8.2 Vorschläge für regionale Grünzüge und Trenngrün


8.2.1    Regionale Grünzüge

Als Regionale Grünzüge sollen in der Region Main-Rhön folgende Landschaftsteile dargestellt werden:

  • Tal der Sinn unterhalb Bad Brückenau (Gz1)
  • Brendtal zwischen Bischofsheim und Bad Neustadt (Gz2)
  • Tal der Fränkischen Saale im Raum Bad Neustadt (Gz3)
  • Tal der Fränkischen Saale unterhalb Hammelburg (Gz4)
  • Tal der Fränkischen Saale zwischen Kleineibstadt und Bad Königshofen (Gz5)
  • Werntal oberhalb Schnackenwerth (Gz6)
  • Stadtnahe Wälder und Täler im Umfeld Schweinfurts (Gz7)
  • Maintal zwischen Schonungen und Hirschfeld (Gz8)
  • Maintal zwischen Eltmann und Gädheim (Gz9)
  • Preppachtal westlich Ebern (Gz10)

Lage und Umgriff der Regionalen Grünzüge werden in Karte 7a dargestellt. In den Regionalen Grünzügen sollen Planungen und Maßnahmen unterbleiben, die die jeweiligen Funktionen beeinträchtigen.

 

Die Regionalen Grünzüge umfassen in gebietsscharfer Abgrenzung Gebiete, in denen Planungen und Maßnahmen unterbleiben sollen, die ihre Funktionen gemäß den Zielen des Bayerischen Landesentwicklungsprogramms in Verbindung mit dem gültigen Regionalplan jeweils nachteilig beeinträchtigen können. Regionale Grünzüge sollen gemäß den Zielen des Bayerischen Landesentwicklungsprogrammes, insbesondere in Verdichtungsräumen, zur

  • Sicherung eines ausreichenden Luftaustausches und Verbesserung des Bioklimas,
  • großflächigen, regionalen Gliederung des Siedlungsraumes und
  • Sicherung einer siedlungsnahen, landschaftsgebundenen Kurzzeit- und Naherholung beitragen (LEP, B I 2.2).

Als Regionale Grünzüge werden deshalb Gebiete mit besonderer oder hervorragender Bedeutung für die Erhaltung des Kalt- bzw. Frischlufttransportes (vgl. Karte 4.1), Gebiete mit besonderer oder hervorragender Bedeutung für die Erhaltung und Entwicklung einer siedlungsnahen, naturbezogenen Erholungsnutzung (vgl. Karte 4.4) oder solche Gebiete vorgeschlagen, die wichtige, siedlungsgliedernde Grünzäsuren darstellen. Als in der Regel multifunktionale Freiräume sollen die dargestellten Gebiete von einer Bebauung freigehalten werden. Ihre besonderen Freiraumfunktionen sind zu erhalten.

Tal der Sinn unterhalb Bad Brückenau (Gz1):

Das Tal der Sinn stellt in der Region 3 für den Kurort und das Mittelzentrum Bad Bückenau eine wichtige Frischlufttransportbahn dar. Neben den stadtnahen Wäldern ist das Sinntal auch das wichtigste Gebiet für eine naturbezogene Erholung im Umfeld Bad Brückenaus.
Es soll zur Aufrechterhaltung dieser bedeutenden Funktionen als durchgehender Talraum von Bebauung freigehalten bleiben, worauf insbesondere die bauliche Entwicklung in der Gemeinde Zeitlofs abzustimmen ist.

Brendtal zwischen Bischofsheim und Bad Neustadt (Gz2):

Das Brendtal bildet für den Kurort Bad Neustadt/Saale eine wichtige Frischlufttransportbahn. V.a. stellt es aber die einzige Kaltlufttransporttransportbahn in der Region 3 dar, die mit Bad Neustadt/Saale einen Ort von der Größe und Funktion eines Mittelzentrums erreicht.
Das Brendtal soll deshalb als durchgehender Talraum von Bebauung freigehalten bleiben, was insbesondere bei der baulichen Entwicklung der Orte Unterweißenbrunn, Wegfurt und Schönau zu berücksichtigen ist.

Tal der Fränkischen Saale im Raum Bad Neustadt (Gz3):

Das Tal der Fränkischen Saale zwischen Herschfeld und Niederlauer stellt für den Kurort und das Mittelzentrum Bad Neustadt/Saale einen vergleichsweise großflächigen, zentralen Freiraum mit vielfältigen Funktionen dar: siedlungsnahe naturbezogene Erholung, Retention, Frischluftzufuhr, Siedlungsgliederung.
Diese Funktionen im Tal der Fränkischen Saale sollen ungeschmälert erhalten werden, weshalb es von weiterer Bebauung oder emissionsträchtiger Durchschneidung (wie durch die B 19) freigehalten werden soll. Die Aufrechterhaltung dieser Funktionen ist insbesondere im Rahmen der Bauleitplanung der Gemeinden Bad Neustadt/Saale und Salz zu beachten.

Tal der Fränkischen Saale unterhalb Hammelburg (Gz4):

Das Tal der Fränkischen Saale unterhalb Hammelburg stellt ein wichtiges Frischluftzufuhrgebiet für das Mittelzentrum Hammelburg dar.
Im dargestellten Grünzug ist einer weiteren Siedlungsentwicklung und einer weiteren Inanspruchnahme für Verkehrsinfrastruktur entgegenzuwirken.

Tal der Fränkischen Saale zwischen Kleineibstadt und Bad Königshofen (Gz5):

Das Tal der Fränkischen Saale fungiert in diesem Abschnitt als wichtige Frischlufttransportbahn für den Kurort und das Mögliche Mittelzentrum Bad Königshofen. Es stellt darüber hinaus das wichtigste stadtnahe Erholungsgebiet dar.
Es soll zur Aufrechterhaltung dieser bedeutenden Funktionen als durchgehender Talraum von Bebauung freigehalten bleiben, worauf insbesondere die bauliche Entwicklung in den Gemeinden Großeibstadt und Bad Königshofen abzustimmen ist.

Werntal oberhalb Schnackenwerth (Gz6):

Das Werntal stellt zum einen zwischen Schnackenwerth und Schweinfurt/Niederwerrn eine der wichtigsten Frischluftbahnen für das Oberzentrum Schweinfurt dar. Oberhalb Niederwerrn fungiert es als bedeutendes Landschaftselement zur Siedlungsgliederung in einem Schwerpunktgebiet der Siedlungsentwicklung im Verdichtungsraum Schweinfurt und der Region 3 insgesamt. Darüber hinaus ist es im gesamten dargestellten Abschnitt noch ein wichtiger stadtnaher Naherholungsraum, wobei dieser nach Fertigstellung der BAB 71 nur noch bis Oberwerrn reichen dürfte. Da die BAB A71 das Werntal auch oberhalb Schnackenwerth durchquert, schränkt sie auch die Qualität der Frischluftzufuhr Richtung Schweinfurt ein.
Umso dringlicher sollen daher die o.g. Funktionen des Werntals vor einer weiteren Beeinträchtigung durch Bebauung oder emissionsträchtiger Durchschneidung gesichert werden. Hierauf ist v.a. die Bauleitplanung der Stadt Schweinfurt sowie der Gemeinden Poppenhausen, Niederwerrn und Geldersheim abzustimmen.

Stadtnahe Wälder und Täler um Schweinfurt (Gz7):

Die Waldgebiete und Täler des Hesselbacher Waldlands, die sich nördlich Schweinfurt erstrecken, weisen eine hervorragende Bedeutung für die Nah- und Feierabenderholung auf, insbesondere wegen ihres vielfältigen Vegetationsbestandes und ihres erlebnisfördernden Reliefs. Außerdem leisten sie einen Beitrag zum horizontalen Luftaustausch für das Stadtgebiet Schweinfurts.
Südlich des Maintals erfüllen die Wälder östlich Reichelshof und nördlich Schwebheim trotz Beeinträchtigung durch Verkehrslärm ebenfalls eine wichtige stadtnahe Erholungsfunktion für das Oberzentrum Schweinfurt.
Das Erholungspotenzial dieser Räume und die gebietsweise vorhandenen klimatischen Funktionen gilt es zu sichern. Aus Gründen der Erholungsvorsorge sollte daher ein Vordringen städtischer Siedlungsflächen oder weitere Zerschneidungen durch Infrastrukturmaßnahmen vermieden werden. Im Bereich der Rodungsinsel östlich Üchtelhausen soll zur Stärkung der Erholungsfunktion das landschaftliche Erscheinungsbild durch das Einbringen gliedernder Elemente und Strukturen in landschaftstypischer Weise aufgewertet werden.

Maintal zwischen Schonungen und Hirschfeld (Gz8):

Zwischen Hirschfeld und Schweinfurt stellt das Maintal – trotz Beeinträchtigungen wie der Durchquerung der BAB A70 oder Einengungen durch Siedlungsentwicklung - eine der wichtigsten Frischluftbahnen für das Oberzentrum Schweinfurt dar. Außerdem fungiert es im gesamten dargestellten Abschnitt als bedeutendes Landschaftselement zur Siedlungsgliederung im Verdichtungsraum Schweinfurt. Schließlich ist es zwischen Schweinfurt und Schonungen noch ein wichtiger stadtnaher Nah- und Feierabenderholungsraum.
Auf Grund dieser wichtigen und vielfältigen Funktionen sowie wegen bereits bestehender Belastungen sollen die o.g. Funktionen des Maintals vor weiteren Beeinträchtigungen durch Bebauung oder emissionsträchtiger Durchschneidung gesichert werden. Hierauf ist v.a. die Bauleitplanung der Stadt Schweinfurt und der Gemeinden Sennfeld und Schonungen abzustimmen.

Maintal zwischen Eltmann und Gädheim (Gz9):

Das Maintal stellt in diesem Abschnitt zum einen die bedeutendste Frischluftbahn für das Mittelzentrum Haßfurt sowie die stark gewerblich/industriell geprägten Talbereiche bei Zeil und Eltmann dar. Zwischen Haßfurt und Zeil/Sand sowie im Raum Eltmann fungiert es auch als bedeutendes Landschaftselement zur Siedlungsgliederung in einem Gebiet mit sich abzeichnender Siedlungs- und Infrastrukturverdichtung. Darüber hinaus ist es im gesamten dargestellten Abschnitt noch ein wichtiger Naherholungsraum.
Die o.g. Funktionen des Maintals sollen vor einer weiteren Beeinträchtigung durch Bebauung oder emissionsträchtiger Durchschneidung – wie bereits in den o.g. Teilbereichen geschehen -  gesichert werden. Hierauf ist v.a. die Bauleitplanung der Städte Haßfurt und Eltmann sowie der Gemeinden Gädheim, Theres, Wonfurt, Knetzgau, Zeil a. Main und Sand abzustimmen.

Preppachtal westlich Ebern (Gz10):

Das Preppachtal läuft von Westen auf die Stadt Ebern zu und besitzt daher für deren Frischluftversorgung eine wichtige Bedeutung.
Als Grundvoraussetzung für die langfristige Erhaltung dieser Funktion soll das Preppachtal von weiterer Bebauung und Zerschneidung freigehalten werden, wofür insbesondere die Bauleitplanung der Stadt Ebern selbst maßgeblich ist.



8.2.2    Trenngrün (Grünzäsuren)


Trenngrün soll das Entstehen großflächiger und bandartiger Siedlungsstrukturen vermeiden und die Freiflächen zwischen aufeinander zuwachsenden Siedlungseinheiten erhalten und sichern. Im Unterschied zu Regionalen Grünzügen sind sie allein durch ihre Trennfunktion begründet, nicht jedoch durch die Notwendigkeit der Sicherung konkreter Landschaftsfunktionen (wie z.B. klimatische oder Naherholungs-Funktionen), wobei ggf. vorhandene Landschaftsstrukturen (kleine Bachtäler, markante Geländestufen etc.) als Ansatzpunkte für die Positionierung des als Grünzäsur fungierenden Trenngrüns herangezogen werden können. Durch die mittels Trenngrün freigehaltenen Flächen soll insbesondere eine bandartige Siedlungsentwicklung, v.a. in Verdichtungsräumen vermieden werden (vgl. LEP B II, 1.5).

Die Notwendigkeit von Trenngrün resultiert einzelfallbezogen in erster Linie aus der jeweiligen Siedlungsstruktur, und wird daher bei den Einzelhinweisen zur Siedlungsentwicklung in Kap. 11.3 jeweils ausführlich begründet.


8.3 Vorschläge für Regionale Biotopverbundachsen


Als Regionale Biotopverbundachsen werden in der Region Main-Rhön folgende

  • Landschaftsteile festgesetzt:
    Streutal mit Eisgraben einschließlich der Talhänge (BV 1)
    Elsbachtal mit Sonderbach einschließlich der Talhänge (BV 2)

  • Brendtal mit den Talhängen einschließlich der Oberläufe Schwarzbach und Moorwasser (BV 3)
  • Kellersbachtal und Premichtal mit den Talhängen einschließlich Täler von Schmalwasserbach und Kleiner Steinach (BV 4)
  • Sinntal einschließlich der Talhänge (BV 5)
  • Tal der Kleinen Sinn einschließlich der Talhänge (BV 6)
  • Wellenkalkzug im gesamten Verlauf zwischen dem Truppenübungsplatz Hammelburg und Bad Neustadt entlang des Nordwestrands der Wern-Lauer-Platte und weiter am Westrand des nördlichen Grabfeldgaus zum Ostanstieg der Langen Rhön sowie nach Norden zum Süd- und Westrand der nördlichen Vorder- und Kuppenrhön (BV 7)
  • Thulbatal einschließlich der Talhänge (BV 8)
  • Schondratal einschließlich der Talhänge (BV 9)
  • Milztal (BV 10)
  • Tal der Fränkischen Saale einschließlich der Talhänge (BV 11)
  • Lauertal einschließlich der Talhänge (BV 12)
  • Maintal (BV 13)
  • Unkenbachtal (BV 14)
  • Volkachtal (BV 15)
  • Steigerwaldtrauf (BV 16)
  • Haßbergetrauf (BV 17)
  • Baunachtal (BV 18)
  • Itztal (BV 19)

Lage und Umgriff der Regionalen Biotopverbundachsen werden in Karte 7a dargestellt. In den Regionalen Biotopverbundachsen sollen Planungen und Maßnahmen unterbleiben, die die Funktion der jeweiligen Landschaftsräume als Ausbreitungskorridore für Pflanzen- und Tierarten zwischen naturschutzfachlich hochwertigen Landschaftsteilen behindern.

 

Die genannten Landschaftsräume stellen in der Region Verbindungskorridore für Pflanzen- und Tierarten dar, denen durch ihre Verbundfunktion für den regionalen, überregionalen oder sogar landesweiten Biotopverbund eine hohe Bedeutung zukommt. Als Regionale Biotopverbundachsen sollen innerhalb der Region alle Biotopverbundachsen mit hervorragender Bedeutung (vgl. Kap 6.4) ausgewiesen und ihre biologische Verbindungsfunktion damit gesichert werden. Eine hervorragende Bedeutung wird allen wichtigen Achsen zugesprochen, die verschiedene Naturräume miteinander verbinden. Eine Biotopverbundachse kann aber auch in den Fällen von hervorragender Bedeutung sein, in denen sie überregional oder landesweit bedeutsame Lebensräume miteinander verbindet und daher für seltene und gefährdete Arten eine unverzichtbare Verbindungsfunktion erfüllt oder erfüllen sollte. Oftmals können diese Wander- und Ausbreitungskorridore für das Überleben der Populationen sehr entscheidend sein. Sowohl innerhalb des regionalen als auch landesweiten Biotopverbunds ist die Funktionsfähigkeit dieser Achsen deshalb unverzichtbar. Insbesondere für den Erhalt des Artenpotenzials der wertvollsten Lebensräume der Region, die sie - z.B. durch die Möglichkeit von Wanderbeziehungen - funktional miteinander verbinden, bilden die Biotopverbundachsen mit hervorragender Bedeutung eine der Grundvoraussetzungen. Bezüglich der fachlichen Begründung der Regionalen Biotopverbundachsen wird auf Kap. 6.4 (Ziele Arten und Lebensräume) verwiesen.

 


 

Vorige SeiteSeitenanfangNächste Seite