6.3 Ziele Luft/Klima


Ziele für einzelne --> Teilräume

Im folgenden werden insbesondere für die Gebiete mit hervorragender und besonderer Bedeutung gebietsspezifische Ziele für klimatische Ausgleichsleistungen genannt.

Diese Ziele sprechen auf bestimmte Landschaftsteile beschränkte Sachverhalte an. Die Ziffern vor den Zieltexten stellen den Bezug zu der Zielkarte Boden - Luft/Klima (Karte 4.1) her. Die Zieltexte sind zur besseren Übersicht nach Gruppen naturräumlicher Haupteinheiten geordnet. Bei Teilraumzielen, die Gebiete von hervorragender Bedeutung betreffen, sind die Zielgebietsnummern durch Unterstreichung hervorgehoben.

 

Osthessisches Bergland (35)
(Hohe Rhön - 354,
Vorder- und Kuppenrhön - 353)

 

 

K 35.1

Die größeren Bachtäler der Hohen Rhön und der Vorder- und Kuppenrhön wie z.B. das Streu-, Brend- oder Elsbachtal sollen als Austauschräume für Kaltluft erhalten und vor weiteren Beeinträchtigungen ihrer klimatischen Ausgleichsfunktion bewahrt werden. Insbesondere sollen diese Talräume nicht weiter verbaut werden.

     

Viele größere Bachtäler der Hohen Rhön sowie der Vorder- und Kuppenrhön weisen auf Grund ihres stark reliefierten, siedlungsarmen Einzugsgebiets und ihres Talgefälles eine wichtige klimatische Ausgleichsfunktion für angrenzende Ortschaften auf. Während das Sulztal und das Tal der Kleinen Sinn in ihrem Kaltlufttransport kaum beeinträchtigt sind, ist dieser im Streutal, im Elsbachtal und im Brendtal durch Verbauung der Talräume stellenweise unterbrochen bzw. beeinträchtigt (siehe Karten 1.3, 3.1).

Auf Grund der grundsätzlichen Bedeutung der klimatischen Ausgleichsfunktion und der regional gesehen geringen Anzahl von Tälern mit Kaltluftabfluss sollen keine weiteren Beeinträchtigungen dieser Funktion durch bauliche Maßnahmen oder Aufforstung erfolgen.

K 35.2

Als wichtige Frischlufttransportbahn für die Kurstadt Bad Brückenau soll das Sinntal südwestlich von Bad Brückenau von weiterer Bebauung freigehalten werden.

     

Das in einer waldreichen Umgebung liegende, überwiegend grünlandgenutzte Sinntal führt der Kur- und Bäderstadt Bad Brückenau aus südwestlicher Richtung Frischluft zu. Diese grundsätzlich bedeutsame, jedoch für Kurorte besonders wichtige Funktion soll durch etwaige Bebauungen im Sinntal südwestlich Bad Brückenau nicht geschmälert werden.

K 35.3

In Bad Brückenau sollenzur Förderung der Durchlüftung Grünzüge und Freiflächen erhalten und entwickelt werden.

     

Die Kur- und Bäderstadt erreicht eine Flächenausdehnung, bei der wärmeklimatische Belastungssituationen bereits häufiger auftreten können. Aus Vorsorgegründen soll deshalb bei der Stadtentwicklung auf die Erhaltung ausreichender innerstädtischer Freiflächen geachtet und die Durchlüftung gewährleistet werden. Hierzu sollen insbesondere noch bebauungsfreie Talgründe erhalten und vor allem in Tallagen städtische Freiflächen geschaffen werden, die neben ihrer Erholungsfunktion wichtige klimatische Ausgleichsfunktionen übernehmen.

 

Spessart, Südrhön (14)
(Südrhön – 140)

 

 

 


K 14.1

Die kaltlufttransportierenden Täler der Südrhön wie z.B. das Brend-, Kellersbach- oder Thulbatal sollen als klimatische Austauschräume erhalten und vor weiteren Beeinträchtigungen ihrer klimatischen Ausgleichsfunktion bewahrt werden. Insbesondere sollen diese Talräume nicht weiter verbaut werden.

     

Viele größere Bachtäler der Südrhön weisen auf Grund ihres stark reliefierten, siedlungsarmen Einzugsgebiets und ihres Talgefälles eine wichtige klimatische Ausgleichsfunktion für angrenzende Ortschaften (vor allem Mittelzentrum und Kurstadt Bad Neustadt/Saale) auf. Während das Elsbachtal (in der Südrhön) und das Kellersbachtal in ihrem Kaltlufttransport kaum beeinträchtigt sind, ist dieser im Brendtal, im Aschachtal und im Thulbatal durch Verbauung der Talräume stellenweise unterbrochen bzw. beeinträchtigt (siehe Karten 1.3, 3.1).
Auf Grund der grundsätzlichen Bedeutung der klimatischen Ausgleichsfunktion und der regional gesehen geringen Anzahl von Tälern mit Kaltluftabfluss sollen keine weiteren Beeinträchtigungen dieser Funktion durch bauliche Maßnahmen oder Aufforstung erfolgen.

K 14.2

Als wichtige Frischlufttransportbahn für die Kurstadt Bad Brückenau soll das Sinntal südwestlich von Bad Brückenau von weiterer Bebauung freigehalten werden.

     

räumliche Fortsetzung von Ziel K 35.2, Begründung siehe dort

K 14.3

Als wichtige Frischlufttransportbahn für das Mittelzentrum Hammelburg soll das Tal der Fränkischen Saale westlich von Hammelburg von weiterer Bebauung freigehalten werden.

     

Das überwiegend grünlandgenutzte Tal der Fränkischen Saale führt der Stadt Hammelburg aus westlicher Richtung Frischluft zu. Diese aus stadtklimatischen Gründen grundsätzlich bedeutsame Funktion soll durch etwaige Bebauungen im Saaletal westlich Hammelburg nicht geschmälert werden.

K 14.4

Im Tal der Fränkischen Saale zwischen Heustreu und Elfershausen, im Thulbatal unterhalb Thulba, im Lauertal unterhalb Münnerstadt sowie im Schondratal sollen möglichst keine emittierenden Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt werden.

     

Die genannten Talabschnitte sind luftaustauscharme Räume, da sie hier vorwiegend in Nord-Süd-Richtung verlaufen. In Strahlungsnächten fließt zudem von den angrenzenden Hängen Kaltluft in diese Täler und führt häufig zu Inversionen, bei denen ein Luftaustausch zusätzlich erschwert ist
Die in dem Talabschnitt der Fränkischen Saale liegenden Kurorte Bad Neustadt/Saale und Bad Kissingen verstärken den Bedarf an möglichst unbelasteter Luft zusätzlich.

K 14.5

In Bad Neustadt/Saale, Bad Kissingen und Hammelburg sollen zur Förderung der Durchlüftung Grünzüge und Freiflächen erhalten und entwickelt werden.

     

Diese mittelzentralen Orte erreichen eine Flächenausdehnung, bei der wärmeklimatische Belastungssituationen bereits häufiger auftreten können. Aus Vorsorgegründen soll deshalb bei der Stadtentwicklung der Mittelzentren auf die Erhaltung ausreichender innerstädtischer Freiflächen geachtet und die Durchlüftung der Städte gewährleistet werden. Hierzu sollen insbesondere noch bebauungsfreie Talgründe erhalten und vor allem in Tallagen und Hangmulden städtische Freiflächen geschaffen werden, die neben ihrer Erholungsfunktion wichtige klimatische Ausgleichsfunktionen übernehmen.

 

Mainfränkische Platten (13)

(Grabfeldgau – 138,
Wern-Lauer-Platten – 135,
Gäuplatten im Maindreieck – 134, SchweinfurterBecken – 136,
Hesselbacher Waldland - 139
Steigerwaldvorland – 137, Maintal)

 

K 13.1

Das Tal der Streu oberhalb Stockheim soll als Austauschraum für Kaltluft erhalten und vor weiteren Beeinträchtigungen seiner klimatischen Ausgleichsfunktion bewahrt werden. Insbesondere soll dieser Talraum nicht weiter verbaut werden.

     

Das Tal der Streu weist bis Stockheim auf Grund seines stark reliefierten, siedlungsarmen Einzugsgebiets und seines Gefälles eine wichtige klimatische Ausgleichsfunktion für angrenzende Ortschaften auf (siehe Karte 1.3).

Auf Grund der grundsätzlichen Bedeutung der klimatischen Ausgleichsfunktion und der regional gesehen geringen Anzahl von Tälern mit Kaltluftabfluss sollen keine weiteren Beeinträchtigungen dieser Funktion – wie bereits in oberhalb liegenden Abschnitten des Streutals geschehen – durch bauliche Maßnahmen oder Aufforstung erfolgen.

K 13.2

Als wichtige Frischlufttransportbahn für das Oberzentrum Schweinfurt soll das Werntal zwischen Schnackenwerth und Schweinfurt mit seiner Umgebung von weiterer Bebauung freigehalten werden.

     

Das südwestlich Schweinfurt liegende, hinsichtlich der Hauptwindrichtung günstig zugeordnete Werntal leistet mit seiner Umgebung, die eine für den Verdichtungsraum Schweinfurt noch relativ geringe Überbauung aufweist, eine wichtige Frischluftproduktions- und -transportfunktion für das westliche Stadtgebiet Schweinfurt. Diese aus stadtklimatischen Gründen grundsätzlich bedeutsame Funktion soll durch weitere Bebauungen nicht geschmälert werden, zumal die in Bau befindliche BAB A71 das Werntal gerade in diesem Bereich durchquert und damit diese Funktion beeinträchtigt.

K 13.3

Als wichtige Frischlufttransportbahn für das Oberzentrum Schweinfurt und das Mittelzentrum Haßfurt soll das Maintal südwestlich Schweinfurt sowie westlich Haßfurt von weiterer Bebauung freigehalten werden.

     

Das hinsichtlich der Hauptwindrichtung günstig zugeordnete Maintal südwestlich Schweinfurt leistet mit seinem Einzugsgebiet, das eine für den Verdichtungsraum Schweinfurt noch relativ geringe Überbauung aufweist, eine unverzichtbare Frischluftproduktions- und -transportfunktion für das klimatisch belastete Industriezentrum Schweinfurt. Auch für die Stadt Haßfurt bildet das Maintal aus denselben Gründen einen herausragenden Frischluftlieferanten.
Diese aus stadtklimatischen Gründen grundsätzlich bedeutsame Funktion soll durch weitere Bebauungen nicht geschmälert werden.

K 13.4

Im Raum Schweinfurt sollen aus stadtklimatischen Gründen Grünzüge und größere Grün- und Freiflächen nicht in ihrer Flächenausdehnung geschmälert oder durch bauliche Maßnahmen in ihren Funktionen beeinträchtigt werden. Durch Optimierung und Weiterentwicklung soll das Freiflächennetz verbessert werden.

     

Wegen des häufigen Auftretens von Inversionen, der hohen bioklimatischen Wärmebelastung (Schwüle, Lufttrockenheit) und den vergleichsweise hohen Emissionen aus Haushalt, Verkehr und Industrie kommt in Schweinfurt der Erhaltung und Förderung einer ausreichenden Frisch- und Kaltluftversorgung ganz besondere Bedeutung zu. Hier erfüllen folgende innerstädtische Grünzüge wichtige stadtklimatische Ausgleichsleistungen:

  • Maintal,
  • Werntal

sowie die aus den nördlichen Waldgebieten in die Stadt reichenden Täler mit ihren waldreichen Einzugsgebieten von

  • Steingraben/Marienbach,
  • Zeller Grundbach,
  • Höllenbach.

Diese sollen deshalb ungeschmälert erhalten werden. Durch die Optimierung und weitere Entwicklung durchgehender Grünflächen und Grünschneisen mit Anschluss an die freie Landschaft sollen diese Funktionen zukünftig weiter gefördert und verbessert werden.

K 13.5

Die Luftqualität in den Talräumen des Main bei Schweinfurt und der Wern zwischen Schnackenwerth und Schweinfurt soll erhalten und möglichst weiter verbessert werden.

 

Durch die Anhäufung von Siedlungen, Verkehr, Industrie und Gewerbe ist der Raum Schweinfurt anfällig für Belastungen mit Luftschadstoffen. Dies gilt besonders an windarmen Tagen und bei Inversionslagen.

Das Maintal im Raum Schweinfurt, insbesondere süd-südwestlich Schweinfurt, sowie das Werntal südwestlich Schweinfurt erfüllen eine wichtige Ausgleichsfunktion als Zustromgebiet gering belasteter Luft. Deshalb soll Maßnahmen entgegengewirkt werden, die dort einen Anstieg der Luftbelastung verursachen würden, zumal durch die in Bau befindliche BAB A 71, die das Werntal gerade in dem o.g. Abschnitt durchquert, die Luftqualität bereits gemindert wird. Wo möglich, soll durch Vergrößerung des Waldanteils ein Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität geleistet werden. Auch die Förderung energiesparender Bauweisen und verkehrsmindernde Erschließungsmaßnahmen sollen zur Erhaltung und Verbesserung der Luftqualität beitragen.

K 13.6

In Haßfurt und Gerolzhofen sollen zur Förderung der Durchlüftung Grünzüge und Freiflächen erhalten und entwickelt werden.

 

Diese mittelzentralen Orte erreichen eine Flächenausdehnung, bei der wärmeklimatische Belastungssituationen bereits häufiger auftreten können. Aus Vorsorgegründen soll deshalb bei der Stadtentwicklung der Mittelzentren auf die Erhaltung ausreichender innerstädtischer Freiflächen geachtet und die Durchlüftung der Städte gewährleistet werden. Hierzu sollen insbesondere noch bebauungsfreie Talgründe und Freiflächen erhalten und vor allem in Tallagen städtische Freiflächen geschaffen werden, die neben ihrer Erholungsfunktion wichtige klimatische Ausgleichsfunktionen übernehmen.

K 13.7

Im Tal der Streu unterhalb Stockheim, im Tal der Lauer unterhalb Maßbach, im Werntal oberhalb Schweinfurt, im Nassachtal und im Maintal unterhalb Garstadt sollen möglichst keine emittierenden Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt werden.

     

Die genannten Talabschnitte sind luftaustauscharme Räume, da sie hier vorwiegend in Nord-Süd-Richtung verlaufen. In Strahlungsnächten fließt zudem von den angrenzenden Hängen Kaltluft in diese Täler und führt häufig zu Inversionen, bei denen ein Luftaustausch zusätzlich erschwert ist.

K 13.8

Die Luftqualität in den strukturarmen Gebieten der Gäuplatten, des Schweinfurter Beckens und des Steigerwaldvorlands soll durch die gezielte Anlage von Vegetationsstrukturen möglichst weiter verbessert werden. Auf den Gäuplatten und dem westlichen Schweinfurter Becken ist hierzu auch eine Erhöhung des Waldanteils anzustreben.

 

Insbesondere in sommerlichen Trockenperioden kommt es vor allem in den genannten Gebieten bei entsprechenden Wetterlagen zu erheblicher Luftbelastung durch Staubentwicklung. Diese führt wegen des Fehlens schützender Strukturen in der Landschaft, aber oft auch in Ortsrandbereichen, zu ungünstigen lufthygienischen Bedingungen für die dortige Bevölkerung.
Durch die gezielte Anlage von Hecken oder Feldgehölzen in der Landschaft und/oder durch die Verbesserung der Ortseingrünung könnte eine deutliche Verbesserung der lufthygienischen Bedingungen im Wohnumfeld der genannten Gebiete erfolgen. Insbesondere auf den Gäuplatten und dem westlichen Schweinfurter Becken würde eine Erhöhung des Waldanteils eine klimatische und lufthygienische Verbesserung bewirken.

 

Fränkisches Keuper-Lias-Land (11)

(Steigerwald - 115, Haßberge – 116,
Itz-Baunach-Hügelland - 117)

 



K 11.1

Die kaltlufttransportierenden Täler der Haßberge und des Steigerwalds wie z.B. das Eichelbach- oder Ebelsbachtal sollen als klimatische Austauschräume erhalten und vor weiteren Beeinträchtigungen ihrer klimatischen Ausgleichsfunktion bewahrt werden. Insbesondere sollen diese Talräume nicht weiter verbaut werden.

     

Diese Täler weisen auf Grund ihres stark reliefierten, siedlungsarmen Einzugsgebiete und ihres Gefälles eine wichtige klimatische Ausgleichsfunktion für angrenzende Ortschaften auf. Während die betreffenden Täler des Steigerwalds in ihrem Kaltlufttransport kaum beeinträchtigt sind, ist dieser im Eichelbach- und Ebelsbachtal durch Verbauung der Talräume stellenweise unterbrochen bzw. beeinträchtigt (siehe Karten 1.3, 3.1).
Auf Grund der grundsätzlichen Bedeutung der klimatischen Ausgleichsfunktion und der regional gesehen geringen Anzahl von Tälern mit Kaltluftabfluss sollen keine weiteren Beeinträchtigungen dieser Funktion durch bauliche Maßnahmen oder Aufforstung erfolgen.

K 11.2

Im Tal der Baunach oberhalb Walchenfeld und unterhalb Frickendorf und im Itztal sollen möglichst keine emittierenden Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt werden.

     

Die genannten Talabschnitte sind luftaustauscharme Räume, da sie hier vorwiegend in Nord-Süd-Richtung verlaufen. In Strahlungsnächten fließt zudem von den angrenzenden Hängen Kaltluft in diese Täler und führt häufig zu Inversionen, bei denen ein Luftaustausch zusätzlich erschwert ist.


 

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