6.3 Ziele Luft/Klima

Allgemeine Ziele

Für die Region Main-Rhön gelten insbesondere die nachfolgend dargestellten Ziele zum Schutz von Luft und Klima:

K 1         Bei der Inanspruchnahme von Flächen für Bebauung und Verkehr sollen in der Region Main-Rhön Beeinträchtigungen lokalklimatischer Ausgleichsleistungen, besonders der Luftaustauschbedingungen, vermieden werden. Nutzungen mit hohen Emissionen sollen in der Region Main-Rhön grundsätzlich nicht in klimaökologischen Ausgleichsräumen bzw. geländeklimatisch ungünstigen Lagen angesiedelt werden.

Bei Nutzungsänderungen soll darauf geachtet werden, dass frischluft- oder kaltluftproduzierende Flächen und Frischluft- bzw. Kaltluft-Transportgebiete erhalten bleiben und in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt werden. So sollten Baumaßnahmen, die Beeinträchtigungen dieser Funktionen zur Folge haben könnten (z.B. aufgeschüttete Dämme infolge von Straßenbaumaßnahmen, großdimensionierte Baukörper, Aufforstungen), möglichst unterbleiben und es soll darauf geachtet werden, dass durch großflächige Bebauung und Ansiedlung von Gewerbebetrieben keine neuen lufthygienischen Belastungsräume entstehen.

K 2         Gering belastete Luft soll in der Region Main-Rhön durch Vermeidung von Luftverunreinigungen gesichert bzw. durch Verminderung von Luftverunreinigungen angestrebt werden.

Infolge vielfacher menschlicher Aktivitäten und damit einhergehender Emissionen sind Gebiete mit wenig beeinflusster Luftqualität nur noch sehr selten vorhanden. Sie bedürfen besonderer Schutzmaßnahmen, um ihre Luftqualität auch zukünftig zu sichern. Darüber hinaus sollten in Gebieten mit gegenüber natürlichen Verhältnissen erhöhten Luftschadstoffkonzentrationen mittel- bis langfristig Gehalte angestrebt werden, die das Überleben auch empfindlicher und sehr empfindlicher Organismen gewährleisten. Neben den Immissions- und Schwellenwerten der 22. und 23. BImSchV sollten daher weitergehende, am Vorsorgeprinzip orientierte Leitwerte zum Schutz sehr empfindlicher Organismen aus der Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht überschritten werden (WHO 1987, GUDERIAN et al. 1989; UBA 1993).

K 3         Vegetationsbestände, die aufgrund ihrer Struktur und räumlichen Lage zur Luftregeneration beitragen, sollen in der Region Main-Rhön erhalten werden.

In der Nähe von Siedlungen gelegene Wälder, Streuobstbestände, Wiesen in Talräumen sowie Hecken und Feldgehölze, aber auch Brachflächen tragen vor allem auf lokaler Ebene zum Frischluftaustausch oder zur Auskämmung von Schadstoffen bei, so dass sie wesentliche Funktionen für einen ausgeglichenen Klimahaushalt erfüllen und daher entsprechend gesichert werden sollten.

K 4         Großflächige Wälder sollen in ihrer Ausdehnung als wichtige Frischluftentstehungsgebiete und wärmeklimatische Ausgleichsräume in der Region Main-Rhön geschlossen erhalten werden. Zur Aufrechterhaltung dieser Funktionen sollen sowohl überregionale als auch aus der Region stammende Emissionen reduziert werden.

Wälder von mehreren hundert Hektar Ausdehnung bilden wichtige, regional bedeutsame Gebiete für die Entstehung von Frischluft und den klimatischen Wärmeausgleich. Sie binden Schadgase, insbesondere aber Staub und Aerosole und dämpfen Temperaturextreme. Da die Wälder durch ihre Filterwirkung selbst geschädigt werden können, sollen zum einen zusätzliche Eingriffe durch größere Infrastrukturmaßnahmen vermieden werden, vor allem sollen aber sowohl überregionale als auch aus der Region stammende Emissionen (wie Stickstoffverbindungen aus Landwirtschaft und Verkehr) reduziert werden, um die atmosphärischen Schadstoffdepositionsraten zu verringern.

K 5         Die günstige Situation in Siedlungsgebieten mit geringer lufthygienischer und wärmeklimatischer Belastung soll in der Region Main-Rhön erhalten werden. Lokal auftretende Belastungen sollen reduziert werden.

In den durch Wohnbebauung geprägten Gebieten ("Siedlungsgebiete, in denen der Erhaltung der bioklimatischen Situation eine allgemeine Bedeutung zukommt", siehe Karte 4.1) treten in der Regel keine bedenklichen Belastungserscheinungen auf. Lokal können aber durch emittierendes Gewerbe erhöhte Belastungssituationen bestehen.

Als Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung von lufthygienischen und wärmeklimatischen Belastungen sind zu nennen:

  • Vermeidung weiterer Oberflächenversiegelung durch bauliche Anlagen,
  • Erhaltung von Verdunstungsflächen zur Regulation von Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit,
  • flächensparende Errichtung neuer Verkehrswege.
Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Sicherung des Kalt- und Frischlufttransportes

K 6 Talräume,

  •  die hohe Waldanteile aufweisen,
  •  eine Ausdehnung von mehreren hundert Hektar besitzen und
  •   durch ihre Lage und Form einem großen Siedlungsgebiet (in der Regel Mittelzentrum oder größer) in besonderer Weise Kalt- und Frischluft zuführen können

wie das Brendtal, das Maintal sowie das Werntal südwestlich Schweinfurt, kommt aufgrund ihrer sehr hohen Ausgleichswirkung eine hervorragende Bedeutung für die lufthygienische Situation in angrenzenden Siedlungsgebieten zu. Diese Gebiete sollen in ihren besonderen Funktionen erhalten und gesichert werden. Eine Ansiedlung emittierenden Gewerbes oder von Großemittenten soll grundsätzlich nicht erfolgen. Bestehende Emissionen in diesen Gebieten sollen vermindert werden.

 

Die genannten Gebiete werden als "Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Sicherung des Kalt- und Frischlufttransportes" in Karte 4.1 dargestellt.
Das Brendtal mit seinem grünlandreichen Einzugsgebiet besitzt als Kaltlufttransportbahn eine herausragende klimatische Ausgleichsfunktion für Bad Neustadt/Saale.
Das hinsichtlich der Hauptwindrichtung günstig zugeordnete Maintal südwestlich Schweinfurt leistet mit seinem Einzugsgebiet eine unverzichtbare Frischluftproduktions- und -transportfunktion für das klimatisch belastete Industriezentrum Schweinfurt.
Die genannten Gebiete sollen in ihrer Größe erhalten und gesichert werden. Eine Beeinträchtigung durch Emissionen oder großflächige Bebauung soll nicht erfolgen, da diese sich hier besonders nachhaltig auf die lufthygienische Situation der Siedlungen auswirken. Sofern andere Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht entgegenstehen, soll nach Möglichkeit der Waldanteil dieser Gebiete erhöht werden.

Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Sicherung des Frischlufttransportes

K 7         Frischlufttransportbahnen mit besonderer lufthygienischer Ausgleichsleistung, insbesondere

  • das Sinntal südwestlich Bad Brückenau,
  • das Tal der Fränkischen Saale westlich Hammelburg und zwischen Kleineibstadt und Bad Königshofen
  • das Tal der Preppach westlich Ebern
  • das Maintal zwischen Gädheim und Eltmann
  • sollen erhalten und gesichert werden.
 

Freiräume, insbesondere Talräume, die bezogen auf die Siedlungsgebiete in der Hauptwindrichtung liegen, bilden für diese wichtige Frischluftschneisen. Sie sollen deshalb als weitgehend unbebaute Räume erhalten werden. Eine Ansiedlung von Nutzungen mit hohen Luftschadstoff-Emissionen soll nicht erfolgen.

Die betroffenen Gebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Sicherung des Frischlufttransportes" in Karte 4.1 dargestellt.

In der Region Main-Rhön weisen die o.g. Täler eine entsprechende Bedeutung auf.

Gebiete mit besonderer Bedeutung als Kaltluftentstehungsgebiete für regional bedeutsame Kaltlufttransportbahnen

K 8         Landschaftsteile in Kaltlufteinzugsgebieten, die Kaltlufttransportbahnen mit hervorragender Bedeutung, insbesondere dem Brendtal, Kaltluft zuführen, sind von besonderer Bedeutung für den klimatischen Ausgleich. Die Nutzungen in diesen Kaltluftentstehungsgebieten sollen deren Wärmeausgleichsfunktion Rechnung tragen.  

Für die Wärmeausgleichsfunktion förderlich sind Nutzungen, die die Kaltluftproduktion erhöhen und den Abfluss der Kaltluft ermöglichen. Am leistungsfähigsten sind diesbezüglich landwirtschaftliche Nutzflächen, auf denen hohe Temperaturdifferenzen erzeugt werden, welche die Luftzirkulation in Gang setzen und einen guten Luftmassentransport ermöglichen (MARKS et al. 1983).
Werden Flächen überbaut, so bedeutet dies eine Verkleinerung des klimatischen Wirkungsraumes. Sollten landwirtschaftliche Nutzflächen brachfallen, ist daher sicherzustellen, dass kaltluftproduzierende Flächen nicht wesentlich verkleinert oder zerstückelt werden und das Abfließen von Kaltluft nicht beeinträchtigt bzw. verhindert wird. Grundsätzlich sollen solche Nutzungsänderungen gefördert werden, die die klimatische Ausgleichsfunktion verbessern und den klimatischen Ausgleichsraum vergrößern (vgl. BRBS 1978).

Die betreffenden Gebiete werden als „Gebiete mit besonderer Bedeutung als Kaltluftentstehungsgebiet für regional bedeutsame Kaltlufttransportbahnen“ in Karte 4.1 dargestellt.

 

Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Klimaschutz - Wälder


K 9         In der Region Main-Rhön sollen insbesondere folgende großflächigen Wälder als Frischluftentstehungsgebiete erhalten und vor Belastungen geschützt werden:

  • Römershager Forst
  • Wechterswinkeler Forst
  • Burgwallbacher Forst
  • Steinacher Forst (beiderseits der Saale)
  • Klauswald (Nord und Süd)
  • Euersdorfer Forst
  • Waldgebiet östlich Bad Bocklet
  • Waldgebiete östlich Bad Kissingen
  • Waldgebiet nördlich Schweinfurt zwischen Hambach und Mainberg
  • Wald nördlich Schwebheim und Spitalholz
  • Waldgebiete „Seeschlag“ und „Schaubholz“ westlich Haßfurt
  • Waldgebiete „Altach“ und „Messelau“ südlich Haßfurt
  • Waldgebiet „Haßwald“ (Nord und Süd)
  • Waldgebiete in der Umgebung von Ebern.
 

Bei den aufgeführten Wäldern handelt es sich meist um großflächige Waldgebiete in der Region Main-Rhön. Als wichtige Frischluftentstehungsgebiete und teilweise wärmeklimatische Ausgleichsräume (siehe K 10) soll ihnen ein besonderer Schutz zukommen. Insbesondere sollen die dargestellten Wälder in ihrer Fläche nicht verkleinert, durch Straßen, Freileitungen oder Ver- und Entsorgungstrassen weiter zerschnitten und hierdurch in ihrer klimatischen Ausgleichsfunktion beeinträchtigt werden.

Diese Wälder sind in Karte 4.1 als "Wälder mit besonderer Bedeutung für den regionalen Klimaschutz" dargestellt.

K 10       Wälder, die aufgrund ihrer Größe und Zuordnung zu besiedelten Gebieten eine besondere Bedeutung für deren Klimaschutz aufweisen, z.B. die Wälder westlich Bad Kissingen oder nördlich Schweinfurt, sollen in ihrer Fläche erhalten bleiben. Bei der Bewirtschaftung soll darauf geachtet werden, dass sie ihre Funktion möglichst optimal erfüllen können.      

Regionaler Klimaschutzwald verbessert das Klima benachbarter Siedlungsbereiche und Freiflächen durch Luftaustausch.
Im Sommer fördern große Waldflächen den nächtlichen horizontalen Luftaustausch: Während in den aufgeheizten Städten die mit Staub und Schadgasen angereicherte warme Luft noch aufsteigt, strömt von den umliegenden Wäldern kühle, mit Sauerstoff und Wasserdampf angereicherte, weitgehend staubfreie Luft in die Siedlungsräume. Dieser horizontale Luftaustausch ist umso wirksamer, je stärker sich Temperaturunterschiede in benachbarten Gebieten ausbilden können. Dies ist in besonderem Maße der Fall, wenn in Stadtnähe relativ große, zusammenhängende Waldgebiete erhalten sind.

Zu dieser Kategorie gehören stadtnahe Wälder der in Karte 4.1 dargestellten "Wälder mit besonderer Bedeutung für den regionalen Klimaschutz", z.B. die Wälder westlich Bad Kissingen oder nördlich Schweinfurt.

 

Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Verbesserung der bioklimatischen Situation in Siedlungsgebieten

K 11       In Siedlungsgebieten und Industriegebieten mit einer Ausdehnung von über 50 Hektar, insbesondere in der Schweinfurter Innenstadt sowie in den Industriegebieten in Mellrichstadt, Bad Neustadt/Saale, zwischen Niederlauer und Salz, nördlich Albertshausen, in Gerolzhofen und im Maintal (Schweinfurt, Sennfeld, Schwebheim, Gochsheim, Haßfurt, Knetzgau, Zeil, Ebelsbach/Eltmann) kommt der Verbesserung der bioklimatischen Situation eine besondere Bedeutung zu.  

Die angesprochenen Gebiete werden als "Siedlungsgebiete, in denen der Verbesserung der bioklimatischen Situation eine besondere Bedeutung zukommt" in Karte 4.1 dargestellt.

Als Maßnahmen zur Verbesserung der bioklimatischen Situation können u.a. dienen:

  • Entwicklung zusammenhängender Grün- und Freiflächensysteme,
  • Rückbau vermeidbarer Oberflächenversiegelung,
  • Förderung von Dach-, Wand- und Innenhofbegrünung.
K 12       Insbesondere in Siedlungsgebieten und Industriegebieten mit einer Ausdehnung von über 50 Hektar wie in der Schweinfurter Innenstadt sowie den Industriegebieten in Mellrichstadt, Bad Neustadt/Saale, zwischen Niederlauer und Salz, nördlich Albertshausen, in Gerolzhofen und im Maintal (Schweinfurt, Sennfeld, Schwebheim, Gochsheim, Haßfurt, Knetzgau, Zeil, Ebelsbach/Eltmann) soll der Schadstoffausstoß aus Industrie, Gewerbe, Verkehr und Haushalten durch Maßnahmen an der Quelle so weit wie möglich reduziert werden.  

Da durch die genannten menschlichen Nutzungen vielfältige Emissionen mit verschiedenen Folgewirkungen entstehen (neuartige Waldschäden, Atemwegserkrankungen, Korrosion und Verwitterung an Gebäuden u.a.m.), soll durch eine Vielzahl von Maßnahmen versucht werden, diese Emissionen zu verringern und die lufthygienischen Verhältnisse zu verbessern.

Dazu gehören u.a.:

  • Verzicht auf die Ansiedlung von emittierendem Gewerbe in immissionsträchtigen Gebieten (z.B. Kessellagen)
  • Förderung emissionsarmer Produktionsverfahren
  • Ausschöpfung vorhandener Energieeinsparpotenziale
  • Förderung regenerativer Energien und emissionsärmerer Brennstoffe (z.B. Gas, Fernwärme)
  • Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs.

 

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