7.2 Ziele für Funktionsräume und Hinweise für Nutzungen

Hinweis: Die Zuordnung von Landschaftsteilen zu den einzelnen anzustrebenden Funktionsräumen ergibt sich aus einer überlagernden Betrachtung der einzelnen Zielkonzepte. Bei diesem Schritt werden die schutzgutbezogenen Ziele zusammengefasst, die Haupt- und Nebenziele für landschaftliche Teilräume bestimmt und die Maßnahmen benannt, die der Verwirklichung der naturschutzfachlichen und landschaftspflegerischen Ziele dienen. Die erforderlichen Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege für die einzelnen landschaftlichen Teilräume werden in Kapitel 7.3 genannt.

Für die oben (Kap. 7.1) genannten und in Karte 6 dargestellten Gebietstypen der verschiedenen Funktionsräume gelten folgende allgemeine Ziele:


Gebietstyp:    Gebiete mit langfristig natürlicher/naturnaher Entwicklung


In Gebieten mit langfristig natürlicher/naturnaher Entwicklung sollen Arten und Lebensräume grundsätzlich ungestört erhalten und wieder entwickelt werden. Eine Nutzung dieser Gebiete soll nur erfolgen, soweit sie den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht zuwiderläuft. Den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege ist grundsätzlich gegenüber anderen Nutzungsansprüchen Vorrang einzuräumen. Zur Sicherung der Gebiete sollen:

  • eine naturschutzrechtliche Sicherung angestrebt,
  • bestehende Beeinträchtigungen beseitigt,
  • künftige unmittelbare und mittelbare Beeinträchtigungen vermieden,
  • Störungen durch Erholungssuchende minimiert
werden.
 

In Gebieten, in denen langfristig eine natürliche bzw. naturnahe Entwicklung angestrebt werden sollte, sind Landschaftsteile, in denen vorrangige Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege bestehen. Sie umfassen naturnahe bewaldete oder natürlicherweise waldfreie Lebensräume mit hervorragender naturschutzfachlicher Qualität, in denen Eingriffe durch den Menschen ausschließlich der Optimierung und Entwicklung der Lebensräume dienen sollen und die Selbstregulierungsprozesse der Ökosysteme (z.B. geschlossene Stoffkreisläufe) nicht beeinflusst werden sollen.

In den Gebieten stehen vor allem Sicherungs- und Optimierungsmaßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege im Vordergrund. Daran sollen sich alle anderen Nutzungen orientieren. Grundsätzlich sollte in Zukunft nur eine ruhige, naturbezogene, mit den Zielen des Naturschutzes vereinbare Erholungsnutzung stattfinden.

Folgende Maßnahmen sind erforderlich:

  • Naturschutzrechtliche Sicherung der Gebiete.
  • Minderung bestehender Beeinträchtigungen; hierzu soll auf eine Reduzierung insbesondere der land- und forstwirtschaftlichen oder fischereilichen Nutzungen in den Gebieten hingewirkt werden. Langfristig sollten wirtschaftlich orientierte Nutzungen möglichst ganz ausgeschlossen werden. Erforderliche Maßnahmen sind z.B.:
    • Erarbeitung von Schutz-, Pflege- und Entwicklungskonzepten,
    • Einrichtung von großen Naturwaldreservaten (>100 ha) im Staatsforst,
    • Flächenankäufe,
    • Einrichtung von Pufferzonen,
    • Vereinbarung einer naturnahen Bewirtschaftung bei Privatwäldern.
  • Keine neuen unmittelbaren und mittelbaren Beeinträchtigungen der hochwertigen Lebensräume und ihrer Standortvoraussetzungen, d.h.:
    • grundsätzlich keine neuen Flächeninanspruchnahmen durch andere Nutzungen,
    •  keine Gestattung benachbarter Nutzungen, die dem Schutzzweck entgegenlaufen. (Möglich sind jedoch zeitlich und räumlich begrenzte Maßnahmen, wenn sie der Verbesserung der Lebensraumqualität des Gesamtgebietes nützlich sind; z.B. Freihaltung von wertvollen Offenlandbiotopen.)
  • Ergreifung von Maßnahmen zur Vermeidung von Störungen durch Erholungssuchende, wie z.B.:
    • ´´Einrichtung von Lehrpfaden und Informationsstätten,
    •  Durchführung naturkundlicher Informationsveranstaltungen und Exkursionen,
    • ´´Lenkungsmaßnahmen wie Wegegebote und Betretungsverbote.
  • Erhaltung großflächig unzerschnittener Räume.

Wichtige Schwerpunktgebiete dieses Gebietstyps sind die Hochmoore in der Hohen Rhön und alle aktuell hochwertigen Waldgebiete der Region Main-Rhön (außer Nieder- und Mittelwälder), in denen eine möglichst naturnahe Waldbewirtschaftung und in ausgewählten Teilbereichen sogar ein Aussetzen der Bewirtschaftung anzustreben ist. Viele weitere Gebiete mit sehr hoher Lebensraumqualität in der Region sind auf spezielle Nutzungs- und Bewirtschaftungssysteme angewiesen oder bedürfen einer geeigneten Pflege, so dass sie nicht in die Kategorie dieses Gebietstyps fallen.

Als „Suchräume für Kompensationsmaßnahmen“ im Zuge der Eingriffsregelung werden diese Gebiete nicht empfohlen, weil sie sich entweder bereits in einem naturschutzfachlich hochwertigen Zustand befinden oder eine Optimierung allein durch eine naturnah ausgerichtete Bewirtschaftung erzielt werden kann (z.B. Waldgebiete mit hohem oder sehr hohem Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume, die derzeit aufgrund der Baumartenzusammensetzung oder der Bewirtschaftungsweise noch nicht einen naturschutzfachlich optimalen Zustand aufweisen).

Gebietstyp:    Landnutzung mit vorherrschenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild

In Gebieten mit vorherrschenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild sollen insbesondere durch extensive land- oder forstwirtschaftliche Nutzungen entstandene Kulturökosysteme wie z.B. Streuwiesen und besonders wertvolle Landschaftsräume erhalten und wieder entwickelt werden. Den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege ist grundsätzlich gegenüber anderen Nutzungsansprüchen Vorrang einzuräumen. Insbesondere sollen:

  • vordringlich land- und forstwirtschaftliche Nutzungsweisen mit pflegendem und naturschutzorientiertem Charakter gefördert,
  • ursprüngliche Standorteigenschaften erhalten und entwickelt,
  • hochwertige Gebiete naturschutzrechtlich gesichert,
  • Stoffeinträge durch Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung reduziert,
  • neue Flächeninanspruchnahmen vermieden,
  • Störungen durch Erholungssuchende minimiert
werden.
 

Gebiete, in denen die Landnutzungen vorherrschende Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild erbringen sollen, sind Landschaftsteile, in denen vorrangige Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege bestehen. Zusammen mit den Gebieten mit langfristig natürlicher/naturnaher Entwicklung stellen sie die für den Aufbau eines landesweiten Biotopverbundsystems erforderlichen Gebiete dar. Sie umfassen:

  • naturbetonte oder ehemals naturbetonte Kulturökosysteme (z.B. Feucht- und Nasswiesen, Halbtrockenrasen, Heckenlandschaften, extensiv genutzte Ackerlandschaften, Wiesenbrütergebiete) mit hohem Naturschutzwert,
  • Landschaftsteile mit sehr hoher Empfindlichkeit der Landschaftspotenziale Boden und Wasser,
  • Landschaftsräume mit regional oder landesweit bedeutsamen Sonderstandorten (organische Böden, reine Sandböden, Sonderstandorte auf Basalt etc.)
  • vorrangig zu entwickelnde, zur Zeit jedoch noch intensiv genutzte, teilweise auch beeinträchtigte Landschaftsteile, die für die Bereitstellung von ausreichenden Kernlebensräumen seltener Arten und eines funktionsfähigen regionalen Biotopverbundes geeignet und erforderlich sind,
  • stadtnahe Erholungslandschaften.

Für andere Nutzungen ergeben sich in aller Regel hohe Anforderungen bzw. an diesen Zielen ausgerichtete Handlungsspielräume. Von Nutzungen ausgehende Beeinträchtigungen, die den Zielen entgegenstehen, sollen ausgeschlossen werden. In der Regel ist eine extensive, an den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege orientierte Land- oder Forstwirtschaft erwünscht, um Kulturökosysteme oder das landschaftliche Erscheinungsbild zu erhalten bzw. wieder zu entwickeln. Ohne den Einsatz von Fördermitteln sind diese extensiven Nutzungen aber praktisch kaum zu erreichen. Diese Gebiete stellen somit Schwerpunkte der Landschaftspflege dar, die sich für die effiziente Anwendung von Förderprogrammen des Naturschutzes, aber auch anderer Fachbereiche, wie z.B. der Land- und Forstwirtschaft oder der Wasserwirtschaft, besonders anbieten.

In den Gebieten sind Entwicklungsmaßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege besonders vordringlich. Folgende Maßnahmen sind erforderlich:

  • Durchführung land- und forstwirtschaftlicher Nutzungsweisen mit pflegendem und naturschutzorientiertem Charakter. Hierzu sind u.a. erforderlich:
    • Erarbeitung von Schutz-, Pflege- und Entwicklungskonzepten,
    • Durchführung von Pflegemaßnahmen und Artenhilfsmaßnahmen,
    • Einsatz von Fördermitteln (Bayer. Vertragsnaturschutzprogramm, Kulturlandschaftsprogramm),
    • gegebenenfalls Nutzungsauflassung und Durchführung von Biotopentwicklungsmaßnahmen,
    • Durchführung einer naturnahen Waldbewirtschaftung und Förderung der Wiedereinführung historischer Waldnutzungsformen.
  • Naturschutzrechtliche Sicherung der hochwertigsten Gebiete.
  • Förderung einer besonders natur- und umweltschonenden landwirtschaftlichen Nutzung und Vermeiden stofflicher Einträge, die zu Standortveränderungen und Belastungen der Schutzgüter Boden und Wasser führen, z.B. durch:
    • Erhalt von Grünlandflächen bzw. Förderung des Grünlandanteils,
    • Durchführung einer extensiven Grünlandnutzung,
    • wirksame Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln,
    • deutlich reduzierter Einsatz von Düngemitteln, insbesondere in Überschwemmungsgebieten und Gebieten mit hoher Stoffeintragsdisposition ins Grundwasser.
    • Erhalt und Entwicklung ursprünglicher Standorteigenschaften:
    • Erhalt hoher Grundwasserstände (keine Durchführung von Entwässerungsmaßnahmen),
    • Durchführung von Wiedervernässungsmaßnahmen,
    • Erhalt nährstoffarmer Standortverhältnisse,
    • Durchführung von Aushagerungsmaßnahmen.
  • Vermeiden neuer Flächeninanspruchnahmen. So sollen insbesondere keine großflächigen Überbauungen und weitere Zerschneidungen der Gebiete erfolgen. Abbauvorhaben sollen in den dargestellten Gebieten grundsätzlich nicht stattfinden.
  • Vermeiden von Störungen durch Erholungssuchende in hochwertigen Lebensräumen störungsempfindlicher Arten durch:
    • Einrichtung von Lehrpfaden und Informationsstätten,
    • Durchführung naturkundlicher Informationsveranstaltungen und Exkursionen,
    • Wegegebote und Betretungsverbote,
    • Konzentration der Erholungsnutzung in dafür vorgesehene Gebiete zur Entlastung empfindlicher Bereiche.
  • Erhaltung großflächig unzerschnittener Räume.

Diesem Gebietstyp entsprechen in der Region Main-Rhön die Kulturlandschaften außerhalb der Wälder, in denen insbesondere dem Arten- und Biotopschutz sowie dem Gewässer- und Auenschutz eine hervorragende Bedeutung zukommt.
Wichtige Schwerpunktgebiete dieses Gebietstyps sind z.B. weite Teile der Hohen Rhön, die meisten Täler der Südrhön einschließlich dem Tal der Fränkischen Saale, ein Großteil der Wellenkalkgebiete sowie die strukturreichen Gebiete an den Maintalhängen, am Hassberg- und Steigerwaldtrauf.

Als „Suchräume für Kompensationsmaßnahmen“ im Zuge der Eingriffsregelung eignen sich innerhalb dieser Gebiete vor allem Teilgebiete im Bereich wichtiger Biotopverbundachsen, die ein hohes oder sehr hohes Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume, aktuell aber noch einen entwicklungsbedürftigen Zustand aufweisen. Weitere Teilräume dieser Gebietskategorie  kommen vor allem dann als „Suchräume“ in Frage, wenn durch ihre Optimierung ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des regionalen oder landesweiten Biotopverbunds erreicht werden kann, z.B. aufgrund der Lage zwischen zu vernetzender Natura 2000-Gebiete. Voraussetzung ist auch hier, dass sowohl ein hohes oder sehr hohes Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume als auch ein entwicklungsbedürftiger Zustand vorliegt (z.B. intensiv genutzte Ackerflächen innerhalb Mager-Trocken-Verbunds innerhalb des Wellenkalkzuges).

Gebietstyp:    Landnutzung mit bedeutenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild

In Gebieten mit bedeutenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild, sollen die Nutzungen der besonderen Empfindlichkeit der Landschaftsräume und den besonderen Funktionen für Naturschutz und Landschaftspflege sowie für die Erholungsnutzung angepasst werden. Insbesondere sollen:

  • eine grundwasserschonende Landwirtschaft und allgemein naturschonende landwirtschaftliche Nutzungen gefördert,
  • sonstige stoffliche Einträge reduziert bzw. vermieden,
  • naturnahe Waldbestände gefördert,
  • die Laubholzanteile in nadelholzdominierten Wäldern erhöht,
  • ausreichende Flächenanteile und Vernetzung naturnaher Strukturen entwickelt,
  • Flächeninanspruchnahmen minimiert,
  • der Erholungswert erhalten und entwickelt
  • werden.

Den Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege soll im Konfliktfall besonderes Gewicht eingeräumt werden.

 

Gebiete, in denen die Landnutzungen bedeutende Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild erbringen sollen, bezeichnen z.B. Landschaftsteile mit besonderen Problemstellungen hinsichtlich des Ressourcenschutzes (insbesondere Wasser, Boden). In solchen Gebieten kann eine Förderung ressourcenschonender Landbewirtschaftungen besonders effizient erfolgen, wobei gleichzeitig gute Entwicklungsmöglichkeiten für den Aufbau von Biotopverbundsystemen bestehen. Sie umfassen:

  • Landschaftsteile mit hoher Empfindlichkeit der Naturgüter Boden und Wasser,
  • Landschaftsteile mit besonderen Standorten (z.B. auf flachgründigen Gesteinsverwitterungsböden),
  • Erholungslandschaften,
  • struktur- und biotopreichere Landschaften, die den regionalen Biotopverbund ergänzen und Kerngebiete örtlicher Biotopverbundsysteme darstellen.

Für andere Nutzungen ergeben sich bestimmte Anforderungen, um Belastungen empfindlicher Landschaftsteile zu vermeiden. In den Gebieten stehen Entwicklungsmaßnahmen (Neuschaffung naturnaher Lebensräume) und vorbeugende Schutzmaßnahmen im Vordergrund.

Folgende Maßnahmen werden vorgeschlagen:

  • Förderung einer grundwasserschonenden Landwirtschaft und Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung in entsprechend empfindlichen Landschaftsteilen durch:
    • Erhalt von Grünlandflächen und Vermeidung von Nutzungsänderungen im Hinblick auf höhere Nitratausträge,
    • Förderung des Grünlandanteiles insbesondere auf organischen und grundwasserbeeinflussten Böden,
    • mengenmäßige und zeitliche Einschränkung von Gülledüngung und Klärschlammausbringung,
    • langfristige Vermeidung der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln mit Wasserschutzgebietsauflage,
    •  mengenmäßige Begrenzung von Wirtschaftsdüngergaben auf unter 1,5 Dungeinheiten/ha,
  • Förderung naturnaher Waldbestände, hierzu:
    • Durchführung einer naturnahen Waldbewirtschaftung,
    • Erhöhung von Alt- und Totholzanteilen,
    • Förderung breiter, strukturreicher Waldränder und -säume,
    • Förderung natürlicher Sukzessionsflächen,
    •  Waldverjüngung und Wiederaufforstung grundsätzlich mit standortheimischen Baumarten,
    • Erhöhung des Laubholzanteils in Nadelwäldern auf Laubwaldstandorten,
    • Förderung historischer Waldbewirtschaftungsformen (Niederwald, Mittelwald),
    • grundsätzliche Vermeidung des Einsatzes von Pestiziden.
  • Reduzierung und Vermeidung sonstiger stofflicher Einträge, die zu Standortveränderungen und Belastungen der Schutzgüter Boden und Wasser führen oder bestehende Lebensräume beeinträchtigen.
  • Entwicklung eines Mindestflächenanteiles von 3 - 10 % naturnaher Flächen, hierzu:
    • Beibehaltung eines kleinteiligen Nutzungsmusters,
    • Entwicklung und Arrondierung vorhandener Biotopstrukturen zu großflächigen Lebensräumen,
    • Entwicklung von örtlichen Biotopverbundsystemen.
  • Einschränkung von neuen Flächeninanspruchnahmen. Großflächige Überbauungen sollen möglichst vermieden werden. Ebenso sollen zusätzliche Zerschneidungen in landschaftlich empfindlichen und für die Entwicklung und Erhaltung von Lebensräumen besonders geeigneten Gebieten vermieden werden. Abbauvorhaben können in den dargestellten Gebieten eingeschränkt stattfinden, wenn durch Renaturierungs- oder Rekultivierungsmaßnahmen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege umgesetzt oder bestehende Beeinträchtigungen vermindert werden können.
  • Erhalt und Entwicklung des häufig hohen Erholungswertes in den dargestellten Gebieten,
  • Erhalt großflächig unzerschnittener Räume (Lebensraum für Tiere sowie Erholungsvorsorge),
  • Erhalt großflächig unverlärmter Räume (Erholungsvorsorge).

Diesem Gebietstyp entsprechen in der Region Main-Rhön die Landschaftsteile, in denen dem Bodenschutz oder der Erholungsfunktion eine hervorragende oder besondere Bedeutung (im stadtnahen Bereich) zukommt; darüber hinaus fallen Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz, dem Gewässer-, Auen- oder Grundwasserschutz in diese Kategorie. Aber auch Gebiete, denen für den Klimaschutz oder die ruhige naturbezogene Erholung in Verbindung mit dem Landschaftsbild eine hervorragende Bedeutung zuzusprechen ist, werden hier dazugerechnet.

Wichtige Schwerpunktgebiete dieses Gebietstyps sind in der Region Main-Rhön z.B. weite Teile der Vorder- und Kuppenrhön, der Südrhön und auch viele Waldgebiete und strukturreichere Kulturlandschaften in den Mainfränkischen Platten sowie im Keuper-Lias-Land. Ebenso zählen die beeinträchtigten und von intensiven Nutzungsformen überprägten Teile des Maintals – aufgrund ihres hohen Entwicklungspotenzial und der Empfindlichkeit einiger Schutzgüter – zu diesem Gebietstyp.

Insbesondere außerhalb der Wälder eignen sich diese Gebiete vielfach als „Suchräume für Kompensationsmaßnahmen“ im Zuge der Eingriffsregelung, zumal sie aus naturschutzfachlicher Sicht meist noch entwicklungsbedürftig sind. Voraussetzung für einen möglichst effizienten Einsatz von Kompensationsmaßnahmen sollte auch hier nach Möglichkeit der räumliche Bezug zu wichtigen Biotopverbundachsen oder zu Gebieten sein, deren Beitrag zum regionalen oder landesweiten Biotopverbund aufgrund ihrer Lage von besonderer Bedeutung ist bzw. wäre (z.B. Entwicklung eines strukturärmeren Gebiets innerhalb typischer Heckenlandschaften in räumlichem Bezug zu benachbarten hochwertigen Heckengebieten, die vernetzt werden sollten).

Gebietstyp:    Landnutzung mit begleitenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild

In Gebieten mit begleitenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild sollen von den Nutzungen keine nachhaltigen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft ausgehen. Auf die Entwicklung einer vielfältigen Landschaftsstruktur soll hingewirkt werden.

Insbesondere sollen:

  • eine umweltverträgliche Landbewirtschaftung durchgeführt,
  • Böden schonend bewirtschaftet,
  • Flächeninanspruchnahmen oder Beeinträchtigungen landwirtschaftlicher Flächen hoher Ertragsfähigkeit vermieden,
  • die Laubholzanteile in Nadelwäldern erhöht,
  • naturnahe Flächen entwickelt,
  • großflächig unzerschnittene Räume erhalten

werden.

 

Gebiete, in denen die Landnutzungen begleitende Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild erbringen sollen, bezeichnen Landschaftsteile, in denen allgemeine Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege bestehen. Sie umfassen in aller Regel schwach bis mittel geneigte Landschaften mit durchschnittlichen bis ertragsstarken Böden.

Zur Zeit werden die dargestellten Gebiete meist sehr intensiv bewirtschaftet und sind vielfach arm an naturbetonten Strukturen. Für die Gebiete bestehen wichtige Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege, die vor allem der Verbesserung der allgemeinen Lebensraumfunktion und zur Erhaltung der wichtigen naturhaushaltlichen Funktionen im Bereich des Boden- und Grundwasserschutzes dienen. In den Gebieten stehen vor allem Entwicklungsmaßnahmen (Neuschaffung naturnaher Lebensräume), vorbeugende Schutzmaßnahmen und ökologische Sanierungsmaßnahmen im Vordergrund.

  • Folgende Maßnahmen sind vorzusehen:
    • Entwicklung eines Mindestflächenanteils von 3 - 5 % naturnaher Flächen, hierzu:
    •  Neuschaffung naturnaher Strukturen,
    • Entwicklung lokaler Biotopverbundsysteme.
  • Pflegliche Landbewirtschaftung, z.B. durch:
    •  Berücksichtigung der Nährstoffgehalte von Ernteresten sowie der Nachlieferung aus dem Boden bei der Düngung,
    •  Einberechnung des Wirtschaftsdüngers in die Stickstoff- und Phosphatbilanz des Betriebs,
    •  jahreszeitlich angepasste und technisch optimierte Ausbringung von Wirtschaftsdünger,
    • bei ausreichenden Niederschlägen Nachbau einer Winterung (Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen) bzw. einer Zwischenfrucht zur möglichst langen Bodenbedeckung bzw. zur Verlängerung des Stickstoffentzugs,
    •  Orientierung der Düngung am Entzug,
    • flächenangepasste Tierhaltung,
    • Pflanzenschutz nach Schadschwellen,
    • Bevorzugung nützlingsschonender Pflanzenschutzmittel.

     

Diesem Gebietstyp werden in der Region Main-Rhön die verbleibenden Landschaftsteile außerhalb der Siedlungsbereiche zugerechnet. Wichtige Schwerpunktgebiete dieses Gebietstyps sind in der Region Main-Rhön z.B. weite Teile des Grabfeldgaus, der Wern-Lauer-Platten, der Gäuplatten im Maindreieck und viele Teillandschaften des Itz-Baunach-Hügellands.

Als „Suchräume für Kompensationsmaßnahmen“ im Zuge der Eingriffsregelung werden diese Gebiete nicht empfohlen, da in Anbetracht der meist überwiegend ungünstigen Ausgangsbedingungen in der Regel nur eine verhältnismäßig geringe Effizienz für die Optimierung und Förderung des regionalen Biotopverbunds erzielt werden kann.

Gebietstyp:    Übrige Flächennutzungen mit begleitenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild

In Gebieten übriger Flächennutzungen mit begleitenden Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild sollen Belastungen von Natur und Landschaft vermindert und ökologische Funktionen wieder gestärkt werden.

Insbesondere sollen:

  • naturnahe Siedlungslebensräume erhalten,
  • der biologische Verbund von Siedlungslebensräumen verbessert,
  • die Grundwasserneubildung gefördert,
  • Freiflächen erhalten und neu geschaffen,
  • Renaturierungen stark verbauter Fließgewässer im Siedlungsbereich durchgeführt,
  • Grünverbindungen in die freie Landschaft entwickelt,

werden

 

Gebiete, in denen übrige Flächennutzungen begleitende Leistungen für Naturhaushalt und Landschaftsbild erbringen sollen, umfassen Siedlungs- und Industriegebiete, in denen in aller Regel die Naturhaushalts- und Landschaftsfunktionen stark beeinträchtigt und überlastet sind. Die Gebiete können aber durchaus wichtige Teilleistungen, z.B. für den Arten- und Biotopschutz, erbringen.

Für die Gebiete bestehen vor allem Ziele, die einer Minderung bestehender Belastungen und der Verbesserung von Landschafts- und Naturhaushaltsfunktionen dienen. In den Gebieten stehen deshalb ökologische Sanierungsmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes im Vordergrund.

Als wichtige Maßnahmen ergeben sich insbesondere:

  • Erhaltung naturnaher Siedlungslebensräume,
  • Verbesserung der ökologischen Vernetzung von Siedlungslebensräumen,
  • Förderung der Grundwasserneubildung durch
    • Entsiegelung großflächig überbauter Flächen,
    •  Versickerung von Niederschlagswasser;
  • Erhaltung und Neuschaffung von Freiflächen
    • zur Verbesserung der Kalt- und Frischluftzufuhr in Siedlungsräumen und
    • für wohnungsnahe Erholungsmöglichkeiten;
  • Schaffung von Grünverbindungen in die freie Landschaft,
  • Sanierung von Altlasten,
  • Durchführung von Dachbegrünungen als Ersatz verlorengegangener Bodenfunktionen,
  • Flächensparende Bauweisen,
  • Nutzung alternativer Energien.

Wichtige Schwerpunktgebiete dieses Gebietstyps sind vor allem Siedlungs- und Industriegebiete mit Ausnahme innerörtlicher, regional bedeutsamer Grünzüge, Erholungsgebiete oder naturbetonter Lebensräume.

Als „Suchräume für Kompensationsmaßnahmen“ im Zuge der Eingriffsregelung werden diese Gebiete nicht empfohlen, da in Anbetracht der meist überwiegend ungünstigen Ausgangsbedingungen in der Regel nur eine verhältnismäßig geringe Effizienz für die Optimierung und Förderung des regionalen Biotopverbunds erzielt werden kann.


 

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