9.4 Grundsätze zur Sicherung und Pflege von Naturdenkmälern, Landschaftsbestandteilen und Grünbeständen


Als Naturdenkmäler sollen in der Region Main-Rhön vorrangig gesichert werden:

In den Landschaftsräumen der Hohen Rhön sowie der Vorder- und Kuppenrhön:

  • geologische Besonderheiten vulkanischen Ursprungs, z.B. naturkundlich bedeutende Basaltaufschlüsse, natürliche Basaltblockhalden, Vulkanschlote)
  • besondere Quellen (z.B. Kalktuffquellen)
  • besondere Felsbildungen
  • markante Einzelbäume und Baumgruppen
Im Landschaftsraum Südrhön:
  • geologische Besonderheiten vulkanischen Ursprungs, z.B. natürliche Basaltblockhalden)
  • naturkundlich bedeutende Aufschlüsse, z.B. im Muschelkalk oder im Basalt
  • besondere Felsbildungen
  • Muschelkalk-Steilstufen
  • Prallhänge, z.B. im Tal der Fränkischen Saale
  • markante Einzelbäume und Baumgruppen

In den Landschaftsräumen der Mainfränkischen Platten:

  • naturkundlich bedeutsame Aufschlüsse, z.B. im Muschelkalk, in Sand- und Tongruben
  • besondere Felsbildungen
  • Muschelkalk-Steilstufen
  • besondere Karstbildungen, z.B. Erdfälle
  • besondere Quellen, z.B. Mineralquellen, Gipskarstquellen
  • markante Einzelbäume und Baumgruppen

Im Landschaftsraum Fränkisches Keuper-Lias-Land:

  • naturkundlich bedeutende Aufschlüsse, z.B. im Sandstein, in Sand- und Tongruben
  • besondere Felsbildungen
  • markante Einzelbäume und Baumgruppen
 

Nach Art. 9 BayNatSchG sollen Einzelschöpfungen der Natur, deren Erhaltung wegen ihrer hervorragenden Schönheit, Eigenart oder ihrer besonderen ökologischen, wissenschaftlichen, geschichtlichen oder volks- und heimatkundlichen Bedeutung im öffentlichen Interesse liegt, als Naturdenkmale gesichert werden. In der Region Main-Rhön zählen dazu insbesondere geologisch bedeutende Einzelbildungen und Sonderformen (siehe geotopkataster bayern des Geologischen Landesamts) als markante Zeugnisse der Entstehungsgeschichte der Landschaft sowie alte oder prägende Baumgestalten, denen unter anderem als Orientierungs- und Identifikationspunkte eine hohe Bedeutung zukommt. Zu letzteren besteht nicht selten seitens der Bevölkerung eine besondere emotionale Verbundenheit, die z.T. durch Erzählungen oder historische Ereignisse, die mit den Bäumen assoziiert werden, zusätzlich unterstützt wird.

Kleinflächige, naturschutzwürdige Vorkommen und Bestände seltener Lebensräume und Arten oder visuell bereichernder Landschaftselemente sollen als Landschaftsbestandteile ausgewiesen werden und durch geeignete Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen erhalten und optimiert werden.  

Nach Art. 12 BayNatSchG können Teile von Natur und Landschaft, die nicht die Voraussetzungen zur Ausweisung von Naturdenkmälern erfüllen, aber für den Naturhaushalt, die Tier- und Pflanzenwelt oder für das landschaftliche Erscheinungsbild eine besondere Bedeutung besitzen, als Landschaftsbestandteile ausgewiesen werden. In der Regel handelt es sich dabei um schutzwürdige Biotope in einer Größenordnung von ca. 1 – 10 ha. In der Region Main-Rhön sollen auf diese Weise insbesondere die nachfolgend für die einzelnen Naturräume beispielhaft aufgeführten Lebensraumtypen. bzw. Lebensraumkomplexe, die aus einer Kombination dieser Lebensraumtypen bestehen, unter Schutz gestellt werden.

Im Naturraum Hohe Rhön (354):

  • wertvolle Pionierbiotope, z.B. in Basaltsteinbrüchen (z.T. mit Gewässern)
  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Laubwälder auf Basaltblockschutt, Feuchtwälder Schluchtwälder
  • Feuchtbiotope wie z.B. Quellmoore, Kalkflachmoore, feuchte Hochstaudenfluren
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Borstgrasrasen, Grünlandbrachen
  • Hutungen
  • Heckenkomplexe und –gebiete
  • naturnahe Bachläufe, Bachauen und Stillgewässer, z.B. Bachläufe mit Prallhängen

im Naturraum Vorder- und Kuppenrhön (353):

  • wertvolle Pionierbiotope, z.B. in Kalksteinbrüchen, Tongruben
  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Laubwälder auf Basaltblockschutt, naturnahe Buchenwälder
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Borstgrasrasen, Kalkmagerrasen, Nasswiesen, Feuchtwiesenkomplexe
  • naturnahe Bachläufe und Bachauen sowie naturnahe Stillgewässer (z.B. naturnahe Weiher mit ausgeprägten Verlandungszonen)
  • Feuchtbiotope, wie z.B. Quellgebiete, Kalkflachmoore, feuchte Hochstaudenfluren
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen, Baumreihen, Alleen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Hangwälder, Schluchtwälder, lichte Kiefernwälder auf Trockenstandorten, Kalkbuchenwälder, Eichen-Hainbuchenwälder, thermophile Wälder, Feucht- und Bruchwälder
  • Feuchtbiotope, wie z.B. Röhricht- und Großseggenbestände, Moore, feuchte Brachen, feuchte Hochstaudenfluren
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, bodensaure Magerrasen, Nasswiesen, Streuwiesen
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen, Baumreihen, Alleen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • Standorte mit Salzvegetation
  • Quellbiotope wie z.B. Kalktuffquellen, Quellmoore
  • Bach- und Flussabschnitte, Bachauen, Stillgewässer in naturnaher Ausprägung
  • wertvolle Pionierbiotope, z.B. in Steinbrüchen, an Felswänden
  • Zwergstrauchheiden
  • Hohlwege
  • Hutungen

im Naturraum Grabfeldgau (138):

  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. thermophile Wälder, Eichen-Hainbuchenwälder, Mittel- und Niederwälder, Feuchtwälder
  • Feuchtbiotope, wie z.B. Niedermoore, Seggenrieder, Schilfbestände, feuchte Hochstaudenfluren, Feuchtgebüsche
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. bodensaure Magerrasen, Wacholderheiden, Kalkmagerrasen, Halbtrockenrasen, Glatthaferwiesen, Streuwiesen
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen, Baumreihen, Alleen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • wertvolle Quellbiotope
  • Bach- und Flussabschnitte, Bachauen, Stillgewässer in naturnaher Ausprägung
  • Felsfluren und wertvolle Pionierbiotope, z.B. in Steinbrüchen,
  • Brachflächen in unterschiedlichen Sukzessionsstadien
  • Komplexlebensräume mit thermophilen Saumgesellschaften

im Naturraum Wern-Lauer-Platten (135):

  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Steppenheide-Kiefernwälder und andere thermophile Wälder, Feuchtwälder, Bruchwälder, Eichen-Hainbuchenwälder
  • Feuchtbiotope, wie z.B. feuchte Hochstaudenfluren, Röhrichtbestände, Großseggenrieder
  • Stillgewässer mit ausgeprägten Verlandungszonen
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Kalkmagerrasen,  Wacholderheiden, Nasswiesen
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Streuobstbeständen, Alleen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • wertvolle Quellbiotope
  • naturnahe Bach- und Flussläufe und deren Auen
  • Weinbergsbrachen
  • wertvolle Pionierbiotope, z.B. in Steinbrüchen,

im Naturraum Gäuplatten im Maindreieck (134):

  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Pionier-Trockenrasen, Halbtrockenrasen, thermophile Säume
  • thermophile Kalkschuttfluren, trockene Initialstadien, z.B. in Steinbrüchen
  • wertvolle gehölzbetonte Lebensräume

im Naturraum Schweinfurter Becken (136):

  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Eichen-Hainbuchenwälder, Auwälder
  • Feuchtbiotope wie z.B. Flachmoore, Großseggenrieder, feuchte Hochstaudenfluren, Feuchtgebüsche, Röhrichtbestände
  • naturnahe Altwässer und andere naturnahe Stillgewässer, z.B. mit Verlandungszonen, Schwimmblatt- und Unterwasservegetation
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Salbei-Glatthaferwiesen, Halbtrockenrasen, Sandmagerrasen, bodensaure Magerrasen, Streuwiesen, Nasswiesen
  • Sandabbaustellen mit Initialvegetation unterschiedlich trockener und nasser Standorte
  • Gräben mit hoher Lebensraumfunktion
  • wertvolle Hecken und andere gehölzbetonte Lebensräume

im Naturraum Hesselbacher Waldland (139):

  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften und Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Halbtrockenrasen, Nasswiesen, Streuwiesen, feuchte Hochstaudenfluren
  • wertvolle Quellbiotope
  • Flachmoore
  • Brachflächen in unterschiedlichen Sukzessionsstadien, z.B. ehemalige Weinberge, Streuobstflächen
  • Gräben mit hoher Lebensraumfunktion
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen, Feldgehölzen, Gewässerbegleitgehölzen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • Schafhutungen an Talhängen des Mains (Komplexlebensräume)

im Naturraum Steigerwaldvorland (137):

  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Eichen-Hainbuchenwälder, Feuchtwälder, Auwaldbestände sowie thermophile Waldrandzonen
  • Feuchtbiotope, wie z.B. Flachmoore, Großseggen- und Röhrichtbeständen, Streuwiesen(reste), Nasswiesen, Feuchtgebüsche, feuchte Hochstaudenfluren, Feuchtbrachen
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. bodensaure Magerrasen, (Halb-)Trockenrasen, Streuwiesen, thermophile Säume
  • naturnahe Bachläufe und –abschnitte sowie naturnahe Auen
  • naturnahe Stillgewässer, Altwässer
  • Sandmagerrasen auf Sanddünen
  • wertvolle Lebensräume in Abbaustellen, z.B. in alten Sandgruben, alten Gipssteinbrüchen
  • Schafhutungen an Talhängen des Mains (Komplexlebensräume)
  • Brachen in unterschiedlichen Sukzessionsstadien
  •   markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen, Baumreihen, Alleen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • Gräben mit hoher Lebensraumfunktion

im Naturraum Steigerwald (115):

  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Schluchtwälder
  •   Feuchtbiotope, wie z.B. Röhrichtbestände, feuchte Brachen, feuchte Hochstaudenfluren, Feuchtgebüsche
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten (auch in Brachestadien)
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • naturnahe Bachläufe und –abschnitte sowie naturnahe Auen

im Naturraum Haßberge (116):

  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Feucht- und Sumpfwälder, Auwälder, Schluchtwälder
  • Feuchtbiotope, wie z.B. Kalkflachmoore, Nasswiesen
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften sowie Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten (auch in Brachestadien), z.B. Wacholderheiden, Halbtrockenrasen, Magerrasen
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen, Baumreihen, Alleen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • Hohlwege
  • wertvolle Quellbiotope
  • Stillgewässer mit ausgeprägten Verlandungszonen
  • Bach- und Flussabschnitte sowie deren Bachauen in naturnaher Ausprägung
  • wertvolle Pionierbiotope, z.B. in Steinbrüchen

im Naturraum Itz-Baunach-Hügelland (117):

  • besondere Waldgesellschaften wie z.B. Mittelwälder, Feuchtwälder, thermophile Wälder
  • Feuchtbiotope, wie z.B. Seggenrieder, feuchte Hochstaudenfluren
  • extensiv genutzte Grünlandgesellschaften und Gras- und Krautfluren auf mageren, trockenen oder feuchten Standorten, z.B. Kalkmagerrasen, Halbtrockenrasen, Wacholderheiden, thermophile Säume
  • naturnahe Quellbereiche und Quellbäche
  • markante Ausprägungen bzw. gehäufte Vorkommen von Hecken, Streuobstbeständen, Baumreihen, Alleen und anderen gehölzbetonten Lebensräumen
  • Bach- und Flussabschnitte, Bachauen, Stillgewässer in naturnaher Ausprägung
  • Brachflächen in unterschiedlichen Sukzessionsstadien
  • wertvolle Pionierbiotope, z.B. in Steinbrüchen, Sandgruben, an Felswänden

Um die Landschaftsbestandteile vor negativen Beeinträchtigungen zu schützen und langfristig zu erhalten, sollen ausreichende Pufferstreifen vorgesehen werden und Pflegemaßnahmen eingeleitet werden.

Innerhalb bebauter Siedlungen sollen wertvolle Biotope und ortsbildprägende Vegetationsbestände als Grünbestände ausgewiesen und langfristig gesichert werden.  

Entsprechend den Landschaftsbestandteilen in der freien Landschaft sollen innerhalb der Siedlungen besonders wertvolle, großflächige und ortsbildprägende Vegetationsbestände durch Rechtsverordnungen besser geschützt werden. In der Region sollen deshalb insbesondere in den zentralen Orten folgende Vegetationsstrukturen vorrangig als Grünbestände gesichert werden:
  • Still und Fließgewässer mit ihren gewässerbegleitenden Gehölzstrukturen und Auwaldresten,
  • alte Industriebrachen,
  • Alleen und Baumreihen,
  • extensive Parkanlagen,
  • Obstwiesen,
  • innerörtliche naturbetonte Gehölzbestände
  • strukturreiche und historische Ortsränder.

Die Grünbestände sollen durch geeignete Pflegemaßnahmen langfristig erhalten werden.



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