6.4 Ziele Arten und Lebensräume


Ziele für einzelne --> Teilräume

Im folgenden werden für die Gebiete mit hervorragender und besonderer Bedeutung für den Arten und Biotopschutz gebietsspezifische Ziele genannt.

Diese speziellen Ziele sprechen regionsspezifische, auf bestimmte Landschaftsteile beschränkte Erfordernisse an. Die Ziffern vor den Zieltexten stellen den Bezug zur Zielkarte Arten und Lebensräume (Karte 4.3) her. Die Zieltexte sind zur besseren Übersicht nach Gruppen naturräumlicher Haupteinheiten geordnet. Bei Teilraumzielen, die Gebiete von hervorragender Bedeutung betreffen, sind die Zielgebietsnummern durch Unterstreichung hervorgehoben.

Detailliertere Angaben zu Maßnahmen, die aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege für erforderlich gehalten werden, sind im Kap. 7.3 aufgeführt.

Als „Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Sicherung und Entwicklung von Lebensräumen und deren Arten“ werden Landschaftsteile dann eingestuft, wenn ihre Lebensraumqualität aktuell bereits als „überwiegend hoch“ oder „überwiegend sehr hoch“ bewertet werden kann (siehe Karte 1.4) oder, wenn sie sehr günstige Voraussetzungen für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume aufweisen. Eine „besondere Bedeutung“ wird zum einen Gebieten zugesprochen, deren Lebensraumqualität als „überwiegend mittel“ eingestuft ist, und zum anderen auch Gebieten, die zwar ein hohes oder sehr hohes Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume, aber aktuell nur eine „geringe oder sehr geringe Lebensraumqualität“ aufweisen (siehe Karte 1.4).

 

Osthessisches Bergland (35)
(Hohe Rhön - 354, Vorder- und
Kuppenrhön - 353)

 

 

 

 

Gebiete mit hervorragender und besonderer Bedeutung für die Sicherung und Entwicklung von Lebensräumen und deren Arten

A 35.1

Die naturschutzfachlich äußerst wertvollen Gebiete der Hochrhön und der Schwarzen Berge sollen erhalten und weiter optimiert werden. Als Optimierungsziel soll vor allem der Umbau nadelholzdominierter Waldbestände in naturnahe Wälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung angestrebt werden. Ebenso sollen traditionelle Offenlandschaften frei gehalten und die wertvollen Grünlandgesellschaften gefördert werden.  

Das Basaltplateau der Langen Rhön stellt sich als einmalige, vielgestaltige Kulturlandschaft mit einer naturschutzfachlich landesweiten Bedeutung dar. Mit den bestehenden Naturschutzgebieten, insbesondere den großflächigen Schutzgebieten „Lange Rhön“, „Scharzes Moor“, „Gangolfsberg“, „Mühlwiesen im Elsbachtal“, „Sinnquellgebiet und Arnsbergsüdhang“ und „Steinberg und Wein-Berg“ sind große Teile dieser Landschaft naturschutzrechtlich gesichert. Neben einigen Teilgebieten, die der Kernzone des Biosphärenreservats angehören, liegt das gesamte Gebiet in Pflegezone A des Biosphärenreservats Rhön.

Das Gebiet der Schwarzen Berge ist durch großflächiges, vielfältiges Extensivgrünland, naturnahe Wälder sowie naturnahe Quell- und Fließgewässer geprägt und besitzt aus naturschutzfachlicher Sicht landesweite Bedeutung. Mit dem Naturschutzgebiet „Schwarze Berge“ sind große Teile des Gebiets bereits naturschutzrechtlich gesichert. Der überwiegende Teil der waldfreien Gebiete wird von unterschiedlichsten Grünlandgesellschaften geprägt, die durch regelmäßige Mahd und Nachweide mit Rindern entstanden sind (wegen ihrer Großflächigkeit im deutschen Mittelgebirgsraum einmalige Storchschnabel-Goldhaferwiesen). Die Wälder stellen sich zu einem großen Anteil noch als stark überformte Bestände mit hohem Fichtenanteil dar (ein erheblicher Teil der Fichtenreinbestände wurde erst nach dem Krieg aufgeforstet), die sich aber vor allem im Staatsforst bereits im Umbau zu Laub- und Mischwäldern befinden. Aufgrund einiger Besonderheiten in diesen Wäldern, wie z.B. Hohltaube, Rauhfußkauz kommt aber auch ihnen überregionale Bedeutung zu.

Eine bayernweite Besonderheit stellen in diesen Gebieten außerdem die Sonderstandorte auf Basalt dar. Die ausgedehnten Borstgrasrasen gelten sogar als bundesweite Besonderheit. Aktuelle Gefährdungen bestehen vor allem in der Aufgabe der Bewirtschaftung auf den Grenzertragsflächen und in der Intensivierung der Wiesen- und Weidenutzung auf den ertragsgünstigeren Flächen; als Folge droht die Nivellierung der Flächennutzungen und somit der Verlust der Vielfalt. Insbesondere in Gebieten mit anstehendem Buntsandstein und gleichzeitig starker Besitzzersplitterung stellt die Nutzungsaufgabe von Offenlandbiotopen ein großes Problem dar, da auf diesen Standorten die Gehölzsukzession vergleichsweise rasch verläuft. Als wichtigste Ziele gelten neben der Bewahrung der vielfältigen und landesweit einmaligen Kulturlandschaften insbesondere die Erhaltung und Förderung von Feuchtgebieten, trockenen Magerwiesen und großflächigen Borstgrasrasen (vor allem in der Langen Rhön) sowie die Sicherung der seltenen Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer in Bachoberläufen und Quellen. Vor allem die Erhaltung des großflächigen Extensivgrünlandes und der naturnahen Wälder sowie die Extensivierung der forstlichen Nutzung und die Rücknahme jüngerer Aufforstungen stellen wichtige Zielsetzungen dar.

A 35.2

Die vielfältige und extensiv genutzte Kulturlandschaft der Kreuzbergrhön soll erhalten, optimiert und weiter entwickelt werden. Als wichtige Zielsetzung soll die Erhaltung und Pflege der vielfältigen Grünland-, Hecken- und Feuchtgebietskomplexe angestrebt werden. Wälder mit hohem Anteil an Nadelholzreinbeständen sollen in naturnahe Laubwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung überführt werden. Traditionelle Offenlandschaften sollen frei gehalten und gefördert werden. Zur Minderung von Störungen empfindlicher Lebensgemeinschaften soll im Bereich des Kreuzberges eine Lenkung der Erholungsnutzung angestrebt werden.

 

In der Hohen Rhön zeichnet sich das Gebiet um den Kreuzberg durch vielfältige Grünland-, Hecken- und Feuchtgebietskomplexe mit teils landesweiter Bedeutung in einer überwiegend extensiv genutzten und naturschutzfachlich wertvollen Kulturlandschaft aus. Die naturnahen und extensiv genutzten Bereiche nehmen einen hohen Flächenanteil ein, wobei zahlreiche naturschutzfachlich besonders wertvolle Lebensräume angeführt werden können; dazu gehören insbesondere komplexe Feuchtgebiete mit Quellgebieten, Mooren, Streuwiesen, Großseggenrieden, Hochstaudenfluren, Nasswiesen, feuchten Borstgrasrasen und Auwäldern. Daneben kommen naturnahe Quellbäche und Bachoberläufe sowie großflächige Magerrasen und –wiesen vor. Große Teile der Kulturlandschaft weisen kleinstrukturierte Komplexe mit trockenem und feuchtem Extensivgrünland, Magerrasen, kleinflächigen Mooren, Heckenzeilen, Gebüschen, Feldgehölzen und Feuchtwäldern auf. Teils gibt es noch naturnahe Laubwälder. Als Besonderheiten sind des weiteren die offenen Basaltblockhalden mit seltenen Pflanzengesellschaften zu nennen. Wie die Lange Rhön und die Schwarzen Berge weist auch die Kreuzbergrhön sehr seltene und gefährdete Artenvorkommen wie z.B. Birkwild, Raubwürger und Schwarzer Apollo auf.
Allerdings ist im Bereich des Kreuzberges, von dem bislang nur kleine Flächenanteile naturschutzrechtlich gesichert sind, der Fortbestand der bedeutsamen Lebensräume und Arten durch mehrere Nutzungseinflüsse gefährdet. Die vielfältige, teils intensive Erholungsnutzung auf dem Kreuzberg und das damit verbundene hohe Verkehrsaufkommen führen zu Beeinträchtigungen und Störungen. Darüber hinaus bedrohen die Aufgabe der traditionellen Grünland- und Heckennutzung mit nachfolgender Verbrachung, Verbuschung, Wiederbewaldung oder Aufforstung sowie die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung vielerorts die naturnahen und extensiv genutzten Lebensräume.
Neben der Erhaltung und Optimierung der vielfältigen Kulturlandschaft und der naturnahen Laubwälder sollte demnach in diesem Landschaftsraum der Schwerpunkt insbesondere auch auf der Lenkung der Erholungsnutzung und der Förderung extensiver Nutzungsformen liegen.

A 35.3

Die sehr hohe Lebensraumqualität des Truppenübungsplatzes Wildflecken mit seinen überregional bis landesweit bedeutsamen Lebensräumen und Artvorkommen soll erhalten werden.

 

Das Gebiet des Truppenübungsplatzes Wildflecken zeichnet sich durch zahlreiche überregional und landesweit bedeutsame Lebensräume und Arten aus. Von herausragender Bedeutung sind vor allem wertvolle Stillgewässer mit bayernweit bedeutsamen Amphibienvorkommen (z.B. Geburtshelferkröte), bayernweit einmalige Artenvorkommen in Feuchtlebensräumen und seltene Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer und Quellen. Die Grünlandgesellschaften sind im Gegensatz zur Langen Rhön und zu den Schwarzen Bergen kaum dokumentiert. Ehemals großflächige Mähwiesen sind bis auf wenige Reste aufgelassen und der Sukzession überlassen oder durch den militärischen Übungsbetrieb ruderalisiert. Unter den Magerrasen sind sowohl Borstgrasrasen als auch Kalkmagerrasen ausgebildet. Bezüglich der Nasswiesen, Seggenriede und Hochstaudenfluren ist die Situation mit den Verhältnissen in den Schwarzen Bergen vergleichbar; vermehrt treten aber auch Braunseggensümpfe in nassen, vom Muschelkalk unbeeinflussten Senken auf.
Wichtigstes Ziel für das Gebiet ist die Sicherung der bedeutsamen Lebensräume und Artvorkommen. Außerdem sollte eine detailliertere Dokumentation der Pflanzen- und Tierarten vorgenommen werden.

A 35.4

Die hohe Lebensraumqualität der Talräume im Bereich der Oberläufe von Streu, Sulz, Elsbach, Brend und Kellersbach soll erhalten und weiter optimiert werden. Mit hoher Priorität sollen dabei die bayernweit seltenen Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer gesichert und ein durchgängiges Biotopverbundsystem aus naturnahen Gewässer- und Auelebensräumen angestrebt werden.

 

Nahezu allen Oberläufen der genannten Bäche kommt aus naturschutzfachlicher Sicht eine überregionale, teils sogar eine landesweite Bedeutung zu. Die Bäche stellen sich überwiegend als schnell fließende Bergbäche mit steinig-sandigem Untergrund und über weite Strecken naturnahem Lauf und durchgehendem Erlen- und Hochstaudensäumen dar. Die herausragende Wertigkeit begründet sich vor allem auf der Naturnähe der Bachläufe und der bayernweit seltenen Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer (z.B. Vorkommen von Bachneunauge).
In einigen Bach- und Talabschnitten – auch der kleineren Nebenbäche – besteht Handlungsbedarf bezüglich der Optimierung der Gewässergüte und der biologischen Durchgängigkeit; ebenso sollten auetypische Lebensräume gefördert bzw. wiederhergestellt werden.

A 35.5

Die Talauen der Sinn, Kleinen Sinn und Döllau sollen als nahezu durchgängig grünlandgenutze Auen mit naturnahem Fließgewässer und hohem Anteil naturbetonter, auetypischer Lebensräume erhalten und weiter entwickelt werden. Als wichtige Ziele sollen neben der Sicherung der bayernweit seltenen Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer in den Oberläufen auch die Wiederherstellung typischer Auenlebensräume angestrebt werden.

 

Die Täler der Sinn, der Kleinen Sinn und der Döllau in der südlichen Vorder- und Kuppenrhön sind abgesehen von den Verkehrs- und Siedlungsflächen weitgehend grünlandgenutzt und weisen ein Mosaik aus Fettwiesen, Feuchtwiesen, Großseggenriedern und Hochstaudenfluren mit Weidengebüschen auf. Typische und allgemein selten gewordene Arten der Feuchtgebiete wie Bekassine, Braunkehlchen, Sumpfschrecke oder Trollblume sind noch vertreten.
Die Fließgewässer sind hier unterschiedlich stark beeinträchtigt, außerhalb der Siedlungen weisen sie aber oft noch naturnahe Fließstrecken auf. Die hohe Wasserqualität der Oberläufe sowie der meisten Waldbäche ermöglicht das Vorkommen seltener und gefährdeter Arten wie z.B. Feuersalamander und Koppe. Die Döllau als typischer Mittelgebirgs-Wiesenbach stellt sich als weitgehend naturnahes Fließgewässer mit grünlandgenutzter Aue dar, die unterhalb Motten in ein relativ breites Wiesental übergeht. Ansonsten sind die Täler der Sinn, der Kleinen Sinn und der Döllau tief in die Landschaft eingeschnitten und von steilen, stellenweise reich strukturierten Hängen begleitet (siehe Ziel-Nr. A 35.6).
Der Erhaltung, Optimierung und Wiederherstellung von Gewässer- und Feuchtlebensräumen in der Aue kommt in diesen Tälern hohe Bedeutung zu. Insbesondere sollte die extensive Grünlandnutzung gefördert bzw. beibehalten werden. Zur Sicherung der bayernweit seltenen Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer sollte eine Verbesserung der Wasserqualität in einigen Teilstrecken und Nebengewässern angestrebt werden. Ebenso wichtig ist die Erhaltung weitgehend naturnaher Quellen. An einigen Stellen sollte die biologische Durchgängigkeit der Fließgewässer durch Minderung von Barrierewirkungen erhöht werden.

A 35.6

Die hohe Lebensraumqualität der reich strukturierten Hänge des Sinntals und des Kleinen Sinntals soll erhalten und weiter entwickelt werden. Als Entwicklungsziel soll ein möglichst durchgängiges Biotopverbundsystem aus Magerwiesen und -weiden, mageren Säumen und Gehölzstrukturen angestrebt werden.

 

Die steilen Talhänge sind durch strukturreiche Komplexe aus Magerwiesen, mageren Säumen, schmalen Acker- und Grünlandparzellen und zahlreichen Hecken geprägt. Allerdings sind an den Hängen Flächenverluste bei den trockenen Magerwiesen und –weiden zu verzeichnen, die gleichzeitig zu einer Verschlechterung der Verbundsituation auch zu anderen Lebensräumen führen. Deutliche Qualitätseinbußen bedingt neben Umbruch oder Aufforstung (Grenzertragsstandorte) von Flächen auch die intensive Standweide. Nährstoffarme Trockenstandorte halten sich daher oft nur noch als schmale Streifen entlang von Wald- und Wegrändern.
Wichtig sind hier vor allem die Erhaltung und Ergänzung von Hecken, Rainen, Ranken und Magerrasenresten sowie der Verzicht auf Aufforstung. Hohe Priorität kommt dabei dem Wiederaufbau eines durchgängigen Biotopverbundsystems mit vorrangiger Förderung der Magerrasen zu; wesentliche Voraussetzung dafür ist die Gewährleistung einer extensiven Beweidung.

A 35.7

Die strukturreichen Kulturlandschaften und naturschutzfachlich wertvollen Wälder entlang des Streutals und am Südrand der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön im Raum Nordheim, Ostheim und Stockheim sollen erhalten, optimiert und weiter entwickelt werden. Aufgrund des hohen Entwicklungspotenzials für seltene und gefährdete Lebensräume im Bereich des hier anstehenden Wellenkalks soll der Biotopverbund für Trockenstandorte unter Einbeziehung lichter Kiefernwaldbestände (z.B. nördlich von Ostheim) gefördert werden.

 

Die Wälder sind in dieser Landschaft teils nadelholzdominiert (Kiefer), obwohl der Potenziellen Natürlichen Vegetation diverse Buchen-Waldtypen entsprächen; dennoch kommt aber den lichten Kiefernwäldern mit Arten der Kalkmagerrasen und thermophilen Säumen eine große Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz zu. Darüber hinaus gibt es in diesem Gebiet auf Wellenkalk Laubwälder mit hohem Altholzanteil.
Im Bereich der gesamten südlichen Randzone der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön und an den vorgelagerten Hängen zum Streutal kommen zahlreiche, teils überregional bedeutsame Trockenstandorte vor, die als wichtiges Bindeglied zwischen den unterfränkischen und thüringischen Muschelkalktrockenstandorten fungieren. Während Teilflächen naturschutzrechtlich gesichert sind (z.B. Naturschutzgebiet „Weyhershauk“), weisen viele Flächen ein reduziertes Artenpotenzial auf, und die Biotopverbundsituation ist zum Teil suboptimal.
Durch Wiederaufnahme der Schafbeweidung vorrangig an den Streutalhängen sowie die Förderung naturnaher Mischwälder und auch ausgewählter lichter Kiefernwälder sollte diese wichtige Teillandschaft innerhalb des landesweit bedeutsamen Trocken-Biotopverbunds im unterfränkischen Muschelkalkzug erhalten und bezüglich ihrer Lebensraumfunktion optimiert werden.

A 35.8

Die naturschutzfachlich hochwertigen Wälder am Ostanstieg der Langen Rhön sowie im weiteren Umfeld der Schwarzen Berge, des Kreuzbergs und in der südlichen Vorder- und Kuppenrhön sollen erhalten und optimiert werden. Dabei sollen die Wälder mit hohen Anteil an Nadelholzreinbeständen in naturnahe Laubwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung überführt werden.

Großflächige Waldgebiete sollen als große zusammenhängende und möglichst naturnahe Lebensräume mit geringem Zerschneidungsgrad erhalten werden.

Als wichtige Zielsetzung gilt innerhalb dieser Waldgebiete auch die Sicherung der bayernweit seltenen Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer.

     

Der Ostanstieg der Langen Rhön zeichnet sich durch eine vielfältige Kulturlandschaft von landesweiter Bedeutung aus. Auch die Wälder weisen viele bayernweit seltene Besonderheiten auf, wie z.B. naturnahe Buchenwälder auf Basaltblockschutt und tiefgründigen Basaltverwitterungsböden sowie Kalkbuchenwälder auf steileren Hängen; diese Wälder gelten daher als wertvollste Waldgebiete der Rhön. Auch die Hänge der Kreuzbergrhön, weite Gebiete im Umfeld der Schwarzen Berge sowie große Anteile der südlichen Vorder- und Kuppenrhön sind mit naturschutzfachlich bedeutenden, teils sehr großflächigen Wäldern bestockt. Die naturnahen und großflächigen Laubwälder dienen vielen Arten mit großen Arealansprüchen als Lebensraum (z.B. Schwarzspecht, Rauhfußkauz). Einige Bereiche sind jedoch durch nicht standortheimische Nadelwälder geprägt, so dass neben der Erhaltung der naturnahen, wertvollen Bestände eine wichtige Zielsetzung im Umbau von Nadelwäldern in möglichst naturnahe Laubmischwälder zu sehen ist. In diesen sehr waldreichen Gebieten sollte der Wald jedoch nicht auf Kosten der Offenlandbereiche, insbesondere der wertvollen Grünlandbereiche, ausgeweitet werden.

A 35.9

Die Wälder in der Hochrhön, in der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön, zwischen Streutal und nordöstlicher Regionsgrenze (Mellrichstadter Forst, Forst Ostheim v.d. Rhön, Hart) sowie in der südlichen Vorder- und Kuppenrhön (Schluppwald, Mottener Forst, Römershager Forst),denen aufgrund ihrer Lebensraumqualität eine besondere Bedeutung zukommt, sollen erhalten und optimiert werden. Dabei sollen die Wälder mit hohem Anteil an Nadelholzreinbeständen in naturnahe Laubwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung überführt werden.

Großflächige Waldgebiete sollen als große zusammenhängende und möglichst naturnahe Lebensräume mit geringem Zerschneidungsgrad erhalten werden.

     

Im Naturraum würden von Natur aus verschiedene Buchenwaldgesellschaften dominieren, jedoch sind viele Bestände oft stark forstwirtschaftlich überprägt; stellenweise herrschen großflächige Fichtenforste vor (z.B. Hanglangen entlang des Sinntales). In der Bad Brückenauer Kuppenrhön finden sich naturnahe Waldbestände nur noch auf wenigen Basaltkuppen (z.B. Dreistelz, Kreßberg, Mettermich; vgl. Ziel A 35.8) oder kleinflächig in Verbindung mit Schlucht- und Feuchtwäldern an Hängen und in Bachtälern.
Die großen zusammenhängenden Wälder der Vorder- und Kuppenrhön erfüllen für den Arten- und Biotopschutz zahlreiche Funktionen, z.B. sind sie Lebensraum für Waldarten mit großen Arealansprüchen oder für seltene Arten, die an bestimmte seltene Waldgesellschaften oder Waldstrukturen gebunden sind. Außerdem kommt im konkreten Fall die Funktion als wichtiger Biotopverbundkorridor zwischen den Waldgebieten des Spessart und der Rhön hinzu.
Aufgrund der hohen Bedeutung dieser Wälder sollten dringend auch die suboptimalen Bestände im Gebiet zu möglichst naturnahen Lebensräumen weiter entwickelt werden (siehe auch Ziel A 35.8).

A 35.10

Die strukturreichen und vielfältigen Kulturlandschaften am Ostanstieg der Langen Rhön, im Umfeld des Kreuzbergs und in der Vorder- und Kuppenrhön, die sich durch einen hohen Anteil naturschutzfachlich wertvoller Lebensräume und ein hohes Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume auszeichnen, sollen erhalten, optimiert und weiter entwickelt werden.

Als besondere Zielsetzung sollen traditionelle Offenlandschaften frei gehalten und die Vielfalt an teils wertvollen Grünlandgesellschaften erhalten und gefördert werden.

 

Der Ostanstieg der Langen Rhön stellt eine vielfältige Kulturlandschaft von landesweiter Bedeutung dar, die von einem ständigen Wechsel bewaldeter oder grünlandgenutzter Rücken und Hänge sowie tief eingeschnittener Täler geprägt ist. Die geologische, geomorphologische, klimatische und nutzungsgeschichtliche Vielfalt führt zu einem breiten Spektrum an Lebensräumen und Artengemeinschaften. Eine differenziere Mähnutzung und kombinierte Mäh-Weide-Nutzung mit Schafbeweidung (selten Rinder) führten zu einer Vielzahl unterschiedlicher Grünlandtypen: großflächige Hutungen mit Borstgrasrasen auf Basalt und Buntsandstein, Kalkmagerrasen auf Muschelkalk, Pfeifengras-Streuwiesen, Waldstorchnabel-Goldhaferwiesen etc.. Außerdem kommen hier sehr umfangreiche Heckensysteme, kaum beeinflusste Quellgebiete und Quellbäche, naturnahe Wälder, fast vegetationslose Basaltblockfelder und –felsen und damit eine Vielzahl hochgradig gefährdeter Arten vor.
Die offene Kulturlandschaft im Bereich des Ostanstiegs der Langen Rhön, im Umfeld des Kreuzbergs und die übrigen reich strukturierten Gebiete der Vorder- und Kuppenrhön sollen aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung erhalten und entsprechend gepflegt werden. Insbesondere in Gebieten mit anstehendem Buntsandstein und gleichzeitig starker Besitzzersplitterung besteht eine besondere Gefährdung in der Nutzungsaufgabe oder Aufforstung von Offenlandbiotopen, da die Wiesennutzung vielfach aufgegeben wird und die Gehölzsukzession auf diesen Standorten einen besonders raschen Verlauf nimmt.
Ein besonderer Schwerpunkt sollte vor allem auf die Erhaltung und Optimierung der Trockenstandorte auf Wellenkalk – als Teil des landesweit bedeutsamen Trocken-Biotopverbundsystems im unterfränkischen Muschelkalkzug – gelegt werden. In ausgewählten, weitgehend naturnahen Lebensräumen des Naturraums sollte eine ungestörte Entwicklung zugelassen werden. Darüber hinaus sollten mit höchster Priorität aufgelassene Basaltsteinbrüche als relativ ungestörte Komplexlebensräume und die bayernweit seltenen Lebensgemeinschaften oligotropher Fließgewässer in Bachoberläufen und Quellen gesichert werden. Vor allem in der Vorder- und Kuppenrhön sind einige Bach- und Talabschnitte dringend wieder in einen naturnäheren Zustand zu überführen.

A 35.11

Die Kulturlandschaften im Naturraum Hohe Rhön sowie in der Vorder- und Kuppenrhön, denen aufgrund ihrer Biotopausstattung bzw. günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume eine besondere Bedeutung zukommt, sollen erhalten und ausgehend von den benachbarten Gebieten mit hervorragender Bedeutung zu funktionsfähigen Biotopverbundsystemen weiter entwickelt werden. Dies gilt insbesondere für

  • einige wenige Bereiche an der östlichen Naturraumgrenze der Hohen Rhön
  • kleinere Gebiete am Süd- und Ostrand der Schwarzen Berge sowie im Norden, Osten und Süden des Kreuzberges
  • mehrere verstreut liegende Gebiete in der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön, z.B. nördlich Fladungen oder im Einzugsgebiet der Sulz
  • einige Gebiete am Südrand der südlichen Vorder- und Kuppenrhön und im Umfeld von Döllau, Kleiner Sinn und Sinn.
 

Einige wenige Gebiete in den Naturräumen Hohe Rhön sowie Vorder- und Kuppenrhön weisen eine geringere Ausstattung mit naturbetonten Biotopen auf und sind in höherem Maße von intensiven Nutzungsformen geprägt. So sind beispielsweise in der Bad Brückenauer Kuppenrhön viele der großen Feuchtwiesen inzwischen entwässert, aufgedüngt, umgebrochen oder aufgeforstet. Ebenso sind Flächenverluste bei den trockenen Magerrasen und –weiden an den Hängen durch Umbruch, Aufforstung oder intensive Standweide zu verzeichnen, so dass Magerrasen oft nur noch als schmale Streifen am Waldrand oder als kleine Flächen erhalten sind. Die Biotopverbundsituation ist in diesen Gebieten suboptimal, jedoch bestehen noch Ansatzpunkte für eine positive Entwicklung – nicht zuletzt auch aufgrund des hier günstigen räumlichen Bezugs zu Gebieten mit hervorragender Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Insbesondere in Gebieten mit anstehendem Buntsandstein und gleichzeitig starker Besitzzersplitterung besteht außerdem eine besondere Gefährdung in der Nutzungsaufgabe oder Aufforstung von Offenlandbiotopen, da die Wiesennutzung vielfach aufgegeben wird und die Gehölzsukzession auf diesen Standorten einen besonders raschen Verlauf nimmt.

Die Gebiete, denen in der Rhön derzeit hier nur eine besondere Bedeutung zugesprochen werden kann, sollten mit naturnahen Lebensräumen und extensiven Nutzungsformen angereichert werden, um ausgehend von den Gebieten mit hervorragender Bedeutung ein durchgängiges und funktionsfähiges Biotopverbundsystem in einem insgesamt herausragenden Naturraum zu schaffen. Mit besonderem Nachdruck sollte diese Entwicklung vor allem auch aufgrund der Vorbildfunktion von Gebieten im Biosphärenreservat Rhön gefördert werden.


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