN 38407-3-2 bzw. -3-3)
5) PAK, gesamt: Summe der polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe ohne Naphthalin und Methylnaphthaline;
in der Regel Bestimmung über die Summe von 15 Einzelsubstanzen gemäß Liste der US Environmental Protection
Agency (EPA) ohne Naphthalin; ggf. unter Berücksichtigung weiterer relevanter PAK (z.B. Chinoline)


Vorsorgewerte für Böden: Metalle1) und Organische Stoffe (mg/kg TM Feinboden)

 

Bodenart

Humusgehalt

 

Ton

Lehm/Schluff

Sand

> 8 %

<= 8 %

Polychlorierte Biphenyle (PCB6)

-

-

-

0,1

0,05

Benzo(a)pyren

-

-

-

1

0,3

Polycycl. Aromat. Kohlenwasserstoffe (PAK16)

-

-

-

10

3

Cadmium

1,5

1

0,4

-

-

Blei

100

70

40

-

-

Chrom

100

60

30

-

-

Kupfer

60

40

20

-

-

Quecksilber

1

0,5

0,1

-

-

Nickel

70

50

15

-

-

Zink

200

150

60

-

-

1) Böden mit naturbedingt und großflächig siedlungsbedingt erhöhten Hintergrundgehalten: unbedenklich, soweit
eine Freisetzung der Schadstoffe oder zusätzliche Einträge nach § 9 Abs. 2 und 3 dieser Verordnung keine
nachteiligen Auswirkungen auf die Bodenfunktionen erwarten lassen

B 2 Wo möglich und vertretbar, soll Boden entsiegelt und regeneriert werden. Flächeninanspruchnahmen durch bauliche und verkehrsbauliche Maßnahmen sollen in der Region Main-Rhön gering gehalten werden. Langfristig soll ein Ausgleich zwischen neuen Flächenansprüchen und der Entsiegelung oder Renaturierung bisher für Siedlung, Verkehr und Infrastruktureinrichtungen beanspruchter Flächen erfolgen.

Infolge der Verkehrszunahme und der Siedlungsentwicklung in der Region ergeben sich erhebliche Flächeninanspruchnahmen von Böden. Durch diese gehen Böden unwiederbringlich verloren. In Landschaften mit hohen Anteilen an Siedlungs-, Infrastruktur- oder Abbauflächen drohen flächige Belastungen des Grundwasserkörpers aufgrund der fehlenden Bodenschicht. Deshalb muss der Bodenverbrauch langfristig deutlich eingeschränkt werden.
Laut Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Schutz des Menschen und der Umwelt“ ist eine Verringerung der Umwandlungsrate (unbebaute Fläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche) bis 2010 auf 10% der Rate der Jahre 1993 - 1995 anzustreben. Langfristig soll ein Ausgleich von neuen Flächeninanspruchnahmen durch Rekultivierung, Renaturierung und Entsiegelung bisher beanspruchter Flächen erfolgen.

B 3 In Siedlungsgebieten sollen Entsiegelungsmaßnahmen und flächenschonende Bauweisen insbesondere im Raum Schweinfurt, in den Mittelzentren der Region sowie angesichts der sich abzeichnenden Siedlungsverdichtung im Maintal und entlang der Achse Schweinfurt - Bad Kissingen - Münnerstadt - Bad Neustadt/Saale - Mellrichstadt gefördert werden.  

Im besiedelten Raum führen Bodenverluste durch Überbauung und Versiegelung zur deutlichen Reduzierung der Grundwasserneubildung, zum Verlust der filternden und puffernden Wirkung des Bodens und zu geringeren Anteilen vegetationstragender Flächen. Folgewirkungen sind z.B. erhöhte Oberflächenabflüsse, höhere Erwärmung sowie Grundwasserbelastungen. Durchlässige Wegebeläge, Dachsubstrate und Dachbegrünungen können solche Auswirkungen von Versiegelungen zum Teil kompensieren. Sie verzögern den Regenwasserablauf, übernehmen filternde Wirkung und reduzieren durch ihre transpirierende Vegetation die Erwärmung. Deshalb sollte insbesondere bei der Errichtung öffentlicher Gebäude, großer Industriegebäude aber auch im privaten Wohnungsbau auf entsprechende Maßnahmen hingewirkt werden und der Anteil versiegelter Flächen so gering wie möglich gehalten werden.

B 4 Der Abbau von Bodenschätzen soll in der Region Main-Rhön flächensparend erfolgen. Ökologisch besonders wertvolle Standorte z.B. auf Flugsandböden oder anmoorigen Böden sollen nicht durch den Abbau beeinträchtigt werden. Bei Renaturierungsmaßnahmen nach dem Abbau von Bodenschätzen sollen zum Schutz des Bodens und seiner Funktionen die den ursprünglichen Bodenprofilen des Oberbodens möglichst weitgehend entsprechenden Profile wiederhergestellt werden, sofern andere Ziele der Landschaftsentwicklung, insbesondere Ziele des Artenschutzes, dem nicht entgegenstehen.  

Nahezu über die gesamte Region Main-Rhön sind Abbaustätten verteilt, der Abbau von Basalt hat seinen Schwerpunkt in der Hohen Rhön, abbauwürdige Kalksteinvorkommen finden sich in der Zone des Unteren Muschelkalks insbesondere auf der Linie Hammelburg - Bad Kissingen - Münnerstadt - Bad Neustadt/Saale, Kiesvorkommen beschränken sich weitgehend auf das Maintal und werden dort großflächig und konzentriert abgebaut, Sandsteinvorkommen werden in vergleichsweise geringem Umfang vor allem in einigen Schwerpunkträumen abgebaut (an der Regionsgrenze westlich Untermerzbach, im Raum Breitbrunn in den Hassbergen, südlich Eltmann und Sand). Die weit verbreiteten Gipsvorkommen werden im Bereich des „Gipskeuper“ (Grabfeldgau, Steigerwaldvorland) über Tage, im Muschelkalk (südöstlich Hammelburg) jedoch unter Tage abgebaut und beeinträchtigen dort Bodenfunktionen allenfalls kleinflächig.
Durch den Abbau von Bodenschätzen gehen Böden mit ihren wichtigen Eigenschaften als Filter, Wasser- und Stoffspeicher sowie als Standort für Pflanzen häufig unwiederbringlich verloren. Durch Rekultivierungsmaßnahmen, bei denen die abgetragene Bodenschicht wieder aufgebracht wird, können ursprüngliche Funktionen zwar teilweise wieder hergestellt werden, dennoch verbleiben langfristige, nicht auszugleichende Funktionsverluste.
Deshalb sollen Flächeninanspruchnahmen durch Abbautätigkeit so gering wie möglich gehalten werden. Eine Voraussetzung hierfür ist der langfristige Ersatz hochwertiger Primärrohstoffe durch Recyclingmaterial und geringwertige Rohstoffe, wo immer der bauliche Anspruch dies zulässt. Baumaßnahmen der öffentlichen Hand sollten hierbei Vorbildfunktion übernehmen und die Einsatzmöglichkeiten von Alternativstoffen aufzeigen.
Nachfolgenutzungen von Abbaustellen sollen für die gestörten Bodenfunktionen verträglich sein und langfristig den Anteil naturnaher und natürlicher Lebensräume in der Region vergrößern. Um einen Verlust bestehender hochwertiger Lebensräume zu vermeiden, soll ein Abbau auf ökologisch hochwertigen Flächen nicht erfolgen (siehe auch Zielkonzepte Wasser, Arten und Lebensräume, Kap. 6.2 und Kap. 6.4).
Die weitgehende Wiederherstellung von Boden entsprechend den ursprünglichen Bodenprofilen des Oberbodens kann dazu beitragen, die ursprünglichen Funktionen der Böden im Naturhaushalt teilweise zu regenerieren. In bestimmten Fällen kann es jedoch sinnvoll sein, zur Schaffung nährstoffarmer Sekundärstandorte für seltene Pflanzen und Tiere, abgebaute Flächen einer natürlichen Bodenentwicklung zu überlassen.

B 5 Auf Altlastenverdachtsflächen in der Region Main-Rhön sollen stoffliche Beeinträchtigungen untersucht und ggf. Sanierungspläne erarbeitet werden, um die weitere Ausbreitung von Schadstoffanreicherungen im Boden und in anderen Umweltmedien zu verhindern.  

Altlasten sind nach § 2 BBodSchG stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen und Grundstücke, auf denen Abfall oder umweltgefährdende Stoffe (mit Ausnahme von Anlagen nach dem Atomgesetz) behandelt oder gelagert wurden.
Belastende Stoffgruppen auf Altlastenverdachtsflächen sind Schwermetalle, Säuren, Radionukleide und Organische Problemstoffe. Diese können nicht nur Bodenfunktionen irreversibel zerstören, sie können sich vor allem über Grundwasser und Oberflächengewässer ausbreiten (zu Vorsorge-, Prüf- und Maßnahmenwerten vgl. B 1).
In der Region Main-Rhön treten Altlastenverdachtsflächen neben den Truppenübungsplätzen Wildflecken, Hammelburg und Schweinfurt und einigen weiteren militärischen Einrichtungen (vgl. Tabelle 4.4) - mit Ausnahme größerer Waldgebiete - verbreitet über die ganze Region auf. Dringendster Untersuchungsbedarf besteht laut Altlastenkataster des LfU bei Sondheim, Ostheim, am Schuchen, bei Bad Neustadt/Saale, Münnerstadt, Groß- und Kleinbardorf, Untererthal, Thulba, Bad Kissingen, Reiterswiesen, Birnfeld, Junkersdorf, Schweinfurt, Poppenhausen, Sömmersdorf, Vasbühl, Bergrheinfeld, Gochsheim, Dürrfeld, Dampfach, Zeil, Stettfeld und Tretzendorf.
Nach §§ 4, 15 BBodSchG kann die zuständige Behörde auf Altlastenverdachtsflächen die Sanierung auf der Grundlage eines Sanierungsplans und die Durchführung von Eigenkontrollmaßnahmen verlangen, um eine Ausbreitung von Schadstoffen langfristig zu verhindern. Die Anforderungen an einen Sanierungsplan sind in Anhang 3 BBodSchV geregelt. Vollständig untersucht sind bisher lediglich die Standorte der Stadt Schweinfurt, in den Landkreisen besteht noch erheblicher Nachholbedarf
.
B 6 Archäologisch aussagekräftige Böden und geologisch schutzwürdige Objekte in der Region Main-Rhön, wie z.B. seltene Quellausbildungen, Basaltkegel, Felsgruppen, Dolinen oder bestimmte Aufschlüsse sollen in ihrer Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte erhalten werden. Hierzu sollen Beeinträchtigungen oder Zerstörungen, z.B. durch Überbauung, so gering wie möglich gehalten werden.  

Böden lassen häufig Rückschlüsse auf natur- und kulturgeschichtliche Ereignisse zu (z.B. sog. „Fossile“ Böden, Aueböden, Böden, die Rodungsperioden im Einzugsgebiet dokumentieren oder Böden, die Reste alter Siedlungsanlagen enthalten). Daher sind solche Böden von hohem Wert zur Gewinnung geschichtlicher Erkenntnisse für die Wissenschaft, aber auch für die Öffentlichkeit.
Geologisch schutzwürdige Objekte sind i.d.R. besondere natürliche Ausbildungen geologischer oder hydrogeologischer Formationen (z.B. besonders auffällige Gesteinsbildungen, Dolinen oder spezielle Quellaustritte) oder Aufschlüsse, die interessante Einblicke in Gesteinsformationen ermöglichen (z.B. Kalk- oder Basaltsteinbrüche).
Auf Grund ihrer natur- und kulturgeschichtlichen Bedeutung sollen die genannten Objekte, die oft auch prägend oder bereichernd für das landschaftliche Erscheinungsbild sind, nachhaltig gesichert und so gering wie möglich beeinträchtigt oder zerstört werden.


Gebiete mit hervorragender Bedeutung des Bodens als Standort für seltene Lebensgemeinschaften sowie für die Sicherung empfindlicher Böden

B 7  In den Teilräumen der Region Main-Rhön, in denen

  • organische Böden, deren Wasserhaushalt nicht oder nur gering beeinträchtigt ist,
  • seltene, urtümliche und repräsentative, ungestörte Bodenbildungen,
  • grundwasserbeeinflusste und nasse Böden,
  • trockene Böden,
  • intakte Auenböden oder
  • Böden mit sehr geringem Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe

vorherrschen, wie z.B. in den Hoch- und Zwischenmoorgebieten der Hohen Rhön oder den Flugsandgebieten des Schweinfurter Beckens, kommt dem Bodenschutz eine hervorragende Bedeutung zu. Hier sind die Böden und ihre herausragenden Funktionen im Naturhaushalt nachhaltig zu sichern.

 

Durch die intensive Nutzung der mitteleuropäischen Landschaft sind unbeeinträchtigte, von menschlicher Tätigkeit weitgehend unbeeinflusste oder nur gering beeinflusste Bodenvorkommen sehr selten. Bedeutsam sind vor allem Böden, die natürlichen dynamischen Standortbedingungen unterliegen, z.B. regelmäßig überschwemmte und starken Grundwasserschwankungen unterworfene Böden (Auenböden der großen Flusstäler der Region), Böden, die natürlicherweise überschüttet oder erodiert werden sowie seltene, unbeeinträchtigte Bodenbildungen. Diese Böden stellen besonders schutzwürdige Eigenbildungen der Natur und Standorte seltener Lebensgemeinschaften dar. Ihr Erhalt ist deshalb vordringlich.
Gegenüber Belastungen sind diese Böden - mit Ausnahme von sorptionsstärkeren Auenböden (siehe Karte 1.1) - besonders empfindlich. Insbesondere stofflichen Belastungen können sie häufig nur sehr geringen Widerstand entgegensetzen und schützen deshalb auch das Grundwasser nur in sehr geringem Maße.
Die genannten Gebiete sind als "Gebiete mit hervorragender Bedeutung des Bodens als Standort für seltene Lebensgemeinschaften sowie für die Sicherung empfindlicher Böden" in Karte 4.1 dargestellt. In der Region Main-Rhön finden sich solche Gebiete im wesentlichen

  • in den Überschwemmungsbereichen von Fränkischer Saale, Sinn, Streu, Thulba, Schondra, Baunach u.a.(vgl. Karte 4.1)
  • in den Hoch- und Zwischenmoorgebieten der Hohen Rhön
  • in den Niedermoorbereichen der Hohen Rhön, der Südrhön und des Steigerwaldvorlands
  • in den Flugsandgebieten des Schweinfurter Beckens und Steigerwaldvorlands
  • auf sehr flachgründigen Böden (oft sog. Hutungen) überwiegend an Hängen des Basalt, des Buntsandsteins, des Muschelkalks und Sandsteinkeupers
  • auf nassen und staunassen Standorten sowie in Quellbereichen.

B 8 Stoffliche Beeinträchtigungen, die zu nicht rückgängig zu machenden Schadstoffanreicherungen im Boden führen, sollen in der Region Main-Rhön vor allem in Gebieten mit hervorragender Bedeutung des Bodens als Standort für seltene Lebensgemeinschaften sowie für die Sicherung empfindlicher Böden vermieden werden. Bodenpflegende Nutzungen und Maßnahmen sollen gefördert werden.

Infolge menschlicher Nutzungen können insbesondere auf Böden mit sehr geringer oder geringer Puffer- und Transformatorfunktion Bodenbelastungen entstehen, die Beeinträchtigungen von Ökosystemen und/oder der menschlichen Gesundheit durch Schadstoffanreicherungen in Nahrungsmitteln hervorrufen können. Belastende Stoffgruppen sind u.a. Schwermetalle, organische Chemikalien, Säurebildner und radioaktive Stoffe. Da Böden im Gegensatz zu Wasser oder Luft gar nicht bzw. nur mit erheblichem Aufwand gereinigt werden können und gerade die dargestellten Böden besonders empfindlich gegenüber Belastungen sind, sollte das Vorsorgeprinzip konsequent angewendet und Stoffeinträge auf ein Minimum beschränkt werden.

Bodenerhaltende Nutzungen, die in diesen Gebieten verstärkt zu fördern sind, sind Nutzungsformen, die keine erheblichen Eingriffe in den Bodenhaushalt voraussetzen, z.B. eine an den jeweiligen Standort angepasste Grünlandnutzung.

B 9 Flächeninanspruchnahmen durch Abbau, Überbauung oder Ablagerung und sonstige wesentliche Veränderungen der Standortqualitäten, z.B. durch Meliorationen, die die Funktionen von Böden in der Region Main-Rhön als Sonderstandorte und als Eigenbildungen der Natur schmälern, sollen grundsätzlich vermieden werden. Es ist darauf hinzuwirken, dass erhebliche Veränderungen der Bodenfunktionen durch geeignete Maßnahmen rückgängig gemacht werden.

Der Erhalt von Böden als Standorte für seltene Lebensgemeinschaften bzw. von sehr empfindlichen Böden schließt Flächeninanspruchnahmen durch Abbau, Überbauung oder Ablagerung sowie wesentliche Beeinträchtigungen ihres Nährstoff- und Wasserhaushaltes aus. Flächeninanspruchnahmen sollen deshalb grundsätzlich unterbleiben, da eine zufriedenstellende Ausgleichsmöglichkeit grundsätzlich nicht besteht.

Mit Eingriffen in Böden erfolgen zwangsläufig Veränderungen der Standortqualität. Solche Eingriffe sind im wesentlichen: vollständige Bodenverluste durch Flächeninanspruchnahme, stoffliche Veränderungen durch Stoffeinträge, Schädigungen der Bodenstruktur sowie Veränderungen des Bodenwasser- und Nährstoffhaushalts durch meliorative Maßnahmen. Insbesondere letztgenannte Eingriffe sind für den Verlust organischer Böden verantwortlich zu machen und sollen deshalb nicht mehr erfolgen. Insbesondere sollten Entwässerungen und Nährstoffeinträge verhindert bzw. rückgängig gemacht werden. In Bereichen, in denen Beeinträchtigungen der Böden bestehen, sollte angestrebt werden, möglichst natürliche Standortverhältnisse (z.B. durch Verfüllung von Entwässerungsgräben) wiederherzustellen.

Zur Wiederbelebung des natürlichen Bodenwasserhaushalts in Auenböden sollen, wo möglich und vertretbar, Maßnahmen zum Rückbau von Hochwasserfreilegungen erfolgen sowie die ursprüngliche Überschwemmungs- und Grundwasserdynamik wiederhergestellt werden.


Gebiete mit besonderer Bedeutung als Standort für seltene Lebensgemeinschaften sowie für die Sicherung empfindlicher Böden

B 10 In den Teilräumen der Region Main-Rhön, in denen

  • Böden mit einem geringen Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe,
  • Böden mit einem sehr geringen oder geringen Versauerungswiderstand,
  • feuchte und wechselfeuchte Böden,
  • mäßig trockene und wechseltrockene Böden wie z.B. Gesteinsverwitterungsböden,
  • organische Böden, deren Wasserhaushalt beeinträchtigt ist oder
  • ehemals intakte Auenböden

vorherrschen wie z.B. in vielen Waldgebieten der Südrhön oder der Haßberge, soll dem Bodenschutz ein besonderes Gewicht eingeräumt werden. Sie sollen vor Beeinträchtigungen ihrer Bodenfunktionen geschützt werden. Insbesondere ist darauf hinzuwirken, dass Nutzungen so ausgeübt werden, dass dadurch die Schutzgüter Boden und Wasser nicht nachhaltig geschädigt werden. Zusätzliche Flächeninanspruchnahmen sollen gering gehalten werden.

 

Bei den angesprochenen Böden handelt es sich in aller Regel um Böden, die erst nach starken Eingriffen in ihren Bodenwasser- und Stoffhaushalt intensiv genutzt werden können. Gegenüber Belastungen sind diese Böden empfindlich. Insbesondere stofflichen Belastungen können sie nur geringen Widerstand entgegensetzen und schützen deshalb auch das Grundwasser nur in geringem Maße. Besonders problematisch sind organische Böden, die nach Absenkung des Grundwasserstandes zersetzt werden und deren Zersetzungsprodukte zu hohen Belastungen der Medien Wasser und Luft führen.
Aufgrund ihrer geringen natürlichen Ertragsfähigkeit konnten die betreffenden Gebiete ehemals nur extensiv genutzt werden und entwickelten sich hierdurch häufig zu Standorten seltener Tier- und Pflanzengemeinschaften. Daher gilt es, diese Standorte vor zusätzlichen Flächeninanspruchnahmen mit erheblichen negativen Auswirkungen auf den Bodenhaushalt zu schützen, Einträge von Nährstoffen und sonstige stoffliche Belastungen soweit wie möglich zu reduzieren und ehemalige Feucht-, Trocken- und Magerstandorte wieder zu entwickeln.
Unter forstwirtschaftlichen Flächen besteht insbesondere bei Nadelwaldnutzung ein erhöhtes Risiko von Schadstoffausträgen bei fortschreitender Bodenversauerung (vgl. Karte 3.1). Deshalb sollte aus naturhaushaltlicher Sicht der Laubholzanteil deutlich erhöht werden, um der hohen Versauerungstendenz der meist sandigen Böden unter Nadelwald vor allem im Buntsandstein, Burgsandstein, im Oberen Keuper (Rhät) sowie auf Flugsanden entgegenzuwirken. Waldbegründungen sollten als Laubwald erfolgen bzw. in bereits waldreichen und gleichzeitig versauerungsgefährdeten Gebieten unterbleiben.

Die genannten Gebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung als Standort für seltene Lebensgemeinschaften sowie für die Sicherung empfindlicher Böden" in Karte 4.1 dargestellt.

Sie kommen mit Schwerpunkten

  • in Waldgebieten der Südrhön, des östlichen Steigerwalds, der Hassberge und des Itz-Baunach-Hügellands,
  • verbreitet auf sandigen Standorten mittlerer Gründigkeit und auf sandig-lehmigen, flachgründigeren Standorten,
  • auf flachgründigen Gesteinsverwitterungsböden,
  • auf feuchten Standorten vor allem der Rhön und Südrhön sowie
  • im Maintal und Werntal vor.

 

B 11       Die forstwirtschaftliche Nutzung soll der Versauerungsgefährdung der Böden Rechnung tragen. Erstaufforstungen sollten vor allem auf versauerungsgefährdeten Standorten z.B. des Buntsandsteins oder Burgsandsteins als Laubwald erfolgen sowie in bereits waldreichen und gleichzeitig versauerungsgefährdeten Gebieten unterbleiben.  

Unter Bodenversauerung wird der Verlust an puffernden Substanzen wie Calcium-, Natrium-, Magnesium- und Kaliumionen verstanden, die durch Säureeinwirkung von ihren ursprünglichen Bindungsplätzen verdrängt und mit dem Sickerwasser ausgewaschen werden. Der Eintrag versauerungsfördernder Schwefel- und Stickstoffverbindungen liegt in Nordwestbayern etwa dreimal so hoch wie derjenige von versauerungsschwächenden Stoffen wie Calcium, Magnesium und Kalium (KÖLLING 1999).
Unter forstwirtschaftlichen Flächen besteht insbesondere bei Nadelwaldnutzung ein erhöhtes Risiko von Schadstoffausträgen bei fortschreitender Bodenversauerung, weil Nadelwälder Schadstoffe deutlich stärker „auskämmen“ als Laubwälder (Verhältnis Fichtenwald : Laubwald 2,1 : 1,4, LFW 1997).
Etwa ein Drittel der Wälder der Region Main-Rhön sind Nadelwälder.
Deshalb sollte in Nadelwäldern aus naturhaushaltlicher Sicht der Laubholzanteil deutlich erhöht werden, um der teilweise hohen Versauerungstendenz von Waldböden vor allem in der Südrhön, aber auch in Steigerwald, Haßberge und Itz-Baunach-Hügelland entgegenzuwirken (das Fortschreiten der Versauerungsfront in aufgelockerten Sandlagen des Buntsandstein-Spessarts dauert nach LFW 1997 nur 30 Jahre!). Waldneubegründungen bzw. -verjüngungen sollten vor allem auf versauerungsgefährdeten Standorten (siehe Karte 3.1) als Laubwald erfolgen bzw. in bereits waldreichen und gleichzeitig versauerungsgefährdeten Gebieten unterbleiben.

 

Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz des Bodens vor Erosion

B 12       In den Teilräumen der Region Main-Rhön, die hohe Anteile erosionsgefährdeter Flächen (hohe potenzielle Erosionsgefährdung) aufweisen wie insbesondere die Vorder- und Kuppenrhön, die Südrhön, die westlichen und südlichen Wern-Lauer-Platten, das westliche Hesselbacher Waldland, der Steigerwald, die südlichen Haßberge, das Itz-Baunach-Hügelland und die Gäuplatten, ist dem Verlust des Bodens durch Wasser- und Winderosion entgegenzuwirken.  

Erosion durch Wind oder Wasser bewirkt irreversible Schäden am Boden, denn Bodenerosion führt

  • zum Verlust des wertvollsten Teils des Bodens, der humus- und nährstoffreichen Krume,
  • zur damit einhergehenden Verminderung des Wasserspeichers und der Filterfunktion sowie des mikrobiellen Umsetzungsvermögens,
  • zur Verminderung der Ertragsfähigkeit,
  • zum Eintrag von Bodenmaterial, Pflanzennährstoffen und Pflanzenbehandlungsmitteln in Gewässer und andere empfindliche Lebensräume,
  • zur Herabsetzung der Selbstreinigungskraft der Gewässer,
  • zu einer Verschmutzung von Wegen und Gräben,
  • zu veränderten Bedingungen für Pflanzenwuchs und Artenvielfalt.

In der Region Main-Rhön finden sich potenziell erosionsgefährdete Gebiete vor allem in den genannten Gebieten. Diese Gebiete, von denen einige großflächig bewaldet sind, sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz des Bodens vor Erosion" in Karte 4.1 dargestellt. Winderosionsgefährdete Gebiete kommen nur kleinflächig auf Flugsandflächen im Schweinfurter Becken und im Steigerwaldvorland vor und sind somit nicht regional bedeutsam.

B 13       Insbesondere auf den erosionsgefährdeten Flächen der Region Main-Rhön, z.B. in den südlichen Haßbergen oder im Gebiet der Gäuplatten, soll bei allen Nutzungen und Maßnahmen auf eine nachhaltige Sicherung des Bodens vor Wassererosion geachtet werden. Es soll angestrebt werden, erosionsbedingte Bodenverluste, die über der Toleranzgrenze zur Erhaltung des Ertragspotenzials liegen, zu vermindern und auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Auf die Durchführung erosionsmindernder Maßnahmen soll hingewirkt werden.
Bei Verfahren der Ländlichen Entwicklung soll den Erfordernissen des Erosionsschutzes Rechnung getragen werden.
 

Vor allem auf lößbeeinflussten und/oder mittel bis stark geneigten Böden besteht durch ackerbauliche Nutzung eine hohe Erosionsgefahr (siehe Karten 1.1, 3.1). Die Bodenabträge liegen hier nicht selten über 10t/ha*a.

Verstärkt wird die Wassererosion durch:

  • Anbau von Reihenkulturen auf erosionsgefährdeten Standorten, z.B. Mais und Hackfrüchten ohne Zwischenfruchtanbau,
  • Vergrößerung der Schläge bzw. Hanglängen,
  • Bodenverdichtung infolge schwerer und häufig eingesetzter Maschinen und Geräte,
  • Hopfen und Weinbau ohne Untersaat,
  • Humusminderung infolge intensiver Bodenlockerung,
  • Beseitigung von Kleinstrukturen wie Rainen, Böschungen, Hecken, Gehölzen,
  • Bearbeitung in der Falllinie,
  • abflußfördernde wasserbauliche Maßnahmen,
  • Entwässerung von Feuchtgebieten und
  • Viehtritt auf steilen Lagen und massierten Tourismus" (STMLU 1991).

Die tolerierbaren Werte für den Bodenabtrag sind bodenspezifisch. SCHWERTMANN et al. (1990) schlagen vor, die Toleranzgrenze über die Ertragsmeßzahl bzw. über die Gründigkeit von Böden zu bestimmen. Die Bodenabträge sollten (in t/ha*a) ein Achtel der Acker- bzw. Grünlandzahl nicht überschreiten. Als Toleranzgrenzen werden in Beziehung zur Gründigkeit vorgeschlagen:

1 t/ha.a   bei flachgründigen Böden (Tiefe < 30 cm),
3 t/ha.a   bei mittelgründigen Böden  (Tiefe 30 - 60 cm),
7 t/ha.a   bei tiefgründigen Böden   (Tiefe 60 -100 cm),
10 t/ha.a bei sehr tiefgründigen Böden (Tiefe > 100 cm).

Insbesondere in Teilen des Grabfeldgaus, der Wern-Lauer-Platten, des Hesselbacher Waldlands, der Gäuplatten und der südlichen Haßberge werden diese Toleranzgrenzen – bereits seit längerem - überschritten (vgl. GLA 1989).

Diese Werte sind allerdings nur auf eine weitgehende Erhaltung des Ertragspotenzials für einen Zeitraum von 300 - 500 Jahren ausgelegt. Eigentlich dürfte der Bodenabtrag im Sinne der nachhaltigen Funktionsfähigkeit die jeweilige Bodenneubildungsrate nicht überschreiten. Dies würde Toleranzgrenzen nahe 0 t/ha*a bedeuten (SCHWERTMANN et al. 1990)!

Nutzungsformen, die zu Abtragswerten führen, die über den o.g. Toleranzgrenzen liegen, sind angesichts dieser Tatsache keinesfalls als nachhaltig und standortgerecht zu bezeichnen.

Zur Minderung der Erosion soll, entsprechend den örtlichen Gegebenheiten, auf die Durchführung folgender Maßnahmen hingewirkt werden (insbesondere auch im Rahmen von Verfahren der Ländlichen Entwicklung):

  • Anlage und Erneuerung von hangparallelen Hochrainen, Schutzpflanzungen, Feldgehölzen, Streuobstbeständen und sonstigen naturnahen Landschaftsbestandteilen,
  • hangparallele Bewirtschaftung,
  • Erhaltung und nötigenfalls Schaffung von Grünlandstreifen in der Feldflur,
  • Verkürzung der Schlaglänge in erosionsgefährdeten Lagen durch o.g. Maßnahmen,
  • Beibehaltung bzw. Ausdehnung von Grünland- und Waldnutzung, insbesondere in Steillagen,
  • Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit und Strukturstabilität der Böden durch Humuszufuhr,
  • Anbau von Zwischenfrüchten,
  • schonende Bodenbearbeitung,
  • Verminderung des Anteils erosionsfördernder Fruchtarten in der Fruchtfolge,
  • Einsaat von Grünstreifen und Anbau von Untersaaten.


Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Erhaltung der Bodenfunktionen (hohe Leistungsfähigkeit im Naturhaushalt)

B 14       In den Teilräumen der Region Main-Rhön, in denen fruchtbare Böden bzw. Böden mit hohem und sehr hohem Rückhaltevermögen gegenüber Schadstoffeinträgen vorherrschen wie z.B. im Gebiet der Gäuplatten, soll der Erhaltung dieser Böden und ihrer Funktionen besonderes Gewicht eingeräumt werden. Auf deren nachhaltige Sicherung bei Planungen und Maßnahmen ist besonders zu achten. Es ist darauf hinzuwirken, dass Beeinträchtigungen, die die natürlichen Regelungsfunktionen dieser Böden im Naturhaushalt erheblich schmälern, z.B. durch Schadstoffanreicherung, gemindert oder rückgängig gemacht werden bzw. künftig unterbleiben.  

Die Regelungsleistungen der Böden stellen eine zentrale Rolle im Naturhaushalt dar. Die Böden, insbesondere solche mit hohem Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe, binden Stoffe und wandeln diese um. Sie filtern Schmutz- und Schadstoffpartikel und puffern säurebildende Substanzen. Durch Transformation organischer Substanzen entstehen chemische Umwandlungsprodukte, die meistens keine Schadstoffwirkung mehr besitzen. Damit schützen Böden das Grundwasser vor Schadstoffeinträgen und tragen wesentlich dazu bei, Schadstoffe aus Stoffkreisläufen zu eliminieren. Aufgrund ihrer Filterwirkung werden Böden hierbei selbst belastet. Je höher ihr Filter-, Puffer- und Transformatorvermögen ist, umso besser erfüllen sie diese Regelungsleistung. Überbeanspruchungen dieser Leistungen machen sich durch Zusammenbrechen des Puffersystems und Austräge von Pflanzenbehandlungsmitteln und Schwermetallen bemerkbar.
Böden hoher Regelungsleistungen zeichnen sich auch durch eine hohe biotische Ertragsfähigkeit aus, d.h. sie bilden äußerst produktive Standorte natürlicher sowie land- und waldbaulich genutzter Ökosysteme. Zur Bewahrung der Leistungsfähigkeit dieser Böden im Naturhaushalt und ihrer nachhaltigen Nutzungsfähigkeit ist es notwendig, dass sie vor zusätzlicher Flächeninanspruchnahme durch Abbau, Überbauung oder Ablagerung so weit wie möglich verschont bleiben. Dazu ist ebenfalls die Minimierung des Bodenabtrags unumgänglich, da mit zunehmendem Abtrag die o.g. Leistungsfähigkeit der Böden abnimmt. Böden mit hoher Regelungs- und Ertragsfähigkeit zeichnen sich häufig durch einen hohen Lößanteil aus und sind daher besonders erosionsgefährdet.
Die angesprochenen Gebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Erhaltung leistungsfähiger Böden" in Karte 4.1 dargestellt. In der Region Main-Rhön finden sich solche Böden im wesentlichen in den ton- und lößbeeinflußten Gebieten des Grabfeldgaus, der südlichen Wern-Lauer-Platten, des westlichen Schweinfurter Beckens, der Gäuplatten und des Steigerwaldtraufs. Im Hinblick auf die Fähigkeit, der Bodenversauerung entgegenzuwirken, sind vor allem Standorte in Basalt-, Muschelkalk-, Lettenkeuper- und Gipskeupergebieten von besonderer Bedeutung.

B 15 Besonderes Gewicht ist auf die Förderung von Bewirtschaftungsweisen und Maßnahmen zu legen, die die nachhaltige Nutzbarkeit fruchtbarer Böden mit hohem Schutzvermögen gegenüber Schadstoffen in der Region Main-Rhön, z.B. im Gebiet der Gäuplatten, fördern. Insbesondere sollen Maßnahmen zur Erosionsminderung und Vermeidung von Strukturveränderungen getroffen werden.  

In aller Regel handelt es sich bei Böden hoher Regelungsleistung um lößbeeinflußte Bodentypen, die aufgrund ihrer hervorragenden Fruchtbarkeit landwirtschaftlich intensiv genutzt werden. Sie unterliegen wegen ihres hohen Schluffgehaltes in erhöhtem Maße der Gefahr von Bodenerosion und Strukturveränderungen durch Befahren mit schweren Maschinen. Aufgrund der wichtigen Regelungsleistung und der hohen biotischen Produktivität sollten sie vor Zerstörung und Verlust bewahrt bleiben und schonend bewirtschaftet werden. Die wichtige Bedeutung dieser Böden für die Erzeugung von Nahrungsmitteln gebietet in ganz besonderem Maße, diese Produktionsstandorte vor Beeinträchtigungen zu schützen.

B 16       Einer Flächeninanspruchnahme durch Überbauung von Böden mit hoher Leistungsfähigkeit im Naturhaushalt der Region Main-Rhön, z.B. im Gebiet der Gäuplatten, soll entgegengewirkt werden.  

Das Gebiet der Gäuplatten, das westliche Schweinfurter Becken sowie Teile der Wern-Lauer-Platten und des Grabfeldgaus sind überwiegend von Lößüberlagerungen bedeckt. Diese Gebiete stellen hochproduktive Standorte für die Landwirtschaft dar und werden intensiv ackerbaulich genutzt. Wegen ihrer hohen Ertragsfähigkeit soll eine Flächeninanspruchnahme dieser Böden durch andere Nutzungen nur im unbedingt erforderlichen Umfang erfolgen.



[1] Vorsorgewerte für anorganische Problemstoffe sind nutzungs- und schutzgutunabhängig und sollen die Multifunktionalität der Böden bewahren. Sie wurden nach ökotoxikologischen Aspekten unter Berücksichtigung (überwiegend natürlicher) Hintergrundwerte abgeleitet. Die humantoxologisch abgeleiteten Prüf- und Maßnahmenwerte sind dagegen nutzungs- und schutzgutbezogen abgeleitet. Werden Maßnahmenwerte überschritten, ist i.d.R. von einer schädlichen Bodenveränderung auszugehen und Maßnahmen - Dekontaminations- oder Sicherungsmaßnahmen - sind erforderlich, um Gefahren von Schutzgütern abzuwehren. Wenn Prüfwerte überschritten werden oder aufgrund einer Bewertung eine Überschreitung von Prüfwerten zu erwarten ist, besteht ein hinreichender Verdacht, um eine Detailuntersuchung zur abschließenden Gefährdungsabschätzung durchzuführen. Bestätigt die Detailuntersuchung eine Gefahr für ein Schutzgut, sind Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu treffen. Bei der Überschreitung von Vorsorgewerten besteht die Besorgnis einer schädlichen Bodenveränderung. Überschreitungen sind in Böden mit naturbedingt oder großflächig siedlungsbedingt erhöhten Hintergrundgehalten unbedenklich, soweit nicht eine Freisetzung der Schadstoffe oder zusätzliche Einträge nachteilige Auswirkungen auf Bodenfunktionen erwarten lassen. Bei der Überschreitung von Vorsorgewerten sind Vorsorgemaßnahmen gegen das Entstehen einer schädlichen Bodenveränderung durch die Nutzung zu ergreifen (nach GLA 2001)


 

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