9.2 Landschaftsschutzgebiete

Zur Erhaltung, Sicherung und Pflege bestehender und geplanter Landschaftsschutzgebiete sollen folgende landschaftspflegerische Grundsätze besonders beachtet werden:
Extensive und kleinteilige Nutzungsweisen sollen erhalten und gefördert werden.
 

Extensive und kleinteilige Nutzungsweisen sind in der Regel charakteristische Kennzeichen traditionell geprägter Kulturlandschaften. Diese Kulturlandschaften haben häufig einen hohen ökologischen Wert, ein besonders ansprechendes landschaftliches Erscheinungsbild und einen hohen Erholungswert. Sie sind oder sollen deshalb als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen werden. Durch den agrarstrukturellen Wandel der letzten Jahrzehnte sind extensive und kleinteilige Nutzungsweisen selten geworden. Um traditionell geprägte Kulturlandschaften langfristig zu sichern, ist darauf hinzuwirken, dass die extensiven, den Standortgegebenheiten angepassten Nutzungsweisen in solchen Landschaftsräumen gesichert werden. Hierzu sollen Fördermöglichkeiten aus dem Kulturlandschaftsprogramm sowie dem Vertragsnaturschutzprogramm genutzt werden.

Großflächige, standortgemäße Grünlandnutzung, insbesondere in Talräumen, in Hanglagen mit trockenen Standorten und in grundwassernahen Landschaftsräumen soll insbesondere in bestehenden und geplanten Landschaftsschutzgebieten erhalten bzw. deren Wiederentwicklung angestrebt werden.  

Großflächige grünlandgenutzte Landschaftsteile besitzen in aller Regel aufgrund ihres landschaftlichen Erscheinungsbildes einen besonderen Erholungswert und zeichnen sich bei extensiver Nutzung durch Vorkommen seltener wiesenbewohnender Arten aus. Wo durch natürliche Standortgegebenheiten (Grenzertragsstandorte, stark geneigte Flächen, Überschwemmungsbereiche, grundwassernahe oder durch Staunässe oder starke Trockenheit gekennzeichnete Standorte die Voraussetzungen für eine großflächige Grünlandnutzung gegeben sind, sollen deshalb verstärkt Anstrengungen zur Entwicklung durchgängiger und ausgedehnter Grünlandbereiche unternommen werden.

Landschaftsprägende Bestandteile, insbesondere

  • naturnahe Strukturen wie abwechslungsreiche Waldränder, gewässerbegleitende Gehölzsäume, extensive Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen, Hochstaudenfluren, Hecken, Feldgehölze,
  • unverbaute Fließ- und naturnahe Stillgewässer,
  • Wiesentäler,
  • Laubwälder und laubholzreiche Mischwälder,
  • naturnah ausgeprägte Hangkanten und Steilhänge, Leiten- und Hangwälder,
  • Alleen, Baumreihen,
  • Böschungen, Ranken, Mulden und andere prägnante Geländestrukturen,
  • gut ausgebildete Ortsränder und Obstgehölzbestände,
  • landschaftstypische Ortsbilder und historische Bauwerke sowie wichtige Sichtbezüge

sollen insbesondere in bestehenden und geplanten Landschaftsschutzgebieten erhalten und, wo möglich, wiederhergestellt werden.

 

Zur Attraktivität des Erscheinungsbildes einer Landschaft tragen ganz wesentlich naturbetonte und durch historische Bewirtschaftungsformen entstandene Strukturen sowie landschaftstypische Bebauung und historische Bauwerke bei. Sie bezeugen die Geschichte einer Landschaft, lassen das Wirkungsgefüge von natürlichen und anthropogenen Faktoren in der Landschaft erkennen und bilden in ihrer Summe die typischen Erkennungsmerkmale einer Landschaft. Dem Erhalt der einzelnen landschaftsprägenden Bestandteile kommt deshalb eine hohe Bedeutung zu.



9.2.1 Bestehende Landschaftsschutzgebiete

Die als Landschaftsschutzgebiete geschützten Landschaftsteile sollen weiterhin in ihrem Bestand gesichert werden.  

Als Landschaftsschutzgebiete sollen nach Art. 10 BayNatSchG Gebiete festgesetzt werden, die

  • zur Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
  • wegen der Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbildes oder
  • wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung

erforderlich sind.
Ca. 55 % der Regionsfläche sind als Naturparke ausgewiesen (siehe Kap. 9.3), deren Schutzzonen (ca. 42 % Flächenanteil) vom Schutzstatus her den Landschaftsschutzgebieten gleichzustellen sind (vgl. Art. 11 BayNatSchG). Da mit den Naturparken die Naturräume der Rhön und der Keuper-Lias-Landschaften weitgehend abgedeckt sind, kommen Landschaftsschutzgebiete nur im Bereich der Mainfränkischen Platten vor. Bislang sind in der Region Main-Rhön ca. 4870 ha als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Dies entspricht einem Flächenanteil von ca. 1,2 %. In den einzelnen Naturräumen stellt sich der Bestand an Landschaftsschutzgebieten wie folgt dar (Tabelle 9.9):

Tabelle 9.10:   Flächenanteile von Landschaftsschutzgebieten an den naturräumlichen Haupteinheiten

Naturraum

Fläche

Anteil

Hohe Rhön (354)

-**

-**

Vorder- und Kuppenrhön (353)

-**

-**

Südrhön (140)*

-**

-**

Grabfeldgau (138)

--

--

Wern-Lauer-Platten (135)

           62 ha

0,1 %

Gäuplatten im Maindreieck (134)

--

--

Schweinfurter Becken (136)*

         459 ha

2,9 %

Hesselbacher Waldland (139)

      3402 ha

12,7 %

Steigerwaldvorland (137)

         860 ha

2,5 %

Steigerwald (115)

-**

-**

Haßberge (116)

-**

-**

Itz-Baunach-Hügelland (117)

-**

-**

* Naturraum Südrhön (141) einschließlich Sandsteinspessart (141) und Schweinfurter Becken (136) einschließlich Mittleres Maintal (133)

**Naturraum liegt überwiegend in der Naturpark-Schutzzone (siehe Kap. 9.3).

In der Region Main-Rhön sind folgende Gebiete als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen (Tabelle 9.10). Lage und Umgriff der Gebiete sind Karte 7b zu entnehmen.

Tabelle 9.11:   Bestehende Landschaftsschutzgebiete

Schutzgebietsbezeichnung

Kurzbeschreibung

Fläche

Naturraum Wern-Lauer-Platten (135)

Höret und Zückberg
(672.02)

Kleinräumiges, verzahntes Mosaik von Wald-, Acker- und Grünland, Weinbergsbrachen, Hecken, Streuobstwiesen, Magerrasenbeständen und Feuchtflächen

62 ha

Naturraum Gäuplatten im Maindreieck (134)

---

---

---

Naturraum Schweinfurter Becken (136) – einschließlich Mittleres Maintal (133)

Im Kies und Unterer Unkenbach
(678.17)

Linksseitige Maintalaue südwestlich Heidenfeld mit großen zusammenhängenden Schilf- und Hochstaudenflächen entlang der Unkenbachaue sowie großflächigen extensiv genutzten artenreichen Salbei- Glatthaferwiesen, die mit Solitäreichen überstellt sind und nach Naturschutzgesichtspunkten gestaltete kleinere Baggerseen

52 ha

Mainauelandschaft bei Sennfeld
(678.02)

Linksseitige Maintalaue bei Sennfeld mit Altwassern, extensiv genutzten Auewiesen sowie Weich- und Hartholzauewaldbeständen mit einem Standortmosaik an ökologisch wertvollen Lebensräumen

50 ha

Wehranlagen
(678.05 und 662.03) 

Kleinere Teilflächen der geschützten linksseitigen Maintalaue mit Hartholzauewald und mageren Salbei-Glatthaferwiesen; Parkanlage für die Naherholung erschlossen; Vogelbrutgebiet (Teilfläche im Landkreis Schweinfurt)

38 ha

Weyerer Bergheide mit Hangwäldern und Altwasser
(678.22)

Alte Kulturlandschaft mit einem Standortmosaik an ökologisch wertvollen Lebensräumen bestehend aus zwei Trockentälern, an deren Talflanken Streuobstwiesen, Magerrasen, Salbei-Glatthaferwiesen sowie Rangen mit Heckenzügen liegen. Im Übergang zum Maintal stocken an Prallhängen artenreiche Hangwälder und schließen ein Altwasser am Hangfuß mit ein.

36 ha

Naturraum Hesselbacher Waldland (139)

Mainleite
(678.04 und 662.01)

stark ausgeprägte Maintalhänge mit aufgelassenen Weinbergen und Gehölzsukzessionen unterschiedlicher Stadien (Teilfläche im Landkreis Schweinfurt)

55 ha

Marksteinacher und Hausener Grund
(678.03)

Talauebereiche des Wollenbaches und der Steinach mit standorttypischen Gehölzsäumen und hohem Anteil Wiesennutzung. Angrenzende strukturreiche Hangbereiche mit hohen Magerrasen- und Heckenanteilen stellen ebenfalls wertvolle Gebietsteile dar.

90 ha

Tal der Wässernach
(678.16 und 674.06)

reizvolle Tallandschaft in ausgedehnten Waldungen; Laubmischwald; langgestrecktes Wiesental

1336 ha

Hausener Tal
(678.07)

Talräume des Wollenbaches und des Grundwiesenbaches mit hohem Anteil standorttypischer Wiesennutzung; anschließende Talhänge z. T. strukturreich ausgebildet mit hohem Magerrasen- und Heckenanteil; hoher Anteil mit naturnahem Mischwald

1240 ha

Zeller Grund
(678.11)

von Wiesennutzung geprägte Talaue des Zeller Baches mit angrenzenden naturnahen Hanglaubwäldern

108 ha

Üchtelhäuser Grund
(678.12)

von Wiesennutzung geprägter schmaler Talraum des Höllenbaches mit angrenzenden naturnahen Hangwaldungen

48 ha

Ellertshäuser See
(678.06)

als Bewässerungsspeicher künstlich angelegter See mit naturnaher Uferzonierung und mit umgebendem, meist naturnahem Laubmischwald; heute vorwiegend für Freizeit und Erholung genutzt mit Wochenendhaussiedlung

268 ha

Weipoltshäuser und Jeusinggrund
(678.10) 

vorwiegend als Grünland genutzte Talräume mit angrenzenden Laub- und Nadelwäldern, meist naturnaher Ausprägung

357 ha

Naturraum Steigerwaldvorland (137)

Umgebung des Alten und Neuen Sees
(678.17)

Agrarlandschaft, die als Pufferzone für das NSG Alter und Neuer See dient, um dessen Bestand zu sichern und dessen Nahfeld vor negativen Entwicklungen, wie z. B. Bebauung zu schützen

121 ha

Volkacher Mainschleife (zum Großteil Landkreis Kitzingen)
(678.15)

Umlaufschleife des Mains um die Vogelburg; Kulturlandschaft mit Wein- und Obstbau, talprägende Wiesen unterhalb Schloß Klingenberg

903 ha

Umgebung Sulzheimer Gipshügel
(678.18)

extensiv genutzte Wiesen und teils Ackerflächen, die als Pufferzone für das Naturschutzgebiet „Sulzheimer Gipshügel“ dienen, um dessen Bestand zu sichern

26 ha

Herlheimer Wiesen
(678.20)

ausgeprägte Feuchtwiesen mit Grabensystem nordöstliche von Herlheim, die ein ökologisch bedeutsames Brutgebiet für wiesenbrütende Vogelarten wie Kiebitz, Grauammer und Bekassine darstellen

69 ha



9.2.2 Geplante Landschaftsschutzgebiete

Die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten soll in der Region Main-Rhön außerhalb der Naturparke vorrangig in den vorgeschlagenen landschaftlichen Vorbehaltsgebieten vorgesehen werden. Auch in den vorgeschlagenen landschaftlichen Vorranggebieten sollen Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen werden, sofern dort nicht die Ausweisung als Naturschutzgebiet angemessen erscheint.  

Große Teile der Region im Bereich der Naturräume Hohe Rhön, Vorder- und Kuppenrhön und Südrhön sowie im Bereich der Naturräume Steigerwald, Hassberge und Itz-Baunach-Hügelland sind als Naturpark ausgewiesen. Daher kommen weitere Landschaftsschutzgebietsausweisungen nur in den verbleibenden Gebieten der Mainfränkischen Platten in Frage.

Durch die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten in den vorgeschlagenen landschaftlichen Vorranggebieten soll die Vernetzung der idealerweise als Naturschutzgebiet geschützten Kernlebensräume erreicht und gesichert werden. In den vorgeschlagenen landschaftlichen Vorbehaltsgebieten bieten sich weitere Ansatzpunkte für einen Verbund zwischen den ökologischen Schwerpunkträumen an. Diese Gebiete können vielfach in Anbetracht ihrer landschaftsästhetischen Erlebniswirksamkeit wichtige Erholungs- und Freiraumfunktionen übernehmen. Zur Sicherung und Entwicklung ihrer landschaftlichen Qualitäten und ihrer Funktionsfähigkeit im angestrebten regionalen Biotopverbundsystem sollen daher auch solche Räume als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen werden (vgl. Art. 10 BayNatSchG).

Zur Zeit bestehen in der Region Main-Rhön seitens der zuständigen Behörden keine Planungen zur Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten.

Erweiterungen bestehender Landschaftsschutzgebiete, insbesondere zur Ausweisung landkreis- und regionsübergreifender Landschaftsschutzgebiete, sollen vorrangig durchgeführt werden.  

Vor dem Hintergrund der Bemühungen zum Aufbau eines landesweiten Biotopverbunds und aus der Funktionsbestimmung von Landschaftsschutzgebieten, Landschaftsteile für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts und zur Wahrung des Landschaftsbilds und der Erholungseignung zu sichern, ergibt sich die Forderung nach möglichst großflächigen und zusammenhängenden Landschaftsschutzgebieten. Deshalb sollen Verfahren, deren Schutzzwecke sich im wesentlichen aus regionalen und überregionalen Überlegungen ergeben und die zur Erweiterung oder Neuausweisung landkreisübergreifender Schutzgebiete führen, vorrangig durchgeführt werden.


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