6.2 Ziele Wasser

Allgemeine Ziele


Hinsichtlich des Gewässer- und Grundwasserschutzes sind in allen Teilen der Region Main-Rhön folgende grundsätzliche Ziele zu nennen:

W 1        Grundwasser soll in der Region Main-Rhön flächendeckend in seiner Qualität unbeeinträchtigt erhalten bleiben. Verunreinigungen des Grundwassers sollen vermieden, vorhandene Beeinträchtigungen sollen beseitigt werden. Dabei ist mindestens der „gute chemische Zustand“ nach EU-Wasserrahmenrichtlinie anzustreben.
Grundwasserschützende Bodenschichten sollen möglichst nicht entfernt werden. Die Freilegung des Grundwasserkörpers soll langfristig minimiert werden.

Den Vorsorge- und Nachhaltigkeitsprinzipien folgend – wie sie auch den Zielsetzungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie vom 23.10.2000 zugrunde liegen – gibt es keinen geteilten Boden- und Gewässerschutz für Gebiete innerhalb und außerhalb von Wasserschutzgebieten, d.h. Grundwasserschutz erfolgt prinzipiell unabhängig vom Nutzungsanspruch. Dies ist gerade in Gebieten mit niedrigen Grundwasserneubildungsraten und dementsprechend geringen Verdünnungseffekten wie in der Region 3 von besonderer Bedeutung. Der Verlagerung von Schadstoffen aus den oberen Bodenschichten ist deshalb entgegenzuwirken.

In Gebieten, in denen Beeinträchtigungen bestehen, sollen die verursachenden Nutzungen und Belastungen reduziert werden. Hierzu sollen Altlasten saniert, die Ausbringung von Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln vermindert und der Bodenversauerung entgegengewirkt werden. Langfristig kann Grundwasserschutz nur wirksam sein, wenn Schadstoffvermeidung an der Quelle ansetzt und das Filter- und Rückhaltevermögen der Böden nicht überlastet wird.

Der nach EU-Wasserrahmenrichtlinie einzuhaltende bzw. anzustrebende „gute chemische Zustand“ des Grundwassers beinhaltet die Einhaltung gängiger Rechtsvorschriften, vor allem des  Wasserhaushaltsgesetzes oder des Bayerischen Wassergesetzes, und bedeutet, dass weder Salz- noch andere Intrusionen erkennbar sind und mit dem Grundwasser in Verbindung stehende Oberflächengewässer und Landökosysteme chemisch und ökologisch nicht signifikant geschädigt werden.

Misch- und Laubwälder und extensives Grünland führen in aller Regel zu keinen stofflichen Beeinträchtigungen des Grundwassers. Ihr Flächenanteil sollte deshalb erhalten und soweit möglich erhöht werden. Hinsichtlich möglicher Grundwasserbelastungen durch Nitrat ist zu beachten, dass in Gebieten mit hohem Rückhaltevermögen (vgl. Karte 1.2) bei Überschreitung des Rückhaltevermögens mit hohen Konzentrationen (geringe Sickerwassermenge!) zu rechnen ist, so dass letztlich flächendeckend eine Minimierung von Stickstoffüberschüssen anzustreben ist. Dies gilt insbesondere für sämtliche Auenfunktionsräume (Talflächen), die auf Grund ihres schwankenden Grundwasserstands eine spezielle Disposition für Nitratauswaschung aufweisen.

Grundwasserschutz erfolgt auch über den Erhalt der filternden Bodenschicht. Bei Bodenverlusten bzw. Freilegung des Grundwasserkörpers kann eine Verunreinigung des Grundwassers unmittelbar erfolgen. Die Offenlegung des Grundwassers, z.B. durch Nassabbau, ist gerade auch deshalb problematisch, da für eine Wiederverfüllung von Abbaustellen gänzlich schadstofffreies Material nicht immer vorhanden sein wird und folglich solche Verfüllungen eine hohe Gefahrenquelle für das Grundwasser darstellen können.

W 2        Zur Verbesserung der Wasserrückhaltung in der Landschaft soll in der Region Main-Rhön Bodenversiegelungen und Bodenverdichtungen verstärkt entgegengewirkt werden. Zur Verbesserung der Grundwasserneubildung sollen in der Region Main-Rhön Maßnahmen mit abflussmindernden und damit infiltrationsfördernden Einflüssen, wie z.B. Verringerung des Versiegelungsgrades oder Schaffung von Versickerungsmöglichkeiten nicht oder gering belasteten Oberflächenwassers vermehrt gefördert werden. Die Ausweitung von Dauergrünlandflächen sollte im Hinblick auf Grundwasser-Qualität und ‑Neubildung eine besondere Bedeutung erfahren.

Die Vermeidung einer Verschlechterung der Grundwasserbeschaffenheit hinsichtlich Qualität und Quantität wird eine zentrale umweltpolitische Herausforderung für die Region Main-Rhön in den nächsten Jahrzehnten darstellen. Die Grundwasserneubildung in der Region Main-Rhön liegt überwiegend unter 100 mm/Jahr und nimmt damit eine für bayerische Verhältnisse weit unterdurchschnittliche und für Nordbayern unterdurchschnittliche Größenordnung ein, die sogar den Mittelwert für das Maingebiet unterschreitet (LFW 1980, 1996, vgl. auch Karte 1.2).

Zur Erhaltung eines ausgeglichenen Grundwasser- und Landschaftswasserhaushaltes kommt daher einer unverminderten Grundwasserneubildung gerade in der Region Main-Rhön eine herausragende Bedeutung zu. In erster Linie wird die Grundwasserneubildung von den Niederschlagsmengen und der vorherrschenden Bodenart, dem Relief und der Nutzung bestimmt. Unter Wald findet tendenziell eine geringere Grundwasserneubildung statt (höhere Verdunstung), landwirtschaftliche Flächen und Brachen weisen höhere Neubildungsraten auf. Minderungen der Grundwasserneubildung insbesondere durch Bodenversiegelung führen zu erhöhten Oberflächenabflüssen und zu einer Erhöhung der Hochwassergefahr. Deshalb sind Maßnahmen zur Verringerung des Versiegelungsgrades und der Schaffung von Versickerungsmöglichkeiten notwendig. Im Hinblick auf Grundwasser-Qualität und –Quantität sollte vielmehr der Anteil extensiv genutzten Dauergrünlands (geringe Luftschadstoffdeposition, geringe Nitratauswaschung, vergleichsweise hohe Grundwasserneubildung) ausgedehnt werden.

W 3        Der Verbrauch von Grundwasser soll, soweit dies ohne wesentliche Beeinträchtigung des Naturhaushaltes möglich und Grundwasser in ausreichendem Maße verfügbar ist, aus dem lokalen bzw. regionalen Grundwasserdargebot gedeckt werden. Das Gleichgewicht zwischen Grundwasserentnahme und -neubildung soll in der Region Main-Rhön aufrechterhalten werden. Eine wesentliche Beeinträchtigung grundwasserabhängiger Lebensräume durch Grundwasserentnahmen soll vermieden werden.
Die Begrenzung des Grundwasserverbrauchs durch sparsamen Umgang mit Wasser soll gefördert werden.

Unmittelbare Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt ergeben sich durch Grundwasserentnahmen und Dränierungsmaßnahmen. Sie führen zur Grundwasserabsenkung, die sich durch Trockenlegung feuchter Standorte, Verminderung des kapillaren Wasseraufstieges und geringerer Mittelwasserführung in Gewässern bemerkbar macht. Der Grundwasserbedarf sollte deshalb durch Sparmaßnahmen gesenkt werden, dränierende Maßnahmen und Verbesserungen der Vorflut sollen nicht mehr erfolgen, zeitlich befristete Grundwasserabsenkungen (z.B. für Bau- und Abbaumaßnahmen) sollen möglichst vermieden werden bzw. nur mit entsprechenden Sicherungsmaßnahmen für feuchtigkeitsgebundene Vegetation erfolgen.

Die Wasserfernversorgung anderer Regionen bzw. Naturräume verändert dort und in dem Entnahmeraum den Wasserhaushalt und führt zu bereits angesprochenen Beeinträchtigungen. Deshalb soll durch sparsamen Umgang mit Wasser die Grundwasserentnahme gering gehalten werden und der Wasserbedarf durch lokale und regionale Grundwasservorkommen gedeckt werden. Vor der Verlängerung auslaufender Grundwasserentnahmerechte sowie der Planung und Genehmigung neuer Grundwasserentnahmen ist es notwendig, die Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere auf grundwasserbeeinflusste Lebensräume, umfassend zu ermitteln.

Die Erhaltung bzw. Schaffung eines Gleichgewichts zwischen Grundwasserentnahme und -neubildung sowie das Verhindern von Schädigungen grundwasserabhängiger Lebensräume bedeutet die Erreichung eines „guten mengenmäßigen Zustands“ gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie.

W 4        Die Fließ- und Stillgewässer der Region Main-Rhön sollen vor Beeinträchtigungen geschützt werden. Bestehende Beeinträchtigungen, belastende Einleitungen und Stoffeinträge sollen vermindert werden.
Fließgewässer mit natürlicher Überschwemmungsdynamik, biologischer Durchgängigkeit, naturnaher Gewässerstruktur sowie intakten Auenfunktionsräumen sollen erhalten bzw. durch Rückbaumaßnahmen und über eigendynamische Entwicklung wiederhergestellt werden.

Oberflächengewässern kommt eine wichtige Bedeutung als Lebensraum von Tieren und Pflanzen, zur Grundwasseranreicherung für die Trinkwassergewinnung und als Badegewässer zu. Insbesondere im Raum Schweinfurt wird ein erheblicher Teil der Wasserversorgung durch Uferfiltrat bestritten (StMLU 1994). Deshalb soll deren Wasserqualität möglichst uneingeschränkt erhalten bleiben bzw. ggf. verbessert werden. Belastungen gehen insbesondere von Siedlungs- und Industrieabwässern aus oder werden durch landwirtschaftliche Einträge verursacht.

Durch direkte Einleitungen verursachte Belastungen können nur durch Vermeidung an der Entstehungsquelle, Anschluss an Kläranlagen und Verbesserungen der Klärtechnik vermindert werden. Dazu sollen die industriellen und kommunalen Einleiter Kanalisationen und Kläranlagen weiter verbessern und ihre Abwässer gemäß dem Wasserhaushaltsgesetz reinigen.

Landwirtschaftlich verursachte Belastungen (z.B. ackerbauliche Nutzung in Überschwemmungsgebieten, unsachgemäße Düngung, Verdriftung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, unsachgemäße Lagerung von Düngern und Silage, undichte Gülle- und Jauchegruben, Reinigen landwirtschaftlicher Geräte in und an den Gewässern sowie Nährstoffausträge mit Sickerwasser aus Drainagesystemen, siehe auch Karte 3.2) soll durch Aufklärungsarbeit (Ausrichtung der Höhe und des Zeitpunkts der Düngung auf den Nährstoffentzug), Förderung von Bodenuntersuchungen und stärkere Kontrollen entgegengewirkt werden. Durch Erosionsschutzmaßnahmen soll dem Eintrag von Phosphat und Pflanzenschutzmittelrückständen mit abgeschwemmtem Oberboden entgegengewirkt werden.

Unverbaute Flüsse mit typischen gewässerbegleitenden Lebensräumen und intakten Auenfunktionsräumen (z.B. grünlandgenutzte Talauen mit uneingeschränkter Überschwemmungsdynamik) sind selten geworden. Durch technische Ausbaumaßnahmen sind Fließgewässer und Auen häufig in ihrer Lebensraumfunktion stark beeinträchtigt und können ihre Retentionsfunktion sowie ihre Funktion als Ausbreitungs- und Verbindungsräume nur noch sehr unzureichend erfüllen. Deshalb sollen durch Renaturierungsmaßnahmen und die Verbesserung eigendynamischer Gewässerentwicklung die vorhandenen Beeinträchtigungen von Fließgewässern und Auenfunktionsräumen soweit als möglich rückgängig gemacht werden und damit gleichzeitig zu einer Stabilisierung des Naturhaushaltes und dem Aufbau von Biotopverbundsystemen beigetragen werden.

W 5        Hochwasserrückhalteräume (Retentionsräume) in Auenfunktionsräumen sind in der Region Main-Rhön zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Zur Verbesserung der Retention sollen in den Einzugsgebieten von Fließgewässern Bereiche mit abflußmindernder Wirkung erhalten und entwickelt werden.

Durch Gewässerausbaumaßnahmen und Eindeichungen wurden Retentionsräume (Gebiete mit natürlicher Wasserrückhaltefunktion bei Hochwasserereignissen) teilweise von der Überschwemmungsdynamik der Flüsse abgeschnitten, durch Bodenversiegelung und Beseitigung erosionsmindernder Strukturen in den Einzugsgebieten erhöhten sich Oberflächenabflüsse. Hierdurch verschärfen sich Abflußspitzen, häufen sich Hochwasserereignisse und nehmen die mit ihnen verbundenen Schäden zu. Deshalb soll der Oberflächenabfluß durch geeignete Maßnahmen vermindert und der Hochwasserabfluß verzögert werden.

  • Geeignete Maßnahmen sind:
  • Neuschaffung bzw. Reaktivierung von Retentionsflächen,
  • Erhalt und Entwicklung abflußmindernder Strukturen (z.B. Hecken, Ranken, Mulden) in der Landschaft,
  • Wiederanbindung ehemaliger Auenbereiche an das Flußregime,
  • Versickerung von Regenwasser,
  • Rückbau von Entwässerungsmaßnahmen,
  • Entsiegelungsmaßnahmen,
  • naturnahe Gewässerbett-, Ufer- und Auengestaltung,
  • Förderung von Dachbegrünungen,
  • Freihaltung von Überschwemmungsgebieten.

Besondere Beachtung soll neben der großflächigen Erhaltung bzw. Reaktivierung die ressourcenschonende Bewirtschaftung von Retentionsflächen bzw. eine abschnittsweise Neubegründung von Auwäldern erfahren.

Derzeit finden sich intakte Auenfunktionsräume vor allem an den mittleren und kleineren Gewässern der Region, so an den Rhön-Gewässern wie z.B. Elsbach, Kellersbach, Schondra, Sinn, abschnittsweise aber auch an Lauer, Baunach oder Unkenbach. Abschnitte, in denen die Auenfunktionen meist durch Gewässer- und/oder Auenverbauung weitgehend stark beeinträchtigt sind, kommen neben vielen Ortsbereichen vor allem im Main- und Streutal sowie im Oberen Saaletal vor. Häufig sind Auenfunktionen beeinträchtigt, so z.B. im Saale-, Wern-, Thulbatal oder im Tal der Rauhen Ebrach.

W 6        Die Wasserqualität und die Gewässerstruktur der Fließgewässer sollen in der Region Main-Rhön verbessert werden. Als allgemeines Qualitätsziel soll jeweils die Güteklasse 2 bzw. der „gute ökologische und chemische Zustand“ oder das „gute ökologische Potenzial und der gute chemische Zustand“* angestrebt werden, soweit nicht eine bessere Güteklasse besteht bzw. aus Gründen des Artenschutzes eine bessere Wasserqualität notwendig ist. Dazu sind insbesondere auch naturferne Gewässerabschnitte kleinerer Fließgewässer zu revitalisieren, um ihr Selbstreinigungsvermögen zu verbessern.

Übermäßig verschmutzte Gewässerabschnitte kommen noch an wenigen kleineren Bächen wie dem Taubach östlich Rödelmaier oder dem Mehlbach nördlich Nüdlingen vor (Stand Dezember 2000).

Stark verschmutzte und sehr stark verschmutzte Gewässerabschnitte kommen in der Region Main-Rhön mit Ausnahme der Hohen Rhön und der Vorder- und Kuppenrhön über die ganze Region verbreitet vor allem in kleineren Bächen vor. Auf längeren Strecken stark verschmutzte oder sehr stark verschmutzte Gewässer treten allerdings nicht auf.

Kritisch belastete Gewässerabschnitte (Gewässergüte II-III) dominieren vor allem bei kleineren Bächen im Grabfeldgau, auf den Gäuplatten, im zentralen Schweinfurter Becken, im Hesselbacher Waldland, dem Steigerwaldvorland und dem Itz-Baunach-Hügelland. Auch die Oberläufe der Fränkischen Saale und der Milz, die Bahra, der nordwestliche Teil der Baunach, die Nassach, die Rodach, die Alster, die Itz, die Wern ab Niederwerrn, der Unkenbach, die Volkach, die Aurach und der Main südlich Schweinfurt sowie zwischen Schonungen und Knetzgau gelten als kritisch belastet.

In der Hohen Rhön, der Vorder- und Kuppenrhön und der Südrhön sowie in den Hassbergen und dem Steigerwald treten fast ausschließlich bessere Güteklassen auf. Es überwiegt Güteklasse II (mäßig belastet), wobei Oberläufe und kleinere Bäche vor allem im Bereich der Hohen Rhön, stellenweise auch in der Vorder- und Kuppenrhön, der Südrhön und im Steigerwald Güteklasse I-II (gering belastet) aufweisen. Der Aubach („Oberlauf“ der Volkach) bei Prüßberg am westlichen Steigerwaldtrauf zeichnet sich als einziger Bach durch die Güteklasse I aus!

Die meisten größeren Bäche und die Flüsse der Region 3 weisen weitgehend Güteklasse II auf: Streu, Sulz, Kleine Sinn, Sinn, Kellersbach, Lauer, „Unterlauf“ der Baunach, Schondra, Thulba, Fränkische Saale unterhalb Bad Königshofen, Rauhe Ebrach. Hier soll wie auch an den Bächen dieser Güteklasse die erreichte Wasserqualität nachhaltig gesichert werden, während an den stärker belasteten Gewässern vordringlich Maßnahmen zur Verbesserung der Wassergüte getroffen werden sollen.

War in der Vergangenheit die Nährstoffbelastung der Fließgewässer von der eben dargestellten organischen Verschmutzung überdeckt, so wurde bei steter Verbesserung der Abwasserreinigung und Güteverbesserung vor allem in größeren Fließgewässern die Auswirkungen der durch den Menschen hervorgerufenen Eutrophierung, wie verstärktes Algenwachstum und Verkrautung, zunehmend sichtbarer.

Eine durch starke Nährstoffbelastung bewirkte pflanzliche Produktion weisen die Wern unterhalb Geldersheim, die Volkach unterhalb Gerolzhofen und der Main unterhalb Gädheim sowie kurze Abschnitte der Lauer und der Baunach auf: Die daraus resultierende starke nächtliche Sauerstoffzehrung kann sogar zu Fischsterben führen. Deutlich erhöhte Nährstoffbelastungen treten an der Fränkischen Saale unterhalb Bad Neustadt und oberhalb Kleineibstadt, an Bahra, Milz, Lauer, Nassach, Baunach sowie am Main oberhalb Gädheim auf. Lediglich die Schondra zeichnet sich durch eine geringe bis mäßige Nährstoffbelastung aus (vgl. LFW 1999).

  • Naturnahe Fließgewässer weisen eine höhere Selbstreinigungsleistung auf, da u.a.
  • die durch die Beschattung von Ufergehölzen reduzierte Erwärmung des Gewässers eine höhere Sauerstofflöslichkeit bedingt
  • stärkere Turbulenzen bei erhöhter Ufer- und Sohlrauhigkeit auftreten, die eine höhere Sauerstoffanreicherung aus der Luft bewirken
  • durch die Beschattung von Ufergehölzen die Energieeinstrahlung reduziert und damit die übermäßige Verkrautung der Gewässer verhindert wird
  • ins Wasser ragende Wurzeln und Pflanzenteile als Lebensraum für Organismen dienen, die wesentlich an Reinigungsvorgängen beteiligt sind.

Diese Effekte wirken insbesondere bei kleineren Fließgewässern, die vollständig beschattet werden können, weshalb dort naturferne Abschnitte auch aus diesem Grund einer Revitalisierung bedürfen.

Hinsichtlich ihrer Struktur überwiegend naturnahe bzw. unveränderte Gewässerabschnitte auf längeren Strecken finden sich nur noch an einigen Rhön-Gewässern wie der Sulz, dem Kellersbach, dem Elsbach oder der Kleinen Sinn. Neben dem als Bundeswasserstraße ausgebauten Main weisen vor allem Wern, Nassach, Volkach, Baunach und Rauhe Ebrach auf längeren Strecken eine stark beeinträchtigte Gewässerstruktur auf (Begradigung, Uferverbau, Querbauwerke, z.T. fehlender Ufersaum u.a.m.). Die meisten Gewässerabschnitte zeigen stellenweise Beeinträchtigungen in Form von Uferverbauungen, einzelnen Querbauwerken oder Begradigungen, so z.B. Fränkische Saale, Thulba, Brend oder Lauer. Insgesamt lässt sich ein deutlicher Qualitätsgradient feststellen, indem die Gewässerstrukturgüte von der Hohen Rhön über die Südrhön in Richtung Grabfeldgau, Gäuplatten, Steigerwaldvorland und Itz-Baunach-Hügelland abnimmt.

W 7        Wald soll zum Schutz des Grundwassers in nicht versauerungsgefährdeten Gebieten erhalten bleiben. Auf eine Mehrung von Waldflächen ist in besonders waldarmen Bereichen des Grabfeldgaus, der Gäuplatten, des Schweinfurter Beckens und des Steigerwaldvorlands hinzuwirken, wenn nicht andere Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege entgegenstehen.  

Der Stoffaustrag unter Wäldern ist - zumindest auf nicht versauerungsgefährdeten Standorten  - in aller Regel gering (vgl. Karten 3.1, 3.2). Wälder dienen deshalb in besonderem Maße dem Grundwasserschutz und es besteht ein hohes Interesse, Wälder auf grundwasserempfindlichen Standorten zu erhalten und zu mehren. Durch Waldneubegründungen sollen aber keine Ziele des Arten- und Biotopschutzes (z.B. Aufforstung von Borstgrasrasen oder Nasswiesen), der Kaltluftabfluss oder das Landschaftsbild beeinträchtigt werden.

W 8        Verluste der grundwasserschützenden Bodenschicht durch Rohstoffabbau und Überbauung sowie von grundwasserstauenden oder -führenden Bodenhorizonten durch Rohstoffabbau sollen in der Region Main-Rhön vermieden bzw. so gering wie möglich gehalten werden.

Im Maintal mit seinen Talschottern und -sanden findet verbreitet Rohstoffabbau statt, der große Wasserflächen freilegt. Ohne schützende Bodenschicht kann hier Grundwasser direkt verunreinigt werden. Belastungen treten einmal durch den Abbaubetrieb auf, insbesondere können Schmiermittel und Betriebsstoffe das Grundwasser belasten. Nach dem Abbau kann der Grundwasserkörper zusätzlich durch Einträge aus der Luft oder Verdriftung von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln verunreinigt werden. Eine Wiederverfüllung aufgelassener Nassabbaustellen ist jedoch nicht anzustreben, da die Gefahr eines Einbringens unerwünschter Reststoffe sehr hoch ist und dadurch das Grundwasser unmittelbar belastet würde. Daher wird in Bayern die Verfüllung von Nassabbaustellen künftig nur noch in Ausnahmefällen und in enger Abstimmung mit den Wasserwirtschaftsämtern genehmigt. Zudem ergeben sich durch Verfüllungen veränderte Grundwasserströmungsrichtungen, die zur Vernässung oder Trockenlegung benachbarter Flächen führen können.

Insbesondere beim Abbau von Gips, für den vergleichsweise große Vorrangflächen entlang des Haßberge- und Steigerwaldtraufs, im Grabfeldgau und Steigerwaldvorland vorgesehen sind, werden beim obertägigen Abbau in aller Regel grundwasserstauende Bodenhorizonte (Tonschichten) angeschnitten, beseitigt oder abgebaut. Damit wird in den Landschaftswasserhaushalt eingegriffen und die Grundwasserqualität beeinflusst, indem Hang- und Grundwasserströme sowie Quellaustritte verlagert werden und tiefere Grundwasserstockwerke ihre schützenden Deckschichten zumindest teilweise verlieren.

W 9        Altlastenflächen sollen in der Region Main-Rhön saniert werden, Verdachtsflächen sollen insbesondere in grundwasserempfindlichen Gebieten vordringlich untersucht werden.

Altlasten sind nach § 2 BBodSchG stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen und Grundstücke, auf denen Abfall oder umweltgefährdende Stoffe (mit Ausnahme von Anlagen nach dem Atomgesetz) behandelt oder gelagert wurden.

Durch entsprechende frühere oder bestehende Nutzungen können auf bestimmten Flächen erhöhte Bodenbelastungen bestehen. Von diesen Flächen geht eine Gefahr für das Grundwasser aus, auch wenn aktuell noch keine Belastungserscheinungen auftreten. Deshalb sollen belastete Flächen saniert werden. Bei einer möglichen Aufforstung basenarmer, durch Altlasten schwermetallbelasteter Standorte soll geprüft werden, ob die mit einer waldbaulichen Nutzung zu erwartenden pH-Wert-Absenkungen zur Freisetzung entsprechender Schadstoffe führen können, von der bei pH-Werten unter 6,5 ausgegangen werden kann.

Nach §§ 4, 15 BBodSchG kann die zuständige Behörde auf Altlastenverdachtsflächen die Sanierung auf der Grundlage eines Sanierungsplans und die Durchführung von Eigenkontrollmaßnahmen verlangen, um eine Ausbreitung von Schadstoffen langfristig zu verhindern. Die Anforderungen an einen Sanierungsplan sind in Anhang 3 BBodSchV geregelt. Vollständig untersucht sind bisher lediglich die Standorte der Stadt Schweinfurt, in den Landkreisen besteht noch erheblicher Nachholbedarf. Die Untersuchungen sollen gemäß der Dringlichkeitseinstufung des LfU (vgl. Erläuterungen zu B 5), außerdem vorrangig in grundwasserempfindlichen Gebieten durchgeführt werden.

W 10      Eine weitere Bebauung von Auenfunktionsräumen soll in der Region Main-Rhön ausgeschlossen werden.

Eine Bebauung von Auenfunktionsräumen führt auf Grund der zu erwartenden Schädigung der Bausubstanz durch Überschwemmungen zu unausweichlichen Konflikten mit der Retentionsfunktion der Auen, da zur Vermeidung von Gebäudeschäden eine Hochwasserfreilegung unumgänglich ist. Angesichts der zunehmenden Abflussverschärfung (Zunahme von Starkregenereignissen, fortschreitende Bodenversiegelung, Verschlechterung der Wasserrückhaltung in intensiv landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebieten u.a.m.) erscheint eine weitere Reduzierung von Retentionsräumen nicht mehr verantwortbar, im Gegenteil sollen Möglichkeiten genutzt werden, vorhandene Beeinträchtigungen (Versiegelungen, Einschränkungen von Retentionsräumen) zurückzunehmen. Auch sollen Möglichkeiten zur Wiederherstellung der ursprünglichen Retentionsfunktion in ehemaligen Auenfunktionsräumen nicht „verbaut“ werden.

Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz des Grundwassers vor Einträgen sorbierbarer und nicht sorbierbarer Stoffe

W 11      In Gebieten der Region Main-Rhön, die eine geringe bis sehr geringe natürliche Grundwasserschutzfunktion aufweisen wie z.B. weiten Teilen der südlichen Wern-Lauer-Platten oder sorptionsschwachen Standorten des Steigerwaldvorlands, kommt der Vermeidung von Einträgen zum Schutz des Grundwassers eine besondere Bedeutung zu. Die Nutzung in den angesprochenen Gebieten ist auf die hohe Empfindlichkeit des Grundwassers gegenüber stofflichen Belastungen abzustimmen.      

Bei den Gebieten handelt es sich um Landschaftsräume, in denen aufgrund eines geringen Wasserspeichervermögens oder eines sehr geringen bis geringen Sorptionsvermögens der Böden oder eines sehr geringen bis geringen Versauerungswiderstands (vgl. W 12) oder aufgrund (permanent oder zeitweise) geringer Grundwasserflurabstände hohe natürliche Grundwasserempfindlichkeiten gegeben sind. Innerhalb dieser Räume ist deshalb dem Grundwasserschutz eine sehr hohe Bedeutung beizumessen. Hieraus ergeben sich erhöhte Anforderungen an die Nutzungen, um Beeinträchtigungen des Grundwassers zu vermeiden. Diese Gebiete werden als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz des Grundwassers vor Einträgen sorbierbarer und nicht sorbierbarer Stoffe" in Karte 4.2 dargestellt.

In der Region Main-Rhön finden sich Gebiete mit erhöhter Empfindlichkeit gegenüber einer möglichen Grundwasserverunreinigung im wesentlichen

  • in weiten Teilen der Hohen Rhön und der Vorder- und Kuppenrhön
  • in weiten Teilen der Südrhön
  • verstreut im nordwestlichen Grabfeldgau sowie am Westrand des Grabfeldgaus
  • in Teilgebieten der südlichen Wern-Lauer-Platten (vor allem Kaisten bis Wasserlosen, Gauaschach bis Fuchsstadt), nordwestlich Rannungen sowie zwischen Poppenlauer und Rödelmaier
  • im Schweinfurter Becken im Raum Schwebheim und bei Sennfeld
  • im Hesselbacher Waldland zwischen Rannungen/Maßbach und Weipoltshausen, zwischen Maßbach und Hesselbach, östlich Schonungen sowie östlich Löffelsterz/Waldsachsen
  • verstreut auf sorptionsschwachen Standorten des Steigerwaldvorlands
  • auf sandreichen Böden des Maintals
  • in weiten Teilen des östlichen Steigerwalds, der südlichen Haßberge sowie im westlichen Bundorfer Forst
  • im zentralen Itz-Baunach-Hügelland zwischen Maroldsweisach und Ebern.

Hierzu zählen insbesondere auch die in W 12 angeführten versauerungsgefährdeten Waldgebiete (nähere Begründung siehe dort).

In den Auenfunktionsräumen kann auf Grund des schwankenden Grundwasserstands und der Stoffdeposition im Zuge von Überschwemmungen von einem speziellen Eintragsrisiko in das Grundwasser ausgegangen werden.

W 12      In versauerungsgefährdeten Waldgebieten, insbesondere der Vorder- und Kuppenrhön, der Südrhön, des östlichen Steigerwalds, der Haßberge und des Itz-Baunach-Hügellands soll der Versauerung aus Gründen des Grundwasserschutzes durch sukzessiven Umbau von Nadelholzreinbeständen in Laubwaldbestände entgegengewirkt werden. Erstaufforstungen sollen in diesen Gebieten nicht erfolgen, wenn diese bereits waldreich sind oder die Aufforstung auf Kosten der Grünlandnutzung erfolgt. Vielmehr soll dort der Anteil extensiv genutzten Dauergrünlands ausgedehnt werden.      

Die hohe Auskämmwirkung des Waldes – insbesondere von Nadelwald (vgl. KÖLLING 1999) – für atmosphärische Stoffeinträge bedingt, dass Waldböden in der Regel deutlich stärker mit Schadstoffen belastet sind als landwirtschaftlich genutzte Flächen. Durch Versauerungsprozesse können Nährstoffe und toxische Aluminium- bzw. Schwermetallionen ins Grundwasser ausgewaschen werden. Durch Luftschadstoffe und Versauerungsprozesse vermögen stark geschädigte Wälder ihren Stoffhaushalt nicht mehr ausreichend zu regeln. Laubwaldbestände können durch ihre besser zersetzbare Laubstreu sowie der gegenüber immergrünen Waldbeständen niedrigeren Interzeptionsdeposition und durch ihre i.d.R. tiefere Durchwurzelung des Bodens einer Bodenversauerung erheblich besser entgegenwirken als Nadelwälder.

Daher sollen insbesondere auf Standorten mit geringem Versauerungswiderstand (vgl. auch Karte 1.1) Nadelwälder sukzessive zu Laubwäldern umgebaut werden. Dabei ist auf kahlschlagsartige Hiebverfahren zu verzichten, da ansonsten durch großflächige Mineralisierung im Auflagehumus gerade von Nadelwaldbeständen ein Nitratüberschuss entsteht, der wiederum zu Auswaschung von Nitrat und puffernden Substanzen führt (LFW 1997). Daten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (1998) zeigen tiefgründig versauerte Bodenprofile im Buntsandstein und Oberen Keuper, hingegen nur oberflächig oder nicht versauerte Böden in Basalt-, Muschelkalk-, Lettenkeuper- oder Gipskeupergebieten. Im Sinne des Vorsorgeprinzips ist auch ein besonderes Augenmerk auf solche Standorte zu richten, deren Puffersysteme zwar aktuell noch ausreichen, in absehbarer Zukunft jedoch verbraucht sein werden, was unumkehrbare Versauerungsprozesse zur Folge hätte, z.B. in Lößlehm- und Blasensandsteingebieten.

Größere Nadelwälder auf versauerungsgefährdeten Standorten kommen in der Region Main-Rhön vielfach auf Buntsandstein-Standorten nordöstlich Fladungen – Nordheim, östlich Motten – Bad Brückenau, im Bereich des Steinacher Forsts (beiderseits der Saale), im Burgwallbacher Forst, im Wechterswinkeler Forst, im Rupbodener Forst, im Staatsforst Geiersnest und im Salzforst vor. Außerdem gibt es großflächige Nadelwälder auf versauerungsgefährdeten Standorten des Mittleren und Oberen Keuper (Burgsandstein, Rhät) im Bundorfer Forst, zwischen Pfaffendorf und Bischwind, im Raum Burgpreppach und Kirchlauter – Ebelsbach und im östlichen Steigerwald.

Auf Grund der o.g. Auskämmwirkung soll eine Erhöhung des Waldanteils in versauerungsgefährdeten Gebieten vermieden werden (vgl. LFW 1997), insbesondere wenn dort bereits ein hoher Waldanteil besteht. Im Hinblick auf Grundwasser-Qualität und -Quantität sollte hier vielmehr der Anteil extensiv genutzten Dauergrünlands (geringe Luftschadstoffdeposition, geringe Nitratauswaschung, vergleichsweise hohe Grundwasserneubildung) ausgedehnt werden (LFW 1994).

Naturnahe Kiefernwälder auf Sonderstandorten wie Flugsanden stellen in der Region Main-Rhön auf Grund ihrer in der Regel kleinflächigeren Vorkommen keine nennenswerten Belastungen dar und widersprechen der o.g. Zielsetzung daher nicht.

W 13      Einer Beeinträchtigung des Grundwassers durch den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln soll insbesondere in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Region Main-Rhön mit sehr geringem bzw. geringem Rückhaltevermögen wie z.B. auf sandreichen Böden des Maintals oder im zentralen Itz-Baunach-Hügelland entgegengewirkt werden.      

Die landwirtschaftliche Nutzung kann in einem erheblichen Maße zur Beeinträchtigung des Grundwassers beitragen. Probleme bereiten vor allem erhöhte Nitratausträge aus landwirtschaftlichen Flächen und das Auftreten von Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser. Den Vorsorge- und Nachhaltigkeitsprinzipien folgend wird ein erhöhter Grundwasserschutz nicht nur in Trinkwasserschutzgebieten für nötig erachtet, sondern gilt es, Stoffausträge aus der oberen Bodenschicht flächendeckend so gering wie möglich zu halten (vgl. auch Art. 4 EU-Wasserrahmenrichtlinie). Deshalb soll insbesondere in den unter W 11 genannten und in den Karten 1.1 und 1.2 dargestellten, landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit sehr geringem bis geringem Rückhaltevermögen durch Extensivierungsmaßnahmen der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln den gegebenen Standortbedingungen angepasst werden. In diesen Gebieten mit hoher natürlicher Grundwasserempfindlichkeit ist aus Vorsorgegründen der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel mit Wasserschutzgebietsauflage zu empfehlen.

Hinsichtlich möglicher Grundwasserbelastungen durch Nitrat ist zu beachten, dass in Gebieten mit hohem Rückhaltevermögen (vgl. Karte 1.2) bei Überschreitung des Rückhaltevermögens mit hohen Konzentrationen (geringe Sickerwassermenge!) zu rechnen ist, so dass letztlich flächendeckend eine Minimierung von Stickstoffüberschüssen anzustreben ist. Dies gilt insbesondere für sämtliche Auenfunktionsräume (Talflächen), die auf Grund ihres schwankenden Grundwasserstands eine spezielle Disposition für die Nitratauswaschung aufweisen.

W 14      In den grundwasserempfindlichen Gebieten der Region Main-Rhön – z.B. im Hesselbacher Waldland zwischen Rannungen/Maßbach und Weipoltshausen oder im Schweinfurter Becken im Raum Schwebheim und bei Sennfeld – sollen grundsätzlich keine Infrastruktureinrichtungen oder Gewerbegebiete erstellt werden, auf deren Flächen wassergefährdende Stoffe in hoher Menge oder mit besonderer Schadwirkung transportiert oder gelagert werden. Bereits erstellte Einrichtungen sollen besonders gesichert und überwacht werden.      

Eine unkontrollierte Freisetzung wassergefährdender Stoffe kann nur durch entsprechende technische Schutzvorkehrungen und Sicherheitsmaßnahmen vermieden und dadurch eine Kontamination des Grundwassers ausgeschlossen werden. In den angesprochenen Bereichen ist die Gefahr des Eintrags ins Grundwasser beim Umgang oder Transport wassergefährdender Stoffe besonders hoch. Deshalb sollen vorhandene Einrichtungen, von denen eine potentielle Gefährdung des Grundwassers ausgeht, in den angesprochenen Bereichen besonders gesichert werden und entsprechende Einrichtungen zukünftig nicht in grundwassergefährdeten Gebieten errichtet werden.


Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Sicherung und Entwicklung von Auenfunktionen

W 15      Den intakten und weniger beeinträchtigten Auenfunktionsräumen der Flüsse und Bäche in der Region Main-Rhön – z.B. dem Brend- oder Kellersbachtal – kommt im Naturhaushalt eine herausragende Bedeutung zu. Solche Gebiete sollen in ihrer wichtigen Funktion im Naturhaushalt erhalten und – soweit nötig – optimiert werden.  

Die Auenfunktionsräume erfüllen zahlreiche bedeutende Funktionen im Naturhaushalt, z.B. als Lebens- und Ausbreitungsraum seltener und gefährdeter Arten, und müssen deshalb vordringlich erhalten und entwickelt bzw. optimiert werden. Sie stellen insbesondere wichtige Retentionsräume bei Hochwasserereignissen dar. Durch den Übertritt von Wasser in die Flußaue werden flußabwärts gelegene Gebiete entlastet und Spitzenhochwässer verringert, Schäden an Menschen und Sachgütern bleiben begrenzt. Bisher führte die ständige Schmälerung der überschwemmbaren Flußauen zu einer Verschärfung der Hochwassersituationen. Um dieser Entwicklung zu begegnen, muss dem Erhalt von Retentionsräumen eine hohe Bedeutung beigemessen und darauf hingewirkt werden, dass beeinträchtigte Auenfunktionsräume (siehe Karte 1.2) wieder optimiert werden. Hierzu ist es notwendig, begradigte Fließgewässerabschnitte wieder zu verlängern und das ursprüngliche Sohlniveau der Gewässer wiederherzustellen. Auf eine Wiedereinbeziehung land- und forstwirtschaftlich genutzter Flächen auf eine an die natürliche Überschwemmungsdynamik angepasste Nutzung soll durch den Einsatz entsprechender Bewirtschaftungs- und Förderprogramme hingewirkt werden.

Die angesprochenen Gebiete sind als "Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Sicherung und Entwicklung von Auenfunktionen" in Karte 4.2 dargestellt.

Intakte Auenfunktionsräume haben in der Region 3 einen eindeutigen Schwerpunkt in den Tälern der Vorder- und Kuppenrhön sowie der Südrhön. Insbesondere das Elsbach-, Brend-, Kellersbach- und Schondratal sowie das Tal der Kleinen Sinn weisen längere nahezu unbeeinträchtigte Abschnitte auf. Vor allem die Täler der Fränkischen Saale, Thulba, Milz, Lauer, Wern, Nassach, Baunach, Itz, Unkenbach oder Rauen Ebrach weisen Beeinträchtigungen von Auenfunktionen auf, welche durch o.g. sowie in den Teilraumzielen näher ausgeführten Optimierungsmaßnahmen minimiert werden können.

Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Entwicklung von Auenfunktionen

W 16      Stark beeinträchtigte, nicht mehr funktionsfähige Auenfunktionsräume in der Region Main-Rhön wie insbesondere das Maintal sollen in ihren Funktionen wieder gestärkt werden. Dabei sollen im Rahmen der gebietsspezifischen Möglichkeiten sukzessive vor allem Retentionsräume und auentypische Lebensräume geschaffen werden.  

Stark beeinträchtigte, nicht mehr funktionsfähige Auenfunktionsräume stellen auf Grund des Verlusts ihrer zahlreichen Funktionen (vgl. W 15) besonders schwerwiegende Belastungen des Landschaftshaushalts dar: die Schmälerung der überschwemmbaren Flußauen führt zwangsläufig zu einer Verschärfung der Hochwassersituationen für Unterlieger, Überbauungen und Hochwasserfreilegungen zerstören die Lebensraum- und Biotopverbundfunktion von Auen u.a.m.

Häufig finden sich entsprechende Auenabschnitte in Stadtbereichen, so in Bad Brückenau (Sinntal), Bad Neustadt/Saale (Brendtal), Bad Kissingen (Saaletal) oder Werneck (Werntal). Das Maintal verdankt den weitgehenden Verlust seiner Auenfunktionen vor allem dem Ausbau des Mains als Bundeswasserstrasse mit starken Eingriffen in die Überschwemmungshäufigkeit und –dauer, in die Grundwasserdynamik sowie dem Verlust auetypischer Lebensräume.

Bei den meisten dieser Abschnitte verhindern bestehende Restriktionen (bestehende Siedlungen, Bundeswasserstraße etc.) eine Rückführung in einen nahezu voll funktionsfähigen Zustand. Dennoch sollte versucht werden, sukzessive vor allem Retentionsräume oder auentypische Lebensräume zu erweitern bzw. zu schaffen und Flächen zu entsiegeln.

Die angesprochenen Gebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Entwicklung von Auenfunktionen" in Karte 4.2 dargestellt.

W 17      Vorhandene Versiegelungen sowie Einschränkungen des Retentionsvermögens in Auenfunktionsräumen der Region Main-Rhön sollen nach Möglichkeit zurückgenommen werden.

     

Angesichts der zunehmenden Abflussverschärfung (Zunahme von Starkregenereignissen, fortschreitende Bodenversiegelung in Einzugsgebieten, Verschlechterung der Wasserrückhaltung in intensiv landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebieten u.a.m.) sollen alle Möglichkeiten genutzt werden, vorhandene Beeinträchtigungen (Versiegelungen, Einschränkungen von Retentionsräumen) zurückzunehmen. Dies können zum Beispiel Entsiegelungen brachgefallener flussnaher Gewerbeflächen, Öffnung oder Zurückverlegung von Deichen oder Anhebung der Gewässersohle außerhalb besiedelter Abschnitte sein.

Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz von Oberflächengewässern

W 18      In Einzugsgebieten von Oberflächengewässern, in denen erosionsgefährdete Gebiete hohe Flächenanteile einnehmen, wie insbesondere in den Einzugsgebieten

  •  der Streu ab Mellrichstadt,
  •  von Mahlbach und Bahra,
  • der Fränkischen Saale oberhalb Bad Neustadt/Saale,
  • der Lauer,
  • der Nassach nördlich Rügheim,
  • von Wern und Schwabbach,
  • des Main südlich Hirschfeld,
  • von Lauter und Laimbach sowie
  • der Baunach südlich Ebern

kommt dem Gewässerschutz durch den Schutz vor Erosion eine besondere Bedeutung zu. Erosionsmindernde Nutzungen und Strukturen sollen erhalten bleiben und neu eingebracht werden. Entlang des Fließgewässersystems besonders gefährdeter Einzugsgebiete sollen Gewässerschutzstreifen vordringlich angelegt werden. Auf eine Verminderung erosionsfördernder Nutzungen bzw. Bewirtschaftungsformen soll hingewirkt werden.

     

Aufgrund hoher Reliefenergie und/oder erosionsempfindlicher Böden besteht in den genannten Gewässereinzugsgebieten eine hohe Gefahr für eine Belastung von Fließgewässern durch Bodenabtrag. Dieser sollte im Hinblick auf ein mittelfristig anzustrebendes Umweltqualitätsziel von 0,15 mg/l Pges (Gesamt-Phosphor) in Gewässern (vgl. Hamm 1991) – bezogen auf den erosionsbürtigen Phosphoreintrag – 2 t/ha*a (bei 100% Ackerbau, bei 50% Ackerbau 4 t/ha*a usw.) nicht überschreiten (PIRKL et al. 1997).

Dieser Gefährdung kann dadurch begegnet werden, dass die Ziele zum Schutz der Böden vor Erosion (siehe Kap. 6.1) konsequent umgesetzt werden und entsprechende Maßnahmen in den angesprochenen Gebieten vordringlich ergriffen werden. Diese bestehen in der Anlage ausreichend breiter Gewässerschutzstreifen (angestrebt werden sollten 10 bis 50 m breite Schutzstreifen), Beibehaltung und Förderung von Wald und Grünlandnutzung (vor allem in Auenfunktionsräumen sowie in Hanglagen > 12% Neigung), Erhalt und Anlage erosionsmindernder Strukturen, Verkürzung der erosionswirksamen Hanglängen, Anbau erosionshemmender Kulturen und – bei ausreichenden Niederschlägen – von Zwischenfrüchten sowie Verwendung geeigneter Untersaaten. In den dargestellten Gebieten kommt der Erhaltung und Reaktivierung auch kleiner Retentionsräume, Feuchtgebiete und Überschwemmungsflächen eine besonders wichtige Bedeutung zu.

Oberflächengewässer mit einem Einzugsgebiet, in dem in größerem Umfang Bodenerosion stattfindet, sind besonders durch Stoffeinträge belastet und deshalb vorrangig zu schützen. Diese Einzugsgebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz von Oberflächengewässern" in Karte 4.2 dargestellt.

W 19      Die Auenfunktionsräume der Fließgewässer in der Region Main-Rhön sollen so genutzt werden, dass eine unmittelbare Beeinträchtigung der Fließgewässer insbesondere bei Hochwasserereignissen so gering wie möglich gehalten wird.

Auenfunktionsräume sollten in den Hochwasserabflussgebieten grundsätzlich als Auwald oder Grünland genutzt werden. Die Beibehaltung bestehender Grünlandnutzung sowie die Umwandlung von Ackerflächen in Grünland soll angestrebt werden. Weiteren Meliorationsmaßnahmen soll entgegengewirkt werden. Auf den Rückbau bestehender Drainagen soll hingewirkt werden.

Wassergefährdende Stoffe sollen nicht in Auenfunktionsräumen gelagert werden.

     

Eingriffe in das Flußregime und Dränierungsmaßnahmen ermöglichen, dass hohe Anteile der Flussaue bis direkt ans Ufer ackerbaulich genutzt werden können. Bei Hochwasser werden in Talauen Flächen, die im Überschwemmungsbereich eines Fließgewässers liegen, von Wasser überströmt. Hierdurch kann Oberflächenwasser direkt mit Schad- und Nährstoffen belastet werden. Zusätzlich können Bodenpartikel und daran haftende Pflanzenschutz- und Düngemittel eingetragen werden, die zur Eutrophierung und Verschlechterung der Gewässergüte führen. Hierdurch kommt es zu erhöhten Gewässerbelastungen. Weitere Grünlandumbrüche und Drainierungsmaßnahmen sollen deshalb nicht mehr erfolgen. Durch Auflassen bestehender Drainagen kann der ehemalige Grundwasserhaushalt wiederhergestellt werden. Langfristig soll durch Bewirtschaftungsvereinbarungen und Aufklärungsarbeit eine Rückumwandlung ackerbaulich genutzter Flächen in Grünland gefördert werden. Durch entsprechende Fördermaßnahmen sollte darüber hinaus eine extensive Grünlandnutzung angestrebt werden.

Durch unsachgemäße Lagerung wassergefährdender Stoffe und Lagerung organischer Dünger und Silage besteht die Gefahr, dass bei Überschwemmungen Schadstoffe in hoher Konzentration ins Gewässer gelangen und die dort lebenden Gewässerorganismen vergiften. Um Unfällen vorzubeugen, soll deshalb keine Lagerung wassergefährdender Stoffe im Überschwemmungsbereich erfolgen.

Auenfunktionsräume sind daher als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz von Oberflächengewässern" in Karte 4.2 dargestellt.


 

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