6.5 Ziele Landschaftsbild und Landschaftserleben

Im Sinne einer übergeordneten Leitlinie gilt es, die Landschaft in der Region Main-Rhön in ihrer Vielfalt, regionstypischen Eigenart und Schönheit zu erhalten und zu entwickeln, denn über das Kriterium der Schönheit finden viele Menschen den unmittelbarsten Zugang zu Natur und Landschaft. Landschaften, die vielfältig und reich gegliedert sind, Landschaften von hoher Eigenart, naturnahe, reliefreiche Landschaften sowie Landschaften mit einem reichhaltigen Bestand an historischen Kulturlandschaftselementen entsprechen dem ästhetischen Bedürfnis des Menschen.


Allgemeine Ziele

Zur Erhaltung und Entwicklung eines Landschaftsbildes, das den oben genannten Anforderungen gerecht werden kann, gelten in allen Teilen der Region Main-Rhön folgende Ziele:

L 1         In landschaftsästhetisch verarmten Teilbereichen der Region soll das Landschaftsbild durch die Entwicklung naturnaher Landschaftselemente aufgewertet werden. Dies gilt insbesondere in den

  • intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Wern-Lauer-Platten, der Gäuplatten, des Schweinfurter Beckens und des Steigerwaldvorlandes
  • ausgeräumten Gebieten des Grabfeldgaus, vor allem in den Räumen Mellrichstadt, Bad Königshofen und nördlich von Thundorf.
Hinsichtlich Art und Verteilung der zu entwickelnden Landschaftselemente ist die Eigenart der Landschaft besonders zu berücksichtigen.
 

In größeren Teilen der Region Main-Rhön ist eine Verarmung und Nivellierung des Landschaftsbildes infolge einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zu beobachten. Vor allem in Gebieten mit fruchtbaren Böden und geringem Reliefierungsgrad hat der Verlust naturnaher Strukturen stark ausgeräumt wirkende Landschaften entstehen lassen. In den betroffenen Gebieten soll daher durch gezielte Maßnahmen zur Förderung und Neuentwicklung naturnaher Landschaftselemente eine Aufwertung des landschaftlichen Erscheinungsbildes erzielt werden. Um eine ihrerseits nivellierende Wirkung derartiger Maßnahmen zu verhindern, ist darauf zu achten, dass sie nicht in schematischer Art und Weise erfolgen, sondern die Eigenart der Landschaft, die häufig sowohl durch naturräumliche als auch durch nutzungsspezifische und historische Faktoren maßgebliche Beeinflussung erfahren hat, besonders berücksichtigen.

L 2         In den Gebieten, in denen durch die bauliche Entwicklung die Gefahr einer Zersiedelung der Landschaft droht, insbesondere

  • im Raum Schweinfurt
  • im Maintal zwischen Haßfurt und Eltmann
  • im Raum zwischen Schweinfurt und Bad Kissingen
  • im Tal der Fränkischen Saale um Hammelburg, nördlich Bad Kissingen und um Bad Neustadt
  • im Raum zwischen Bad Neustadt und Mellrichstadt und
  • im Sinntal um Bad Brückenau

soll darauf hingewirkt werden, dass eine zunehmende Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch eine wirkungsvolle Steuerung der Siedlungsentwicklung verhindert wird.

     

In der Nähe von Siedlungsschwerpunkten sind es häufig landschaftlich unbefriedigend eingebundene Infrastruktureinrichtungen und Baugebiete in exponierten Lagen bzw. mit hohem Flächenbedarf, die die Landschaft in ihrem Erscheinungsbild beeinträchtigen. Vor allem in Gebieten mit einer entsprechend dynamischen Siedlungsentwicklung und/oder einer hohen Qualität des Landschaftsbildes sind daher Steuerungsmaßnahmen besonders angebracht:

Um eine fortschreitende Verfremdung des Landschaftsbildes zu verhindern, soll dort darauf hingewirkt werden, dass durch eine entsprechende Steuerung der Siedlungsentwicklung insbesondere die Bebauung exponierter Lagen und ein bandartiges oder flächenhaftes Zusammenwachsen ehemals getrennter Siedlungen vermieden wird. Zur Eindämmung eines übermäßigen Flächenverbrauchs soll darauf geachtet werden, dass sich die Ausweisung von Bauflächen für Wohnen, Gewerbe und Industrie in ihrer Größenordnung nicht an spekulativen Werten, sondern am tatsächlich vorhandenen Bedarf orientiert. Neue Bauflächen sollen durch frühzeitig durchgeführte landschaftspflegerische Gestaltungsmaßnahmen in das Landschaftsbild eingebunden werden. Erforderlichenfalls soll durch Vorgaben bezüglich Größe und Gestaltung der geplanten Baukörper einer zu befürchtenden Beeinträchtigung des Landschaftsbildes entgegengewirkt werden.

L 3         Charakteristische Reliefformen, vom natürlichen Standort und/oder traditionellen Nutzungen geprägte Landschaftsausschnitte und -elemente sowie landschaftstypische Bauwerke sollen erhalten und vor nachteiligen Veränderungen ihres Erscheinungsbildes bewahrt werden.

Die natürlich bedingte Vielfalt der Reliefformen und der Vegetation wurde lange Zeit zusätzlich durch das Wirtschaften und Gestalten des Menschen erhöht. Die Vielfältigkeit dieser natürlichen und anthropogen bedingten Erscheinungsformen ist für das Landschaftsbild von hoher Bedeutung und in der Region Main-Rhön reich ausgeprägt. Sie reicht von den markanten Basaltkegeln der Rhön bis zu den anthropogen bedingten Kleinformen des Mikroreliefs (z.B. Ackerterrassen, Hohlwege etc.), von den blütenreichen Bergwiesen der Hochrhön über die seltenen Feuchtwiesenbestände im Sinntal bis zur Wildkrautflora in den Trockenmauern der alten Weinberge im Saale- und Maintal.
In Folge des rasanten, industriell geprägten Landschaftswandels, insbesondere der vergangenen 50 Jahre, ist in der Landschaft ein fortschreitender Verlust an diesen erlebniswirksamen Elementen festzustellen. Für Eigenart und Schönheit einer Landschaft ist aber sowohl die natürliche als auch die anthropogen bedingte Formenvielfalt von besonderer Bedeutung. Ein weiterer Verlust solcher Elemente soll daher vermieden werden.
Landschaftstypische Bauten (z.B. traditionelle Weinbergshäuschen, Felsenkeller) oder bewusst auf die Landschaft ausgerichtete Bauwerke (z.B. Wallfahrtskirche Maria Limbach, Trimburg) führen zu einer weiteren Bereicherung des Landschaftsbildes. Während die Kleinbauten der Ortsränder und Fluren durch einen schleichenden Verlust bedroht sind, besteht bei bekannten Bauwerken, wie z.B. den genannten Baudenkmälern, eher die Gefahr, dass sie durch neue Baugebiete oder technische Anlagen in Bedrängnis geraten und damit ihre prägnante Blickfangwirkung in der Landschaft verlieren.

L 4         Kulturlandschaftselemente und Bereiche der Kulturlandschaft, denen eine besondere historische Zeugniskraft zukommt sowie Landschaftsausschnitte, deren Erscheinungsbild entscheidend von historischen Kulturlandschaftselementen geprägt wird, sind als historische Kulturlandschaften und -landschaftsteile in ihrer charakteristischen Eigenart zu erhalten. In der Region Main-Rhön gehören dazu zum Beispiel

  • historische Flurparzellierungen wie die hochmittelalterliche Streifenflur von Unterweißenbrunn, die Gutsflur nordwestlich von Altenstein oder die akut bedrohten Breitstreifenfluren in den südlichen Haßbergen
  • die traditionelle Kulturlandschaft um Altenstein und um Nassach
  • historische Parkanlagen der ehemaligen Herrensitze
  • historische Weinberge mit ihren kleinteiligen Terrassierungen
  • die offenen Wiesen- und Weideflächen der Hochrhön
  • bedeutende Relikte von Altstraßen
  • Wüstungen mit obertägig sichtbaren Siedlungsrelikten
  • Kreuzwege, als eines der besonders charakteristischen Elemente der unterfränkischen Kulturlandschaft
  • große Alleen und Streuobstgebiete.

Alle Nutzungen der Landschaft und Maßnahmen zur Entwicklung des Landschaftsbildes sollen die historisch begründete Eigenart dieser Gebiete in besonderem Maße berücksichtigen und sie unterstützen. Dies gilt insbesondere auch für Planungen wie z.B. bei Verfahren der Ländlichen Entwicklung oder Begleitplanungen im Rahmen von Eingriffen.

 

 

Der Landschaftswandel infolge menschlicher Nutzungs- und Gestaltungseingriffe ist ein kennzeichnendes Merkmal von Kulturlandschaft. Die veränderten Bedingungen der modernen Industriegesellschaft haben allerdings zu einer Beschleunigung und qualitativen Veränderung des landschaftlichen Veränderungsprozesses geführt, in deren Folge zunehmend ein Verarmungs- und Nivellierungseffekt in der Kulturlandschaft eingesetzt hat. Mit dieser Entwicklung gehen Elemente und Strukturen in der Landschaft verloren, deren Wert als Träger historischer Information und landschaftlicher Eigenart häufig noch zu wenig Beachtung findet. Dabei sind historische Kulturlandschaftselemente selbstverständliche Teile der als Heimat erlebten Umgebung und tragen viel zum Gefühl der Identifikation mit einer Landschaft bei.

Deshalb sollen historische Kulturlandschaften und Kulturlandschaftselemente als in der Landschaft ablesbare Geschichte und Teil des kulturelles Erbes erhalten werden. Dies gilt in besonderer Weise für Kulturlandschaften und Kulturlandschaftselemente, denen zum Beispiel aufgrund ihres hohen Informationswertes, ihres guten Erhaltungszustandes, ihrer Seltenheit oder ihrer regionaltypischen Bedeutung eine besondere historische Aussagekraft zukommt. In der Karte 1.5 „Landschaftsbild und Landschaftserleben“ sind entsprechende Bereiche, die im Rahmen des LEK Main-Rhön erfasst werden konnten, mit dem Symbol „historische Kulturlandschaftsteile“ gekennzeichnet, in Tabelle 4.2 sind sie einzeln aufgelistet.

Von besonderem Erhaltungswert ist auch die umgebende Landschaft bedeutender Kultur-, Bau- oder Bodendenkmäler, wenn diese in engem Zusammenhang mit der Eigenart oder Schönheit des Denkmals steht.

L 5         Dem Verlust bzw. der Beeinträchtigung von Bodendenkmälern soll insbesondere bei der Siedlungsentwicklung und beim Bau von Infrastruktureinrichtungen durch die Suche und Verwirklichung flächensparender Alternativlösungen vorgebeugt werden. Flächen, auf denen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Vorhandensein von Bodendenkmäler zu rechnen ist, sollen von Bebauung möglichst freigehalten werden.

Bodendenkmäler stellen wichtige Quellen für die Geschichtsforschung dar. Der überwiegende Teil der Geschichte der Kulturentwicklung Bayerns stützt sich auf archäologische Quellen, denn schriftliche Zeugnisse existieren nur für die Zeitspanne der letzten 2000 Jahre. Die Sicherung und Bewahrung der Bodendenkmäler als unersetzbare historische Quellen steht daher im Interesse der Allgemeinheit.

Die Region Main-Rhön ist reich an bodendenkmalpflegerischen Fundstellen, darunter sind auch zahlreiche obertägig sichtbare Bodendenkmäler wie z.B. die großen und bekannten Ringwälle (sog. „Schwedenschanzen“) bei Elfershausen und Eicheldorf oder die nördlichste keltische Viereckschanze in Bayern bei Schnackenwerth (Gde. Werneck). Eine Benennung von Gebieten mit besonderer Dichte von bodendenkmalpflegerischen Funden ist allerdings problematisch, da entsprechende Häufungen oft nicht eine Folge der realen vor- und frühgeschichtlichen Siedlungsaktivität sind, sondern vielmehr nutzungs- und forschungsgeschichtliche Gründe haben.
Der zunehmende Flächenverbrauch durch Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebietsflächen ist eine permanente akute Bedrohung des Bestandes an Bodendenkmäler. In neuerer Zeit bestehen darüber hinaus auch vermehrt Gefährdungen von vor- und frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen auf hochgelegenen Standorten durch den Bau von Sende – und Windkraftanlagen.
Um den Verlust oder die nachhaltige Beeinträchtigung des Bestandes der Bodendenkmäler zu vermeiden, soll daher der Flächenverbrauch im Zuge von Baumaßnahmen generell so gering wie möglich gehalten werden. Zwar sind es häufig Baumaßnahmen, in deren Verlauf Bodendenkmäler entdeckt werden, die anschließenden archäologischen Grabungen stehen aber in der Regel unter einem so hohen Zeitdruck, dass eine erschöpfende Auswertung und Dokumentation der Funde nicht garantiert ist. Als vorbeugende Maßnahme sollen insbesondere solche Flächen, auf denen nach Experteneinschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit Bodendenkmäler zu erwarten sind, so weit wie möglich von Bebauung freigehalten werden. Eine Darstellung solcher Flächen ist im Maßstab des LEK nicht leistbar. Entsprechende Untersuchungen sind folglich einzelfallbezogen durchzuführen.

L 6         Visuelle Leitstrukturen sowie Orientierungspunkte, die sich auf das Landschaftsbild vorteilhaft auswirken, sollen vor nachhaltig negativen Veränderungen bewahrt werden. Daher sollen insbesondere

  • die Kuppenlagen der Hohen Rhön
  • die Talflanken des Sinntals
  • die steilen Talhänge und Prallufer im Tal der Fränkischen Saale
  • der Trauf der Haßberge und des Steigerwaldes
  • die steilen Maintalhänge östlich von Zeil a. Main und östlich von Schweinfurt
  • die Schichtstufe zwischen Maroldsweisach und Ebern und
  • markante Einzelerhebungen wie Hohe Wann, Bramberg, Altenstein, Mettermich, Dreistelzberg, Volkersberg

vor nachteilig wirksamen Eingriffen bewahrt werden. Dazu zählen insbesondere Rohstoffabbau, Be- oder Verbauung, Zerschneidung sowie die Errichtung von Windkraft- und Sendeanlagen.
Bei Bauvorhaben in der Landschaft sollen Blickbeziehungen zu Orientierungspunkten besonders berücksichtigt werden und gewahrt bleiben.

 

Dominante Geländestrukturen sind in besonderer Weise für das Erscheinungsbild einer Landschaft wichtig. Sie prägen und gliedern die Landschaft, wirken als optische Begrenzung von Raumeinheiten und dienen der Orientierung in der Landschaft. Lineare Strukturen wie z.B. markante Geländestufen oder dominierende Waldränder stellen unter diesem Aspekt wichtige visuelle Leitstrukturen in der Landschaft dar.
Punktuelle Leitstrukturen können von markanten, weithin sichtbaren Reliefformen oder durch besonders fernwirksame Bauwerke gebildet werden. In der Karte 1.5 sind die regional bedeutsamen visuellen Leitstrukturen und Orientierungspunkte („kultur- und naturhistorische Einzelelemente mit hoher Fernwirkung) dargestellt.
Nicht alle Bauten, die als Orientierungspunkte dienen, werden jedoch zwangsläufig auch als Bereicherungen des Landschaftsbildes wahrgenommen (z.B. Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld). Vielfach werden gerade Großbauten oder technische Einrichtungen als hässlich empfunden oder sind mit negativen Assoziationen belegt.
Punktuelle und lineare Leitstrukturen sind jedoch gegenüber Beeinträchtigungen durch Be- oder Verbauung, Abbau und Zerschneidung besonders empfindlich. Störungen haben große Fernwirkung und starke Verfremdungseffekte. Eingriffe dieser Art in visuelle Leitstrukturen sollen deshalb vermieden werden.
Historische Gebäude mit hoher Fernwirkung sind in der Regel durch Eingriffe nicht direkt gefährdet. Es besteht jedoch die Gefahr, dass durch bauliche Maßnahmen wichtige Blickbeziehungen zu solchen Stätten ge- oder zerstört werden.

L 7         Eine weitere Zerschneidung von Freiräumen durch bandartige Siedlungserweiterungen, Verkehrswege oder Anlagen zur Energieversorgung soll vermieden werden. Dies gilt in besonderer Weise für das Maintal und die Gebiete der Region, die von zerschneidungswirksamen Eingriffen kaum beeinträchtigt sind. Dazu gehören:

  • große Teile des Naturraums Hesselbacher Waldlandes
  • der überwiegend dicht bewaldete Nordwesten des Steigerwaldes
  • die Schwarzen Berge
  • der nördliche Teil der Haßberge einschließlich eines großen Teils des südwestlich vorgelagerten Grabfeldgaus
  • die Vorder- und Kuppenrhön nördlich und nordöstlich von Ostheim v. d. Rhön
  • das große Waldgebiet Burgwallbacher Forst südöstlich des Brendtals
  • die Südrhön südwestlich von Bad Brückenau mit der Rodungsinsel um Detter als zentralen Bereich.
     

Verkehrstrassen, Hochspannungsleitungen und sonstige bauliche Anlagen bilden häufig optische Barrieren und führen so zur visuellen Zerstückelung landschaftsästhetisch ansprechender bzw. weitläufiger Landschaften. Von zerschneidungswirksamen Einrichtungen nicht beanspruchte Freiräume sind in der vom Menschen intensiv genutzten und überprägten Landschaft Mitteleuropas mittlerweile selten. Sie sind daher besonders erhaltenswert und sollen vor zerschneidungswirksamen Eingriffen geschützt werden. Als solche sind vor allem zu bezeichnen:
  • Neubau von Straßen und Schienenwegen,
  • Neubau von Ver- und Entsorgungsleitungen,
  • bandartige Siedlungsentwicklungen.

Das Maintal wird besonders stark durch Industrie und Gewerbe, Ver- und Entsorgung und Kiesabbau in Anspruch genommen. Um im Maintal zusätzliche Zerschneidungseffekte zu verhindern, soll der weitere Flächenverbrauch vermindert bzw. so gesteuert werden, dass die Entwicklung an bereits beanspruchte Flächen und Infrastruktureinrichtungen anschließt und unbeeinträchtigte Räume ausspart.

L 8         Der historisch begründete Charakter der Siedlungsstruktur und der Siedlungen einschließlich ihrer Ortsränder und Außenbereiche soll bei baulichen Maßnahmen berücksichtigt werden. Dazu gehören unter anderem

  • weitgehend ungestörte Stadt und Ortsbilder (z.B. Ostheim vor der Rhön, Gleusdorf im Itztal)
  • besondere Blickbezüge und Ortsansichten (z.B. Mainseite der Stadt Haßfurt, Ortsrandlage von Schloß Werneck, Ortsrand Hendungen mit erhaltener Dorfmauer),
  • besondere Siedlungsformen (z.B. Straßenangerdörfer Langenleiten, Sandberg, Waldberg, Rechteckplatzdorf Ottelmannshausen),
  • die besondere Lage der Siedlung in der Landschaft (z.B. Gipfellage des Ortes Altenstein; geschlossene Rodungsinsel Wittershausen)

In diesem Sinne besonders charakteristisch ausgeprägte Siedlungsanlangen sollen in ihrer Eigenart erhalten und gestärkt werden.

     

Infolge von Modernisierungsbestrebungen vergangener Jahrzehnte sind auch in der Region Main-Rhön historisch gewachsene Ortsbilder unwiederbringlich verloren gegangen. Die ehemalige Zonenrandlage führte allerdings dazu, dass diese Entwicklungen in geringerem Umfang abliefen als in anderen Gebieten Bayerns. Durch das verstärkt einsetzende Wachstum der Siedlungen besteht aber weiterhin die Gefahr, dass historisch und naturräumlich bedingte Siedlungsstrukturen ihren eigenständigen Charakter zunehmend verlieren. Den reichen Bestand an historischer Bausubstanz und historischen Siedlungsstrukturen in der Region Main-Rhön gilt es als Potenzial zu begreifen und bei künftigen Siedlungsentwicklungen entsprechend zu berücksichtigen.
Historische Bausubstanz und historische Siedlungsstrukturen sollen daher als Bestandteile regionaltypischer Landschaftsbilder nachhaltig gesichert werden. Die für das Landschaftsbild wichtigen Charakteristika von Siedlungen wie Eingliederung in die Geländesituation, Dachlandschaften, Ortsrandeingrünung oder Ensemblewirkungen sollen entsprechend erhalten, gepflegt und entwickelt werden (vgl. BAYERISCHE STAATSREGIERUNG 1994).

L 9         Reich gegliederte und „zerlappte“ Waldränder sollen mit ihren Vor- und Rücksprüngen erhalten und die Waldrandlinie nicht durch Aufforstungen geglättet werden. Entlang von Waldrändern sollen laubholz- und strukturreiche Waldmäntel und -säume erhalten und entwickelt werden. Monostrukturierte Nadelwälder sollen langfristig zu vielfältigen und standortgerechten Laub- und Mischwäldern entwickelt werden.
Bei Waldneubegründungen soll die Eigenart der Landschaft bezüglich der Lage und Verteilung von Waldflächen im Raum berücksichtigt werden. Außerdem soll darauf hingewirkt werden, dass bei Waldneubegründungen standortheimische Baumarten verwendet werden oder eine naturnahe Waldentwicklung über Pionierstadien eingeleitet wird.
In landschaftsraumtypischen und landschaftsästhetisch wertvollen Offenlandschaften, insbesondere auf den Hochflächen und Hanglagen der Rhön, in den Tallagen der Fluß- und Bachtäler, im Bereich markant ausgeprägter Rodungsinseln, auf Weinbergsbrachen und Hutungen sowie in kleinteiligen Heckenlandschaften und anderen kleinräumig strukturierten Kulturlandschaftsausschnitten traditioneller Prägung sollen keine Erstaufforstungen durchgeführt werden. Wiederbewaldungstendenzen infolge von zunehmender Verbuschung verbrachter Bereiche soll in diesen Gebieten entgegengewirkt werden.

     

Wälder wirken im Landschaftsbild als blickbegrenzende Kulissen, und die Waldränder haben daher für die Landschaftswahrnehmung häufig die Funktion visueller Leitstrukturen. Außerdem besitzen Waldrandzonen für den Menschen eine sehr hohe Aufenthaltsqualität. Aus diesem Grund kommt den Waldrändern hinsichtlich des Landschaftsbildes und -erlebens eine besondere Bedeutung zu. Zur Aufwertung des Landschaftsbildes sollen daher vielfältig strukturierte und laubholzdominierte Waldränder, bestehend aus Waldmantel und Waldsaum, erhalten und entwickelt werden. Wegen der vielfältigen Raumeindrücke (Nischen, Buchten, Kulissenwirkung) besitzen Waldränder mit Vor- und Rücksprüngen für den Menschen eine besonders hohe Erlebnisqualität.
Die Erlebniswirksamkeit nadelholzdominierter Wälder ist stark herabgesetzt. So fehlt z.B. der für das Landschaftsbild wichtige jahreszeitliche Wechsel des Erscheinungsbildes, auch der häufig nur spärlich ausgebildete Bodenbewuchs kann als zusätzliche Einschränkung der Erlebniswirksamkeit gewertet werden. Zur Belebung und Aufwertung des Landschaftsbildes sollen daher nadelholzdominierte Wälder langfristig in standortgerechte Laub- und Mischwälder umgebaut werden und bei Waldneubegründungen aus standortheimischen Baumarten aufgebaut werden. Dies gilt in besonderer Weise für Wälder in Hanglagen, da diese nicht nur mit ihren Waldrändern, sondern mit der gesamten Waldfläche auf das Landschaftsbild wirken.
Das Erscheinungsbild einer Landschaft wird aufgrund der sichtbegrenzenden Wirkung der Wälder ganz wesentlich durch die Flächenverteilung von Wald und Offenland geprägt. Die Wald-Feld-Verteilung wiederum ist eine Folge naturräumlicher und historischer Faktoren. Die Waldverteilung ist damit ein wesentlicher Faktor der Eigenart einer Landschaft und Waldneubegründungen sind daher an den naturräumlichen und historischen Vorgaben auszurichten.
Häufig sind es die extensiv genutzten Bereiche einer Landschaft, die aufgrund ihrer Vielfältigkeit oder ihrem ungewöhnlichen Erscheinungsbild besonderen landschaftlichen Reiz besitzen. Infolge des Strukturwandels der Landwirtschaft und des Zwangs zur Rationalisierung drohen aber gerade diese oft schwierig zu bewirtschaftenden Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen zu werden. Die Flächen sind daher nicht selten einem erheblichen Aufforstungsdruck ausgesetzt oder verbrachen und streben damit langfristig einer natürlichen Wiederbewaldung zu. Beides ist infolge des hohen Eigenartswertes der Flächen als ein Verlust für das Landschaftsbild zu werten. Gleichzeitig geht mit der Bewaldung der Flächen ein Teil ihres historischen Informationswertes verloren.
  • Zu den Offenlandschaften, die deshalb von Wiederbewaldung durch Erstaufforstungen oder Sukzession freigehalten werden sollen, zählen insbesondere
  • die waldfreien Hochflächen der Hohen Rhön, die die Eigenart des „Landes der offenen Fernen“ prägen
  • magere, feuchte oder trockene Grünlandflächen (auch an typischerweise bewaldeten Standorten), die aufgrund ihrer besonderen Blühaspekte und der vom übrigen Grünland abweichenden Frühjahrs- und Herbstfärbung wichtige Elemente eines abwechslungsreichen Landschaftsbildes sind.
  • die waldfreien Talräume der größeren Flüsse ebenso wie die schmalen Wiesentäler der großflächigen Waldgebiete
  • Rodungsinseln wie z.B. um Waldfenster, Wittershausen oder Völkershausen, die aufgrund ihrer nahezu idealtypischen Ausprägung, ein besonders anschauliches Bild dieser charakteristischen Siedlungsform geben
  • brachgefallene Weinberge z.B. im Maintal am Ebelsberg und bei Schonungen, um Sulzthal, im Tal der Fränkischen Saale um Hammelburg und ehemalige Hutungen z.B. um Münnerstadt
  • kleinteilig gegliederte und traditionell geprägte Bereiche der Kulturlandschaft wie z.B. die Hanglagen am Süd- und Ostanstieg der Langen Rhön, die Talhänge im Sinntal, die Schwarzen Berge, die Hänge um Altenstein und das Vorland der Haßberge.

L 10       In den in der Region Main-Rhön liegenden Teilen des Biosphärenreservats Rhön und der Naturparke Bayerische Rhön, Haßberge und Steigerwald soll entsprechend ihrem Schutzzweck der Pflege und Entwicklung des Landschaftsbildes eine besondere Bedeutung zukommen.

In der Region Main-Rhön liegen Teile des Biosphärenreservates Rhön, der Naturpark Bayerische Rhön, der überwiegende Teil des Naturparks Haßberge sowie der Nordrand des Naturparks Steigerwald.
Biosphärenreservate dienen dem Schutz, der Pflege und der Entwicklung von Kulturlandschaften in Verbindung mit der Entwicklung nachhaltiger Wirtschaftsweisen. Im Rahmen dieser Zielsetzung gilt es, auch die ästhetischen Ressourcen einer Kulturlandschaft zu berücksichtigen.
Eine der Vorgaben für die Ausweisung von Naturparken ist das Vorhandensein der landschaftlichen Voraussetzungen für umweltverträgliche Erholungsformen. Für eine diesbezügliche Erholungseignung eines Gebietes ist das Landschaftsbild von zentraler Bedeutung. Schutzziel von Naturparken ist die Pflege und die Entwicklung der Gebiete entsprechend ihrem Naturschutz- und Erholungszweck. Um ihrem Auftrag gerecht zu werden, haben die Naturparke daher den Belangen des Landschaftsbildes in besonderer Weise Rechnung zu tragen.

Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Sicherung und Entwicklung des Landschaftsbildes und Landschaftserlebens

L 11       In Landschaften, die sich durch außergewöhnliche Vielfalt, Eigenart und Schönheit auszeichnen, kommt dem Erhalt und der Entwicklung des typischen Landschaftsbildes bei allen Planungen und Maßnahmen hervorragende Bedeutung zu. Beeinträchtigungen des landschaftlichen Erscheinungsbildes dieser Gebiete sind zu vermeiden. In der Region gilt dies insbesondere für
  •  die Lange Rhön mit ihrem Süd- und Ostanstieg bei Bischofsheim,
  • die Schwarzen Berge,
  • das Sinntal unterhalb von Staatsbad Brückenau,
  •   das Tal der Fränkischen Saale zwischen Bad Neustadt und Bad Kissingen sowie zwischen Bad Kissingen und der Regionsgrenze einschließlich der angrenzenden Muschelkalkhänge,
  • die Kulturlandschaft um Altenstein und
  •  den Trauf und das Vorland der Haßberge von Zeil a. Main bis nördlich von Königsberg.

 

Die genannten Gebiete umfassen Landschaftsteile mit sehr hoher Eigenart und hohen Anteilen von naturbetonten Elementen, von Gewässern, historischen Kulturlandschaftselementen und traditionellen Bewirtschaftungsformen. Sie sind als "Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Erhaltung und Entwicklung des Landschaftsbildes" in Karte 4.4 dargestellt und zeichnen sich durch ihren außergewöhnlich hohen landschaftlichen Reiz aus.

Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Erhaltung und Entwicklung des Landschaftsbildes und Landschaftserlebens

L 12       In Regionsteilen, die sich durch ihre Vielfalt, Eigenart und Schönheit deutlich hervorheben, kommt dem Erhalt und der Entwicklung des Landschaftsbildes bei allen Vorhaben eine besondere Bedeutung zu. Das landschaftliche Erscheinungsbild dieser Gebiete soll nicht beeinträchtigt werden. In der Region gilt dies insbesondere für

  • das Maintal von der östlichen Regionsgrenze bis Zeil a. Main, im Bereich Schonungen und südlich von Hirschfeld,
  • den in der Region liegenden Teil des Naturraums Steigerwaldes ,
  • die Haßberge im Raum Neubrunn und um Jesserndorf,
  • die großen Laubwaldgebiete der Region,
  •  den Trauf der Haßberge von Goßmannsdorf im Süden bis Oberlauringen
  • das Lauertal und Teile des Milztals und des Baunachtals,
  • den Naturraum Hesselbacher Waldland in seinen stark reliefierten Teilbereichen nordöstlich von Schweinfurt und
  • große Teile der Rhön zwischen Saaletal und der Regionsgrenze im Nordwesten
 

Diese Gebiete umfassen abwechslungsreiche Landschaftsteile mit hoher Eigenart, in denen naturbetonte Elemente, Gewässer, historische Kulturlandschaftselemente und traditionelle Bewirtschaftungsformen zu einer erhöhten Vielfalt beitragen. Sie sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Erhaltung und Entwicklung des Landschaftsbildes" in Karte 4.4 dargestellt.


 

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