6.4 Ziele Arten und Lebensräume

Ziele für einzelne --> Teilräume



Fränkisches Keuper-Lias-Land (11)
(Steigerwald - 115, Haßberge - 116, Itz-Baunach-Hügelland - 117)

 



 

Gebiete mit hervorragender und besonderer Bedeutung für die Sicherung und Entwicklung von Lebensräumen und deren Arten

A 11.1

Die vielfältigen und reich strukturierten Landschaften im Bereich des Steigerwaldtraufs sollen erhalten und zur Optimierung des Biotopverbunds insbesondere für Trockenstandorte und naturnahe Laubwälder weiter entwickelt werden. Mit hoher Priorität sollen traditionell waldfreie Wiesenbereiche und insbesondere Wiesentäler offengehalten werden.

 

Der Steigerwaldtrauf ist geprägt durch einen starken Wechsel von Neigung, Exposition und geologischem Untergrund und entsprechend vielfältigen Standortverhältnissen. Hieraus ergibt sich ein vielfältiges Lebensraumspektrum innerhalb einer teilweise noch extensiv genutzten Kulturlandschaft. Wälder, die überwiegend als Laubmischwälder ausgebildet sind, wechseln sich ab mit offenen, reich gegliederten Feldfluren, Streuobstwiesen, mageren Wiesen und in wärmebegünstigten Lagen mit Weinbergshängen. Naturnahe Wald- und Wiesenbäche zergliedern die Steilstufe, in den Wiesengründen finden sich stellenweise Feuchtwiesen und Teichgruppen.
Einen hohen Stellenwert sollte am Steigerwaldtrauf die Optimierung wertvoller Trockenstandorte und unter Einbeziehung thermophiler Waldränder der Aufbau eines Trocken-Biotopverbundsystems einnehmen. Wichtig ist dabei vor allem die Erhaltung und Förderung extensiver Nutzungsformen, vor allem der Schafbeweidung. Darüber hinaus sollten die wertvollen Trockenstandorte in extensiv genutzten Weinbergen dringend erhalten, und in intensiv genutzten Weinbergen neue Trockenlebensräume geschaffen werden.

A 11.2

Das Aurachtal und ein Abschnitt des Tals der Rauhen Ebrach mit hervorragender Bedeutung sollen in ihrer Lebensraumqualität erhalten, optimiert und entwickelt werden. Insbesondere soll der Strukturreichtum der Talräume einschließlich der vielfältigen Hänge im Übergang zu den angrenzenden Wäldern bewahrt werden. Vor allem die wertvollen Teich- und Feuchtbiotopkomplexe sollen vor Beeinträchtigungen geschützt werden.

 

Begründung siehe Ziel A 11.3.

A 11.3

Ausgehend von den Gebieten mit hervorragender Bedeutung soll in den Talabschnitten mit besonderer Bedeutung im Steigerwald eine durchgehende Grünlandnutzung mit hohem Flächenanteil extensiver Nutzungsformen und naturnaher, auetypischer Biotope angestrebt werden. Dies betrifft in größerem Umfang Talabschnitte im Tal der Rauhen Ebrach und kleinere Seitentäler.

 

Das Aurachtal stellt sich als strukturreiches Bachtal dar, das von Feuchtwiesen, mehreren Teichen und am Talrand von magerem Grünland und extensiv genutzten Äckern geprägt ist. Im Talgrund liegen zahlreiche wertvolle Lebensraumkomplexe, z.B. Teichgebiete mit sehr bedeutsamen Amphibienpopulationen (in den letzten Jahren rückläufig!). Die Aurach weist außerhalb der Ortschaften meist einen durchgehenden Erlen- und Hochstaudensaum in einem grünlandgenutzten Tal auf. Hervorzuheben ist im Aurachtal das unterschiedlich genutzte und strukturierte Feuchtgrünland mit einer der bedeutendsten Populationen der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge (Maculinea nausithous, Maculinea teleius) in Nordbayern.
Flachmoorreste, Nass- und Feuchtwiesen sowie extensiv genutzte Mähwiesen und Schafweiden, durchsetzt mit Hecken, Gebüschen und Streuobst an den Übergängen von der Talaue zu den meist bewaldeten Hängen bereichern das Lebensraumangebot. Außerdem kommen an mehreren Stellen gut gestufte Waldränder aus gehölzartenreichem Waldmantel, breitem, krautigem Saum und vorgelagerter, extensiv genutzter Wiese hinzu. Dieses vielfältige Lebensraumangebot begünstigt eine Vielzahl seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten. Neben vielen regional bedeutsamen Lebensräumen kommt dem Aurachtal daher in einigen Abschnitten überregionale bis landesweite Bedeutung zu.
Die Oberläufe sind nicht nur bei der Aurach, sondern auch bei der Rauhen Ebrach auf Grund ihrer Naturnähe und Artenausstattung teilweise von überregionaler Bedeutung. Die Rauhe Ebrach selbst ist durch Mühlenstaus und Grundschwellen, durch lokale Uferbefestigungen und -begradigungen und durch Nährstoffeintrag stärker als die Nebenbäche beeinträchtigt; das Grünland im Talgrund ist fast durchgängig entwässert und als artenarme Fettwiese intensiv bewirtschaftet, teilweise auch zu Ackerland umgebrochen. Ein größeres, aber ebenfalls stark gestörtes Feuchtwiesenareal befindet sich noch an der Oesbachmündung bei Wustviel; nur dieser Talabschnitt kann noch als Gebiet mit hervorragender Bedeutung eingestuft werden. Die angrenzenden Hangbereiche sind auch hier vielfach durch Hecken oder magere Wiesen und Weiden, teilweise mit Verbuschungsstadien, gekennzeichnet. In den Bachtälern im System der Rauhen Ebrach kommen einige Teiche vor, die für seltene und gefährdete Amphibien- und Libellenarten von Bedeutung sind.
Vor allem in den Talabschnitten mit besonderer Bedeutung sollte neben der Erhaltung insbesondere auch die Entwicklung arten- und strukturreicher Lebensräume und einer durchgängigen, möglichst extensiven Grünlandnutzung im Vordergrund stehen, um ein funktionsfähiges Biotopverbundsystem zu schaffen. Im diesem Zusammenhang sollte ein Teil der Fischteiche und -weiher durch Nutzungsextensivierung als Entwicklungsgewässer für Amphibien und Libellen optimiert werden.

A 11.4

Die hochwertigen, großflächig zusammenhängenden Laubwaldgebiete im Steigerwald mit teils landesweiter Bedeutung sollen erhalten und bei Bedarf in Teilbereichen bezüglich ihrer Lebensraumqualität optimiert werden. Mit hoher Priorität sollen dabei traditionell waldfreie Wiesenbereiche, insbesondere die Wiesentäler offengehalten werden. Größere Nadelholzreinbestände sollen in strukturreiche Laubmischwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung überführt werden.

     

Die Wälder des nördlichen Steigerwalds sind durch ihre Großflächigkeit, ihren hohen Laubholzanteil und ihre Naturnähe mit teilweise flächig ausgebildeten Altholzbeständen zusammen mit den Wäldern des Steigerwaldtraufs von hohem naturschutzfachlichen Wert. Sie dienen einer großen Zahl bemerkenswerter Arten, wie gefährdeten Waldfledermaus-, Greifvogel-, Eulen- und Spechtarten als Lebensraum. Auf Grund ihrer Bedeutung für die Vogelwelt wurden die Wälder im westlichen Teil zusammen mit den anschließenden Waldgebieten am Steigerwaldtrauf als SPA-Gebiet ausgewiesen. Das gesamte Waldgebiet stellt einen großflächigen Landschaftsraum mit geringem Zerschneidungsgrad dar und ist daher von hohem Wert für Tierarten mit großen Arealansprüchen.

Als wichtige Zielsetzungen gelten der Erhalt und die weitere ökologische Optimierung der großflächigen Wälder und der eingestreut in die Waldgebiete vorkommenden naturnahen, wenig beeinflussten Bachtäler mit ihrer Lebensraum- und Artenvielfalt. Soweit diese Bachtäler traditionell waldfrei und grünlandgenutzt sind, sollen diese dringend offengehalten werden. In einigen Fällen sollte auch die Wiederherstellung reich strukturierter Feuchtwiesengebiete und einzelner Trockenhänge angestrebt werden.

A 11.5

Die Waldgebiete im Steigerwald mit besonderer Bedeutung sollen ausgehend von den benachbarten Wäldern mit hervorragender Bedeutung erhalten und bezüglich ihrer Lebensraumqualität weiter entwickelt werden. In Gebieten mit hohem Anteil von Nadelholzreinbeständen soll die Entwicklung strukturreicher Laubmischwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung angestrebt werden.

     

Auch Waldgebiete, denen in Anbetracht der derzeitigen Lebensraumqualität hier nur eine besondere Bedeutung beigemessen wird, sollten erhalten und ausgehend von naturnahen Waldbereichen und eingestreuten Sonderstandorten mit wertvollen Biotopen weiter entwickelt und im naturschutzfachlichen Sinn optimiert werden. Der Umbau von derzeitigen Fichten- und Kiefernreinbeständen in standortgerechte Laub- und Mischwaldbestände und eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung sollten gezielt vorangetrieben werden.
Den großen zusammenhängenden Waldgebieten kommt allein schon aufgrund ihrer Ausdehnung und dem damit verbundenen Stellenwert für Waldtierarten, die großflächiger, zusammenhängender Lebensräume bedürfen, eine besondere Bedeutung zu. Sie stellen in der Regel in der heutigen Kulturlandschaft die einzigen größeren störungsarmen Gebiete dar. Ihre Bedeutung als Lebensraum nimmt mit der Naturnähe der Bewirtschaftung, der Baumartenzusammensetzung sowie mit der Strukturvielfalt und dem Vorkommen von nicht beeinträchtigten Sonderstandorten zu.

A 11.6

Die strukturreichen Gebiete im Steigerwald mit einem hohen Anteil schutzwürdiger Lebensräume und die Gebiete mit einem hohen Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume sollen erhalten, optimiert und als Schwerpunkte des regionalen Biotopverbunds weiter entwickelt werden.

Dies gilt insbesondere für Gebiete

  • südlich Zell a. Ebersberg,
  • im Raum südlich Neuschleichach und Unterschleichach,
  • westlich Lembach,
  • im Umfeld von Obersteinbach, nordöstlich und südlich von Michelau i. Steigerwald sowie
  • östlich von Oberschwarzach.
 

Neben den individuell angesprochenen Zielgebieten gibt es in den Naturräumen der Mainfränkischen Platten noch einige weitere Gebiete mit hervorragender Bedeutung, in denen aufgrund der höheren Anzahl und des höheren Flächenanteils naturbetonter Lebensräume von guten Ansätzen eines funktionierenden Biotopverbundes ausgegangen werden kann. Vielfach kommt eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung einzelner oder mehrerer Biotope hinzu. Dem Arten- und Biotopschutz kommt daher vorrangige Bedeutung vor allen anderen Nutzungsansprüchen zu, da von den bestehenden Biotopen innerhalb dieser Gebiete Neubesiedlungs- und Ausbreitungsvorgänge ausgehen können. Sie sind unverzichtbar als Ausgangsgebiete (Funktion als Lieferbiotope) zum Aufbau eines funktionsfähigen regionalen Biotopverbundsystems. Allerdings sind häufig innerhalb dieser Gebiete noch Optimierungs- und Entwicklungsmaßnahmen erforderlich, die vorrangig durchgeführt werden müssen, denn häufig sind die Lebensräume beeinträchtigt oder weisen nur geringe Größenausdehnungen auf. Als wichtigste Ziele gelten hier der Erhalt naturnaher, wenig beeinflusster Bachtäler mit ihrer Lebensraum- und Artenvielfalt sowie die Sicherung und Wiederherstellung reich strukturierter Feuchtwiesengebiete und einzelner Trockenhänge.

A 11.7

Die Kulturlandschaften im Steigerwald und am Fuße des Steigerwaldtraufs, denen aufgrund ihrer Biotopausstattung bzw. günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume, eine besondere Bedeutung zukommt, sollen erhalten und ausgehend von den benachbarten Gebieten mit hervorragender Bedeutung zu funktionsfähigen Biotopverbundsystemen weiter entwickelt werden. Dies gilt insbesondere für

  • Gebiete im näheren Umfeld des Steigerwaldtraufs, z.B. nördlich Hundelshausen, im Umfeld von Michelau i. Steigerwald, südöstlich von Oberschwarzach, Bereich des Eichelbergs zwischen Westheim und Oberschwappach, nordöstlich von Zell a. Ebersberg
  • Gebiete im Umfeld der hochwertigen Talhänge zum Main bis an die östliche Regionsgrenze,
  • Landschaftsteile, die an die Täler der Aurach und der Rauhen Ebrach angrenzen.
 

Diese Gebiete mit einer durchschnittlichen Ausstattung an naturbetonten Lebensräumen eignen sich in Ergänzung zu den Gebieten hervorragender Bedeutung als Schwerpunktgebiete für die Optimierung des regionalen Biotopverbunds. Neben der Erhaltung kommt in diesen Gebieten insbesondere der weiteren Entwicklung naturbetonter Strukturen eine besondere Bedeutung zu. Vor allem in Bereichen, die günstige Voraussetzungen für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume aufweisen (z.B. sandige Böden, Niedermoorböden), sollten Biotopentwicklungen gezielt gefördert werden. Dazu müssen unter anderem bestehende Beeinträchtigungen beseitigt werden. Die bestehenden Lebensräume sollten ferner optimiert, nach Möglichkeit in ihrer Fläche ausgedehnt und zu lokalen Biotopverbundsystemen weiter entwickelt werden.
Ausgehend von diesen Gebieten sollte eine Strukturanreicherung in den übrigen Gebieten des Naturraums zum Aufbau eines regionalen Biotopverbundsystems vorangetrieben werden. Begünstigt wird die Entwicklung in diese Zielrichtung durch den räumlichen Kontakt zu zahlreichen Gebieten, denen aktuell bereits eine hervorragende Bedeutung zukommt.

A 11.8

Die vielfältigen und strukturreichen Hänge zum Maintal zwischen Sand a. Main und östlicher Regionsgrenze (nördlicher Steigerwaldtrauf) mit hohem Anteil wertvoller Lebensräume sollen erhalten und zur Optimierung des Biotopverbunds insbesondere für Trockenstandorte und naturnahe Laubwälder weiter entwickelt werden. Mit hoher Priorität sollen traditionell waldfreie Wiesenbereiche und insbesondere die Wiesentäler offengehalten werden. Größere Nadelholzreinbeständen sollen in strukturreiche Laubmischwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung überführt werden.  

Der nördliche Steigerwaldtrauf weist einen hohen Waldanteil auf. Neben wenigen kiefern- und fichtendominierten Waldteilen kommen vor allem Mischwälder sowie naturnahe Eichen-Hainbuchen- und Buchenwälder. An den nordseitigen Hängen zum Main sind auch edellaubholzreiche Wälder, teilweise mit Schluchtwaldcharakter zu finden, die ehemals als Niederwälder genutzt wurden. Die im Gebiet entspringenden Bäche sind meist zumindest im Oberlauf weitgehend naturnah. Sie verlaufen im Wald oder durch schmale Wiesentäler; einige in den Tälern gelegene Teichgruppen beherbergen individuenreiche Amphibienpopulationen. Gut erhaltene Feuchtwiesen sind jedoch selten.
Die Hänge zum Maintal sind oft reich durch Hecken, Streuobstwiesen, magere Wiesen und Weiden und um Zell durch kleinteilige Weinberge strukturiert; die Weinberge am Südhang des Hermannsberges sind bereinigt. Auf dem Hermannsberg liegt ein größerer Schilfsandsteinbruch, der zwischenzeitlich sehr wertvolle Amphibien- und Libellenvorkommen aufwies.
Als zentrales Ziel gilt hier vor allem die Erhaltung, Pflege und Optimierung der hochwertigen, überregional bis landesweit bedeutsamen Lebensraumkomplexe aus naturnahen Laubmischwäldern und Bachtälern sowie der kleinstrukturierten Trockenhänge.

A 11.9

Die vielfältigen und strukturreichen Hänge zum Maintal zwischen Zeil am Main und östlicher Regionsgrenze (südlicher Hassbergetrauf) sollen erhalten und zur Optimierung des Biotopverbunds aus Magerrasen, artenreichen Wirtschaftswiesen, mageren Säumen, diversen Gehölzstrukturen und naturnahen Wäldern weiter entwickelt werden.

 

Der südliche Haßbergetrauf ist geprägt durch einen starken Wechsel von Neigung, Exposition, geologischem Untergrund, Böden und damit vieler weiterer Standortfaktoren wie z.B. Wärme- und Wasserhaushalt. Hinzu kommt ein sehr kleinräumiges Nutzungsmosaik. Die Steilhänge zwischen Zeil und Stettfeld weisen zum Maintal teils einen Höhensprung von über 150 m auf. Die Maintalhänge stellen sehr warme und trockene Standorte dar, weshalb sie in weiten Teilen als Weinberge genutzt wurden. Neben flächig bereinigten Lagen gibt es heute sowohl noch reich strukturierte unbereinigte Weinberge als auch aufgelassene sowie durch Folgenutzungen überprägte. Sofern diese nicht vollständig verbuscht, aufgeforstet, intensiv gartenbaulich genutzt oder durch Koppelhaltung überweidet sind, kommt ihnen auf Grund der klimatischen Bedingungen, der guten Verbundlage, der Struktur- und Biotopvielfalt (u. a. Trockenmauersysteme, Magerrasen, Magerwiesen, thermophile Säume, kleinflächige Rebflächen, junge Weinbergsbrachen, aufgelassene Steinbrüche) ein besonderer Wert als Lebensräume trockenheits- und wärmeliebender Pflanzen- und Tierarten zu. Sie erreichen teils überregionale bis landesweite Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Die Vielfalt der Maintalhänge wird zwischen den Steilhängen darüber hinaus durch Hecken- und Streuobstgebiete (ausgedehnte Streuobstbestände z.B. um Stettfeld) sowie den Tälern kleiner Seitenbäche bereichert. In enger Nachbarschaft liegen außerdem großflächige Waldgebiete (z.B. Bischofsheimer Forst, Stettfelder Gemeindewald).
Die südexponierten, steilen Hanglagen an den Talhängen der Hassberge bieten ideale Voraussetzungen für Trockenverbundsysteme. Der Verbund zu den Magerwiesen in der Mainaue ist allerdings durch die bestehenden Verkehrsanlagen erheblich eingeschränkt.
In den letzten Jahren wurden die Maintalhänge zum Schwerpunktraum für naturschutzorientierte Pflegemaßnahmen und Programme. Damit wurde auch die Biotopverbundfunktion der Maintalhänge für trockenheits- und wärmeliebende Arten wieder gestärkt.
Neben der Erhaltung der Trockenstandorte kommt der weiteren Stärkung der Maintalhänge als bayernweit bedeutsame Trockenverbundachse eine hohe Dringlichkeit zu. Dazu sollen weitere wichtige Trockenstandorte einschließlich der Saumbereiche und naturnahen Waldbereiche naturschutzrechtlich gesichert werden, soweit nicht bereits eine Sicherung als Natura 2000-Gebiet gewährleistet ist. Außerdem sollen Eingriffe, die bestehende Wanderlinien thermophiler Arten beeinträchtigen oder unterbrechen und zur Isolation von Populationen führen können (z. B. Straßen- und Wegebau, Aufforstungen, Siedlungsausdehnung, Freizeitanlagen usw.) verhindert werden. Die Förderung einer naturnahen Waldbewirtschaftung in den angrenzenden Wäldern und die Optimierung der kleinen Seitenbäche und ihrer Täler stellen wichtige Ergänzungen dar.

A 11.10

Die vielfältigen und reich strukturierten Landschaften im Bereich des Hassbergetraufs sollen erhalten und zur Optimierung des Biotopverbundes mit folgenden Zielsetzungen weiter entwickelt werden:

  • Erhaltung und Optimierung naturnaher Laubwaldgebiete mit langfristigem Umbau nadelholzdominierter Bestände in strukturreiche Laubwälder mit standortheimischen Baumarten
  • Erhaltung insbesondere der Trockenhänge mit ihrem vielfältigen Nutzungsmosaik
  • Sicherung naturnaher Quellbereiche, Bäche und Stillgewässer sowie Wiederherstellung typischer naturnaher Auen- und Gewässerstrukturen.
 

Der Haßbergetrauf ist geprägt durch einen starken Wechsel von Neigung, Exposition, geologischem Untergrund, Böden und damit vieler weiterer Standortfaktoren wie z.B. Wärme- und Wasserhaushalt. Hinzu kommt ein sehr kleinräumiges Nutzungsmosaik. Auf den steilen, besonnten Lagen mit sandigen bis tonigen Lehmböden werden anstelle von Ackerbau Wein- und Obstbau betrieben. Das Lebensraumspektrum reicht von Buchenwäldern, schattigen Steilhangwäldern, eichendominierten (ehemaligen) Mittelwäldern und Eichen-Hainbuchenwäldern mit thermophilen Saumgesellschaften über Hecken auf geomorphologisch- und nutzungsbedingten Hangstufen bis hin zu Magerrasen und –wiesen, die oft von Gebüsch und Streuobst durchsetzt sind.
Die sehr kleinräumige Landschaftsgliederung am Haßbergetrauf gilt als naturschutzfachlich äußerst hochwertig. Die hohe naturschutzfachliche Qualität wird durch zahlreiche, teils großflächige Schutzgebiete deutlich. Hinzu kommt, dass diese Landschaftseinheit über die ganze Länge vom Maintal im Süden bis an den nördlichsten Punkt der Hassberge als nahezu durchgängiges Biotopverbundsystem mit landesweiter Bedeutung zu betrachten ist, das direkt an die ebenfalls landesweit bedeutsame Verbundachse des Maintals einschließlich der Maintalhänge angebunden ist.
Als wichtige Ziele gelten die Erhaltung und Optimierung der landesweit bedeutsamen Lebensraumkomplexe an den Hängen mit Magerrasen, Magerwiesen, Weinbergen, Kalkscherbenäckern, Heckengebieten, Streuobst, thermophilen Säumen und Laubwäldern sowie der Quellgebiete (mit Feuchtwäldern), Bachläufe und Auewiesen. Darüber hinaus sollen die Steinbrüche bezüglich ihrer Funktion als Sekundärlebensräume gefährdeter Pflanzen- und Tierarten verbessert werden.

A 11.11

Die hochwertigen, großflächig zusammenhängenden Waldgebiete auf der Hochfläche der Haßberge und die hochwertigen Wälder im Itz-Baunach-Hügelland sollen erhalten, optimiert und weiter entwickelt werden. In Gebieten mit hohem Anteil von Nadelholzreinbeständen soll die Entwicklung strukturreicher Laubmischwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung angestrebt werden. Mit hoher Priorität sollen dabei traditionell waldfreie Wiesenbereiche, insbesondere die Wiesentäler offengehalten werden. Die naturschutzfachlich bedeutsamen Steinbrüche insbesondere im Bereich des Ebelsbachtals, des Zeilbergs und der Rhätsandsteinkuppen im westlichen Itz-Baunach-Hügelland sollen als Lebensräume gefährdeter Pflanzen- und Tierarten erhalten werden.

     

Die Hochfläche der Haßberge zeichnet sich durch einen sehr hohen Waldanteil aus, insbesondere im Westen zieht sich ein nahezu durchgängiges Waldgebiet vom nördlichsten Punkt der Haßberge bis ganz nach Süden an den Rand des Maintals. Es setzt sich aus den großflächig zusammenhängenden Wäldern Bundorfer Forst, Goßmannsdorfer Forst, Bramberger Wald, Sächsischen Wald und Bischofsheimer Forst zusammen und ist damit durch relativ störungsarme und wenig zerschnittene Räume charakterisiert. Auch im Ostteil der Haßberge kommen innerhalb der Region große Wälder vor; als größtes zusammenhängendes Waldgebiet ist hier vor allem der Hasswald zu nennen. Im Süden bildet der Gemeindewald Stettfeld die östliche Fortsetzung des Bischofsheimer Forsts nördlich des Maintals.
Auch im Itz-Baunach-Hügelland kommen große zusammenhängende Waldgebiete vor; besonders hervorzuheben ist dabei wiederum ein von Norden nach Süden nahezu durchgehendes Waldband östlich des Baunachtals, das vom Zeilberg bei Maroldsweisach über den Lichtensteiner Wald bis weit nach Süden zum Daschendorfer Forst im Landkreis Bamberg reicht.
Verglichen mit den Wäldern des Steigerwaldes weisen die Wälder in den Hassbergen und dem Itz-Baunach-Hügelland einen deutlich höheren Nadelholzanteil auf (vor allem Fichte und Kiefer). Daneben kommen aber auch viele naturnahe Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder vor. In diese Richtung sollten auch die nadelholzdominierten Waldbestände entwickelt werden. Insgesamt soll eine möglichst naturnahe Waldbewirtschaftung angestrebt werden.
Innerhalb der Wälder kommt vor allem auch der Sicherung oligotropher Bachoberläufe und Quellen eine hohe Bedeutung zu. Außerdem sollten traditionell offene Waldwiesen und Wiesentäler in den Wäldern dringend erhalten werden. Damit ist auch verbunden, dass vor allem Wiesentäler, die mit Fichten aufgeforstet wurden, wieder geöffnet werden oder wenigstens eine standortheimische Baumartenzusammensetzung und Bewirtschaftung angestrebt wird.
Als eine weitere Besonderheit innerhalb der großen Waldgebiete gelten die Steinbrüche; besonders hervorzuheben sind die Sandsteinbrüche entlang des Ebelsbachtales, die Rhätsandsteinbrüche auf den Kuppen des westlichen Itz-Baunach-Hügellands und der große Basaltsteinbruch am Zeilberg.
Viele Steinbrüche oder Teilflächen davon sind stillgelegt; in Teilbereichen, die der natürlichen Sukzession überlassen wurden, haben sich sehr wertvolle Komplexlebensräume mit Flachgewässern, feuchten und trockenen, vegetationsarmen Pionierflächen, bodensauren Magerrasen, Felswänden, Gebüschen und lichten Wäldern entwickelt. Ein Teil der Steinbrüche ist von hohem naturschutzfachlichem Wert mit Vorkommen überregional bedeutsamer, teils hochspezialisierter Arten. Aufgrund des bedeutenden Entwicklungspotenzials sollte die Folgenutzung "Biotopentwicklung" im Bereich der Abbaugebiete in möglichst großem Umfang angestrebt werden. Vielfach sind in diesem Zusammenhang auch spezielle Pflege- und Artenhilfsmaßnahmen notwendig.

A 11.12

Die Wälder mit besonderer Bedeutung auf der Hochfläche der Haßberge und im Itz-Baunach-Hügelland sollen ausgehend von den benachbarten Wäldern mit hervorragender Bedeutung erhalten und bezüglich ihrer Lebensraumqualität weiter entwickelt werden. In Gebieten mit hohem Anteil von Nadelholzreinbeständen soll die Entwicklung strukturreicher Laubmischwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung angestrebt werden. Traditionell waldfreie Wiesenbereiche, insbesondere die Wiesentäler sollen offengehalten werden.

     

Auch Waldgebiete, denen in Anbetracht der derzeitigen Lebensraumqualität hier nur eine besondere Bedeutung beigemessen wird, sollten erhalten und ausgehend von naturnahen Waldbereichen und eingestreuten Sonderstandorten mit wertvollen Biotopen weiter entwickelt und im naturschutzfachlichen Sinn optimiert werden. Der Umbau von derzeitigen Fichten- und Kiefernreinbeständen in standortgerechte Laub- und Mischwaldbestände und eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung sollte gezielt vorangetrieben werden.

Den großen zusammenhängenden Waldgebieten kommt allein schon aufgrund ihrer Ausdehnung und dem damit verbundenen Stellenwert für Waldtierarten, die großflächiger, zusammenhängender Lebensräume bedürfen, eine besondere Bedeutung zu. Sie stellen in der Regel in der heutigen Kulturlandschaft die einzigen größeren störungsarmen Gebiete dar. Ihre Bedeutung als Lebensraum nimmt mit der Naturnähe der Bewirtschaftung und Baumartenzusammensetzung sowie mit der Strukturvielfalt und dem Vorkommen von nicht beeinträchtigten Sonderstandorten zu.

A 11.13

Die Abschnitte des Baunachtals mit hervorragender Bedeutung sollen in ihrer Lebensraumqualität erhalten, optimiert und weiter entwickelt werden.

 

Begründung siehe Ziel A 11.14.

A 11.14

Ausgehend von den Gebieten mit hervorragender Bedeutung soll in den weiteren Abschnitten des Baunachtals einschließlich der Nebenbäche und Oberläufe eine durchgehende Grünlandnutzung mit hohem Flächenanteil extensiver Nutzungsformen und naturnaher, auetypischer Biotope angestrebt werden.

 

Die Baunach besitzt einen über weite Strecken naturnah mäandrierenden Lauf, der innerhalb einer grünlandgenutzten, regelmäßig überschwemmten Aue gelegen und von Erlensäumen begleitet ist. Trotz abschnittsweise stärkerer Abwasserbelastung kommt der Baunach aufgrund ihrer Naturnähe, ihrer Funktion als Hauptverbundachse des Naturraumes und ihrer Bedeutung als Lebensraum gefährdeter Fließgewässerarten überregionale Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz zu. Stärker verschmutzt ist ein längerer Abschnitt zwischen Bundorf und Neuses. Das Grünland entlang des weiteren Baunachverlaufs wird meist intensiv genutzt. An einigen Stellen sind Feuchtwiesenreste erhalten. Am Oberlauf und an den Quellbächen um Bundorf verengen sich die Täler. Hier sind neben naturnahen Bachläufen Streuwiesenbrachen, kleine Auwäldchen und aufgeforstete Feuchtwiesen charakteristisch.

Die Weisach schlängelt sich als kleiner Bach durch ein relativ schmales Tal. Sie wird fast durchgehend von Erlen-Weiden-Säumen begleitet. Mehrere Mühlbäche sind abgeleitet, einzelne Abschnitte sind begradigt. In Teilbereichen kommen ausgedehnte Seggenriede, Hochstauden- und Pestwurzfluren und bewirtschaftete Feuchtwiesen, in denen noch die Bekassine brütet, vor. Am Unterlauf und im Mündungsgebiet zur Baunach liegt ein überregional bedeutsamer Feuchtwiesenkomplex.

Als Zielsetzung soll die Wiederherstellung von Bachtälern mit gering belasteten, naturnahen Bächen und strukturreichen Auen, in denen Feucht- und Streuwiesenbereiche, Brachen und Auwaldbestände miteinander verzahnt sind, angestrebt werden.

A 11.15

Abschnitte des Itz-, Alster- und Rodachtals mit hervorragender Bedeutung sollen in ihrer Lebensraumqualität erhalten, optimiert und damit als wichtige regionale Verbundachsen im Itz-Baunach-Hügelland gestärkt werden.

 

Begründung siehe Ziel A 11.16.

A 11.16

Ausgehend von den Gebieten mit hervorragender Bedeutung soll in den weiteren Talabschnitten des Itz-, Alster- und Rodachtals eine durchgehende Grünlandnutzung mit hohem Flächenanteil extensiver Nutzungsformen und naturnaher, auetypischer Biotope angestrebt werden.

 

Teile der bis 1 km breite Talaue der Itz liegen am östlichsten Rand der Region Main-Rhön. Das Tal ist geprägt von Intensivwiesen, die von zahlreichen Gräben durchzogen und regelmäßig überschwemmt werden. Nur an wenigen Stellen haben sich die typischen Arten der Feuchtwiesen gehalten; auf den bislang erfassten Wiesenbrüterflächen konnten bei der letzten bayernweiten Wiesenbrüterkartierung weder die Bekassine noch das Braunkehlchen als Brutvogel nachgewiesen werden. In den uferbegleitenden Säumen an der Itz und an den Gräben brüten jedoch noch gefährdete Vogelarten wie das Blaukehlchen und die Beutelmeise. Die Itz selbst ist teilweise begradigt und gestaut; jedoch erreicht sie überregionale Bedeutung aufgrund besonderer Artvorkommen, des naturnahen Bewuchses sowie der Funktion als wichtige Verbundachse.
In Anbetracht besonderer Artenvorkommen (vor allem Bachmuschel, Schwarzblauen Wiesenknopf-Ameisenbläuling) kommt der Alster und ihrer Aue eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung zu. Innerhalb der Region ist die Lebensraumqualität der Alster und Alsteraue sehr unterschiedlich zu beurteilen: v. a. im oberen Abschnitt ist der Bach begradigt und weist eine geringere Gewässergüte auf, erst am Unterlauf wird die Gewässerstruktur und Wasserqualität besser. Die Talwiesen sind auch hier überwiegend intensiv genutzt, teilweise sind sie auf einen schmalen Saum zurückgedrängt, teilweise kommen aber auch regional bedeutsame Feuchtwiesenreste vor. Ähnlich gestalten sich die Verhältnisse bei der Rodach und ihrer Aue, auch hier liegen abschnittsweise Beeinträchtigungen hinsichtlich Auenfunktion, Gewässerdynamik und Durchgängigkeit als auch in bezug auf die Gewässergüte vor.
In den Tälern der Itz, Alster und Rodach treten aufgrund der aktuellen Bedingungen sowohl Abschnitte mit hervorragender als auch solche mit nur besonderer Bedeutung auf. Neben der Verbesserung der Gewässergüte sollte innerhalb der Region vorrangig in den verbauten Abschnitten wieder eine naturnahe Gewässer- und Auendynamik angestrebt werden. In den Talauen sollte der Anteil extensiv genutzter Flächen und naturnaher Lebensräume insgesamt erhöht werden.

A 11.17

Die hohe Lebensraumqualität des Standortübungsplatzes Ebern soll erhalten und gesichert werden.

 

Der Standortübungsplatz stellt sich als Mosaik aus Kiefern- und Laubmischwäldern, mageren, mit Obstbäumen durchsetzten Wiesenhängen, ruderalisierten Brachen und Übungsflächen mit offenen Bodenstellen und Tümpeln dar. Eine Vielzahl seltener und gefährdeter Arten konnte bereits nachgewiesen werden. Der Standortübungsplatz Ebern wird aufgelöst und ist bereits als Natura 2000-Gebiet gemeldet. Zur Sicherung der Arten- und Lebensraumvielfalt soll auch nach der Aufgabe der militärischen Nutzung eine naturnahe Bewirtschaftung der Wälder und eine extensive Nutzung des mageren Grünlandes (Mahd, Schafbeweidung) gefördert werden. Dabei sollen breite Übergangszonen zwischen den Offenland- und Waldbereichen bestehen bleiben. Darüber hinaus sollen Kleingewässer und offene Bodenstellen erhalten bzw. gezielt neu angelegt werden. Für das gesamte Gebiet sollte ein Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeitet werden.

A 11.18

Die strukturreichen Kulturlandschaften in den Haßbergen und im Itz-Baunach-Hügelland mit einem hohen Anteil schutzwürdiger Lebensräume und die Gebiete mit einem hohem Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume sollen erhalten, optimiert und als Schwerpunkte des regionalen Biotopverbunds weiter entwickelt werden.

Dies gilt insbesondere für folgende Gebiete:

  • mehrere dem Haßbergetrauf vorgelagerte Landschaften
  • Ebelsbachtal und angrenzende Bereiche mit bedeutsamen Steinbrüchen
  • weiteres Umfeld von Neubrunn
  • nähere Umgebung von Breitbrunn
  • kleineres Gebiet westlich Bentweinsdorf
  • einige Teilgebiete im Raum Bundorf, Sulzdorf und Sternberg
  • Bereich Altenstein östlich Pfaffendorf
  • Talhänge zum Itzgrund, insbesondere im Süden des Gebiets.
 

Neben den individuell angesprochenen Zielgebieten gibt es in den Naturräumen des Fränkischen Keuper-Lias-Landes noch einige weitere Gebiete mit hervorragender Bedeutung, in denen aufgrund der höheren Anzahl und des höheren Flächenanteils naturbetonter Lebensräume von guten Ansätzen eines funktionierenden Biotopverbundes ausgegangen werden kann. Vielfach kommt eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung einzelner oder mehrerer Biotope hinzu. Dem Arten- und Biotopschutz kommt daher vorrangige Bedeutung vor allen anderen Nutzungsansprüchen zu, da von den bestehenden Biotopen innerhalb dieser Gebiete Neubesiedlungs- und Ausbreitungsvorgänge ausgehen können. Sie sind unverzichtbar als Ausgangsgebiete (Funktion als Lieferbiotope) zum Aufbau eines funktionsfähigen regionalen Biotopverbundsystems. Allerdings sind häufig innerhalb dieser Gebiete noch Optimierungs- und Entwicklungsmaßnahmen des Naturschutzes erforderlich, die vorrangig durchgeführt werden müssen, denn häufig sind die Lebensräume beeinträchtigt oder weisen nur geringe Größenausdehnungen auf.

A 11.19

Die Kulturlandschaften in den Haßbergen und im Itz-Baunach-Hügelland, denen aufgrund ihrer Biotopausstattung bzw. ihren günstigen Voraussetzungen für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume eine besondere Bedeutung zukommt, sollen erhalten und ausgehend von den benachbarten Gebieten mit hervorragender Bedeutung zu funktionsfähigen Biotopverbundsystemen weiter entwickelt werden. Dies gilt insbesondere für folgende Gebiete:

  • kleinere Landschaftsteile im Bereich des nördlichen Haßbergetraufs östlich Kleinbardorf
  • Landschaftsteile im Bereich des mittleren Haßbergetraufs zwischen Eichelsdorf und Goßmanndorf
  • Landschaftsteile im Bereich des südlichen Haßbergetraufs im Norden von Altershausen
  • größere Landschaftseinheiten zwischen Maroldsweisach und Pfarrweisach vor allem westlich des Weisachtals
  • Gebiete im Umfeld von Ebern und an den Talhängen zum Itztal südlich Untermerzbach
  • Landschaftseinheiten im Umfeld des Lautertals östlich und südöstlich von Breitbrunn.

Die genannten Gebiete im Bereich des Haßbergetraufs sollten aufgrund ihrer Lage in einer landesweit bedeutsamen Biotopverbundachse mit hoher Priorität entwickelt werden.

 

Diese Gebiete mit einer durchschnittlichen Ausstattung an naturbetonten Lebensräumen eignen sich in Ergänzung zu den Gebieten hervorragender Bedeutung als Schwerpunktgebiete für die Optimierung des regionalen Biotopverbunds. Neben der Erhaltung kommt in diesen Gebieten insbesondere der weiteren Entwicklung naturbetonter Strukturen eine besondere Bedeutung zu. Vor allem in Bereichen, die günstige Voraussetzungen für die Entwicklung seltener und gefährdeter Lebensräume aufweisen (z.B. sandige Böden), sollten Biotopentwicklungen gezielt gefördert werden. Dazu müssen unter anderem bestehende Beeinträchtigungen beseitigt werden. Die bestehenden Lebensräume sollten ferner optimiert, nach Möglichkeit in ihrer Fläche ausgedehnt und zu lokalen Biotopverbundsystemen weiter entwickelt werden. Ausgehend von diesen Gebieten sollte eine Strukturanreicherung in den übrigen Gebieten des Naturraums zum Aufbau eines regionalen Biotopverbundsystems vorangetrieben werden.

A 11.20

Das Gebiet mit landesweit bedeutsamen Trockenstandortkomplexen und aktuell noch genutzten Mittelwäldern im nördlichen Itz-Baunach-Hügelland östlich von Trappstadt soll über das bestehende Schutzgebiete hinaus gesichert, optimiert und weiter entwickelt werden.

 

Das Waldgebiet im Bereich des Naturschutzgebiets „Altenburg bei Trappstadt“ stellt ein bedeutendes Mittelwaldgebiet dar, das aktuell noch im 20-jährigen Turnus durch eine Rechtlergemeinschaft genutzt wird. Aufgrund des Vorkommens thermophiler Waldgesellschaften und Waldsäume kommt dem Gebiet außerdem eine landesweite Bedeutung als Trockenstandort zu. Auch im Umfeld liegen mehrere teils regional bedeutsame trockene Magerwiesen und –weiden, Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Altgrasfluren und trockene Ruderalfluren mit zahlreichen seltenen und gefährdeten Arten.

Ausgehend von den bestehenden Biotopen sollten in der weiteren Umgebung des bestehenden Schutzgebietes regionale und lokale Trockenverbundachsen auf Gipskeuper aufgebaut werden. In den Waldbereichen sollte eine ordnungsgemäße und nachhaltige Bewirtschaftung der Mittelwälder unter Berücksichtigung der ökologischen Erfordernisse gefördert werden. Nicht standortgemäße Nadelholzaufforstungen sollten dringend in Laubmischwälder mit standortheimischer Baumartenzusammensetzung umgebaut werden; dies gilt auch für Bereiche im Naturschutzgebiet. Für die Erhaltung und Entwicklung der wertvollen Magerrasen und Trockenrasen sollte die Pflege durch Schafbeweidung vorangetrieben werden.


 


 

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